Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1891)
- Date
- 1891-01-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453207-3453210--3063-3457378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 2× ep/1004827
OCR text
— *T — und Kinderkrankheiten thätig, sowie Administrator der Samsonschule zu Wolfenbüttel. Auch war er Inhaber des Königl. Preußischen Adlerorden IV. Als erster Vorsteher unserer Gemeinde hat sich der Verstorbene mit heiligem Eifer den gottgeweihten Institutionen derselben gewidmet, unermüdlich, selbst im Greisenalter noch, hat er in uneigen« uütziger Weise gelebt und gestrebt für sie! Wie der Herr dem MoseS zurief, als dieser mit den Israeliten in das Land der Verheißung ziehen wollte: ״llaw loehl“ Du hast genug! Also hat Er auch dem edlen Heimgegangenen zugerufen. Der Ruf des Höchsten hat ihn von hinnen genommen, damit er ausruhe von seiner Arbeit und sanft schlummere dort oben, wo ewiger Frieds wohnt. Viel Gutes aber wird durch ihn, durch die Erinnerung an ihn, an sein edles Muster und Vorbild nach seinem Tode noch der Gemeinde erstehen, au deren Spitze er gestanden! ״Wejoschauw heofor al hoorez k’schehojo, whoruach toachuw el hoelim ascher nesonoh! So kehrt der Staub zurück zur Erde, von der er genommen, der Geist aber schwingt sich empor zum Vater, der ihn gegeben! London. Vorletzten Sonntag wurden in vielen Kirchen und Kapellen Predigten abgehalten, welche die Bedrückung der russischen Juden zum Gegenstände hatten. In seiner im City Tempel am Sonntag gesprochenen Predigt sagte Dr. Parker: ,Ich bin mir vollkommen klar über meine Stellung mit Bezug auf die Frage der religiösen Toleranz. Ich bin tolerant gegen jeden, der ehrlich und anfrichlig denkt. Mit unaussprechlichem Abscheu wende ich mich von der Bedrückung der russischeu Juden ab, und ich erkenne dankbaren Herzens den Adel der Gesinnung und die Würde an. die Cardinal Manning in seinem Schreiben über diesen Gegenstand bekundet hat. Ich bin überzeugter Protestant und vertrete ans das Entschiedenste mein B kenntnis. ich könnte aber niemals meine Stimme erheben für die politische Rechtsbeschräukuug meiner römisch-katholischen Milbrüder. Juden und Papisten wollte ich alles das gewähren, was ich für mich selbst beanspruche, aber weder Juden noch Christen, weder Papisten noch Protestanten würde ich es gestatte», an die Constitution zu rühren, die unsere Freiheit zugleich beschränkt und schützt. Was die Papisten aubelangt, so habe ich unendlich mehr Respeet vor dem Papst in Rom als vor irgend. einem Priester, der sich äußerlich zum Protestantismus bekennt, in der That aber der Religion des Papstthums dient. Einen ehrlichen Priester der Kirche von England ehre ich; einen heuchlerischen Diener unserer Lehre verachte ich.' — Der Prinz von Wales war vom 1. d. ab einige Tage der Gast des Baron Hirsch auf dessen kürzlich angekanftem Landsitze in Norfolk, Wretkam Hall bei Thetford. Weitere Gäste des Baron Hirsch waren der Marquis von Hartington, Lord Elcho, die Herzogin von Manchester,Viscount nudViseountesS Curzon. Mr. Chaplin, Lady Nandolph Churchill, Admiral Stephenson und der österreichische Botschasiesäcretär Graf Kinsky. Petersburg. .Die russische Presse ist geradezu rasend über das Guildhall-Meeting. Die »Nowaja Wremja' schäumt vor Wuth. Die Lage dcr Juden ist verzweisinnzsvoll. Ich glaube kaum, dass der englische Protest, einen Nutzen baben wird. Die Inden zittern und beten, dass er wenigstens ihre Lage nicht noch verschlimmern möge. Sie haben auch Grund zu fürchten und zu beten. Ich erfahre aus zuverläsiiger Quelle, dass der Minister Herr von GierS. als er von dem russischen Gesandten in London die Nachricht über das stattgehabte Meeting empfing, es als seine Pflicht erachtete, dem Kaiser hiervon Mittheilnug zu machen. Se. Majestät schlug voller Wuth mit der Faust auf den Tisch und rief dabei aus: .Wer wagt eS, sich in innere Angelegenheiten meines Reichezu mischen?' PubliraLionrn des österr.-ung. Cantoren-Nrreines. In der Dienstag, den 20. d. M. stattgehabten VorstandSsitznng wurde durch den Vereinscassier M. Blatt der Rechenschaftsbericht pro 1890 erstattet, dessen Ergebnis sich als ein sehr günstiges darstellte. Dem Cassier wurde Absolutorium und Dank ansgesprochen. Die Veröffentlichung des Rechnungsausweises und Jahresberichtes erfolgt iw nächster Numm-r.׳ Präs. Stellvertreter I. Bauer brachte einen Antrag ein auf Veranstaltung eines ConcerteS zu Gunsten der Cassa des österreichisch» ungarischen Cantorenvereines. Die Beschlussfassung hierüber wurde für nächste Sitzung vertagt. Der Vorstand deS österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Frage. Bekanntlich existirt der More Newochim von Nambam mit den Commentaren Nurbuni von Rabbi Moses Nurbunr und Giwas hamore נבעת המורה welcher im Jahre תקנא in Berlin gedruckt wurde. Da aber der Commentator des Giwaa hamore sich durch feine ganze Vorrede zu More Newochim in tiefster Anonymität hüllt und nur zum Schlüße seiner Vorrede bemerkt: Wer neugierig ist meinen Namen zu wissen, der findet ihn in der Auflösung folgenden Näthsels: קורא משביל אהובי—תדע שמי ושם אבי - בהתבוננך במלת “שביי■ so bitte ich um die richtige Lösung dieses NamenrätbsekS, damit der Name deS Giwas hamore endlich bekannt werde. M. G. Allenberg Cantor und Religionslehrer, Liesing bei Wien. Correfpondenz der Redaction. N. in P., P. in W. Diesbezüglich wollen Sie sich direct an den Vereinsvorstand I. Seitenstettengasse 4 wenden. D. in Z. Für diesen Zweck sind die Compositionen des Cantor Hochglück in St. Gallen bestens zu empfehlen (Siehe Inserat.) Männer, Frauen, Kinder, Blinde und Lahme strömieu nun zu dem »guten Jiden' herbei, um von ihm Trost, Rath, Fürbitte, Amulets und Segen zu erlangen. Die Leute waren begeistert von den weisen, segenverheißenden Worten des heiligen Mannes, und Jeder suchte sich ihm über seine Vermögensverhältniße dankbar zu erweisen. Auf diese Weise hatte Jakow in einigen Stunden mehr erworben, als er in seiner Eigenschaft als Marschalek in eintin Jahre verdiente. Der Schabboa rückte heran, und der verwunschene Chasan, der in Schul’ singen sollte, geberdete sich immer noch wie ein Hund in seinem Zimmer, und bei jed-em wau, wau erregte er das innigste Mitleid seiner Zuschauer. Endlich kamen die Vorsteher, um sich beim Rabbi hal schem für seine Begnadigung zu verwenden. »Ihr seid gute Jehudim“, sagte der Rabbi freundlich. .Euren Bitten will ich Gehör leisten und 1fi.Ha thun, damit das Leiden des Chasan abgekürzt werde. Er soll wieder zum Menschen werden, doch muß er noch bis zu Habdalah st n m m bleiben. — Eilet, eilet und bedecket den Gestraften mit diesem Tallis, und er wird sich wieder in einem Menschen, wie er gewesen, verwandeln.* Der Tallis bewirkte das verheißene Wunder. Der Chasan machte sich jedoch nur durch Geberden verständlich, und von seiner Hundenatur war ein Heißhunger zurückgeblieben, der durch sorgsame Pflege, Seitens des Wirthes durch guten Schallt und Ungarweiu gestillt wurde. Kaum war der Schahhoa zu Ende, als dem Chasan von allen Seiten große Nedowos dargebracht wurden, denn der gütige Bal achem hatte zu Scholosch Sudos bewiesen, dass nur der böse Ruach den Chasan zu seiner Verlänmdung verleitet hätte, der aber in Folge des Tallisauflegens ausgetrieben sei, sonst wäre Reh Chone ein guter Jehudi und vorzüglicher Bai menageu. Durch die entsetzlichen Qualen, die ihm auferlegt worden waren, werde er aber noch lange Zeit nicht singen können. Nach Hahdalah begab sich Reh Chone wieder als Mensch in die Gaststube und entschädigte die Gesellschaft durch seine würzige Unterhaltung, und Alle gestanden, noch nie in ihr m Leben einen solchen Moze Schahhoa verbracht zu haben. Die Stimme jedoch war heiser! Am anderen Morgen fuhren unsere briden Hilden in entgegengesetzter Richtung zum Thore hinaus, um sich ungehindert auf der Landstraße wieder begegnen zu können. Mit gefüllten Börsen und heiterer Laune schlugen sie den Weg nach ihrer Heimath ein und belustigten sich über die Dummheit und Leichtgläubigkeit der sogenannten Cyasidim. Qb es jetzt in jenen Gegenden mit den Wnndermännern besser geworden ist. bezweifeln wir sehr. Möge der Geist der reinen Sinailehre unsere dortigen Brüder erleuchten, und mögen sie ihre Zuflucht nur zu dem Einig-Einzigen Gotte nehmen. Das walte Gott!