Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (26.4.1891)
- Date
- 1891-04-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 philosophischen Theorien zu sprechen. Ich weiß wohl nicht sicher, ob er ״Cosmic God“ gelesen hat, aber dessen bin ich überzeugt, er liest den ״American Israelite“ und die ״Deborah*, wenn auch nicht regelmäßig, so ooch oft genug, um durch ihren erhabenen und liberalen Geist erleuchtet zu werden. Er ist ei» gründlicher Musiker und wie selten Einer berufen, über diesen Gegenstand ein gewichtiges Wort zu sprechen. Die Idee, eine Cantorenschule zu gründen, erscheint dem Artikelschreiber auch darum lächerlich, weil, wie in der Deborah gesagt wird, in jener Stadt, in welcher dieser russische Cantor fungirt, die Gemeinden allcrwärts dieses Amt abschasfen. Da befindet er sich sicherlich im Jrrthum. Die radicalste Gemeinde in New-Pork ist die Beth-El- Congregation, die ihren Gottesdienst in der Lexington-Avenue hat. Obwohl diese nun mit zwei Nabbinen versehen ist, einen für Samstag und einen für Sonntag, fand sie es, nachdem der frühere Cantor, Reverend L. Sternberger, sich im letzten Sommer ehrenvoll in Pension zurückgezogen hat, dennoch für nothwendia, einen Cantor zu engagieren, um dem Gottesdienst die Starrheit und Einförmigkeit zu benehmen. All' die angesehenen Gemeinden in New-Pork, Philadelphia. Baltimore, Cincinnati, Cleveland, New-Orleans 2c. haben neben ihren Nabbinen Männer von Würde. Fähigkeit und Ansehen, denen sie die Leitung des Gottesdienstes anvertrauen. Die ״Lene8etk-I8roe1“- Gemeinde von Philadelphia, mit Dr. Krauskopf als Rabbiner, hat unlängst erst sich selbst geehrt, indem sie den Reverend Wm. Armhold auf lebenslänglich zum Cantor erwählte und ihm gleichzeitig eine Pension von 1500 Dollars zusicherte, falls er durch Alter oder Krankheit berufsunsähig werden sollte. Folglich können solch übelangebrachte Betrachtungen nur erwartet werden vom Osten, welcher noch im Finstern tappt; der Westen, wo die Sonne untcrgeht, ist viel zu vorgeschritten und erleuchtet für solche Engherzigkeit. Obwohl die Tempel-Emauuel-Gemeiude in New-Uork aus Ehrfurcht für ihren verstorbenen Cantor, den seligen Reverend A. Rubin, bis jetzt noch keinen Nachfolger gewählt hat, so ist es dennoch über jeden Zweifel erhaben, dass eine Gemeinde, die jährlich 16000 Dollar für Nabbinen und 8000 Dollar für den Chor ausgibt, zur entsprechenden Zeit auch die Vacanz mit dem geeigneten Manne ausfüllen wird, damit derselbe die Leitung des musikalischen Theiles des Gottesdienstes übernehme und die Würde desselben erhöhe durch den heiligen Gesang, der jedem jüdischen Herzen so theucr ist. (Schluss folgt.) Zur Geschichte des Cantorutes im Mittelalter und der Neuzeit. Von Dr. M. G r ü uwal d, Rabbiner in Jungbunzlau. (5. Fortsetzung.) Wenn min Salomo deiftossi der erste Jude war, der die üblichen Noten auf die jüdische Liturgie anwandte, so war er selbstredend nicht der erste, der diese Noten überhaupt anwendete, er wollte nur der allzugroßen Freiheit im Gebrauche uichtjüdischer Melodien einen genügenden Damm entgegensetzen. Dukes in seinem Buche .Zur Kenntnis der hebräischen, religiösen Poesie« sagt: .Die Araber hatten einen bedeutenden Ueberfluß von Liedern, welche nicht des erbaulichsten Znhaltes waren und mit gewiffen Melodien im Munde des Volkes circulirten. Israel Alphasi erwähnt derartige Melodien in seinen שאל1ו7 ותשובות (Fragen und Antworten in Bezug auf halachische Materien.) Jüdische fromme Poetanim (פייטנים) mögen solche Melodien häufig singen gehört haben und können leicht auf den Gedanken gekommen sein, den profanen Melodien heilige Lieder unterzulegen, und so die arabischen Lieder aus dem Munde des Volkes zu verbannen. Dass dieses in späterer Zeit wirklich der Fall war, bezeugt R. Israel Nsgara im Vorworte zu seinem ,Semiroth Israel« (זמירות ישראל.) (Dieses Werk wurde meisterhaft edirt und mit einer hochinteressanten Einleitung versehen von unserem ehrwüdigen Collezen und Freunde, Rabbiner Dr. M. H. Friedländer in Pisek, Böhmen.) Zn diesem Vorworte sagt N-Israel Negara: .Der Mund der Lügner und derjenigen, welche Liebeslieder singen, wird verschlosien werden, wenn sie die Gedichte sehen werden für den König d es F r i e de ns.« (Wir verweisen aus unsere soeben veröffentlichte Arbeit: ,.Ueber das Verhältnis der Kirchenväter zur talmudisch-midraschischen Litteratur."*) Separat-Abruck aus Dr. Köuigsberger's Monatsblätter, Berlin 1890—91.) Diese.Gedichte für den. König des Friedens (Gott)שלמה זה הקבה שהשלום שלו die in wohlgeordneten Reihen sein Lob besingen und feine Macht preisen mit lieblichen Worte». Sie werden "gerne den Stab der Herrschaft fest halten, denn mau kann mit Gewissheit voraussetzen, dass Niemand das Erlaubte verschmähen wird, um von dem Unerlaubten Gebrauch machen; besonders wenn die Melodie 11 unverändert bleiben und sich nicht in den Schlingen fremder Sprachen verstricken. Ein anderer berühmter italienischer Grammatiker Samuel Archewolti schreibt in seinem Werke (Fol. 100 d.) ערוגת הבושם l אלא בימיו (בימי רבי יהודה הלוי) נגלו סמר טומאה להשים במדורי התפלות שירים נבנים על הגנונים ההם (על משקלי שירי חול מההמון) ויהי! השבוש הזה הולך ומתפשט עד שהמדפיסים חטאתם כסדום הגידו ועל פיוט" אשר תהלתו "שיר תודה לאלהים תנה" הזכירו לחן(5 "אין טוהר. לה טראמונטאנייה"(* * 3 ועל פיוט אחר כתבו לחן "איל באקירו די כווראיינה(4 וכדומה לאלה ובזה תכניסו פסול בקודש. .Sondern zu dessen Zeiten (nämlich zu Rabbi Jehnda Halevis s) Zeiten) wurden entdeckt die Zeichen der Unreinheit, in die Gebetordnungen Lieder einzufügen, die aufgebant waren auf der Grundlage populärer, ja oft sogar frivoler Lieder, und diese Verirrung gieng manchmal soweit, dass die Buchdrucker ihre Sünden laut und prahlerisch nach Art der Leute von Sodom verkündeten. So haben Sie zum Beispiel zu dem Biftut ״Ascher Tehiiatlio“ (von dessen Lob die Erde voll ist — für die hohen Feiertage Rosch-haschana und Jom hak-kippurim), Schir toda l’elohim t’na (Ein Danklied stimme Gott an) den Lackan ״En toda la Tramontana“, und auf einen anderen Biftnt haben Sie die Melodie (Lachan) El Bachero de Cavreina angewendet und dadurch Verbotenes und Unbrauchbares in's Heiligthnm gebracht. (Man vergleiche Näheres hierüber. von Jost in Abr. Geigec's ') Erst in den jüngsten Tagen wurden wir durch die Güte des hiesigen Obercantors, Herrn B. Singer, aus Hermann Ehrlich's ,Liturgische Zeitschrift zur Veredlung des Synagogengesangcs,' herausgegeben in Gemeinschaft mit vielen isr. Gelehrten, Schullehrern und Cantoren, Verlag der Keysmer'schen Hofbuchhandlung in Meiningen, aufmerksam gemacht. Diese Zeitschrift enthält einen Aufsatz Emanuel Hecht's, unter dem Titel: ״Der Vorsänzerdienst nach seiner.geschichtlichen Entwickelung.* Leider stehen uns nur die Seiten 11—42 zur Verfügung. 5) Heber Etymologie und Bedeutung des schwierigen Wortes לחן wurde in dieser gesch. Zeitschrift von fachmännischer Seite ausführlich gehandelt. 3) Diese 4 Worte sind sp a n i sch und lauten tranSscribirt: 8a,toda la Tramontana ״in der ganzen Gegend jenseits der Gebirge', d. h. den Pyrenäen. «) Vgl. Delitzsch's ״Poesie der Juden" S. 145. .5) Der bedeutendste Dichter des Mittelalters und׳ Verfasser des philosophischen Werkes Khüsari.