Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1891)
- Date
- 1891-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Betracht» ugsvörtrag, wie in dem unserer heutigen Zügengemäßen, religiöse:: Festgesauge ohne viel Umhersuchens gerecht zu werden. Was den eigentlichen Touwerth, d. h. den musikalischgesanglichen des Werkes anbelangt, so können wir nach genauem Durchgehen aller Nummern seines reichen Inhaltes getrost die gewonnene Ueberzeugung auslprechen, dass diese durchwegs das Motto verdienen: »Sanft,, lieblich und edel.' Jede Ueberfnlle, jeglicher überflüssige Tonschwall ist vermieden, sie wurzeln tief im Geist, und Wesen unseres heilig gehaltenen Traditionsgesanges. ES spricht sich in ihnen rein-jüdische Gemüthstiese überall, in den einfachsten, genleinfasslichen Tonbildungen aus, es sind uns verwandte, a'nmutheude Klänge, die ihren Zweck trefflich erreichen köünen, ja erreichen müssen : nicht die Gesangestechnik in ausgeprägt kunsthascheuder Manier herauszufordern, -sondern zur schlichten, frommen Erbauung,׳ zu einer würdigen und erbebenden Andacht zu führen. Und das ist es ja, was unserer Zeit besonders notb thut. Es ist eben kein Buch für den ,großen' Cantor, sondern vielmehr nur eins für den Gottesdienst, ein — הדלת קודש* die Veredelung und Vereinfachung jeder religiösen Feier zu einem wahren Gottesdienste bezweckend. Mit großer Sorgfalt -und sachkundiger Einsicht, sind diejenigen Gesangstücke aus den großen Meisterwerken unserer berühmtesten Componisten ausgewäblt, welche sich längst das Bürgerrecht in dem gottesdienstlichen Gesänge, aller gebildeten Gemeinden erworben haben, für denselben typisch und Gemeingut des jüdischen Volkes geworden sind, daher durch andere, neue Melodienschöpfungen gar nicht zu ersetzen, noch zu verdrängen wären. Hier aber offenbart sich der Herausgeber in der arrangirenden Bearbeitung solcher von ihm aus älteren Werken geschöpfter Melodien als ein Fachkundiger und Musikverständiger, der eS versteht, ״das vorhandene reiche Material zu bewältigen und es vortheilhaft zu vereinfachen', der es -versteht, an jenen Kunstschätzen geistvoll zu participiercn und ibre Schönheiten zu genießen, auch — genießen zu machen; ja.noch mehr, der es versteht, die Intention, den Geist seines Vorbild-Componisten in jene schlichte, reine Form zu gießen, die der Volksseele gemäß und geeignet ist. sie für eine bessere und edlere Kunstempsindung zu bilden und ästbelisch zu erziehen. Es ist, so kann man wohl sag'eiy die Popularisiru'ng der Wissenschaft, angewandt - auf die ausübende Kunst des Synagogengesanges. . - / Eigene Compositionen biejet. jedoch der Verfasser ' auch in großer Fülle, die sämmtlich das charakteristische Gepräge ihres Schöpfers au sich/ tragen, einfach, gefällig und lieblich in's Gehör fallen und als bestes Criterium ihres gesanglichen; Werthes aufzuweisen haben: die gute Wirkung, welche sie aus die Hörer in.der Synagoge ausüben, wo-der geregelte Gemeindegesang bercirs zur stehenden Ordnung geworden istdenn sie prägen sich mübelo.s ein,- werden gern gehört und auch — gesungen. Wir müssen uns versagen, einzelne Nummern aus-deu drei Theilen des Werkes als Beweisstücke für das abgegebene Urtheil Herauszugreisen, allein als einen besonderen. Vorzug dieses Werkes müssen wir doch hervorheben, dass dasselbe sehr viele Necitativ-Stücke für den alleinigen Vortrag des Cantor bietet, die vom Herausgeber componirt, in anderen ähnlichen Werken sich selten - finden. So z. B. die Gesangsstücke inHallel: 10 omus etc.r das El mole rachamim, Echod Jochid, der Jehi rozaun zu Bircliot bachodesch, solche gur Keduscha, zu den Selichot, die Benedictionen zu 8oboLar, Eulavv, zur Ns^illab, und vor allem, einige stylvoll gehaltene Sätze aus Nalobiot, 8iebronot, Lestokrot, die als Musterstücke gelten können, weil sie geeignet sind,.jenen wilden Formalismus des willkürlichen Vortrages, der die meisten Cantorcu zu nur schädlichen, weil unzeitzemäßeu, Bravour-Anstrengungen verführt, eine wohlthätige Schranke zu setzen. Außer dem allem enthält das Werk noch viele Vorträge gesanglichen und rhetorischen Charakters, hebräische und deutsche, für alle vorkonimenden Casualfälle, so zur Seelenfeier,.zur Geburtsfeier des Landesherrn, zu Trauungen, zur Britb-Mlab-Feier, wobei selbst der Tijchgesang: דל ד,2!ל bzw..נודה •לשמך nicht fehlen, zu Trauerbegäugnißen, zur Einsegnung von Confirmanden, Jubilaren, für Trostbedürftige und m. drgl., überall von liturgischen Notizen begleitet und alles in schönster systematischer Anordnung in noch nie dagcwescuer Vollständigkeit. Kurzum, es ist dieser ד,דרת קודש von Lintner in jeder Beziehung ein Eol-bo — לא חסר כל ד2ר♦ Daher empfehlen wir dieses Werk aus vollster. ^.Ueberzeugung allen Gemeinden und Cultusbeamten zur.Erzielung j eines gleich schlichten, als erhebenden und würdigen Gemeindegesanges. Drr verwunschene Lhasan. Humoreske. Nacherzählt von M. Tintner, Caulor und Lehrer, Bunzlau Prcuß-Schlesien. In der vormärzlichen Zeit gehörte es zum bon ton vieler ungarischer und polnischer Gemeinden, sogenannte .Reimer oder Marschälke zu besitzen. Diese Troubadours hatten die Aufgabe, bei Familienfesten die Gäste je nach der Situation zu belustigen, oder auch ernst zu stimmen; dafür wurden sie reichlich mit Geldgeschenken bedacht und fanden auf diese Weise ihre Existenz. Traurig sah es aber um die leichtlebigen Leutchen aus, wenn Niemand Gelegenheit fand, ihre Talente in Anspruch zu nebmen. Da mussten diese Lustigmacher, die gewöhnt waren, heiter durch' s Leben zu.wandern, in ihrer Klause am Hungertuche nagen und — besseren Zeiten entgegen sehen. Eine solche Phase traf einst die beiden Marschälke in der Gemeinde N., Choue und Jakow, die friedlich ohne Concurrenzueid, neben einander lebten. Sie fassten darum den -heroischen Entschluss, «ach einer entfernten Gegend zu ziehen, wo sie sicher waren, keinem Bekannten zu begegnen. Hier sollte sich nun Chone für einen Chasan und Zakow für einen Bai 86b6w ausgebeu. Chone, der nicht einen Ton singen konnte, sah seinem kühnen Unternehmen mit Bangen entgegen, auch ließ die Rolle, die Jakow -übernommen hatte, wenig Erfolg erwarten. Doch ihr Rassinement ersann bald Mittel, die ihnen aus der Klemme helfen sollten. Einem Chasan und einem Bai scbem musste der Ruf vorausgehen, darum beschloss Jakow, mit Wnuderthaten änfzutreten, und gleichzeitig das׳ öffentliche 0r6n seines Freundes verhindern zu suchen. An einenr Freitagmorgen hielt ein kleiner Landwagen in dem ungarischen Flecken M. vor dem Wirtshanse. Dienstfertig half der jüdische Gastwirth dem anständig gekleideten Manne beim Anssteigen. Der Angekommene fragte sofort, ob er hier den 80habbo8 zubringen könne, und-ob der Präses der Gemeinde anwesend wäre, da er die Absicht habe, den Gottesdienst abzuhalten. Der erstaunte Wirth gab dem Fremden eine bejahende Antwort Und erkundigte sich mit tiefer Verbeugung, mit wem er eigentlich die Ehre zu sprechen habe. Chone' stellte sich stolz und selbstbewusst als berühmter Chasan aus Brodi vor. Der Wirth eilte, beglückt einen solchen Gast beherbergen zu können, in die Schenkstube zurück, um seinen Gästen die angenehme Mittheilung zu machen, dass zu Schabbos ein berühmter Chasan 016n werbe. Die Freude Aller war groß, und bald war die ganze Gemeinde, von diesem Ereigniße unterrichtet. - Indessen hielt ein zweiter Wagen vor dem Wirthshause, der Wirtheilte wieder hinaus, um auch diesen Gast, einen ehrwürdig aussehenden Manu, zu begrüßen. Dem Fremden, der sich gleichfalls über Schabbos