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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-03-01 · Heft 7 (1.3.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 7 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gottesfürchtige überhaupt niemals darauf ausgeben, seine an- | tzeuehme Stimme zu zeigen. — Ascher ben Jechiel, Rabbiner in TöleDo, sagte: Auch ich beschwöre mich feit meiner Einwanderung in Spanien über die Vorbeter dieses Landes, welche bloß fungiren, um ihre angrnebmc Stimme hören zu lassen. Tragt man ja kein Bedenken, cntschi.den Unwürdige anzustellcn, sobald sie nur schön singen. — Schorr sagt in ,Bechor Schorrzu Tanith 16 b : Wenn Lie Zuhörer der Chasanim in's Theater giengen, würden sie^sich nach dem Talmud mit einem einfachen Vergehen belasten; nun über ist Hx .Vergehen viel größer, indem sie die Komödien in dem gottgeweihtem Hause, an der Stätte der Andacht und während deS Gottesdienstes aufführcn lassen;') er klagt, dass die Chasanim jedes Wort in viele Bruchtbeile brechen, so dass ' man nur ihre Stimme, aber nicht die Textworte hört. — Der Neffe Schorr's. der Maggid N. Ef'raim, hat' ein sarkastisches Gedicht gegen die CbaicMm und deren Gesang geschrieben?) Rabbi Efraim Lentschitz schreibt: Die Chasanim singen zu viel und dehnen jedes Wort aus; auch bekennen sie ganz offcu.Zdäss 'sie während des Gesanges Künstler, über keine Vörbeter sein wollen. Denn die meisten derselben Haschen -blos .näch Beifall und streben Llos dahin, dass die Leute ausrufeu sollen: ^Welch' eine gewaltige Stimme, welch'^ ein prächtiger Tenor Rabbi Moses Soscr bricht den Stab über alle Chasanim: Cr sagt: sie 'legen ihre Hände auf ihre Backen und schreien eine Rabenstimme, anstatt Llol oreb eine angenehme Stimme, schrieb «tKolaureb eine Nabenstimme, ein solches Geschrei kann Gott nicht erhören?) Einen anderen Standpunkt hingegen nahm der selige Ober- , raöbiner L ö rv ein, er sagte: Die Stimmen der Cantoren baden die Stimmen der Rabbiner! nb ertönt.») ׳ Der jüdische. Synagogenbesucher hört gerne, den Gesang eines AUten Chasan, dieser übte stet« eine .Zugkraft! aus ihn .auH;.^iu 1unserer materiellen Zeit besonders siud-!es .die Cantoren. ly eiche die Frrquentätion des Gotteshauses verursachen; man will von rbnen erbaut werdcn durch die Hetz sund Gemüth erzreisenden Melodien, die aus Herz und Gemüth einwirken, und es gibt keine wohlorganifirte Gemeinde mehr, welche nicht viele Opfer bringt', um einen geregelten Gottesdienst zu erhalten, was die tägliche Crfabruug begründet. Will der Rabbiner" also haben, dass das Gotteshaus besucht werde und dass man seine Predigten höre, so .. muß er cisrigst ar.strebeu, dass ein tüchtiger Cantor angestellt werde, weil jetzt der Cantor eine conditio sine qua non ist. Und wie schön und anzenebm ist es, wcnu Amtsbrüder ruhig und friedlich mit eiunauder leben! ES characterntlsch, dass Salomon als Säuger in Lebir basebirün den Gesang sehr liebte: ,Lass mich Deine Stimme bören, denn Deiue Stimme ist angenehm!^ Und als Prediger sagte er: ,Es ist bester zu hören die Verweisungen des Weisen, nlS zu horchen auf den Gesang der Narren? Der Rabbiner als Priester soll nachabmeu den Hohenpriester Aron, den Feinden lieben und ihn zu erstreben trachten. Und der Cantor iage. ich stamme zwar ab v2n den Söhnen KorechS, aber nicht etwa von den. streitsüchtigen, sondern von den berühmten Psalmendichtern und Säugern. Mit solchen Gestnaungen und Vorsätzen .werden Nabbrnen und Cantoren viel beitragen zur Verherrlichung deS Gottesdienstes wie auch zur Hebung des AnsehenS ihres Standes.; ' *)• Dies! erinnert an die bekannten Worte: Man geht ins Theater, um sich zu erbauen,, in dieKirche. um die Komödie zn schauen. : a) Abzedruckt in ^,söechor Schorr? M'ZWH, 16 b: ׳ ׳ «Chaffam Sofer" zu M. A., S.DL». , ») B. CH-, 6. Zahrgang, S. 478. ימ*י ׳־־־ 1״־־ ׳ - Klieralismus in der mosaischen Geschgebung. - Bon A. H. Ungar in Paks. Die ■׳österreichische Negikrung hat im Einvernehmen mjt Seiner Majestät den österreichischen Neichsratb aufgelöst und eine neue Wabl angeordnet? Dass die Wahlbewegung stürmisch einhergeht und sämmtliche Parteischattirnugen Jntriguen spinnen-, ist leicht denkbar, denn jede Partei will Gesinnungsgenossen werben, und bei der:Wahl der Mittel ist man. hiebei nicht besonders wählerisch; aber dass, die katholische Geistlichkeit, die Verkündeim der Religion der Liebe, au den Schmähungen gegen die Inden theilnimmt und die böse Saat des Antisemitismus ausstreut, ist tiesbetrübend und bedauerlich. Die Geistlichkeit hat aus der Rüstkammer ihrer Gelehrsamkeit ein bis fitzt unbekanntes Schlagwort.JudenliberaliSmns* herausgeiucht und selbes als gefährlichen Satan Eingestellt, der die unschuldige christliche Jugend , von dem Glauben der Seligkeit ableiten will. Dieser Vorgang ist bedauerlich,, aber nicht neu. .Schlagen wir nurväus das Buch der Weltgeschichte, da sehen wir cs unzähiigemal, wie die Geistlichkeit es nicht unter ihrer.Würde fand, die Achtung der Juden durch Verdächtigung und falsche Verläumdungen zu verunglimpfen und den Pöbel gegen sie zu hetzen. Die Geschichte der Kreuzzüge, die Inden-Verfolgungen in Spanien und die manigsachen Ansnabmsgesctze, unter denen die Juden bis zum Beginne dieses Jahrhunderts im ganzen Europa schmachteten, liefern hicfür den. besten Beweis. Aber traurig ist es, dass dieS im neunzehnten Jahrhunderte noch, möglich ist. .*) .ג ־ Um nun dem neuen:Schlagworte vom ,Judenliberalismus* die Spitze abzubrechen, wollen wir erörtern, wo eigentlich-in:der mofälschen.Gesetzgebung der: Liberalismus zu finden ist, und den NachMis sührenj -dass dieser durchaus nicht schädlich für die menschliche. Gesellschaft war. . . . Wir finden zwei Arten von L i b e r a.l is m u s, die. eine in de-r alten StaatSverfaffung des Judenthums, die andere in dem Rahmen der Jlelizionsgesctze, aber beide dienen dem Jndenthume zur Zierde. Die Staats Verfassung Israels war. zur .Zeit seiner Selbständigkeit eine rein republikanische, indem Richter auf bcstimmte Zeit an der Spitze des Volkes gewählt wurden/ und späterhin Könige, aber ebenfalls auf constitutioneller Grundlage. Das.mosaische Gesetz enthält bekantlich sowohl die rituellen Gesetze d^Eultus als auch die Slaatsgejetze, es erstreckte sich nicht allein auf den Cultus im engeren Sinne des Wortes, als vielmehr auf die gesammte Staatsleitung, das heißt Staat und Kirche waren eng mit einander verbunden. Der Richter oder.der König musste beim Antritte seiner Negierung öffentlich beschwören, dass er das Gesetz als Norm der Negierung anuimmt, er musste das Gesetzbuch bei vielen Gelegenheiten mit sich führen, wie eS in der Miscbna Szanbedmi::מחבלו ם״ת לשמויוצא למלחמה מוציאה עמו יושב בדין-הוא עמו שג׳ והיתד. עמו כל■ ימי היין Selbst das Recht der Kriegsleitnng und Kriegsführung war ihm versagt, blos mit Zustimmung des Lzanbedrin, welches aus 71 Richtern .bestand, übte er es aus,-wie es in der Mscbna heißt: סזציא למלחמת רשות עפ׳ בר שבעים ואחד' Ja sogar auf leine Hausführung hatte das Gesetz Einfluß: ״לא ירבה לו סוסים אלא בדי מרכבתו Die Staatsverfassung war somit eineihierarchischdemokratische. •- -׳!! *)■ Erst kürzlich hatder Erzbischof -von Wien die Theilnahrne der niederen Geistlichkeit seines -D^ygels au antisemitischen Agitationen auf das Enlschiedendste missbiMt.: ׳ Mr .heste BMestz dass sie es. schon sehr arg ge- '!rieben haben muffen.

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