Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1891)
- Date
- 1891-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7״ Thätigksit Dank und Anerkennung ausgesprochen. Der Verein zahlt 230 Mitglieder und hat ein Vermögen von circa 10.000 fl. Kostet. Unser Cantor Herr Emanuel Blau, der sich in unserer Gemeinde wegen seiner schönen Stimme und seines guten Vortrages großer Beliebtheit erfreut, hatte 'das Unglück, von einem bösartigen Geschwüre am Ellbogengelenke beimgesucht zu werden, welche» solche Dimensionen annahm, dass sowohl dessen Hand, sa selbst das Leben bedroht war, so dass s in Zustand allgemeine Theilnahme erregte. Nun gelang es den Bemühungen des Herrn Professor Albert in Wien, durch eine Operation die Gefahr glücklich abzuwenden, und ans Dank- Barfett für die günstige Wendung spendete Herr Blau in Gegenwart des Vorstandes einen Betrag von 100 fl. znr Anschaffung eines neuen .Tempelvorhanges und 50 fl. für humanitäre Zwecke. Kolomea, 5. März. Dr. Bloch wurde in Kolomea-Buczacz-Sniatyn mit 2128 Stimmen wiedergewählt. Graf Starzynsky erhielt 1778 und MeiselS 97 Stimmen. Die Wahlen in Bnczac; und Suiatyn verliefen ganz ruhig, hingegen hat die Wahl in Kolomea furchtbare Scenen gebracht. Die Bauern, die für den Grafen Starczynsky waren, durchzogen die Straßen und mishandelten die jüdischen Wähler. Alle -Geschäfte wurden gesperrt, mehrere Verwundungen kamen vor. Ein Jude wurde erstochen. Der jüdische Friedhof wurde demolirt. Kolomea, 8. März. Die Stadt und Umgebung sind fortgesetzt den Gewaltthätigkeiten der rohen Massen preisgegeben; die Bevölkerung an Leben und Vermögen bedroht. In Sloboda wurden die Wohnungen der Juden geplündert, viele von ihnen schwer verwundet und drei ׳Personen getödtet. Es wurde bereits höheren Ortes um schleunige Verstärkung der militärischen Besatzung telegraphirt und die Behörden um energisches Einschreiten angegangen. Snialy», 8. März. Ministerpräsident Graf Taaffe wurde telegraphisch um Entsendung von Truppen und Verhängung des Standrechtes ersucht, da die Gefahr auf der höchsten Stufe angelangt ist. Nasche Hilfe allein kann weiteren Verheerungen Vorbeugen. cLemöerg, 9. März. Unter dem Eindrücke der Aurregnng ans Anlass der letzten Wahl wird noch immer über die angeblich gefahrdrohende Situation in Kolomea und Sniatyn berichtet. Diese Berichte find aber mehr auf die Furcht vor bevorstehenden Ausschreitungen des Pöbels, als auf Thatsachen znrückzuführen. In beiden Städten ist es nur zu ganz geringfügigen Excessen gekommen, wiewohl da» GroS der Bevölkerung in Folge des verhetzenden Treiben» gewissenloser Agitatoren in Angst und Schrecken lebt. Gegenwärtig herrscht dort vollkommene -Ruhe. Tie Lemberger Amtszeitung bezeichnet die Nachricht, dass die Juden zwei christliche Bewohner in Kolomea getödtet hätten, als falsch und dementirt auch die übrigen Meldungen über Tumulte in der bezeichneten Stadt. Dagegen hatten, wie ihr Correspondent erfährr, die Excesse in Sloboda-Rungurska einen ziemlich ernsten Charakter. Die Grubenarbeiter über sielen die Häuser der Inden und plünderten. 27 Excedenten wurden verhaftet. Von den angegriffenen Inden ist heute einer den Wunden erlegen. Alldapest. Jüngst wurde von den Blättern gemeldet, dass bei einer Wohlthätigkeits-Norftellung in der königl. Oper, welche Se. Majestät der Kaiser mit seinem Besuche beehrte, eine Jncvrreekheit vorfiel, in Folge deren Se. Majestät das Haus verließ. Die näheren Details gelangen jetzt in die Oesfentlichkcit und geben neuerlich einen eclatanten Beweis, wie unser erlauchter Monarch jede Form des Anti» semitismus verabscheut. In dem Programm der erwähnten Vorstellung befand sich unter Anderem eine Operette ,Die lustigen Kameraden', welche von Ausfällen gegen die Inden strotzt. Als nun der Refrain eines Couplets .Ehrlich und Jud', da» hat man noch nie gehört', gesungen wurde, erhob sich Se. Majestät ostentativ und verließ da» Theater. Die Schuld an dieser seandalösen Tactlosigkeit trifft zunächst die Veranstalter der Vorstellung, um deren Zustandekommen übrigens auch viele Inden sich verdient machten, welche natürlich nicht ahnten, dass ihre Neligloirsgenossen von der Bühne herab insultiert werden würden. Graf Geza Zichy, der neue Intendant der Oper, entschuldigte den Vorfall damit, dass das Programm bereits im December v. I. festgesteflt wurde, er selbst aber sein Amt erst vor einigen Wochen angetreten und ,zu spät' erfahren habe, dass jene Operette gegeben werde. Man fragt sich erstaunt, ob es denn auch dazu ,zu spät' war. die Operette vom Programm wieder abzusetzen? Selbstverständlich erregt das Vorkommnis peinlichstes Aussehen, und auch in nichtjüdischen Kreisen ' wird das stillschweigende, aber darum nicht minder beredte Verbiet. das Se. Majestät darüber durch das Verlassen der Vorstellung -gefällt hat, mit freudiger Genugthunng begrüßt. Wreskau, den 3. März 1891. Im Jänner feierte der Synagogen» Gesang-Verein zu Leipzig unter der bewährten Leitung deS Herrn Musikdirectors S. Jadassohn sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Bei dieser Gelegenheit ernannte derselbe Herrn Obercantor Deutsch zu Breslau in Folge seiner großen Verdienste um den Synagogeu-Gesang zu seinem Ehrenmitgliede unter Uebersendung eines künstlerisch anszesührten Ehrendiploms. Areße». Das hiesige Großherzogliche Kreisamt hat folgendes Schreiben an die Bürgermeistereien deS KrciseS gerichtet: .Antisemitische Agitatoren bemühen sich in neuerer Z it, die Landbevölkerung des Kreise» zum Anschlüsse an den ״Mitteldentschen Bauernverein' zu bewegen» welcher die Agitation gegen die Inden auf seine Fahne geschrieben hat, oder besondere, .im engsten AbhängigkeitsverbältniS zu diesem Verein stehende Neformvereine' zu gründen, deren Mitglieder statutenmäßig ,unser Land und die ganze Christenheit vom Jndenbanne befreien helfen* und jeden Verkehr mit Juden zu unterlassen geloben sollen. Es kann Ihnen nicht zweifelhaft sein, dass die Großherzogliche Regierung eine solche, auf Verhetzung der bürgerlichen Gesellschaft und die Aechtunz einer Religionsgesellschaft abzielende VereinSthätigkeir, durch welche die sonstigen auf Hebung de» Bauernstandes gerichteten Bestrebungen solcher Vereine nur beschmutzt werden, auf's Schärfste verurtheilt. Wir erwarten deswegen von Ihnen, dass Sie die Gründung dieser Vereine nicht nur nicht fördern, sondern ans das Entschiedenste gegen dieselben wirken und anftreten. v. Gagern'. Arankfnrt. Der ,Frankfurter Zeitung" wird aus Petersburg berichtet: Dadurch, das» den Inden in Russland durch die bekannten Gesetze ganze Categorien von Beschäftigungen verschlossen worden sind, ist die Noth unter denselben sehr groß geworden. Besonders schlimm steht es in den nord- und südwestlichen Gonvernemenr», so dass sich der Geueralgouverneur von Kiew, Graf Jgnaijew, (sin Bruder des bekannten Diplomaten) veranlasst gesehen hat. bei der Negierung um Milderung der gegen die Inden gerichteten Maßregeln zu bitten, da die übrige Bevölkerung darunter schwer leider und die Inden durch Noth und Entbehrungen, durch Hunger und Elend zum Aeußersten getrieben würden. Es haben sich sogar im Kiew'schen und Podolischen einige bewaffnete Räuberbanden gebildet, die durchwegs an» Inden bestehen. Eine solche Erscheinung ist gewiss sehr charakteristisch. Mau kann sich von dem Elend der Bevölkerung eine Idee machen, wenn schon der friedliebende Jude zum Gewehr greift und unter die Räuber geht. Seltsam, das» man in competenten Sphären das nicht einsehe» will und in diesen Erscheinungen nnr ein Symptonr jüdischer Ver« kommenheii und Lasterhaftigkeit sieht, während dieselben doch nur unausbleibliche Folgen unmenschlicher Behandlung sind. Jüngst wurde eine solche jüdische Räuberbande eingcfangeu und selbstverständlich werden die Mitglieder derselben sehr streng gerichtet werden. Die Zeitunzerr erheben cin cntsetzüche» G-schrei, dass die Jrrden den Staat bedrohen, und cs fehlte nicht viel, so erklärte man die ganze jüdische Bevölkerung Russland», etwa fünf Milliouen, als rechtlose Menschen, für eins Räuberhorde, die mit Feuer und Schwert ausgerottet werde» müsse. Wer hat jedoch den Inden zum Räuber gemacht'? Auch darüber ist viel Staub anfgewirbeit worden, das» die Inden der Militärpflicht sich entziehen. (Dass diese Beschuldigung — bemerkt hiezu die ,Franks. Ztg.'. der wir diese Mittheilungen entnehme» — in gewisser Beziehung unbegründet, haben wir erst vor Kurzem ziffermäßig nach-- gewiesen.) Woher soll den Inden der Eifer für den Militärdienst kommen, wenn ihnen von vorneherein jede Aussicht auf Beförderung genommen ist. Vor etwa zwanzig Jahren, als die Reform sich vollzogen und die allgemeine Militärpflicht soeben iu's Leben getreten war, wurden mehrere Juden zu Offieieren befördert; einige wurden sogar Gardeoisiciere. Doch als nach dem kurzen liberalen Rausch der tanze reaktionäre Katzenjammer eiutrat, wurde den jüdischen Osficiere» bedeutet» das» sie ihre Entlassung zu nehmen haben, und gegenwärtig gibt eS in der ganzen russischen Armee keinen einzigen jüdischen Ofsicier; j» sogar zu Unterofsicieren werden Jirden nicht mehr befördert. Kamöltrg, 6. März. Diese Woche kamen 23 jüdische Ans- Wanderer, die vollkommen verarmt aus Amerika znrückzekehrt sind, hier an. Da» israelitische Hilsscomite übernahm die Leute und beförderte sie in ihre Heimat. theil» nach Böhmen, theii» nach Galizien. Wie ersuchen dringend um umgehende Ernsendung der Abonnementsbeträge für das Laufende- Muartal und Begleichung der Rückstände. Dir Administration. 9 -j&tisviCft -!ML»,K-VC.:'.