Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (21.3.1891)
- Date
- 1891-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 linb übereinstimmende Eigenschaften des Gemüthes und Charakters ausgezeichnet, ihm treu und hilfreich zur Seite stand, gestaltete sich sein Familien- und Berufsleben zu einem musterhaft harmonischen, in welchem es unserem Freunde gelang, durch rastloses Vorwärtsstreben in allen Zweigen des Cultusamtes seine angeborenen Kräfte und Talente frei entwickeln und vollenden zu können, nm sein Ziel voll uni) ganz zu erreichen, ein Muster und Vorbild für den Cantorenstand der Neuzeit, ein würdiger und in sich vollendeter Neprälentant desselben zu werden. Und das' ist er hier geworden im besten und edelsten Sinne des Wortes. Davon zeugt die ausgedehnte Grenze -seines Schaffcnsgebietes, wie jeder Berufsgenosse weiß. Davon zeugt die allgemeine Liebe und Verehrung, die ihm von seiner Gemeinde in Buuzlau, in welcher er seit 16 Zadren ordnend und schaffend, nrustergiltig und mustergcbend wirkt, freudig entgegengebracht wird. Davon zeugt endlich auch die hohe Achtung und Anerkennung, die ihm von der ganzen Stadt, in der er jetzt längst heimisch geworden, zollt, und welche ihm mit dem Ehrenamte eines städtischen Waisenrathes bekleidet hat. So sind unserem verehrten Jubilare jetzt 25 Jahre ׳reichen Schaffens und gesegneter Erfolge seiner vielseitigen Amtswirksamkeit dahin gegangen, von welchen er, wie erwähnt, 16 Jahre ununterbrochen in Buuzlau, die vorangegangenen in anderen «amhasten Gemeinden, so in Zulz in Oberschlesien u. (!?verbrachte. Gleich anerkennens- und dankenswerth ist sein humanitäres und Lerufsfreudiges Wirken auch darin, dass Herr Lintner sich wiederholentlich hilfsbedürftiger Jünglinge und Männer liebevoll an- - genommen, sie!hatkräftig unterstützt und zu brauchbaren Cantoren ausgebildet hat, ohne einen Dank ihrerseits zu ernten. Da mit dem vorbemerkten Tintner-Jubiläum auch zugleich das 25jährige Ehejubiläum desselben verbunden ist, so ziemt es sich wohl, unsere Darstellung mit einer kurzen Schilderung seines Familienstandes zu verbinden. Sechs hoffnungsvolle, vielversprechende Sprößlinge zieren den schönen Familienkranz dieses Hauses, vier Töchter und zwei Söhne. Von Letzteren ist der eine Zögling des Berliner Lehrer-Seminars und ein angehender Virtuos sowohl im Violinals im Clavierspiel, auch durch vorzügliche Stimmmittel und in jiber anderen Beziehung ausgezeichnet begabt, so^dass er zu Len-schönsten Hoffnungen berechtigt und eine Zierde unseres Standes zu werden verspricht. Der andere Sohn widmete sich dem kaufmännischen Berufe. Auch bei den wohlgebildeten und anmuthigcn Töchtern ist das musikalische und künstlerische Talent sichtbar. Die älteste Tochter des Jubilars ist eine gute Concertsängerin, während die übrigen, jüngeren Töchter nicht minder musikverständig und gesangnbend sich zeigen. So haben wir ein schönes, wohlthuendes Bild des amtlichen, gesellschaftlichen und Familienlebens eines unserer ehrenwertheften und würdigsten College!! aufgerollt, das nach jeder Richtung hin unsere vollste Achtung und Sympathie verdient, und es bleibt uns nur zu wünschen: באלה ירבה בישראל O, möchte doch solch' ein schönes und herzerfreuendes Lebensbild zahlreich in unseren Beamtenkreiscn anzutreffen sein! Möge das Jubelfest unserem verehrten Freunde Tinlner und seinem ganzen Hause zu ungetrübten! und bleibendem Segen, zur Freude und zum Glücke erschienen sein: Dass, wie heut' im Silberglanze, Ihm und seinem Hause hold Strahle einst im Festeskranze Freudenreich der Ehren— Goldl N. Kr brr Jugrndgottrsdirnftr. ׳ - Von Rabbiner Dr. V o g e l ft e i n.*) Als eines der wesentlichsten Mittel zur Hebung des religi'öfkn SinneS und zur Erhöhung der Thciluahme an den Interessen des Judenlhums hat man seit längerer Zeit die Festsetzung von besonderen Jugendgottesdiensten erkannt. Denn der Religionsunterricht allein, wenn ihm auch unter allen Einrichtungen und Veranstaltungen der Synagogengemeindeu der Vorrang gebührt, vermag die Wcibe des Gemütbes nur in unvollkommener Weife herbeiznführen und kann das Verlangen der Seele nach ernster Sammlung nimmermehr voll befriedigen. Wobl wird ein guter NcligionSlebrer, der sich seiner Aufgabe mit Liebe und Hingabe, sowie mir Sachkenutnis und pädagogischer Geschicklichkeit widmet, sich nicht damit begnügen, den Geist seiner Schüler zu bilden und iblien möglichst umfassende Kenntniße von dem Lehrinhalt der Religion und den wichtigsten Momenten der Neligionsgeschichte zu verschaffen, sondern er wird vor Allem bestrebt sein, ihre Herzen zu erwärmen und sie für die Sendung Israels zu begeistern. Aber der beste Religionsunterricht bringt doch nicht einen so mächtigen und weihevollen Eindruck auf das empfängliche Gemüth des Kindes hervor, wie ein würdiger Gottesdienst. Von solchen Erwägungen geleitet, hat darum die Nabbinerversammlung zu Berlin im Jahre 1884 die Einrichtung von Jugendgottesdiensten angelegentlichst empfohlen,**) und die Anregung ist glücklicherweise nicht unbeachtet geblieben, hat vielmehr äußerst segensreich gewirkt. Ueber die Form der Jugendgottesdienste konnten in den Versammlungen nur Winke und allgemeine Andeutungen gegeben werden, da noch zu wenig praktische Erfahrungen auf diesem Gebiete Vorlagen, welche nolhwendig abgewartet werden mussten, um zu einem fachgemäßen Urtheiie zu befähigen. Nunmehr aber dürfte es wohl an der Zeit fein, die inzwischen gesammelten Erfahrungen zu verwerthen nnd der allgemeinen Prüfung und Beachtung die Vorschläge zu unterbreiten, welche geeignet erscheinen, den Gottesdienst möglichst nutzbringend und anregend für das jugendliche Gemüth zu gestalten: Was zunächst den Ort betrifft, an welchem die Jugendandachten stattfinden sollen, so ist aus den Eingangs erwähnten Gründen nur die Synagoge zu empfehlen, selbst da, wo im Schulhause ein besonderer Betsaal oder eine Aula vorhanden ist. Das Bewusstein, an demselben Orte zum Gebet versammelt zu sein, an welchem auch die Erwachsenen ihre Andacht zn verrichten pflegrn» erhöht in den Augen der Jugend den Reiz des Gottesdienstes und befreit sie von dem lästigen Gefühle, unter de»u Schulzwange und der Schuldisziplin zu stehen. Nur in deu Gemeinden, deren Synagoge nicht heizbar ist, dürfte es aus Gesttndheitsrücksichten gerathen sein, während der Wintermonate ein geräumiges Schulzimmer für den Schülergottesdienst zu bestimmen. Nicht so einfach wie die Localfrage erledigt sich die Zeitfrage, da hier die Verschiedenheit der örtlichen Verhältniße mit-- berücksichtigt werden muß. Ich gebe unbedingt dem Sabbath- Nachmittag den Vorzug. Keinesfalls darf aber die Einrichtung des Jugendgottesdienstes unterbleiben, wenn sie sich am Sabbach nicht durchführen lässt; denn das Bedürfnis der Schüler nach religiöser Erbauung, das sonst mehrere Monate hindurch gänzlich unbefriedigt bleiben würde, muß jedes entgegenstehende Bedenken zum Schweigen bringen. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die regelmäßige Wieder» kehr der Jugendandachten. Au jedem nicht schulfreien Sabbach *) S. »Allg. Zeit, des Judenth.' -**) Es sei hier bemerkt, dass in Wien schon zwei Jahrzehnte vorher derlei Gottesdienste veranstaltet wurden. (D. Red.)