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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-21 · Heft 3 (21.1.1891) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (21.1.1891)
Date
1891-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e ׳4? 2 14 Jahre zählende Bursche vom Kuttenberger KreiSgericbt zu einem Monat Gefängnis verurtheilt, und hiebei, wurde die Strafe wegen seiner Zugend gemildert. MÜnHMgräh. Bei der am 4. -Zauner stattgefundencn Wahl der Cullusgemeiude wurden nachstehende Herren nahezu einstimmig gewählt: Zum Cultusvorsteher Hr. Franz Kompert. zum Tempelvorsteher Hr. ZonaS Hann, zum Schriftführer Hr. Norbert Zsersteiu, zum Eassier Hr. Eduard Meubl, zu Beiräthen die Herren Albert Fanta und Adolf Pollatjchek. Wertin. Zu den nächsten Tagen wird den Herrn Rabbinern und Vorstehern der jüdischen Gemeinden Preußens der Entwurf eiuer Petition an das Abeordnetenhaus zuzehen, welche die Gleichstellung des jüdischen NeligionSunterrichts in der gegenwärtig zur Berathung stehenden Volksschul-Gesetz-Vorlage betrifft. Vier Dinge werden in der Petition berührt. Die Commisstou des Abgeordnetenhauses hat den Versuch gemacht, die jüdische Bevölkerung von dem Segen auszuschließen, den der Minister ihr zugedacht hatte, dass nämlich jedes preußische Kind Religionsunterricht genießen solle. Der Rabbinerbund petitionirt um Wiederherstellung deS Religionsrntwurfs. Der Gesetzentwurf bestimmt, dass der jütische Religionsunterricht nur auf Antrag der Gemeinde und unter dem Nachweis eines Lehrers eingeführt werden solle, die Petition geht dahin, dass die Regierung ans eigener Initiative den jüdischen Religionsunterricht einrichten solle, weil die religiöse Erziehung aller Preußen nach § 1 des Gesetzes die Aufgabe der Volkschule sei. Ferner sind für den christlichen Religionsunterricht Aufsichtsorgane vorgesehen. Die Petition will für die jüd. Kinder die Bildung von Schulbezirke!!, in denen ein Gemeinderabdiuer oder ein religiös geschulter Pädagoge die Aufsicht über den Religionsunterricht führen soll. Endlich gibt der Entwurf der Regierung das überall, wo 60 Schüler eines BekruntnißeS vorhanden sind, eine confessionelle Schule einznrichten; die Petition möchte, dass dies nur auf Antrag rer betreffenden ReligionsgeseÜschaften geschehen solle. So würde das Recht derer gewahrt, die die confessionelle Schule erstreben, und nicht minder das Recht derer, die im Zusammenleben der Kinder der verschiedenen Bekenutniße während der Schulzeit die Bürgschaft des konfessionellen Friedens sehen. WrttAek. Professor Martin Philippson, der als Rector der Universität Brüssel bereits sein Amt uiedergelegt hatte, hat. wie die ,Zndependence belge^ schreibt, trotz inständigster Bitten auch sein EntlassuugSgesuch als Professor au der philosophischen Fakultät der Wissenschuften aufrecht gehalten. Wiederholt sind Schritte seitens des Verwaltungsraths bei ihm gethan und eine von einer sehr großen Anzahl seiner Studenten nnterzeichuete Adresse ihm übergeben worden, in der Absicht, ihn zu veranlassen, von seinem Entlastungsgesuch als Professor zurückzutreten. Dennoch hat Herr Profestor Philippson auf seinem Entschluss bestanden. Für die Universität Brüstel ist dies eine sehr bedauernswerthe Thatsche, da sie in Martin Philippson einen Mitarbeiter von großem Verdienst verliert. Alle unparteiischen Männer aber werden ihm beipflichten, wenn er keine verkleinerte Stellung hat beibehalten wollen und seine Person der Ruhe der Universität geopfert hat. Martin׳ Philippson hat der Universität bedeutende Dienste geleistet; er hat dem Geschichtsunterricht einen neuen Impuls gegeben, und es ist allgemein bekannt, dass er sich mit der Ausübung seiner Reglementspflichten nicht begnügte, sondern sich eingehend mit den Studenten beschäftigte, deren individuelle Begabung ihm einer Ermuthigung werth schien. So hatte er verschiedeneherangebildet, die schon jetzt lebendiges Zengn iS ablegen von seiner fruchtbaren Thätigkeit, und er wird in seine Zurückgezogenheit die Hochachtung und das Bedauern der ganzen Universität mit hinübernehmen. Kempen (Posen.) Der Beerdigungs-und Krankenverpflegungs- Verein der hiesigen jüdischen Gemeinde begieng am 29. vorigen Monatsdas Jubiläum seines 200 jährigen Bestandes. Ans Anlass dieses denk« würdigen Tages wurde um 3 Uhr Nachmittag in der hiesigen Synagoge ein Gottesdienst abgehalteu, wobei der hiesige Rabbiner Herr Dr. L. Münz die Weiherede hielt. Am Abend desselben Tages fand ein großes Festesten statt, an welchem 160 Vereinsmitglieder und viele Ehrengäste von hier und auswärts theilnahmen. Königsberg. Bei den Zudenansweisungen ans Rußland wird anscheinend jetzt humaner verfahren. Hier eingetrostene Ausgewiesene berichten, dass das rustische Ministerium seit drei Wochen Maßregeln ergristen habe, um der Willkür der unteren Beamten Einhalt zu thnn. Dadurch ist eS endlich den Leuten möglich geworden, ihre Angelegenheilen in Ruhe zu ordnen und ihr Eigenthnm zu verkaufen. ßiUlttOVer, den 10. Jänner 1891. Am vergangenen Sabäth erwähnte Herr Landrabbiner Dr. Gronemann mit Rücksicht auf den in hiesiger Gemeinde eiuzeführten, am ersten Schewat stattfindenden Tanis zur Erinnerung an die Begründung der seit circa 130 Jahren hierorts stehenden ״Chewra Kadischau,a11 welchem man der ver» dienstvollen Männer in Israel gedenken soll, in warmen schönen Worten des vor kurzem Heimgegangenen Rabbiners Dr. Manuel Joel in Breslau, eines unserer bedeutendsten Philosophen, welcher durch seine Schriften bewies, dass viele christliche Gelehrte, welche dem Judeuthnm das und jencs abgesprochen haben, selbst aus den Quellen jüdischen Wissens geschöpft hätten. Hannover, den 11. Jänner 1891. Am Sabbath-Morgen durchlief die Trauerknnde unsere Stadt^ dass der Geheime Sanitäts- Rath, Dr. Hermann Jacob Cohen, im Alter von 86 Jahren sanft entschlummert sei. — Mit dem uns entrissenen hochgeachteten Mitbürger sinkt eine tüchtige geistige Kraft in die Gruft, ein biederer Mann hat daS Zeitliche gesegnet! Cohen ließ sich Mitte der dreißiger Jahre hierselbst als Arzt nieder und erwarb bei seinem reichen Wissen bald eine sehr ausgedehnte Praxis. An der 182s neu organisirten chirurgischen Schule war er lange Zeit als Privatlehrer der allgemeinen Pathologie ganzen Welt, und jeder, der mich einmal gehört hat, vergisst meinen Namen nicht wieder. Ich sage Euch nur, befolgt meinen guten Rath und lasst Euch mit diesem .... nicht ein!" Mit diesen Worten entfernte sich Chone und ließ, die Gesellschaft verstimmt zurück.-- Der Wirth wollte durchaus nicht Len soeben vernommenen Schmähworten Glauben schenken und eilte mit einigen Männern an daS ,Siübel^ des ״Bai schein״, um durch daß Schlüstelloch zu sehen, waS dieser da oben treibe. Sie sahen ihn in einen weiten Tallis gehüllt, die Arme gegen Himmel gestreckt, den-Körper heftig bewegend in der Mitte des Zimmers stehen.. Unverständliche Laute drangen an das Ohr d^r verduzten Lauscher. Der heilige Mann war in eine Ver׳ zückuug gerathen. Endlich vernahmen sie deutlich die Worte: ״Maloehim! Ihr habt es mit vernommen, dass ich beschimpft wurde. Landarjon, Mebailel, schont die Kehilla, verderbt auch ihn nicht! Weh! was seh ich V ^Habt ihr gehört? Wir haben wunderbare Beweise von der Heiligkeit des ha! schem, mit unseren leiblichen Au gen haben wir gesehen, mit unseren Ohren gehört״, erklärte laut der Wrrth. Der Rabbi öffnete die Thür und fragte mit matter Stimme: .Was war denn das für ein Lärm, den ich soeben vor meiner Thür vernahm?* Die Männer standen wie versteinert vor dem heilige» Manne, keinen Laut konnten sie hervorbringeu. ,Ei, ei, Reb Korejv־ ,Macht Euch keine Sorge, ich weiß, ich weiß Alles, aber Lolachti! Doch der Chasan soll seine Verlänmdungen schrecklich büßen, er hat mich «!׳.gebellt wie ein Hund, und zum Hunde wird er zur Strafe für seine Frevelthat werden!' sagte pathetisch mit grollenden Blick der beleidigte Rabbi. Die Leute stoben wild durcheinander,, um nur.bald das. soeben Gehörte in der ganzen Gemeinde zu verbreiten. Da stürzte das Söhnchen des Wirthes, Leibele genannt, lachend in die Schankstnbe und sagte mit freudestrahlendem Gesichte: ,Vater! wir werden einen kölnischen Chasan hören. Ich lauschte an seiner Thür, um. einen neuen Nigun zu lernen, aber, weißt Du was, es klingt gerade wie bei unserem ,Schecke! * -!van, wau! Es ist zum Kranklachen!^ schloß der Junge seine Mittheilnng, und zog eine Schaar Neugieriger au das Zimmer des bellenden Chasans. , Wahrhaftig, sie hörten Alle ein fürchterliches Gebell. Endlich wagten einige beherzte Männer die Thür zu öffnen, und mit Grausen sahen sie den verwunschenen Chasan auf Händen und Füßen laufen. Mit gewaltigen Sprüngln war er bald ans den Stühlen, bald auf dem Tisch und wieder auf dem Fußboden. ,Schrecklich, schrecklich!^ schrieen die Leute, der Bai schein ist echt, ein schreckliches Strafgericht traf den Verläurnder und Spötter! ׳ .

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