Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 7 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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, Die Uebcrtrehwgen der Neligionsgesetze wie auch die der Staatsgesetze wurden vom Staate aus verfolgt, so z. B., wer S a m st a g v o r f ä tz l i cfa eine Arbeit verrichtete, wurde vom Gerichte mit dem Tode bestraft. Die Normen der Bestrafungen, ihre Art und Weise sind im Talmud Szanhedrin als ארבע מיתות Henau stipulirt Das Szanhedrin oder das hohe Gericht war die ausübende Gewalt, wie jetzt das Ministerium.. Sie waren auch Erklärer des Gesetzes. Selbst wenn Jemand aus Irrtum sündigte, konnte man ihn gesetzlich zwingen, die vorgeschriebenen Opfer zu bringen. Welche große Vortheile eine solche Staats- Verfassung bietet, ist einleuchtend, und in dem rein constitutionelleu System derselben liegt' der wahre und wirkliche Liberalismus.. Nun sage mir Jemand, sind derartige Institutionen schädlich! für die menschliche Gesellschaft? Durchaus nickt! Hat Ungarn und Oesterreich nicht auch'eine constitutionelle Verfassung? Tagt nicht hüben und trüben eine Volksvertretung, welche die Gesetze bildet? Schirmt nicht unser gerechter und geliebter Monarch die Ausübung des Gesetzes? Und die Juden stören gewiss nicht den Gang des Staatsruders, huldigen sie ja den erhabenen Grundsätzen, die unsere Weisen aufstcllen: ,Bete stets für daS Wohl S e i n e r M a j e st ä t u n ö - d e r Regierung!' Die zweite Art Liberalismus, welche im Jüdentbume zu Anden ist, ist Liberalismus im Nahmen der Religonsgcsetze. Er besteht in seiner Wesentlichkeit darin, dass man vom jüdischen Gesetze aus einen Andersgläubigen nicht stören darf in -der Ausübung seiner Religion, und daS ist im wahren Sinne T o l er ä n z. L i b e r a l is m u s u n d T o le r a nz sind identisch, das eine bedingt daS andere, und Toleranz war-stets daS Panier deS Judeuthums. Dass es wirklich derart ist, lässt sich aus unzähligen Stellen des Talmuds beweisen: Heißt es nicht im Talmud: חסידי איה יש להן חלק לעולם הבא So erzählt der * Talmüd Avoda sarah, Seite 18: Rabbi Chauilka Sohn Tradjolt wurde ' von der Negierung, weil er trotz des Verbotes der Regierung sich mit der Kenntnis der Thora befasste, zum Feuertode verurtheilt; man brachte ihn zur - Feuerstätte, wickelte ein iSzefer-. Thora um ׳seinen Körper und legte auf sein Herz einen Haufen Wolle, damit das Feuer ihn nicht schnell verzehre. Da sagte der Vorsitzende: Wenn ich Dir die Wolle vom Herzen wegnehme und die Flamme verstärke, versicherst Du mich aus das zukünftige Leben? Als der Rabbi bejahte, sagte der Vorsitzende: Schwöre wir darauf! Und er schwur: Dev Vorsitzende erfüllte-sein Versprechen, und Chanina stürzte sich ins Feuer. Da kam eine göttliche Stimme.und rief: ,Chanina den Tradjon und der Vorsitzende sind bestimmt zum ewigen Lebens -Hierin documentirt sich nichts weniger als Hass, sondern der wahre Liberalismus selbst Heiden gegenüber. Alle Ausschließungszesetz?, die im Talmud Vorkommen, beziehen sich auf die Götzendiener blos, nicht aber auf die -Christen. die ebenfalls an die Einheit Gottes glauben. Das mosaische Gesetz schreibt ferner vor, unter Andersgläubigen nicht zu werben, nicht durch Geldversprechungen oder Zusagen sie zum Glaubenswechsel zu verlocken, mit einem Worte ckciu Misst onkgeschäft zu betreiben. Und es besteht auch factisch nicht eine einzige Missionsgesellschaft bei den Juden. Nun ist Lies nicht liberal, und ist ein solcher Liberalismus etwa schädlich? Gewiss nicht! Was ist also eigentlich der Jud e n l ib er a l i sm u s. den die katholische Geistlichkeit für gefährlich darstellt? Ein leerer Schaum, -ein Phantasiegebilde, eine Mißgeburt der Rach- und Verfolgungssucht, eine kleinliche Furcht vor Gespenstern, die nicht bestehen. Zkder Nüchterndenkende siehet diese Gespenster nicht und kann ckarum auch keinen Hass gegen die Juden empfinden. Die Juden lassen Andersglänbigr ruhig ihren Weg geben, denn Intoleranz ist ihnen von jeher fremd gewesen. Sie hat schon viele «Kriege heraufbeschworen, viele Geschlechter mrverdienterweise vernichtet, und es wäre Zeit, zu denken an den Sinnspruch Mendelssohn'» : Die Quelle kann nickt and e r s v erst o p st werd en, als durch Aufklärung, man Helle die Gegend auf, dann schwinden die G e s p e n st e r." Kleine Chronik. Wie», 25 Februar. Baron H irs ch- S ti st un g. Gestern fand die Constituirupg des Cnratorinms der Bacon Hirs'ch-Stistnug statt, bei welcher Statthaltereirath Ritter v. Szawlowtzki als Regierung-» commissär intervenirte. Ju Vertretung deS Baron Hirsch eröffnete der Direetor deS Wiener Bankvereins Dr. Jolv die Versammlung und constatirte, dass von Seiten der Staatsverwaltung tzie H.rren Hofrath von GniewoSz, Hofrath Dr. v. Roza. Sectionsrath R. v. ChledowSlsi und Professor Dr. Charkiewicz zu Cnratoren eruaynt wurden, dass die Herren Ritter v. Bauer, Josef R. v. Furth, Davih R. v. Gutmann, Dr. Adolf Jellinek, Morr; Edler v. Kuffner. Wilhelm Naschauer, Heinrich Nireustein, Alexander Freiherr v. Popper, Hosrath Josef v. Pfeiffer, Dr. Arnold v. Rapoport. Proseffor Dr. Rosenblatt. Philipp Thorsch. Sigmund Trebitsch, Dr. Julius Freiherr v. Waldberg ihren freiwilligen Eintritt erklärt haben. Dr. Joly begrüßte die Versammlung und schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf nahm der Regierungscommissär das Wort und erklärte im Namen der Negierung, dass dieselbe der Snstung da» größte Wohlwollen ensgegeubringe und dem Curatorium vollste Unterstützung angedeihen lassen werde, auf dass die Stiftung den Intentionen-des Stifters gemäß znm Wähle der Bevölkerung Galiziens und der Bnkowina wachse und gedeihe. Bei der hierauf folgenden Wahl wurde Herr Joses N. v. Furth einhellig znm Präsidenten deS CnratorinmS gewählt. Dieser dankte für die aus ihn gefallene Wahl und legte iw kurzen, markigen Zügen die Ziele dar, welche hie Stiftung zn ver» folgen haben wird. Hiebci. hob der Präsident hervor, das» die Stiftung, deren Wohlthaten statutengemäß nicht nur den israelitischen, sonder», auch den christlichen Kindern zu Gute kommen, bezweck׳, dis arg per» nachlässigte Jugend mancher Landestheile Galiziens und der Bukowina durch Heranziehung zu regelmäßigem Unterricht und zum Handwerk und Ackerbau, zu nützlichen und anhängigen Bürgern de» Landes auszubildeu, ohne jedoch den religiösen Gefühlen derselben naherreten oder setbe ihrem engeren Vaterlands entfremden zn wollen. Als Vicepräsidend wurde Ht^rr Dr. Arnold Rapaport von Porada gewählt, welcher im S)la1: eu Galiziens dem Srifter den Dank für die Stiftung anSsprach. Znm Präsidenten-Stellvertreter wurde Herr Hofrath v. GniewoSz, zum Schatzmeister Herr Sigmund Ritter von Bauer, zu dessen Stellvertreter Herr Heinrich Nireustein und zum Seerärer Herr Dr. Friedländer bestellt. Znm Schluffe gab Herr Hofrath Dr. Roza in seinem Namen und dem der anderen von der Regierung in das Curatorium entsendete» Herren die Erklärung ab, dass sie nicht als fremder Körper inmitten deS CuratoriumS erscheine», sondern dass sie als College!! bestrebt sein werden, an dem gemeinsamen Werke mitznwirken. Da die ConponS der als StistuugSvermogen erlegten Werthpapiere momentan nicht fällig sind, hat Baron Hirsch dem Curatorium zur Decknug der ersten Auslagen einen Betrag von 26.000 st. zugewresen. welche demselben von Dr. Joli übergeben wurden. Das Curatorium beschloß noch, sofort dein Baron Hirsch telegraphisch den Dank für die hochherzige Stistnng auszusprechen, und wurde damit die Versammlunz geschloffen. Hroß-MeferitflH. Am 12. Februar d. I. wurde hierorts ein Mann zn Grabe getragen, der sich um daS Wohl unserer Gemeinde und ihrer Institutionen unsterbliche Verdienste erworben hat. Es ist dies der Allen unvergessliche Herr Moritz I. B l u m. f tigen Andenkens. Seit dreißig Jahren wirkte derselbe theils als Vorstandsmitglied und CultuSrath, theils auch als Vertreter der Culrusgemeinds im Orts» schulrathe, und endlich als Obmann der Chewra Kaddiacha, welch letzterem Vereine er als Obmann zwanzig Jahre hindurch Vorstand. Sein rastloser Fleiß, seine Uneigeunntzigkeit, seine Intelligenz und ei» hoher Bildungsgrad in profanen wie auch in ReiigionSwistenschaften befähigten ihn in hervorragender Weise, all' die vorgenannten Ehren» ämter mit Verständnis und Umsicht zu führen und zu verwalte». Namentlich in seiner 20 jährigen Thätizkeit als Obmann der Ohewrjfc Kaddiacha bat er im Vereine mit seinen gesinnungstüchtigen College» im Chewra Kaddiacha — und im Cnltusvorstaude, die ihnin sejn^»