Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (21.3.1891)
- Date
- 1891-03-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— — muß dem Schüler Gelegenheit zu religiöser Erbauung geboten werden, er muß wissen, dass zur würdigen Feier des Sabbaths ein gemeinsames Gebet an heiliger Stätte gehört, und er muß . daran gewöhnt werden, seine Zeiteintheilung für den Sonnabend so einzurichten, dass ein Stündleiu für Andachtszwecke übrig bleibt. Die Abhaltung von Zugendzottesdiensten nach zwei- oder mchrwöcheutlichen Zwischenräumen ist nur eine halbe Maßregel, die an allen Fehlern der Halbheit leidet; erst die allsabbathliche Wiederholung macht sie zu einer wirksamen Institution, erst hierdurch wird eL möglich, echte Sabbathweihe über die Gemüther der jüdischen Schüler zu breiten. Auch der Umstand ist wohl zu berücksichtigen, dass diejenigen Schüler, die an einem Sabbath durch Unwohlsein oder durch irgend eine andere Verhinderung gurückgehalten an dem Gottesdienste nicht theilnehmen können, bei der erst nach vierzehn Tagen oder gar nach vier Wochen wiedcrkehrenden Zugcndandacht eine gewaltig lange Karrenzzeit durchzumachcn haben, bis ihnen wieder einmal aus dem Quell der Religion gespendet wird. Darum — wir wiederholen es noch einmal — muß der Zngendgotteßdienst an jedem Sabbath statistnden und darf nur während der Schulferien ausgesetzt werden, in welchen die Schüler den allgemeinen Gottesdienst -besuchen können. Auch über die Form der Zngendgottesdienste und die dabei zu beobachtende Liturgie sind einige Bemerkungen wohl am Platze; es ist nicht gerade erforderlich, dass die Form überall die gleiche ist, aber eine Uebereinstimmung in der Hauptsache möchte doch wohl geboten erscheinen. Wenn der Zuzendgottesdienst am Sabbath-Nachmittag abgehalten wird, so soll der eigentliche Kern desselben aus dem Minchagebet bestehen, das mit Rücksicht darauf, dass die Schüler sich an dem Morgengottcsdienst nicht betheiligt haben, ein wenig erweitert werden kann. So ist es zu empfehlen, dass das Ein- und Ausbeben der Thora in feierlicher Weise wie am Morgen geschehe MltNezitirung des,jSchema Israel“ 1mb״Ecl1a<IE1011enu“• Die Vorlesung des für den Sabbath bestimmten ProphetcnabschnittS in deutscher Sprache ohne die Vor- und Nachbenediklionen. Die Rückkehr. Von M. Tintuer, Cautor und Lehrer, Bunzlau, Preuß.-Schlesien. (Fortsetzung und Schluss.) (Nachdruck verboten.) ,Zu spät!' murmelte er, ,zu spät! Verzeihe mein armer Vater, ich büße mehr als ich eckrageu kann י Was soll ans mir, aus Sara werden?' Und wieder sank er zusammen. Der Mond zog durch die Wolken, stiller wurde es ringsumher, der Reif benetzte das Gras, und es schien, als ob Gestalten zwischen den Marksteinen des Lebens und des Todes huschten, um das Paar zu belauschen. Keine Thräue, keines Lautes fähig, betrachtete Sara den Geführten, für dessen Liebe sie sich geopfert, ihre Eltern verlassen, ihren Ruf dahingegebeu hatte — und Karl jetzt — — wie von Furien gepeinigt, sich selbst ein Grab höhlen möchte, um die Ruhe seines GewisienS zu erlangen. Sie hatte grausame Tage verlebt und war doch so glücklich an seiner Seite. ,Mein Gott!' rief sie endlich aus; sie versuchte Karl aufzurichten, doch mit halber Stimme sprach er: ,Lass mich nur noch einige Minuten — ich höre die Trostesworte, Worte der Vergeltung meines verklärten Vaters. — ,Sara', ries er aus, sich langsam aufrichtend, ,es ist genug mit meiner Pein. Mein Vater hat mir verziehen, wenn auch die Wunde meines Herzens noch lauge nicht vernarben wird. Nun will ich mein Versprechen zur That werden lassen!' Die Bäume und Grabsteine warfen lauge, finstere Schalten. ׳ Reiftropseu glänzteu aus der Erde, Sterne am Himmel. Nur in der oder wenn der betreffende Abschnitt feines Inhalts wegen siH zum Vortrag für Schüler nicht eignet, die Vorlesung eines andern, besonderßanszuwählcnden prophetischen Stücks oder eines Psalms, sollte nicht unterbleiben, denn der Eindruck, den die erhabenen prophetischen Reden oder die Psalmen namentlich aus das Ge״ mülh der reiferen Schüler hervorbringeu, wird stets ein mächtiger und anregender sein. An den dem Neumond vvrangebenden Sabbathcn ist die Liturgie der Neumond-Verkündigung einzufügen. Es ist nicht zu befürchten, dass der Schüler dadurch zu der irrigen Meinung verleitet werden könnte, die Nenmondverkundigung gehöre überhaupt in den Sabbalbnachrnittagsgottesdienst und nicht in die Morgenandacht, denn ein soscher Zrrtbnm würde sich durch den Besuch der Synagoge in der Ferienzeit von selbst korrigicen, und andererseits wird zugegeben werden müssen, dass die Einsegnung des Neumondes ein erbebender, feierlicher Akt ist, der dem Schüler nicht vorenthalten bleiben darf. Auch die Nezitiruug der Hallelpsalmen au den aus einen Neumond, auf ein Halbsest salleudeu Sabbatheu wäre sehr er. wünscht; nur wird sie sich bei der dem Zugeudgottesdieust zu^ znmcssencn kurzen Zeit, die nur etwa Dreiviertelstunden dauern soll, nicht gut ermöglichen lassen. Denn eine zu lauge Ausdehnung des Gottesdienstes ist aus theoretischen und praktischen Gründen, nicht zu empfehlen, und eine religiöse Ansprache seitens des Rabbiners oder Neligionslehrers darf bei demselben ans keinen Fall fehlen. Die gottesdienstlichen Gesänge sind von Schülern selbst, wenn möglich ohne Mithilfe des eigenllichcu Synagogenchors auszuführcn; durch die thätige Mitwirkung wird ihr Jnterresse an dem Gottesdienst gesteigert, ihre Kenntnis der Liturgie vermehrt und einer Störung der Ruhe und Andacht am wirksamsten vorgebeugt. Es braucht ja kein Kunstgesang zu sein, der im Jugend- ‘ gottesdienst angestimmt wird, einstimmige Gesänge mit Orgelbegleituug verdienen den Vorzug. Wo keine Orgel vorhanden' ist, wird cs nöthig sein, dass eine Anzahl stimmbegabtcr Schüler die Führung übernimmt, und die Herren Cantoren werden sicher» lich sich bereitwillig der Müde unterziehen, die erforderlichen An Ferne klang ein trauriger und dennoch anheimelnder Gesang. In seiner Phantasie sah er die Dahingeschiedeneu, in deren Mitte sein Vater vorbetete. Da eilte er zum Häuschen des Todtengräbers, welches an der Seite des Gottesackers stand. Er blickte turch's Fenster, da stand der alte Mann ״Schemono Esreh“, seine Frau, den Tisch deckend. Der ,Hekdischmann' recüierte noch einige Schlußpsalmen, gieug ans Waschbecken, um sich die Hände zu waschen, und wieder lispelte er das vorgeschriebene Gebet, und freudig bewegt setzte er sich an den Tisch, um sein frugales Mal zu verzehren. — .Wie glücklich bist Du armer Manu, der Du schon so oft dem Tode gleichgültig ins Antlitz schautest, der Du schon so viel Leid gesehen und ausharrst, bis mau Dir eine Ruhestätte bereitet, und doch bist Du ein gutes, treues jüdisches Herz, ein Glied in der Kette, ein Bruder in Israel!' Karl klopfte ans Fenster! ,Wer ist da!' fragte im Fisteltone der Hekdischmann. ,Oeffnet nur die Thür!' ,Aber wer ist da?' - .Oeffnet nur, es soll Euch nicht gereuen!״ ,Wer ist eS also?' frug er, als er die Thür vorsichtig öffnete., ,Was wünschen Sie hier so spät, -mein Herr? Was wünschen Sie von mir?' — ,Nichts Böses guter Mann, kommt mit mir, Ihr sollt mein Zeuge sein!' .,Wozu soll ich Zeuge sein?' ,Das werdet Ihr sehen und hören, doch müsst Ihr schweigen!*