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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-02-11 · Heft 5 (11.2.1891) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 5 (11.2.1891)
Date
1891-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nächtlicher Weile nicht zerstört werden konnte, vollendeten über 100 Theilnehmer am Hellen Tage. Die Mobilien wurden verschleppt, das Holz nach Hause geführt und znm Einheizen verwendet, und weil bekannt war. dass die Inden im Schlösschen Nöttis Wein eingelagert hatten, so wurden die Helden durstig, tranken änderthalb Fuder Wein aus, schlugen die Fässer zusammen, oder schafften sie in ihre Keller. Die That war geschehen und die vier Juden- Häuser in Sulz vertilgt, aber die Eigenthümer setzten sich jetzt in Bewegung. ־ Nach den vorhandenen Acten, ans welchen das Vorstebende gezogen ist, erhoben die Hebräer: Joßle Levi, Salomons Sohn, mit seinem Sohn Jakob Levi und Tochtermanu Zakob Wolf, daun Emanuel Wolf, Baruch Wolf, Joßle Levi, Wolf's Sohn, Samuel Levi, Wolf Levi. Joßle'» Sohn und Levi Levi eine Ent׳ schädigungsklage von 6752 st. 21 kr., welche im Verlaufe des Processes auf 3546 st. 34 kr. und nach den Vermögensumftänden, sowie nach dem Grade der Theilnahme an dem Verbrechen aus die Thäter umgelegt wurde. Die drei Hauptanführex büßten ihre Schuld mit Zwangsarbeit-in Eisen, Andere kamen in Arrest, doch wurden die Leibesstrafen bald nachher in eine Zahlung von ,1500 st. verwandelt, und endlich mit Rücksicht auf die vorausgegangene Kriegszeit uud tapfere Vertheidignng des Landes von Maria Theresia im Wege der Gnade gänzlich erlassen. Die Forderungen der Juden waren nun wohl ausgeglichen, aber gegen das hartnäckige Streben, ihre Wiedereinsetzung in Sulz zu erringen, strengten die Landstände alle Kräfte an und erreichten endlich ihren Zweck dadurch, dass sie ein jährliches Schutzgeld von 200 st., welches in der letzten Zeit auf den Inden lastete, aus der ständischen Casse zu entrichten übernahmen. Die Vertriebenen schmiegten sich ihren Glaubensbrüdern in Hohenembs an. Hier wurden sie von dem Grafen Wilhelm Max gegen ein jährliches Schutzgcld von 17 fl. per Familie gnädiglich anfgenommen. Zur Zeit dieser neuen Ansiedelung in Hohenembs im Jahre 1744 waren daselbst, wie aus dem alten Gemeinde-Register ersichtlich ist. folgende Familien als Schutzjnden ansässig: 1. Jonathan Uffenheimer, 2׳ Mayer Jonathan Uffenheimer, 3. Nauschle Moos. 4. Mayer Moos (des obigen sein Sohn), 5. Urban Levi, 6. Josef Urban Levi, 7. Wolf Hirsch Levi, 8. Wolf Levi, 9. David Moos, 10. Wolf Moos, 11. Jsak Levi in der Säge, 12. Joßle Levi, 13. Veit Levi am Bach ob den Pallaft, 14. Löb Ullmann neben Neknischen Haus, 15. Jakob Uffenheimer, 16. Satomon Maier. 17. Abraham Landauer, 18. Maier Moos Jndeles, 19. Joßle Jsak Levi, 20. MoyseK Ullmann. Hiezu kamen noch die aus Sulz Vertriebenen, und zwar: 1. Joßle Levi von Sulz, 2. dessen Sohn Jakob Levi, 3. Emanuel Wolf, 4. Daruch Wolf. 5. Wolf Levi, 6. Samuel Levi, 7. Lazarus Levi, 8. Jacob Wolf. Am 15. November 1777 entstand durch die Fahrlässigkeit eines alten Mannes, der mit offenem Lichte in den Stall gieng, ein furchtbarer Brand. Die Flammen wurden von einem starken Oltwind angefacht, und in einem Zeitraum von zwei Stunden brannten 21 Christen- und 17 Jndenhänser mit 32 Scheunen und Stallungen nieder. 27 Christen- und 34 Judensamilien verloren dabei ihr Hab und Gut. Die Synagoge von Hohenembs stand damals schon und wurden die Merkmale noch vorne am Besenwurse bemerkt, die aber bei der Nenovirung im Jahre 1867 in Folge Jndifferentismus der Hobenmbser Juden verschwanden. Der פרית der Orlschule ist תיק׳ב׳ל. Die alte Schule soll an Stelle von Schimele Brettauers Hans gestanden sein. Zur Zeit des Brandes war dieser Platz unbebaut und diente später als Holzlagerstätte. Die untern Quadersteine und die Tbüremfassnngen zur Synagoge gab Graf Harrach (?. Bergmanns Neichsgrafen zu Embs) und in neuester Zeit wurde durch die Munistcenz des seligen Professor Sulzer, dessen Ahnen in Sulz und nachher in Hohenembs lebten, ein würdiger und weihevoller Gottesdienst eingerichtet. Auch Schreiber dieses hat, gleichfalls ans Pietät für seine Ahnen, an der Einrichtung dieses Gottesdienstes Antheil genommen. Nach einigen Jahren kam das herumzieheude Musikantenpaar nach der Hauptstadt, in der Voraussetzung, dort ,gute Geschäfte' zu machen. Der Geiger hatte einen langen ungepflegten Bart, der sein blasses, eingefallenes Gesicht noch magerer erscheinen ließ, welches außerdem durch einen breitkrämpigen Hut zur Hälfte verdeckt wurde. Kaum war das erste Stück angefangen, als sich am vorderen Tische zwei Kopse schnell in die Höhe richteten. , . .Hör' einmal welch' herrlicher Ton — und dieser Strich! Horch, diese Clavierspielerin, dieser Anschlag, dieses verständnisvolle Begleiten. Das sind keine gewöhnlichen Musikanten, — dieser Geiger!' Und die Beiden schauten sich näher nach dem musicierenden Paare um. ,Den Geiger sollte ich kennen', sagte der Eine, ,warte nur — wahrhaftig, wenn das Gesicht voller wäre, ich wurde sagen, er ist's.' ,Die Clavierspielerin, Herr Gott! Ist es nicht die Sara Ncthberger? Kennst Du noch jenes schöne Mädchen, das dem Ideale einer biblischen Franengestalt ähnlich sah?—.— Armes Kind, wie bist Du gesunken, wie geht die Kunst mit Dir betteln!' So sprach der Andere. Karl Kraus hatte unterdessen sein Stück beendigt und sah mit einem schweren, matten Blick in die Höhe — eine schwache Röthe und dann tödtliche Blässe zog plötzlich über die Backenknochen, als er seine alten Freunde und Studiengenoffen erkannte, die ihm gegenüber saßen. Hastig drückte er den Hut noch tiefer ins Gesicht, wandte sich aus eine andere Seite und spielte wieder darauf los, als müsste er die halbe Welt gewinnen mit seinem Spiel, und doch trug dasselbe oft nur etliche Mark ein. Die Clavierspielerin aber schickte sich, auf einen Wink ihres Begleiters, zur Empfangnahme der Gaben an, während Letzterer wieder .in seine eiserne Ruhe znrückversank. Nicht so rnhrg aber war einer der alten Freunde. ,Gewissheit muß ich haben', sagte er zu seinem Nachbar. »Aber wie? — Wart ich hab's! ,Kellner! Haben sie noch das gestrige ,Berliner Tagbtatt?' Nach wenigen Augenblicken brachte derselbe die geforderte Zeitung. ,Ach Gott!" hob der alte Freund mit bewegter Stimme an — ,noch nie hat mich eine Traueruachricht so schmerzlich berührt, wie diese da von G.; — es war ein braver Mann, der H. imgegangene, — und sein Sohn, der Karl wen» Du den gekannt haltest, Freund!' .Nun, wer ist denn der, dem Du eine Thräne der Rührung nachsendest?' ,Du mein Gott! hör nur!' »Heute Morgens um 8 Uhr ist unser guter Vater, der Lehrer und Cantor D. Kraus, im Alter von 72 Jahren in ein besseres Leben eingegangen. Um stille Theilnähme bitten .... Moritz Kraus nebst Frau und Kinder.' . . . . Wie ein Blitzstrahl den harten Felsen zersplittelt, so fuhr diese Nachricht in das Herz des fremden Geigers. Er legte den Kopf ans den Tisch und schluchzte, erhob sich rasch, nahm seine Geige, winkte der Begleiterin und entfernte sich, ohne nmznsehen. ,Was ist das?' fragten die Gäste :— ,was hat daS Benehmen zu bedeuten?' ,Meine Herren,' sagte der alte Freund gemessen und nachdenklich, .Sie haben soeben einen der ersten Violin-Virtuofen gehört. Sein Name war vor Jahren bekannt und sollte berühmt werden in der ganze» Künstlerwelr; aber fragen Sie mich nicht weiter. — Das Unglück muß man ehren.' (Fortsetzung folgt.)

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