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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-04-11 · Heft 11 (11.4.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (11.4.1891)
Date
1891-04-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Israelit nicht geschädigt werde und eine solche Speise genießen dürfe, ohne sich Gewissensbisse machen zu müssen. Mit Recht aber müssen die Nabbinen, die mit ihrem Titel die rabbimschen Satzungen als Norm festzuhalten übernommen habe», gegen ein solches Ansinnen und gegen eine solche Zumuthung Stellung nehmen und ein energisches non possumus ausrusen. Wenn auch das Verbot, welches unter den Schülern Schammai's ünd Hillel's schon bestanden hat. nicht auf einmal allgemeine Anerkennung gesunden hat. so ist cs Loch sicher, dass dieses Verbot schon mehr als 1500 Zahre von allen Israeliten auf der ganzen Welt beobachtet wurde, und es kann darum nicht aufgehoben werden, da die Norm besteht: »Was von einem Collegium als' Verbot erklärt worden ist, nicht von einem anderen Collegium aufgehoben werden kann, wenn cs nicht größer ist an Zahl und Weisheit.* Aus Rambamunb Räbad Hilchoth Mamrim Abschnitt II, 1, 2 und 3 ist ersichtlich, ms מסע ־איסור בשר עוף בחלב keinem בית דין ausgehoben werden kann. Doch Herr Weiß mann begnügt sich nicht damit. Die jüdischen Volkslehrer sollen seiner Ansicht nach sich gegen die Tradition aussprechen. Vermöge der Tradition ist unter *גד alle erlaubten Hausthiere zu verstehen, sowie unter 1הלב אמ jede Milch eilics zahmen Hauslhieres. Herr Weißmann will aber, dass man Lies wörtlich nehme und die Tradition über Bord werfe. Zur Zeit als die Laubsdrin in Jerusalem ihren Nichtersttz aufgeschlagen hatten, würde von ihnen an einem Gelehrten, der sich zu einem solchen Vorgänge vermessen hätte, die Strafe eines Sakem mamre vollzogen worden sein.' Das gebrauchte Cität aus Nascht zu,dem 5. Buche Moses 4, 9, kann von W. nicht ernstlich gemeint sein. Raschi bemerkt zu der Aufforderung: ,Hüte Dick, dass Du nicht vergissest die Gebote^ nur alsdann werdet Zhr weise gehalten, wenn Ihr sie nicht' vergesfet und uach ihrer Nichtigkeit sie ausübet, wenn Zhr sie aber durch Vergesslichkeit ftilfchlich deutet, werdet Ihr Har Thoren gehalten werden.׳' Diese Worte können sich nur auf die traditionelle Lehre beziehen, denn in. Betreff der schriftlichen Lehre ist eine Vergesslichkeit nicht zu besorgen, da gilt das Wort unserer Weisen: »Lasset uns das Buch holen und uns überzeugen, wie das Gesetz lautet.' י Wir׳ wollen nur durch einige Beispiele dies illnstriren. Im 3. Buche Moses 23, 27 heißt ׳es: »Am zehnten Tage in diesem siebenten Monate sollet Ihr Euren Leib kasteien.' Die Tradition lehrt uns, was wir unter עגה zu verstehen haben. Wenn aber Einer darunter verstanden wissen will, sich durch Geißelbiebe zu - peinigen und zu quälen, der ist wahrlich ein Thor. Wenn weiterS ein Todtkranker eine nothwendige Arznei nicht für sich will bereiten lasten, ׳weil er fürchtet, dadurch gegen das Gebot: »Du ^sollst an diesem Tage keine Arbeit verrichten,' zu verstoßen, der ist ein Thor, da die Tradition zu der Schriftstelle 3. M. 18, 5, »Ihr sollt meine Satzungen halten,' bemerkt:״,wenn Ihr dadurch leben könnt, aber nicht, wenn Ihr befürchten müsset, dadurrch , zu sterben'. Zn gleicher Weise verhält es sich mit dem Hinweis auf den; Commentar Maimonides zu dem Abschnitte'Obsiek. Da spricht dieser große Gelehrte von einer Elaste von Menschen, welche Stellen in ber Hagada, die nur bildlich aufzufasten sind, wörtlich hinnehmen. Diese hält der Verfasser für Thoren. WaS aber die Schriftstelle betrifft 5. B: M. 4, 6: »Beobachtet und thuet sie, denn das ist Euere Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker, welche hören werden alle diese Gesetze und sprechen müßsn, u. s. n׳.' so beißt es nicht: wenn sie hören werden jedes Gesetz von diesen Gesetzen, sondern alle diese Gesetze. Die Völker werden sich kein Urtheil erlauben über jedes einzelne Gesetz; sondern über die Gesetze Gottes im Allgemeinen. Wer alle diese Gesetze ins Auge fasst, sieht ein, dass Moses lehrt, einen einzigen Gott auzuerkennen, sich fern vom Götzendienste und Aberglauben zu ,.halten/- die- Armen, zu unterstützen, an Witwen und Waisen werk- ^.thätige׳ Liebe zu üben und gleiches Recht walten zu lasten für die Fremden und Eingeborenen des Landes, überhaupt den Nächsten Eine gilt zische Erzählung von S. Horowitz. (Nachdruck verboten.) (1. Fortsetzung.) Sein ׳vis-a-vis, Madame Henriette, ist eine kleine Person von umfangreichem Embonpoint. Zhr Gesicht in Form einer vollen Monds scheibe strahlt vor Behaglichkeit, und ihre blitzenden Auge» drücken eine selige Zufriedenheit aus. Ihr kleiner fetter Körper steckr in einem mit buntfarbigen, schreienden Bändern garnirren Schlafrocke und ihr Haupt bedeckt ein in allen Regenbogenfarben schillerndes Morgen- Häubchen. Madame Henriette studirt trotz ihrer 50 Jahre die Modejouruale, und bunte, Aussehen erregende Toiletten sind ihre schwache Seite. — 3etzt schlürft sie gemüthlich ihren Kaffee, und ein überlegenes Lächeln spielt um ihre Lippen. Sie nimmt die unterbrochene Conversatioü auf und beginnt: »Moritzlebeu, siehst Du, ich habe eine Idee. Wir habe« gottlob ein recht hübsches Vermögen gesammelt, Du könntest Dich schon von Deinem Geschäfte zurückziehen und von den Renten behaglich als Capitalist leben. Wozu sich noch immer abplage», sich im ^stillen Krämer schelten lasten, wo mau als angesehener Rentier leben "kann. Glaube mir, in einem Jahr wird Niemand fragen, wer die Ahnen des Mansche Gelder waren, sondern jeder wird respectvoll fagen, das ist der Herr Moritz Golder. Du mußt mit Deiner Vers gaugenheit brechen. Deine alte Bekanntschaft aufgebeu, Dich bei wohlthätigen Vereinen als Mitglied ausnehmeu laste», ja bei günstiger Gelegenheit, d. h. wenn Du sicher bist, dass es stadtbekannt wird, auch ein paar Gulden Lu die Schanze schlagen, und Lu kannst mit der Zeit als .Vereinsvorsteher,: wer weiß, vielleicht gar als Gemeinderath gewählt werden. Siehst Du Mansche, wollte sagen Moritz, man muß ebm zu lebenwissen, :sich ,cibilisiren', d. h. so wie ich auf sein Aeußeres was geben, die Bildung ist die Hauptsache. -!! Man muß sich auch die Verwandten vom Zudenviertel vom ׳ Leibe -halten und noble Kreise aufsuchen. Vor allem ist es nothwendig/ dass unser-Isidor in eine alte, feine, wenn auch arme Familie »hinein- -heirate:' Auf diese-Weise fällt-auch auf uns ein! JmbuS (Nimbüs)/ und wir gehören daun zur feinen Welt. Siehst Du mein Mannleben, es fällt mir eben: ein, da ist der-Gutsbesitzer AlthauS, ein gelehrter Mensch von-nobler Herkunft. Seine Familie gehört zu den besten der Gegend, und seine einzige Tochter Reisel, wollte sagen Regina/ist eine wahre Seele. Sie war mit unserer Tochter zusammen in einer Pension, und unsere Marie lobte ׳ sie über alle " Maßen. Sie spricht fließend französisch, spielt Klavier wiktuoß (virtuos), und schön ist sie-wie eine ..Prinzessin. - ' ״;■״. v : i;; Das wäre für unser Kindleben eine Partie. Mit Althaus geht eS bergab, er ist, wie Du weißt, bis über die Ohren verschuldet, er wird also den Adel und-wir das Geld hergeben'. Frau Henriette hielt erschöpft inne, tief Athem holend, und׳ ihr Mann rückte verlegen auf dem Sessel: Er war von dem Redeflüsse seiner Gattin wie betäubt,״und da er wusste, dass er gegen ihren festen Willen schwerlich etwas auszurichten vermochte) erlaubte er sich nur schüchtern eine Entgegnung: »Du weißt, wie stolz die Leute sind, dass sie trotz ihrer kritischen Lage geringschätzend auf-die Emporkömmlinge ׳herabschauen,' und' so׳ wage ich ״es nicht zu ihnen emporzusteigen, auf

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