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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-02-21 · Heft 6 (21.2.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 6 (21.2.1891)
Date
1891-02-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Figurationen und Modulationen vorgetragen, sondern wir sagen einfach: Gott hat zu Moses, wie dieser zu Israel, alle Gebote und Verordnungen, wobl weder im declamatoriscken, noch im gesanglichen Pathos gesprochen׳ sondern ursprünglich sind sie gewiss von beiden Theilen aus Ln schlichter, aber fasslicher Sprechweise an das Volk ergänzen. Als aber die Thora, zum Zwecke der gottesdienstlichen Vorträge in Wochenabschnitte eingetheilt und für alle außergewöhnlichen Tage noch besondere geeignete Perikopen aus derselben bestimmt wurden, da sind erst diese Musikzeichen eingeführt und ihre Ausführung festgesetzt worden, um erstens zu bewirken, dass diese Vorträge nicht monoton und leblos ausfallen, und dann, damit sie allerorten sowohl einheitlich und gleichmäßig, wie auch feierlich und in größter Vollkommenheit zum Ausdruck kommen sollen. Diese Weisen sind uns dann, wegen allgemeiner und immerwährender Uebung, von Geschlecht zu Geschlecht überliefert und vererbt worden, und daher wissen wir es jetzt ganz genau, welche musikalischen Figuren diese Tonzeichen ausdrücken müssen. Vom genannten Autor und unverwüstlichen Gegner des Neginosgesanges wird ferner behauptet: derselbe trüge nichts zum Verständnis des Textes bei; im Gegentheile, durch alle die Variationen und Melismen wird der Sinn der Zuhörer vom Inhalte abgezogen und verwirrt, so dass sie von ihm gar nichts verstehen. Fürrvahrl das kann nur einer behaupten, der vom Neginosvortrage keine leise Ahnung hat — was wir von diesem höchst gelehrten und wissenschaftlicher! Manne nicht behaupten wollen — oder der, welcher überhaupt noch kein wirklich schönes, correcctes ,Seinen' je gehört hat. Wer sonst den Text nicht versteht, dem ist allerdings sehr schwer, ja unmöglich, den Inhalt desselben durch die Neginos beizubringen — besonders wenn er musikalisch schwerhörig ist; wer aber Text- und Sprachkenntnis hat, der erkennt wohl durch sie die sorgfältig gesonderten Satztheile und kommt dann auch auf den Inhalt des Ganzen, vorausgesetzt aber, dass sie auch demgemäß vorgetragen werden. Herr Oberrabiner Choriner macht ihnen in seiner famosen ,ש1ת" den sonderbaren Vorwurf: dass man sich bei dieser Vorlesungsart gar zu viel schaukeln und räuspern muß, und man dabei auch gar zu sehr schreit und lärmt, was für die Andacht höchst störend wirkt und daher der ganze Act völlig geschmacklos erscheint. Dcr müssen schon die "״בעלי קוראים in Arad ganz ungeschickte Leute gewesen sein, wenn sie ihrem Herrn Oberrabbiner solche schlimme Meinung von ihrer Kunst beibringen konnten. Allein, was kann die Kunst dafür, wenn ihre Repräsentanten sie so schlecht vertreten? Im Gegentheil sind wir der festen Ueberzeugung, dass wenn der Herr Oberrabbiner einen echten und rechten Baal Kore gehört hätte, der die Worte grammatikalisch richtig ansspricht und auch die Neginos gehörig mit schöner, voller Stimme und geeignetem Nachdruck zur Geltung bringt, er dann mit Rabbi Levi (Niäraseb zum Hohenliede 4, 11) auszerufen haben würde:;הקולא מקרא בעינוגו ובניגונו עליו נאמר דבש ■וחלב תחת לשונך .Wer die Schrift liest mit ihrer vollen Schönheit und ihrer ganzen Sangbarkeit, von dem heißt es dann: Honig und Milch ist unter Deiner Zunge.' Das Mojchol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. - XIV. Wir wenden uns nun zu den Sprüchen der Väter (Birks Aböl) und beabsichtigen aus jedem Berek nur solche Sprüche zur Erörterung auszuwählen, welche zu Vorträgen für die Schulfügend fick eignen, die in den Frühlings- und Sommermonaten bei einer Exhorte anzuwenden, von Nutzen sein können. Und wir glauben im Interesse der Leser dieses Blattes zu handeln, die doch meist aus Cantoren und Lehrern bestehen, wenn wir jedem Spruche eine skizzirte Betrachtung beifügen und somit wollen wir mit einer kurzen Einleitung beginnen. Die Birke Abot enthalten Aussprüche der gefeierten Träger der tanaitischen Periode. Sie enthalten Resultate reifer Lebensbeobachtungen, durchdachte Rathschläze, weise Lehren, anwendbar in allen Lägen und Verhältnißen des Menschen in ungeschmückter, echt patriarchalischer Fassung. Bilder und Gleichniße, die kurz und treffend den schwersten Begriff veranschaulichen. Darum sagen mit Recht die später!! Weisen: Wer ein wahrhaft Frommer werden wolle, der kalte die Sprüche der Abot. Die Rückkehr. Eine Skizze von M. Lintner, Cantor und Lehrer, Bunzlau Preuß.-Schlesien (2. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) . Sara, lass uns fort, fort von hier! — Ich gehe heim, komm, ich will Dir's mein Lebelang danken!' Ein heißer Schmerz durchzuckte seine Seele. — Seit Jahren Mieder zum erstenmale sandte der ideale Geiger, der zu den schönsten Erwartungen berechtigte, einen Stoßseufzer empor, empor zu Gott dem 'Herrn, und hastigen Schrittes wanderte das Paar weiter. Es siel keinem von Beiden mehr ein zu reden, sie waren schweigend mit ihren Gedanken beschäftigt. Sara reichte ihm ihre Hand, duldete es, dass er dieselbe küsste, und ihre schönen Augen, die nicht sinster, nicht׳ vernichtend blickten, gaben ibm tröstliche Antwort. Damals iw der ersten׳ Freude dachte er gewiss nicht daran, sich Rechenschaft zu geben, wiedas Gefühl für Sara ihn überkommen, und jetzt wollte sein Herz, uberströmt von Qual und Reue, in Liebe sich auflösen. Mit einem verlegenglücklichen Lächeln, mit zaghafter Anmuth blickte . er sie treuherzig an. . .! Endlich waren sie außerhalb der Stadt und traten in einen viereckigen, weiten Hof ein. Es war das erste Dorf, das sie erreicht hatten, das erste Landwirthshaus, in dem sie übernachten wollte». Da stand die alte glückliche Zeit mit ihren Herrlichkeiten, mit ihren Verirrungen vor seiner ׳Seele. Wie klein und ärmlich, . wie nüchtern und geschmacklos war doch das Zimmer, in das sie sich begaben l Fünfzehn Jahre waren dahingerauscht, als er noch glücklich dieses stille Haus aufsuchte, um dem Geräusch und Toben der Stadt auf einige Stunden zu entfliehen. Und jetzt! — Elend, geknickt und ein schuldbewusstes Herz, ein Sehnen und Bangen nach den Hügeln, unter denen die theuren Eltern schliefen, deren letzter Gedanke ,Er" war. Trübselig ließ׳ Carl bei diesen Erinnerungen den Kopf hängen, die Augen blitzten und traten aus ihren Höhlen hervor. Er schauerte zusammen und fuhr mit der Hand über die Stirn, als könnte er mir dieser Bewegung alles verscheuchen, was ihn quälte. ,Wonach siehst Du?' fragte Sara ungeduldig. ״Ach, Sara, sieh dort tragen sie ihn zu Grabe' —.entgegnete er kleinlaut und zeigte mit der seinen Künstlerhand nach einer Stelle. ,Fasse Dichs" bat ängstlich das bebende Mädchen. ״Ich bleibe ja bei Dir Im Leben und im Tode!''. ״ Heiße Th ränen rollten von den Wangen des reuigen Mannes. . Er ־ stand einen Augenblick wie betäubt, dann stürzte er vor 'Sara nieder und flehend,bat.er-sie: ,,Bleibe bei, mir! O, Du treues Herz, mit deiner Selbstlosigkeit, mit deinen tausend Quellen der Duldsamkeit und des Trostes; wo ich nur Wolken, Schatten und Nacht sah, — bleib bei mir!' Karl schwieg — und wieder rollten heiße Zähren über das bleiche Antlitz und er schluchzte laut auf! ,O, mein armer Vater!'

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