Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1891)
- Date
- 1891-02-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453207-3453212--3078-3457395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mit diesem Unterschiede, dass hier die Quinte mehr zur Geltung kommt und die Terz den Abschluss desselben bildet. Das ״Tewir“ macht den Schritt von der Tonika der Parallel-Molltonalt in die Dominante, und von da, mit Benützung der Zwischentöne, in den Grnndion der Durtonart. Das ״Geresch* bat nochmals den Grundtondreiklang der Durtonart zur Unterlage und unterscheidet sich von den obern dadurch, dass es mit der Quinte schließt. Die Gestaltung der beiden Tonzeichen der dritten Classe endlich ist folgendermaßen: Das ,kossr" erstreckt sich über die ganze Duroktave auf- und abwärts, und zwar im Aussteigen entweder durch Len Dreiklang mit dem Beisatze der Oktave, oder im Durchlause der ganzen Tonleiter vom Grundton bis zur Oktave, der Rückgang aber bewerkstelligt sich nur aus den Stufen des Dreiklanges und schließt dann mit der Secunde der Tonart, als Quinte der Dominante. Das ^eliselro gedolo“ ist hauptsächlich auf den Hauptton gegründet, und nur zu Ende kommt noch ein Doppelmordcnt der Terz, mit der Secunde als Wechselnote zur Geltung. Daraus sieht mau also, dass, wenn manche Grammatiker diese beiden letzteren Tonzeichen mit משוררים״‘‘ bezeichnen, sie insofern vollkommen Recht haben, als dieselben in der Thal eine größere Gesangstechnik zu ihrer kunstgemäßen Ausführung erfordern, indem sie schon einer schwierigeren Passage gleichfeben. Dies sind nun die Gestalten der nakten Figuren dieser Vorlesungsart und setze mau noch zu diesen den gehörigen Nhylhmus und die rezitativische Behandluügsweise derselben hinzu, so ׳haben wir das ganze sogenannte ^Lebs-bkos-Leinen" vollständig vor uns, mit seiner ibm zu Grunde liegenden Durtonart, untermischt mit Ausweichungen — wie es eben bei jedem besseren Tonslücke sein sollte — nach der Dominante und Subdominante, sowie nach der Parallel-MöÜtonart und ihren Dominanten, um mit LieieMzModnlationsäpparale die größer» oder kleinern Cäsuren eines Verses zu bewirken. Wir bemerken auch noch, wie bereits angedeuret, dass wir nur die H a u p t t o n z e i ch e n zum Gegen, stände unserer Erörterungen hier genommen haben, die unter¬ Die Rückkehr. Eine Skizze von M. Tintuer, Camor und Lehrer, Bunzlau Preuß.-Schlesien. (1. Fortsetzung.) ' (Nachdruck verboten.) Zuerst war Karl etwas verblüfft über diese Mittheilung, allein bald fasste er sich wieder. Was macht sich ein Künstler, der ohnedies noch keine feste Stellung bat, aus der Entlassung von einer schwankenden? Jetzt erst war er frei, jetzt erst konnte er ganz als Künstler leben. ,Nun mache ich Reisen*, sprach er zu seinen Freunden, — ,wer geht mit? Da wolle» wir ein Leben führen!* - Wenige Tage nachher erhielt er vom Vater ein Schreiben; dieser wollte Alters halber sein Amt uiedsrlegen und bei ihm in der Hauptstadt leben. Um den Vater nicht zu kränken, schrieb Karl nach Hause, dass er einstweilen dem Vater abrathe nach der Residenz zu kommen, da er bereits einen glänzenden Vertrag wegen einer Kunstreise abgeschlossen, Leu er halten müsse — und dergleichen Ausflüchte mehr. Eines Tages verschwand Karl aus der Hauptstadt, und in manchem geduldigen Provinzial-ZeltungSblättcheu konnte man Berichte lesen über Herrn Kraus' Kunstleistungen, der nun bald da, bald dort mit ungctheiltestem Beifalle Concerte gab. Auch nach s-iuer Vaterstadt drang sein Nus, und der alte Vater hatte seine Freude au den Zeitungsberichten. .'Ein Künstler wie mein Sohn, der kommt freilich nicht mehr nach G.*, sagte der Alte zu seinen Freunden, dis in der Dämmerung bei ihm ein Plauderstündchen hielten. Inzwischen-war Moritz mit seinen Studien fertig geworden und in daL Amt seines Vaters getreten, dessen würdiger Nachfolger er geordneten und gleichwerthigen aber der Kürze wegen binwegließen, jeder Kundige kann sich dieselben selbst'musikalisch deuten, um dadurch noch mehr zur rechten Erkenntnis zu gelangen. Mit Worten allein, ohne Notenbeispiele können wir überhaupt nicht viel ausrichten und sind daher nur auf die Mithilfe Anderer angewiesen, dass sie die gegebenen Begriffe und Stellen persönlich prüfen und erwägen sollen, ob wir mit unserer Darstellung im Rechten uns besinden oder nicht. Zur Vervollständigung des Zurückgelassenen, wollen wir noch auf das Jedem.geläusige ״Uwerosche chodschechem“ aus der Vorlesung am Neumonde Hinweisen, wo wir ersehen, dass der erste Theil des ersten Verses mit der tonischen Harmonie einer Durtonart seinen Anfang nimmt, welche dann sich zur Dominante und Parallel^Molltonart wendet und in die Halbkadenz mit der Baßklausel ausmündet; der zweite Theil beginnt wieder mit der tonischen Harmonie, welche dann unmittelbar zur Parallel-Molltonart übergeht, von dorr sich wieder vermittelst der Dominante zur Tonika wendet, und bei nochmaliger Berührung der Parallel.Molltonart, woraus eben auch die Subdominanten- Harmonie sich ergibt, läuft sie in die Ganzkadenz mit der Tenorklausel aus. Das ist der Verlaus eines jeden Verses, und treten nur dann kleinere Abänderungen und Variationen ein, wenn noch andere Tonzeichen, je nach Ausdehnung und Zusammenstellung des Verses, hinzu oder dazwischen treten und sich an die feststehenden anschmiegen und in ihnen aufgehen. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Juden iu Vorarlberg. Von Emil Feänkel, Wien. Schluss. Durch "den Erfolg immer kühner gemacht, hallte in der Nacht auf den 23. Dezember durch ganz Nankwekl der Aufruf, sich anzuschließen und das Werk fördern zu helfen. Und nicht ' vergebens; man fand^jetzt Masken nicht mehr nötbig, und was wurde. Die Hauptschwierigkeiten waren nun glücklich überstanden. Mit Freude erfüllte er die Pflichten, die ihm oblagen — ein ungeheucheltes Vertrauen seiner Gemeinde gab ihm Muth und Bernsssreudigkeit in seinem Amte. ,Mit der Zukunft soll's noch besser werden, guter Vater!* pflegte er zn sagen. ,Ich erziehe mir noch eine neue Generation in der Schule, der Samen fällt auf ergiebigen Boden — er wird einst die herrlichsten Früchte bringen.* Bald chatte Moriz auch ein trautes Weibchen gefunden und lebte in glücklicher Ehe. Der ,herzige* Großvater war von freudigen Enkeln umgeben und lebt-.׳ geachtet in seiner Gemeinde. Seit längerer Zeit hörte man nichts mehr von Karl, und Niemand wusste, wohin er gezogen, aber das arme Vaterherz sehnte sich nach dem Sohne, der seine Hoffnung, sein Stolz war. Doch es gab keinen Virtuosen Karl Kraus mehr; fort war er, verschollen und vergessen im Kreise seiner Freunde und Studiengenossen. Nur in der Familie des alten Kraus, da hörte man zuweilen einen tiefen Seufzer und den Namen ,Karl* erwähnen. ,Wo weilst du mein Sohn? Sollen denn meine Hoffnungen vereitelt werden, die ich so zuversichtlich auf dich s-.tzte? —Ruhe sanft mein theueres Weib, dein Auge war hellsehend, du fürchtetest, dass es so kommen würde.* — So jammerte zuweilen der gute Alte. .— -- -— In verschiedenen Provinzialstädtchen konnte mau lauge Zeit .hindurch, von Kneipe zu Kneipe ziehend, eineu Geiger und eine Clavier«- spielerin sehen und Horen. - Beide ausgezeichnet durch ihr Spiel und ost bewundert. Niemand kannte die: Beiden, '! Niemand beachtete sie sonst weiter — es wären eben herumziehende, heruntergekommene musikalische Existenzen. - . r ■ iwr׳■ ויו! '