Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 11 (11.4.1891)
- Date
- 1891-04-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Lffentliches zu betrachten sein dürfte, da die israelitische Cultusgemeinde Leine Concession zu demselben gegeben 'habe. Der Zeuge sprach zugleich;seine Ueberrüschung aus, dass in diesem Bethause,'wie der Angeklagte Mitgetheilt hatte, nach dem Gottesdienste eine Mahlzeit genommen Werde, da dies sowohl bei den Alten wie bei den Reformirten im Zudenthnme eine Entweihung bedeute; er habe bisher auch, noch niemals etwas dergleichen gehört. Herr Gänger wies die Abschrift eines ministeriellen^ Bescheides vor, mit welchem - die Erri chtun g dieses Bethauses bewilligt׳ -wurde, und ׳zwar in Folge' eines Necursts,/welcher gegen die vorher' .seitens der Statthalterer erfolgte Abweisung eingereicht worden war. :Staatsanwalts-Substitut Lemayer beantragte die Verürtheilung des: MugMagten, - nachdem in Zdlge'/dieser Bewilligung, -dasBethaus' als: ^eiu ösfenüiches zu betrachten- D. Deb Vdrtheidiger Dr/ Geller׳ besttrtt,: tdass die Neligjv'UsübuugeN - ül/diesetn fLvcake nüzweiselhast öffentliche : seien. Der Gerichtshof sprach Abraham Licht schuldig und verurtheilte! Ähm-rzL virrz^hn-Tagen ÄrkestS Pit-'tzMjimMgdm Fasten: . Wie milde: Eurlhcilüng'-'-dieses scandälöseü Falles/ dürch ^cN Herrn Nabbtnäts-l Ästestvt -ist ^rüs ganz ünerklarlich und -wahrhasiig Nicht geeignet, die: ׳-Achtung vor dem jüdischen Gottesdienste'in den Augen Aildersgläubigir׳- ZÜ Heben. Üiis erscheint eS vollkommen am Platze, Lass.derjenige, ׳:der : ׳einer . tzvttcSdienslliche Handlung stört, und wäre es auch׳ nur-eine-in «inem : Privathause in Anwesenheit von 10 Personen abgehälterie Äudäckt. exemplarisch bestraft werde- Die Red.) / f - - : ־ Wie». Man glaubte, dass mitder Herausgabe -des *Auliel; ־.jizchok die Schkchita völlig äbgeschldsteu sei/ -und doch belehrt rnis Die letzte Schlachthausverordnuug in Wien' gerade vom Gegeutheil. Der H.rr Dircctor der St. Marxer Negie verbet unlängst den Schächtern,' furdkkhin die Lungen blasen , zu!affen, welches Verbot, gleich dem ' Verbots der Mezizah,׳ auf dem Sanitätsgesetze beruht. Da über der Schochet seine Meinung nicht äußern darf, bevor er nicht die Lungen ' in aufgeblasenem Zustande genau untersucht hat, so bedienen sich die Wiener Schächter eines Blasebalgs, was sich sehr gut bewährt. Es sollte aber öffentlich discntjrt werden, ob Liese Aüfblaseweise kein ' ״Verstoß-gegen die traditionelle Vorschrift ist: י ( ..>.■: ■ - '׳ H5aza. Zn Ergänzung des in voriger Nummer veikffenllichtcn .׳Berichtes, sei hier die Ansprache des Herrn Dr. Lemberg er, 'als Führer der Vorstandsd<pulaticn bei Ueberreichnng einer Adrcste an -den. abtreterlden Obercauior M a u d l, uachgeholt. Sie lautete: .Gecbrter Herr Eantor. liebwerlher Freund! Zch ^mrne nur zuyi kleineren Theile für mich, zum größeren oder -eigentlich zum größten Theile für den geehrten Cultukvorstand und die Nepräsentan; unserer wackeren Gemeirche, deren Dolmetsch zu sein mir heute die ehrende- Ausgabe geworden ist. Ich werde übrigens mit gebührender Rücksicht auf die obwalteqhen Verhältniße, die mir gestellte Aufgabe in wenigen- Worten zu lösesi, mir angelegen sein lassen. Denn wie. Ihr Rücktritt׳ aus-jenen Functionen, die Sie innerhalb dreier Jahrzehnte bei uns in ne hatten, Uris Rücksicht auf Ihre Zukunft entgegengenommen wurden und wie diese Zukunft, die, Gott gebe es! die nach:menschlicher Berechnung möglichst längste sein möge, nach den -Ihnen nur zu׳- sehr bekanntest, jn einen beschränkten Wirkungskreis gebannten Umständen geregelt . und' seftgestellt worden".''ist,. muß Ihnen längst zu Ohren ' gekommen sens und bedarf somit keiirer wiederholten Erörterung und Auseina 11 dersetzuug. Wir huldigen bei der Ueberreichung dieses ProtckoKeS- .lediglich den; allberühmten Grundsätze: ,Worte verflüchtigen sich gar .bald,Geschriebenes ist für.lange,Dauer.'-'..Nehmen Sie es.in,Willigkeit und Frendigkeit hin das Docümeut 'das! wohl unbestritten ebenso׳ sehr die G'eber, wie den Empfänger ehret." llnd bin ich' nun heute׳ "der DölM'ti'ch warluer und tiefempsundeiier Gefühle, so' wünsche ich׳ rnun./auch/her Sleliz -foseker den/Allmächtigen gegenüber-zü׳.sein,״dass- .׳er . Gje Hnge,^ länge im: Genüsse des istnsterhaft Erw.orbenen: belassen wolle. -Ayten .Amen 1 1 Tiesgerühri. dankte.,Qbereantor. Mandl für die vielen.Hewrise von Anerben klungt 'welche ihm anlässlich seines Rücktrittesvon SMen' der Gen'ieiiid'e und des VörstandeS zu Theil wurden.'יי י ׳׳••'׳ Wt/etlstadl. Am 4. d/ M./ Nachts, drangen eiiiigePe'svneli-irü in ׳.de^lhiesigen neuen Friedhof' und verwüsteten die Ruhestätte׳ vom mehrHlI zwanzig.Todten; sie.warfen die Grabsteine um und zertrülumerten. viele derselben. Aus der Leichenhalle nahmen die Gräberschqnder. mehrere! Zmstfannen mit und warfen dieselben außerhalb der Friedhofsmauer^ : weg.' Die israelitische Gemeinde hat'eine Belohnung von hundert Gulden׳ zur Erüirüng der Thättzr äusgesetzt. Heute wurden dieselben thatsächlich-- .ehsdeckt. Es sind vier Knaben im Atter von 13 bis 15 Jahren, Söhne: angesehener Bürger aus Eisenstädt. Die Eltern der Burschen Habendie Erklärung abgegeben, den von diesen verursachten materiellen Schadensn-der Höhe von 400 st. zu ersetzen. f v Magpar Es durfte die Leser dieses Blattes iilteressiren,- -zy.׳׳erfahren/ welche Meinung die siebenbürgischen Glaubensbrüder vondem Schächteramte׳ haben. Unser:Vorsteher hatte das fürchterliche Unglück, :dass ihm 3 kleine Kinder in einer Woche an Diphteritisstarben. ,Dieser stark heimgesuchte Vater, .der in der ganzen Umgebung als Hyperorthodoxer gilt,; behauptete^ seine Kinder seiendas Opfer irgend eines EN in der Kehiia geworden, und nachdem er vom Worte׳ פגימה and) daß Wort מגיפה heraüscälculirte, so forderte er den Regina Althaus saß in ihrem Zimmer mit der. .Aussicht auf's Gehölz, mit einer Handarbeit beschäftigt. Durch's offene Fenster drang die würzige Luft ins Gemach, nach der TageShitze Alles erquickend. Sie ließ ihre Stickerei im Schooße ruhen, ihren Oberkörper über die Zeusterbrüstung beugend, wie um die sich vor ihr aushreitende Landschaft bester übersehen zu können. .Unten im Torfe ruht bereits die Arbeit. Das allmälig herein» brechende Abeudroth. übergießt das ganze Panorama mit einem rosigen Schleier, und am blanen Himmelsgewölbe bilden sich stellenweise Aeine -weiße Wölkchen, von den purpurnen Streifen der Dämmerung durchwirkt.. . Regina senkte träumerisch ihr Haupt, die Blicke ihrer Augen, von den laugen Wimpern umschattet, wurden schmachtend, und ein leiser Seufzer hob.ihre Brust. Sie stützte ihre Ellbogen auf's Fensterbrett, ihr Haupt aus die Handfläche lehnend, dass ihre langen Haarflechten von einem säuselnden Windhauche bewegt ihren Nacken ganz bedeckten. In diesem Hiuhrüten versunken, lässt sie die Bilder ihrer ersten Jugend vor ihrem geistigen Auge Revue passiren.— Wie sie als kleines Kind über die lachende Gefilde hüpfte, der Abgott ihrer Eltern und von ihren Gespielinnen ob ihrer ausgelassenen Laune geliebt;׳ wie sie dann zu ihrem Aerger die blühenden Fluren Verlassen musste, um recht artig im Zimmer an der Seite ihrer Gouvernante zu hocken und sich den Elementaru«te.rricht beibringen zu lasten, dann verließ sie das elterliche Dach, um in der Stadt ihre Erziehung zu vollenden. Hier im Pensionat, behagte ihr es aber nicht,, denn sie sehnte sich zurück auf's Land, und kurze Ferienaufenthalt im Elternhause ließ sie selbes während des Schulsemesters noch mehr vermisten. Endlich verließ sie das. Institut und betrat als blühende Jungftan die heimatliche Schwelle. Der ausgelastene Wildfang wich, und au dessen Stelle trat das schöne/ denkende Mädchen. Zu Hause angelaugt, konnte ihr natürlich der zunehmende Verfallder Vermögensvcrhältniße kein Geheimnis bleiben, sie sah, wie die verzweifelten Anstrengungen ihres Vaters, den hereinbrechenden Ruin zu beschwören, erfolglos blieben, und dies verlieh ihrem Wesen etwas- Schwermnthiges. Von 'ihrem Landsitze machte sie nur selten Ausflüge nach der Stadt, um ihre ehemaligen intimen Colleginnen zu besuchen/ zu denen auch Marie Gelder zählte. Hier lernte, sie auch Isidor kennen/ besten ernstes Auftreten , gleich beim Anfang auf -sie unbewusst einen Eindruck machte. In ihre ländlichen Einsamkeit zurückgekehrt, beschäftigte׳ seine Person ihr Sinnen und Trachten, so dass dieses Gefühl immer׳ tiefer Wurzel fasste. Bei ihren seltenen.Zusammenkünften suchten sich ihre Blicke, umsich dann wie verschämt, zurückzuzieheu. So entwickelte sich eine gegenseitige Neigung, und Regina,-von dieser Empfindung beherrscht, warf jetzb ihre Blicke um sich, als suchss׳ sie nach dem Gegenstände ihres Denkens. Ihr schwermüthiges Gesicht nahm eine. höhere Nuance von Rothe an, ihre Augen leuchteten feuriger, und vom Purpurschein der; untergehenden Sonne, nbergosten, schaute sie wie verklärt aus. Iw derr- Kronen dev Bäume sangen die Vögel, im Gemach wurde es dunkel/ , und Regina begab sich zu ihren -Eltern. . . - - - ׳, (Fortsetzung folgt.) ■ ־;