Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1891)
- Date
- 1891-02-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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- © — K IS P''. II Den« eS wird durch nichts schneller gefördert, sicherer gewahrt, als durch den Frieden, welcher die Urbedingung alles GlückeS und aller Vollendung ist. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Dem Herausgeber unseres Wattes wurde aus dem Nachlasse Sulzer's ein Tableaux, das gelegentlich der Einweihung deS Leopoldstädter Tempels, heraukgegebeN wurde und in harmonischer Gruppirung die sammtlichen damaligen Vorsteher und Funktionäre der Wiener Cultusgemeinde bildlich vereinigt, mit nachfolgendem Schreiben übermittelt: ,Lieber Freund! Als Zeichen besonderer Derehrung und Hochachtung erlaube ich mir beifolgendes Bild für die Redaction der ,Lsterr.-ungar. Cantoren-Zeitung* zu übermitteln. Zch habe von meinem Onkel, Salomon Sulzer ן״ל, alle seine Adressen, Diplome und sonstige Ehrenzeichen geerbt, die ich in pietätvoller Ehrung Ln HohenembS im ,Sulzerhäuse* zn einem .Sulzerrnuseum' zu vereinigen gedenke, und handle im Geiste meines seligen Onkels, indem ich Ihnen, als dem hochverdienten Begründer der ,österr.-ungar. Cantoren-Zeitung", dieses Tableaux übersende, welches in dem Raume befestigt war, in welchem unser unvergesslicher Nestor lebte und auch die letzten Stunden seines Lebens verbrachte. Mit collegialem Gruße, Emil Fränkel.* Wien. Dienstag den 17. Februar fand in der Seitenstetten* spnagoge die Trauung des Frl. Elsa Holitscher mit Herrn Moriz Edlen von Kusfner statt. Der feierliche Act wurde durch Herrn Obercantor Sing« ein geleitet, der die Trauungsgesänge unter Assistenz der Orgel und des gesammten Chores stimmungsvoll vortrug; ein zu Gedor gebrachtes deutsches Lied wurde allgemein sehr sympathisch begrüßt. Herr Dr. Jellinek nahm hierauf den Trauungsact vor und hielt eine erhebende Ansprache an das Brautpaar. Der Tempel war von einem äußerst distinguirten Publicum erfüllt; wir bemerkten die Herren Baron Springer, Baron Schnapper, Frau Ritter v. Gutmann, Herr Ritterv. Gruber, Professor Stork, Generalmajor v. Ster neck, Sanitätsrath Wlitasek n. A. m. Am Eingänge des Tempels bildeten die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr von Ottakring, deren Begründer der Bräutigam ist, Spalier. Wien, am 13 d. M. starb hier nach längerem Leiden der älteste Sohn Sulzers, der gewesene Capellmeister am Hofbnrgtheater Julius Sulz er. Derselbe war im Jahre 1858 kurze Zeit alternirender Cantor mit G o i i> ft e i u am Leopoldstädter Tempel, musste jedoch, durch Krankheit gezwungen, das Cantorat wieder aufgeben, gieng erst nach dem Süden und machte hierauf größere Kunstreisen als Capell- Meister. Im Jahre 1874 wurde er am Hofburgtheater in Wien augestellt und wirkte daselbst bis vor zwei Jahren. Das Leichenbegängnis fand am 16 d. M. statt. Obercantor Goldstein sang dem einstigen College!! die Trauergesänge in ergreifender Weise, und Rabbiner Dr. Güdemann widmete dem Dahingeschredeneu einen warmen Nachruf. Juttgvunztau. «Löbliche Redactiou! P. Sebastian Euring-r, Priester der Diöcesc Augsburg, derzeit in Oxford, schreibt mir in feinen! Briefe vom 6. Februar 1891: ,Ich habe aus ihrer wcrthen Karte ersehen, durch Anfangs- und Schlussworte א׳ה und N'P2, dass sie ein überzeuguugstreuer Jude sind. Wenn auch meine Ueberzeugung eine abweichende ist׳ so ehre ich doch voll und ganz die Ihrige, und ich ehre Ln Ihnen noch mehr. Einen deS Volkes, von dem wir die Bibel überkommen haben; des Volkes, das nach unserer Ueberzeugung das auSerwählte war und nach der Verheißung eS wieder sein wird am Ende der Tage; des Volkes, welches eine lebendige Tradition für die Heiligkeit der Bibel und die Wahrheit ihrer Offenbarungen ist. Dies hat Cardinal Manuiug vor Kurzem ausgesprochen, und auch alle wahren Christen sind dieser Ueberzeugung. Denn der Antisemitismus ist keine Pstanze echten ChristensiunS, denn diese kennt nur Nächstenliebes Die Worte: echten und liebe sind vom Schreiber des Briefes, Verfasser des Buches ,der Massorahtext von Koheleth' dreimal unterstrichen. Ich glaube, dass die Veröffentlichung dieser Zeilen auS der Feder eines katholischen Priesters besonderes Interesse hervorrufen wird׳ Dr. M. Grünwald. * ^rag. Die hiesige ,israel. Gemeindezeitung* reflectirt in ihrer letzte» Nummer auf einen Artikel des Herrn Rabbiner Dr. Ziegler in Carlsbad ,über die Stellung des Rabbiners in der Gemeinde* und macht hiebei folgende Bemerkungen: ,Ein weiterer Grund, warum der Rabbineistand Ln seiner Autorität und seinem Ansehen viel gelitten hat und viel zu wünschen übrig lässt, liegt leider oft in der Ver- Lennung der Srelluug, die der Rabbner in der Gemeinde einzunehmen hat. Ein großer Theil der Rabbiner übersieh!, dais der Rabbiner nur der Lehrer und religiöser Berather in der Gemeinde sei dass der Begriff ,Hierarchie*' dem Judenthume ganz fremd sei, und dass nur durch bescheidenes, versöhnliches Auftreten, durch Friedfertigke t und taktvolles Benehmen der Rabbiner in seiner Gemeinde viel erzielen kann. Der Rabbiner muß ausschließlich seinen erhabenen und wabrhast idealen Beruf vor Augen haben; von ihm wird mit Recht Selbstlos!.,k-rt, strenge׳ Gottesfurcht, nicht Bigotterie, wahre Frömmigkeit und «ich! Frömmelei gefordert, er darf nicht mit seinem heiligen Amte eine gewisse Erwerbsthätigkeit verbinden, wie wir solche leider bei Nabbinen! thatsächlich vorfinden, die durch eigens dazu bestellte Personen durch Zeitungsreclame und durch manche unlautere Mittel für sich Popaganda machen wollen, den Unwillen hiedurch mit Recht erregen, Zank und Streit in die Gemeindemitglieder hineintragen und durch unbescheidenes, oft brüskes Auftreten ganz vergeffen lassen, dass sie Diener Gottes sind.* Kis-Aell. Herr Cantor M. Schorr aus Tapolcza hat hier ein Wohlthätigkeits-Concert zu Gunsten der hiesigen jüdischen Volksschule veranstaltet, das sowohl in künstlerischer als auch pekuniärer Beziehung von bestem Ersolge gekrönt war. Durch die öffentliche Anerkennung sei dem Concertgeber der Dank abgestattet, der ihm für die Förderung, der jüdischen Schule in hohem Maße gebührt. J. St. glap0$vä,t. Der erste Wahlbezirk zu Kaposvär wählte den Rabbiner Dr. Herzog daselbst einstimmig in die städtische Rtpräsentanz auf sechs Jahre. Für dessen Wahl wirkten besonders Nichl-Juden, unter ihnen der Bürgermeister. München. Ueber die Juden in Arabien macht der berühmte Forschungsreisende Dr. Eduard Glaser in einem Vortrage, den er am 29. v. M. im Münchener ,Journalisten- und Schriftstellerverein * gehalten, nach dem Bericht des ,Sammler* folgende interessante Mittheilungen: Cafes gibt cs in Ssana nicht. Man nimmt einfach gegenseitig die Gastfreundschaft in Anspruch. Eines Tages setzte er sich zu einem Händler an die Straße, Kaffee und Nargileh wird gereicht. Da verträumt man die Stunden. Da kam ein kleiner bettelnder Judenknabe.'Die Juden sind zahlreich in Pemen. Um's Jahr 500 n. Chr. gab es jüdische Könige über das Land. Die Juden sind jetzt vielfach Handwerker, und ihr Verdienst ist oft blos 10—20 Pfg. per Tag nach unserem Geld, auch 3 Pfg. Da behelfen sie sich bei zahlreicher Familie damit, dass sie einen oder mehrere Knaben zum Islam übertreten, lasten, dann nehmen sich die Muhamedaner um die Kinder an. Um den Bettelnden hatten sich bald andere kleine Araber gesammelt, und einer sagte dem Fremden, der jüdische Knabe sei auch Muhamedaner geworden. Darauf fragte Dr. Glaser den Kleinen, ob er nun seinen jüdischen Vater noch besuchen dürfe. Der Junge getraute sich vor den Andern nicht, eine Antwort zu geben. Da rief eines der Kinder l ,Nein, er darf ihn nicht besuchen, denn sein Vater ist Jude!״ Ein größerer Knabe, der schon die Schule besuchte, trat aber vor und sagte: ,Ja, er muß seinen Vater besuchen, sonst kommt er in die Hölle. Wir müssen unsere Eltern lieben und ihnen alle Tage die Hand küssen und uns nicht darum kümmern, was sie sonst sind!* Die anderen Knaben stimmten bei. Auf Befragen, wer ihnen das vorgeschrieben, sagten sie: ,Unser Lehrer.* Erfreut reichte der Reisende jedem der Knaben ein Kupferstück für die richtige Antwort. Einer sagte: ,Ich brauch's nicht, mein Vater hat Geld, aber diesem Kameraden kannst Du dafür zwei geben, der ist arm.* Außer Muhamedaner!! gibt eS nur Juden, Andersgläubige nicht. Der zum Islam Uebertretende wird mit großen Ehren ausgenommen und man verschafft ihm Ein» kommen. Aber zu seinem ersten Glauben zurückkehren darf er nicht, sonst setzt er sein Leben aufs Spiel. Und doch, wenn ein solcher׳ Convertit zu einem auswärtigen, unabhängigen Stamm sich flüchtet und um Schutz bittend erklärt, dass er seinen alten Glauben wieder annehmen wolle, so ist er geborgen. Der Schutz wird nicht versagt, und der ganze Stamm setzt seine Existenz für den Schützling ein^ Der Ausdruck ist: ,Er steht vor meinem Gesicht*. das heißt: in. meinem׳ Schutz. So sagte eines Tages der Scheck eines Stammes zu: ' dem Reisenden: ,Wegen des Juden, den Du bei mir gesehen Haft, haben wir nun 25 Jahre Kriegs Janowitz, Preuße», 16. Februar 1891. Einer der würdigsten Repräsentanten des jüdischen Cantorenstandes, der aus Oesterreich׳ stammende, in weitesten Kreisen. bekannte und in seiner Gemeinde, hochgeachtete Cantor (Prediger und Lehrer)׳ Herr M. Tintner in Bunzlau, Preußisch-Schlesien, der sich als Synagogen-Componist durch Herausgabe eantoral-musikalischer und liturgischer Werke, als S שירי ישראל׳ הדרת־־קודש u. a. einen Namen in der deutschen Cantorenwelt gemacht, feiert am 20. März d. J. sein '25 jährige^