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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-02-01 · Heft 4 (1.2.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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absichtslosen Tonspie! Genüge fand, weil er dasselbe mit der jugendlichen Lebensfreude und mit den glänzenden Blütheu einer markigen Stimme und einer strahlenden Phantasie überhauchte, so erblicken wir ihn im Manuesaller oftmals ablenken von dem labyrinthifchen Wade, in welchem er sicherlich untergegangen wäre, untergegangen znmindesten dem geläuterten Urtheile gebildeter Fachgeuofsen gegenüber. Mit der gewonnenen besseren lieber׳ zeugung, vielleicht auch bei dem Eintritte der erbleichenden Zugendfrische und des.immer mehr weichenden blendenden äußeren Scheines vertiefte sich feine Seele in die Wesenheit des tradikionellen Synagogengesanges, indem er zum Bewusstsein gelaugte, dass Lowy, Dowidl Brod, Kanarik, Knschtan rc. doch nicht ganz umsonst für ihn gelebt haben konnten, und dass er sich, ob gern oder ungern, mit Der synagogal.gesanglicheu Betätigung dieser Männer doch mehr oder minder abfinden müsse. Zudem waren die Componisteu des 861111210111 ׳ allesammt Christen, und Sulzer selbst von Gottes Gnaden ein Reformator des Synagogengesanges. Ganz anders verhält es sich mit Abraß. Abraß erscheint uns als Vertreter der altjudischen Synagogenweisen, hat seine Wandel- und Lehrjahre ausschließlich bei berühmten polnischen Chasanirn durchgcmacht und in der Athmosphäre des echten allsiidiichen Synagogkngesangsslyles .Singen^ und .Sagen* gelernt; wenn er auch später Opern und Oratorien mit Vorliebe gehört, und auch manche dieser Segnungen in seinem Gedächtniße haften blieben, so sindeu wir dennoch bei seinen Compositionen, und zumeist bei den recitativischen Gesängen, diesen allbekannten, altchasauischen Styl angeweudet, so dass wir ihm bei dieser Hinneigung zur alten Form den Vorwurf nicht vorenthalten dürfen, den traditioncllen Gesang (Cbalonus) so vollständig aus dem Wege gegangen zu sein. Mil Ausnahme der Osselism-Melodie. welche wir, wie schon oft erörtert, nicht für alltraditionell erachten, fanden wir im ganzen Werke nicht eine Piece, die das typische Gesangsgepräge des alten Chasonus trägt. Wie gedenken bei der weiteren Besprechung der im Werke befindlichen, im gewissen Sinne interessanten Compositionen, genügende Argumente für die Außerachtlaffung dieser bedeutungsvollen Gesangsgruppe anführen zu können. __ (Fortsetzung folgt.) Jahresbericht des österreich.-Ungar. Cantoren-Vereinks. Mit freudiger Genugthuung gehen wir daran, den geehrten Mitgliedern des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereines den Rechenschaftsbericht über das abzelaufeue Vereinsjahr vorzulegeu, indem wir darauf Hinweise» können, dass nach jeder Richtung hin günstige und erfreuliche Resultate zu verzeichnen sind. Die Vergleichung des vorjährigen Nechuungsausweiscs mit dem heurigen ergibt eine nicht unbeträchtliche Erhöhung unseres Vermögensstandes, welche aus das Anwachsen der Einnahmen, namentlich aber aus die möglich gewordene Nedncirnng der Ausgaben znrückzuführen ist. Die Mitgliederbeiträge ergaben fast die gleiche Summe wie. im Vorjahre, da der Stand der Mitglieder sich nur wenig verändert hat. Die Einzahlung war im Allgemeinen eiue regel- Mäßige, und nur gegen einige säumige Zahler musste im Sinne der Statuten vorgegangen werden. Au Mahnungen im letzteren Falle hat es nicht gefehlt, und nur dort, wo auch diese erfolglos blieben, hat der Vorstand nicht ohne Bedauern das betreffende Mitglied ausgeschlossen. ES ist zu wünsche» und zu hoffen, dass derlei Beschlüsse vom Vorstände nicht mehr gefasst werden ,müssen. Nächst den Mitgliederbeiträgen ergeben die Zinsen des Vereinsvermögens den größten Eiunahmsposten, deren gradueller Ausstieg von Jahr zu Zabr die sicherste Gewähr für die materielle Kräftigung und günstige Entwickelung unseres Vereines bietet. Bei dem Posten ,Spenden* müssen wir der Gemeinden S t r a k on i tz und T o b i t schau dankend erwähnen, die unS mit Jahresbeiträgen treu geblieben sind. Beim Aussenden der Sammelbögeu sind uns wo! noch von vielen anderen Gemeinden und Privaten Jahresbeiträge zugesichert worden, aber leider ist cs nur׳ bei dem Versprechen geblieben. Die Schuld hieran trifft zum großen Theile dis geehrten Vcreinsmitglieder in den betreffenden Gemeinden, denn bei einigem Interesse für die Sache wäre cs ihnen wohl sicherlich gelungen, die gezeichneten Beträge bereinzubringcn. Wir richten an Alle die eindringliche Bitte, in diesem Punkte nicht so lässig zu sein, und werden zur Begnemlichkeit der P. T. Mitglieder im Henrigen Jahre au jeden Einzelnen ein Verzeichnis der zugesagten Spenden einsenden. Zu den Ausgaben übergehend, haben wir die. Gewährung eines Jnvaliditätßbeitrages per 200 fl. an das berufsunfähig gewordene Mitglied Gabriel 9t o s e n s e l b in Ungereide n und diverser Unterstützungen zu erwähnen. Wo wir konnten, haben wir die traurige Lage von Unglück betroffener Berufsgenossen zu mildern gesucht und dem kollegialen Hnmanitätsprincip, auf welchem der österr.-ungar. Cantoren-Verein basirt ist, Ausdruck geliehen. Unser Streben soll es sein, durch Hebung der materiellen Mittel auf dieser Bahn weiter fortznschreitcn und unseren Berufsgenossen im Falle der Noth lhatklräslige und wirksame Unterstützung zu bieten. In den Titeln ,Kanzlciregie und Verwaltungsspesen* sind Heuer, trotz des abgehaltenen Cantorentages und der an sänumliche Statthaltcreien und die Cultnsgemeinden der Provinzbauplstädte gerichteten Eingaben zur Regelung der Standesverhälkniße der Cantoren, bedeuiende Ersparniße gemacht worden, so dass beide Posten kaum die Hälfte der im Vorjahre eingestellten Summe überschreiten. Dieser Umstand ist dem eifrigen Wirken des GesammtvorstanVes zu danken, und wir halten es hier am Platze, namentlich unserem Vereiuscassicr, Herrn Cautor M. Blatt, für . sein mühevolles Walten unsere Anerkennung auszudrncken.! Nachdem wir nun das innere Vereinsleben, welches in Ziffern und Zahlen seinen Ausdruck findet, gezeichnet haben, erübrigt uns noch, einen Rückblick zu werfen auf die Thätigkeit des Vereins- Vorstandes nach Außen, die gerade im abgelaufenen Jahre eine besondere Bedeutung hatte. Die Gelegenheit hiezu ergab sich durch das zu Beginn des Jahres 1890 dem Abgeordnetenhause vorgelegte ,Gesetz zur Negelung der äußeren Nechtsverhältnißs der israelitischen Neligionsgenosfenschafr.* Auf dieses Gesetz hatten auch die Cantoren große Hoffnungen gesetzt und in demselben die Negelung ihrer Standesverhältniße zu finden geglaubt.. .Jedoch abgesehen von einigen allgemeinen Bestimmungen, die immerhin eine Besserung der bisherigen Zustände herbeizuführen geeignet waren, wurde des Cantors in dem Gesetze keinerlei Erwähnung gethan. Das Präsidium, des österreichisch-ungarischen Cantoren- Vereines unternahm es nun, bei maßgebenden und einsiußreichen Abgeordneten vorzusprecheu, um ans die Mängel des Gesetzes hiuzuweisen und eine Corrcctnr derselben anznstreben; allein überall wurde den Vertretern des Cantorenstandes bedeutet, dass diese Angelegenheiten den neu zu entwerfenden Gemeindestatuten Vorbehalten blieben, und die Aufnahme diesbezüglicher Bestimmnngen in das Gesetz nicht-in den Intentionen der Negierung gelegen sei. Unter solchen Verhältnißen blieb nun nichts anderes übrig, als zuzuwarten und im geeigneten Zeitpunkte eine neue, wirksame Action einznleiten.. Dieser Zeitpunkt war gekommen, als die Cultnsgemeinden anfgesordert wurden, die neuen Statuten auszuarbeiten und de»

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