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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-04-01 · Heft 10 (1.4.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 10 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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'zu einem ,geflügelten'SSBorte* geworden, das im Munde der ° ׳Eltern und Lehrer zürn wirksamen Mahnworte sich gestattete. Die Umwandlung in ״Samer“ deucht mir zum mindesten unnöthig, ganz abgesehen davon, dass ein 9k. Akiba sich wohl kaum der Tautologie in einer Imperativform bediente. Dass der Gesang als Sinnbild des vollständigen wissenschaftlichen Erfassens galt, beweist die Stelle in Sabbath 106 b :גמרא גמור זמורתא תהא wenn man eine Tradition gelernt hat, so muh es ein Gesang sein, d. h. sie mit{,׳ so geläufig sein, als daß oft gesungene Lied. Bemerkenswerth ist auch der Ansspruch des 9(. Levi im Midrasch Schir zu 4, 11: wer die Thora liest -mit Verständnis und vorgeschriebener Betonung (׳(ובניגונו auf den ist anwendbar: Honig und Milch unter deiner Zunge. Graz, 25. März 1891. Dr. S. Mühsam. Kleine Chronik. Wien. Die *91ene freie Presse' veröffentlichte vorige Woche -nachfolgende Corresponden; aus Lemberg: .Die von der Statthalterei einberufene Enquete zur Feststellung eines Musterstatuts für die jüdischen -Cultusgemeinden hat heute ihre Verhandlungen zum Abschlüsse gebracht. Die Enqnöte acceptirte im Großen und Ganzen den von den Repräsentauten des Lemberger Cnltnsvorstandes vorgelegten Entwurf eines Musterstatuts und verwarf die Vorschläge der orthodoxen Judenschast, deren'Wortführer der Drohobyczer Rabbiner Schrkiber war. Es wurde auch mittelst Okesolution dem Unterrichtsminister uahegelegt, Schritte zur Errichtung eines jüdischen Rabbiner-Seminars in Galizien zu thun, ׳hamit die Nabbinats-Cauditaten in die Lage kommen, den vom Gesetze hinsichtlich der Onälifieation bestimmten Ersordernißen gerecht zu werden.' Die in dieser Corresponden; geschilderten Verhältniße scheinen nun nicht ganz der Wirklichkeit zu entsprechen, denn sie hatte zwei Berichtigungen zur Felge. Die erste vom Drohobyczer Cultusvorsteher Alexander Schorr mit folgendem Wortlaut: ״Herr Nedacteurl Ein im Morgenblatte der .Neuen freien Presse' aus Lemberg vom 19. März veröffentlichtes Original-Telegramm berichtet, dass der von dem Lemberger -Eultnsvorstande der dortigen Enquete vorgelegte Entwurf eines Mniter< statuts sür die Cultusgemeinden von der orthodoxen Zudenschaft bekämpft wird, deren Wortführer — wie dieser Drahtbericht weiter hinzufügt — der Drohobyczer Rabbiner Schreiber ist. Als Mitglied des Drohobyczer Cnltnsvorstandes ersuche ich Sie. geehrter Herr Rdactenv zw berichtigen dass der in Drohabyc; wohnhafte Privatier Schreiber weder Drohobyezer Rabbiner, noch überhaupt Rabbiner ist'. Auch der erwähnte Herr Schreiber sah sich zu einer Nichtigstellung veranlasst, die ein weiteres Licht über die in der Statthalterei gepflogenen Verhandlung: wirft: »Herr Nedaeteur! Das Morgenblatt der ,Neuen freien Presse* vom 20. d. M. enthält eine Corresponden; aus Lemberg vom 19. Mär;^ in welcher über das 9kesnltat der von der Statthalterei für den 16. d. M. nach Lemberg einberufenen Enquete behufs Feststellung eines Musterstatuts für die jüdischen Cultusgemeinden berichtet wird. In diesem Berichte wird unter Anderem auch Folgendes gesagt: ,Die Enquete aeceptirte im Ganzen und Großen den von den Repräsentanten deS Lemberger Cnltnsvorstandes vorgelegten Entwurf eines Musterstatuts und verwarf die Vorschläge der orthodoxen Zudenschaft, deren Wort-- sichrer der Drohobyczer Rabbiner Schreiber war.' Um Mißverständniße hintanzuhalten, erlaube ich mir den Sachverhalt dahin richtigzuftelkeir, dass es wohl war ist, dass ich in meiner Eigenschaft als Präsident des jüdisch-orthodoxen Vereines Machsike Hadas, dessen Aufgabe es ist, die religiösen Interessen der orthodoxen Inden Galiziens wahrzunehmen und zu vertreten, ein Musterstatut für die jüdischen Cultusgemeinden Galiziens dem Ministerium für Cnltns und Unterricht vorlegte, welches auch, wie mir mitgetheilt wurde, der Engnöte zur- Einsicht vorlag; es wurde mir aber leider die Möglichkeit nicht geboten, für diesen Entwurf eiuzutreten, da ich zur Enquete keine Einladung erhielt, und konnte ich daher auch nicht der ,Wortführer der orthodoxen Zudenschaft' sein. Ob meine Theiluahme an den Berathnngen der Enguötefür beregtes Statut von Erfolg gewesen wäre, muß ich i» Berücksichtigung des Umstandes, dass die orthodoxen Mitglieder derselben eine kleine Minorität bildeten, dahingestellt sein lassen. Schließlich will ich noch bemerken, dass wenn ich auch ein Diplom über meine theologischen Onalisicationen zum Rabbiner besitze, ich thatsächlich einen solchen Posten weder in Drohobycz «roch irgend anderSwo bekleide. Hochachtungsvoll Zgna; L. Schreiber.' Wie». Der Universitätsprofessor derTheologie nndKonsistorialralh Dr. Zosef Schöpf in Salzburg hat an den Wiener Gemeinderath Dr. Alfred Stern ein ausführliches Schreiben gerichtet, welche» ein vernichtendes Urtheil über den Antisemitismus enthält. In diesem Briefe, welchen die ,Leopoldstädter Zeitung' veröffentlicht, sagt Doktor Schöpf u. A.: ,Ja. wirklich schweres Leid ist über Ihre Glaubensgenossen ge» kommeni Gemeiner Neid, Rohheit und Niedertracht verbittern Ihnen Durch ein hallenartiges Vorgemach gelangt man in ein geränmigeS Zimmer, dessen Mobilar ebenfalls vom 'Zahne der Zeit angegriffen ist. Allenthalben wird man ^an vergangene Größe wehmüthig erinnert, UNI desto peinlicher die düstere Gegenwart zu empsiilden. Am Plafond hängt ein großmächtiger Krystallleuchter, der mit seinen Kerzenstrahlen viele Lustbarkeiten beschienen haben mag. In einem Schranke von colossalen Dimensionen mit Glasthüren, der früher zur Paradeausstellung der Familienkleinodien und des schweren Silbergeschirres diente, schimmern im Scheine zweier Talgkerzen wie verschämt die Perlen-,Stirnbinde' der Hausfrau und ein Paar winziger Silberleuchter. ׳ Am oberen Ende des Tisches sitzt in feinem Lehnsessel Reb Feiwel Althaus, eine hohe Gestalt von strengen und impoiiirenden Gesichtszügen. Eine schwarze .Jubica' umwallt feine Glieder, ein Sammetkäppchen bedeckt sein graumelirtes Haupthaar, indess sein langer noch glänzend schwarzer Bart sein Gesichtsoval umrahmt. Um feine Lippen zuckt es jetzt wie convulsivisch, . seine noch feurigen Augen wetterleuchten und seine hohe gewölbte Stirn zieht sich kraus zuffammen, wie das sich ballende Gewölk vor einem Sturme. Ihm zur Rechten befindet sich seine Ehehälfte, Frau Keile. Ihr gerunzeltes Gesicht, welches einst sehr schön gewesen sein muß, drückt tiefen Kummer aus, und wie sie jetzt mit der Handstäche über die Augen fährt, möchte mau schwören, dass sie verstohlen eine Zähre wegwischt. Ans dem Tische liegen die Ueberreste eines überaus frugalen Nachtmahles, und R. Feiwel seinen Hut aufsetzend, verrichtet chas Tischgebet. Durch daS offene Fenster dringt die würzige Abendinst inS Gemach, im Grase zirpt eine Grille, und im Nebenzimmer ertönen wie leise klagend die Accorde eines Klaviers. Wie das Stöhnen und Seufzen einer gepresste» Brnst entringen sich die Laute den Tasten, daun folgt eine flüsternde Melodie wie das Lispeln des Laubes, dieselbe geht iu brausende Klänge wie das Tosen des Sturmes über, bis ruhige, ' feierliche Töne, wie das Plätschern eines Regens, das Gemach durchzittern. Gleich beim ersten Mnsiklaut hatte daS Ehepaar seine Sitze ver* lassen, sich der׳ offenen, ins Nebengemach führenden Thür nähernd» Unter der Macht dieser Zanberkläuge glätteten sich die düsteren Züge N. Feiwels. Sein blitzendes Auge nahm einen warmen, sym» pathifchen Ausdruck au, und die Runzeln seiner Stirne wichen mit Wolken vor den Sonnenstrahlen. Frau Keiles Gesicht wurde beinahe heiter und ihr kummervolles Wesen machte einer momentaucn Glück״ seligkeit Platz. Als die letzten Accorde leise vibrirend auf' den Fittigen. der Abeudluft davonhüpften, erhob sich die junge holde Spielende vom Sessel und eilte in die Arme der Mutter. Ihre schwarzen Augen strahlten wie begeistert, die rothen schwellenden Lippen bewegten sich wie nach dem Rhythmus einer Melodie, und sich das üppige, kastanien» braune Haar aus der Stirne streichend, blickte sie zu ihrem Vater ecnpor. Er zog seine Regina gerührt an die Brust, einen zärtlichen Kuss auf ihre Stirn drückend. Am Himmelszelt flimmerte« die Sterne, in ven Wipfeln der Bäume rauschte es geheimnisvoll und der Mond warf seine Silberftreifeu auf daS verschlungene Dreiblatt.

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