Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-02-01 · Heft 4 (1.2.1891) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 4 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/1304829-3453207-3453211--3066-3457382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oesterreichisch-ungarische Central-Organ Prnnmncralious-Preis. Kür Kontore» und KultnsSearnle in Hesterreich Ztngarn Ganzjährig.ft. •1.— Halbjährig . . . . .fl. 2.— Kür Kantoren und KuklusSeamte im Ausland Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig .... .fl. 8.— ,׳ die Intereffen der Hmtoren und Hultnübeumlen. Erscheint jeden zehnten Tag. N e g x n u b er: Oberen nt or Jacob Bauer. Hkedaction Administrnliau Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retonrnirt. ASonnements- und Inserlions- Seträge stnd in Wien zahköar. Nr. 4. Wien, 1. Februar 1891. 11. Jahrgang. Arlirr die Entwicklung des Synagogengesanges von Josef Singer in Wien. III. Serie. IV. Im vorigen Aufsätze 'betonten wir, dass die Abraß'schen Gesänge lediglich für den Geschmack der russisch-polnischen Juden, demnach für einen engbegrenzten Kreis des Publikums geschrieben Wurden. Dieser Verzicht ans eine allgemeine Wirkung enthebt uns auch der Nothwendigkeit, die Abraß'schen Gesänge mit dem Gradrnesser der allgemein üblichen Kritik zu messen. Allein auch die weitgehendste Berücksichtigung des Abraß'schen Standpunktes, wie die ausschließliche Untersuchung dieser seiner Eigenart gewähren uns keineswegs jene rllhige Befriedigung, welche bas künstlerische Ergebnis jedweder einheitlichen Schöpfung bilden muß. Dort, wo Rigunirn mit italienischen Nouladen, Flötenpassagen mit Choraltönen und Oratorien mit Opernstil sich innig umfassen, dort kann unmöglich von einem einheitlichen Charakter der Gesänge die Rede sein. Man könnte uns allerdings mir Recht einwenden, dass diese erwähnte Gesang-Mixtur eine beabsichtigte Kundgebung der Abraß'schen Muse war, und wir stehen nicht an, diese Absicht vom Standpunkte des Componisten, so wie im Hinblicke auf die erzielende Wirkung bei einem Theile des Publikums zu billigen — doch lediglich so lange, als ähnliche Compositionen im Manuscripte von Hand zu Hand gehen — ein gedrucktes Werk jedoch gehört der Oesfentlichkeit Und der Allgemeinheit an und muß auch allen Cousequenzen begegnen können, die eine öffentliche und allgemeine Benrtheilung im Gefolge hat. Befände sich beispielsweise diese Collection Abraß'scher Gesänge in der Hand eines uichtjüdischen Kritikers, so käme er sicherlich angesichts dieser Mannigfaltigkeit der Musikformen, welche oftmals unerwartet nebeneinander gestellt erscheinen, in arge Verlegenheit. Der Nichtjude hätte für diese Abraß'ichen Formen, Variation, Sonate, Rondo. Polonaise, Marsch, Walzer rc. bei der Compositkon eines Kirchen- oder sonstig religiösen Gesanges keinen Aufkläruugsgruud. Wir jedoch und Alle, die den Entwicklungsgang des Synagogengesanges genau kennen, werden bei einzelnen Piecen vielleicht bedauern, dass dieselben im Drucke erschienen, doch die Existenzberechtigung derselben, wie auch die der meisten übrigen Nummern vollinhaltlich anerkennen. Abraß ist der Vertreter jener Periode, welche die Vermittlung des alten Nesoboioiim - Stylcs. des sogenannten ad libitum- und StegreisgefangeS mit der strenggesügten Form des reinen Chorfatzes Herstellen sollte. Diese Vermittlung durfte keineswegs in schroffer, harter Weise bewerkstelligt, musste vielmehr in allerdings zielbewusster, aber immerhin zarter und überaus vorsichtige. Form gehandhabt werden. Vor allem jedoch durfte eS Abraß nie außer Acht lassen, dass er feinem Publikum gegenüber die alte, tradikionelle Weife hoch und heilig zu erhalten verpflichtet sei. Dieser Gesichtspunkt scheint Abraß ganz abhanden gekommen zu sein. Wir suchen beim Freitag-Abend- Gottesdienst vergeblich die bekannten, alten Auklänge mit der charakteristischen kleinen Septime und finden dafür eine moderne, balladeuartige Melodie, der gegenüber wir uns vollständig theil» nahmsloS verhalten; wir suchen weiter den Adonoj-moloeh- Steiger und finden als Ersatz eine »gaumenkitzelnde* Chornummer, die beim Adagio ״bamorom adonoj“ mit dem Septaccorde 6, gis, h, d und dem Haller beim I) geradezu ein interessantes Piston-Solo oder eine Bravourarie einer italienischen Primadonna erwarten lässt; wir forschen endlich nach den bekannten Molltönen in der Nogon onmus-Scala und finden im ״wajechulloh״ Nr. 10 eine Dur-Tonart und einen vollständig modernen Chorsatz, mit welchem wir uns keineswegs befreunden können. Allerdings folgte Abraß hiebei seinem berühmten Musterbilde im Lobir Zion I, allwo die traditionelle Melodie des Freitag-Abendgottesdienstes gleichfalls außer Acht gelassen unddurch willkürlich erfundene Töne ersetzt erscheint. ,Was dem Einen recht, kann doch wohl dem Anderen billig erscheinen!* hören wir rufen. Allerdings billigen wir auch bei Sulzer keineswegs dies- Verlassen des traditionellen Bodens; allein Sulzer fand im Schir Zion II Gelegenheit, den begangenen Fehler wieder gut machen, und wenn wir uns nicht täuschen, so war der Lobir Zioü II überhaupt das Product einer später gewonnenen, besseren. Ueberzengung. Wenn Sulzer im Schir Zion I, wie wir es an den meisten Stellen Nachweisen können, gewissermaßen an einem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.