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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-04-26 · Heft 12 (26.4.1891) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (26.4.1891)
Date
1891-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisisch-ungarische Canioren - Zeitun Central-Oigan P r «11u 111 c vn li 01t s-P rci s. Kür ßanloren und ßullusöeamle in Hesterreich Ztngarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür ßanlore» und ßuttusveamte im Ausland Ganzjährig . . . . . 8 Mark - oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— für die IntereMen der HMoren mul ^ultusbeumten. Er setz eint jeden;ehntrn Tag. 53 eg n't «der: Obercantor Jacob Bauer. Kedactian . »nd Administration Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. ASounements- und Inserlions- Seträge sind in Wie» zahlSar. Nr. 12. Wien, 26. April 1891. 11. Jahrgang. LrnMirales aus Amerika. . Amerika ci scheint noch heute vielen Leuten als das Land der Glückseligkeit, und so Mancher bat in diesem Wahne feine > sichere Stellung in Europa mit. einem kümmerlichen Dasein jenseitS des Oceans eingctanscht. Es durfte darum unseren Lesern ivillkommen sein, einen Einblick zu ibun in die cantoralen Verhältnißs Amerikas, die durch die nachfolgenden Mitiheilnngen eines hervorragenden Bernssgenossen, des Reverend A. Kaiser in Baltimore, vortrefflich illustrir! werden. Wir sehen da, dass hüben wie drüben der Cantorenstand mit denselben Misslichkeiten zu kämpfen bat, dass hier wie dort die gleichen Fragen unsere Amtsgenossen bewegen. Der interessante Artikel, den wir in deutscher Ueberjetznng wiedergeben, hat folgenden Wortlaut: Vor einigen Monaten wurden die Leser des ״American Israelite“ und der ,Deborah' gelegentlich auf einen Vorfall aufmerksam gemacht, der sich in der Gemeinde Cincinnati ereignete, wo der Cantor nach zwanzigjähriger treuer Dienstleistung entlassen wurde. Durch eine solche That von sich reden zu machen, ist kleinlich und unanständig, aber aus der Thalsache, dass eine Gemeinde ihren Cantor des Amtes enthob, den Schluss zu ziehen, da!s alle Gemeinden das Gleiche thun sollten, ist geradezu widersinnig. Es ist wohl nichis Neues, derartige Reflexionen zu lesen, und gerade in letzter Zeit wurden derlei Angriffe und Verlänmdungen unseres altehrwürdigen Berufes das Steckenpferd einiger Zeitungen. Seit der berüchtigten That jener Cineinnatier Gemeinde mehrten sich diese Anwürfe häufiger als je und werden in kurzen Unterbrechungen immerfort wiederholt. Dies sieht sehr verdächtig aus. Es scheint, dass die Entlassung jenes Cantors von den Mitgliedern der Gemeinde nicht allgemein gebilligt wurde, und 11111 die Unzufriedenen zum Schweigen zu bringen, sagt man,. der Cantor ist überhaupt nicht nothwendig. Der vorliegende Artikel beabsichtigt jedoch keineswegs, die Handlung jener Gemeinde einer Kritik zu unterziehen, indem jetzs das vollste Recht hat, ihre inneren Angelegenheiten nach eigenen Gutdünken jjiV ordnen ünd zu verwalten. Wären die beiden widerstreitenden Artikel nicht gleichzeitig in der ,Deborah' und im ״American Israelite“ erschienen, so hätte der Vorfall nicht das allgemeine Interesse auf sich gelenkt. Diese Zeiten bezwecken die Inconseguenz der Herausgeber nachzuweisen, und in der That, der wahre Sachverhalt im ״American Israelite“ widerspricht den Angaben der ,Deborah.' Der Artikel in dem letzteren Blatte zollt in sehr herablaffender Weise Anerkennnng den Werken von Sulzer, Naumburg, Weintranb, Lewandowkki und Deutsch; Welsch, Kaiser und Goldstein werden gar nicht eiwähnt, wie überhaupt der Schreiber in spöttischen Worten sich lustig macht über Russen. Polen, Ungarn, Sl aven und Wallachen, die es wagen jüdische Musik zu componiren. Jedoch Weintranb und LewandowSki sind keineswegs Franzosen oder Amerikaner, sondern Vollblutpolen; der Vater des Ersteren war ein Russe, bestbekannt unter dem Namen .Kaschtan', und doch lässt sich gegen seine Musik nichts einwenden. Die größte Dummheit, meint der Artikelschreiber, ist die Idee, ein Seminar zur Heranbildung von Chasanim in New-Pork inS Leben zu rufen. Man wäre versucht zu glauben, dass der Autor ein Mitglied des preußischen Oberhauses ist und die Bewerbung tüchtiger Cantoren fürchtet. Der Gedanke, eine Cantorenschule zu gründen, sei lächerlich, weil er ausgeht von einem ruisischen Cantor. In Erwiderung dessen muß gejagt werden, dass der Man», der dis Gründung eines Seminars vorgeschlagen hat, gerade so ein russischer Cantor ist, wie Dr. Gottheil ein englischer Prediger, oder Dr. Szold und Dr. Kohnt ungarische Nabbinen, Dr. Morais ein italienischer Neligionslehrer. oder Reverend Dr. Z. M. Weiß ein böhmischer Geistlicher. Diese Herren sind alle amerikanische Nabbinen, trotzdem ihre Wiege in verschiedenen Ländern der Erde gestanden ist. Ich hatte nun das Vergnügen, die Bekanntschaft jen-s russischen Cantors zu machen. Der Artikelschreiber in der .Deborab' wird verwundert sein Haupt schütteln, aber die Thatiache ist nichts׳ dcstoweniger wahr, dass dieser rnisi'che Canior nicht nur ein gewiegter Hebräer, sondern auch mit den Elastikrn und den Werken von Göthe, Schiller, Leffing, Shakesp are, Mrlron. Dante und Cervantes sehr vertraut ist. wie er andererseits auch genügende In» telligenz besitzt, in verständiger Weise über diverschiedensten

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