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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-21 · Heft 3 (21.1.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (21.1.1891)
Date
1891-01-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 unerreichte Nabbi Salomo sich als seinen Schüler bezeichnet. Unseres Wissens ist das auch der erste Fall in der nachtalmndischen Litteratnr, dass das Wort יסוד angewendet wird. Bevor wir jedoch die Bedeutung dieses Wortes erörtern, wollen wir noch zuerst zur Bimab zurückkehrend, den Platz des Vorbeters bestimmen. Zm babyl. Talmud Traktat Beraebot(über die Segensspräche) 10b 34a, sowie in dem Traktate Roch baschana (über Las neue Jahr) Folio 32a und b und 34a sinden wir die Ausdrücke ירד לפני התיבה und עבר לפני התיבה er gieng vor die Theba, die heilige Lade, oder stieg herab und kam zur Thebah. Dr. Hamburgers» der von uns angeführten Stelle (Neal-Encyclopädie H. Theil, xax. 1145) glaubt daraus schließen zu dürfen, dass die Birnab nicht immer an demselben, d. h. an einem hiesür bestimmten Orte sich befand. Obwohl nun rhatsächlich die Bunab, im späteren Mittelalter und in der Neuzeit Almemar (Almemor) genannt, tatsächlich an verschiedenen Orten sich befand, glauben wir dennoch, dass aus Leu augeführten Talmudstellen dies ableiten zu wollen, nicht richtig ist. Wie wir noch heutzutage nicht nur vor der Vorlesung aus dem Pentateuch (Thora) die heilige Lade öffnend, mit dem ויהי בנסיע beginnen, und dann das Einheitsbekenntnis Gottes verkünden, sondern auch על כל צרה שלא תבא in schweren Krankheitsfälleu, wo für die Genesung der schwerkranken Personen Bitt- und Bußpsalmen im frommen Gebete an Gott richten, wird überdies auch an dem sogenannten 4יום כפור ל!טן), am .kleinen Vcrsöhnungßtag* die heilige Lade geöffnet, und der Vorbeter musste thatsäcklich, wie der lalmudische Ausdruck lautet, ירד לפני התיבה er musste von der Bimab (Almemor) hinabsteigen, um zur Tebab zu gelangen. Thatsächlich ist die Einrichtung der Prager Altneusynagoge eine derartige, dass von dem Almemor (Bimah) nach zwei Seiten Stufen hinab zum ארן הקדש zur heiligen Lade führen. Wenn es nun auch feftsteht, dass die Ältneusynagoze frühestens im 12. Jahrhunderte entstand, so ist dies doch unzweifelhaft, dass sie nach sehr altem Muster und Vorbild wurde aufgebant und im Inneren eingerichtet, und dadurch selber belehrendes Vorbild und altebrwürdiges Kunstwerk für die Zukunft geblieben ist und noch bleibt. So viel stcht nun fest, dass ter Platz des ״Sehliach Zibbur“ *) .des Abgesandten der Gemeinde* ein hoher und hervorragender war, er war ורם מעם^ ,erhoben aus dem Volkes Er erbielt demgemäß aus der Gemeiudecasta ein jährliches Honorar. (Scbulcban aruch des von uns erwähnten Nabbi Josef Caro, Oraeh Cfaajjim, Paragraph 53.) Nicht nur Las Organ der Stimme musste ein wohlklingendes Irin, auch die Anssprache musste eine reine und richtige sein. So sagen der Nif und Nan zum vierten Perek Abschnitt deS lalmudische« Tractals Megillah (über Gesttzesrollen) Folio 374, Columne 2, dass man die Bewohner von Bet Schean und die von *Thebain nicht vor die heilige Lade treten, d. h. sie nicht als Vorbeter fungiren lasten durfte, weil sie das Ajin (ע) wie א (Alef) und umgekehrt aussprachen. Ja, so großes Gewicht wurde mit Recht darauf gelegt, dass selbst die süßeste Stimme und das wohlklingendste Organ als nichts und nichtig geachtet wurde, ja *) Dass der Jom Kippur katan, der ״kleine Versöhnungstag" eine Einführuug jüdischer Kabbalisten ist, von welchen man bis ins 16. Jahrhundert hinein nichts wusste, sei gelegentlich hier bemerkt. 5) Die einzelnen Pflichten und Rechte des שליח צבוד schildert am ausführlichsten Rabbi Jizchak Lampronti (aus dem 18. Jahrhundert) in seiner großartigen talmudischen Real-Encyclopädie Pachat Jizchak unter dem Schlag. Worte שליח ’צבור («äitio des Vereines Ll«k!2s Nirdamim, Berlin 1887,) ־ Seite 219a—224b. — Wenn wir keine besondere Quelle ansühren, schöpfen wir aus dieser unerschöpflichen, bisher leider fast ganz vernachläffigten Fundgrübe für Halacha und Hagada. dass man den Bibelvers auf einen solchen Sänger anwandte: היתד. לי נחלתי כאריה ביער נתנה עלי בקולה על בן שנאתיה (Mein Erbtheil ward wie ein Löwe im Walde, so erhob cs seine Stimme, darum haste ich es). Für einen echten Vorbeter ist kein geringerer als der Ro8eb (Nabbenn Ascher ans Toledo) voll des höchsten Lobes: Würdige Vorbeter sind weder Handwerker, noch verachtenswerthe Bänkel» sängcr, sie sind vielmehr eine Krone des Hauptes. (Fortsetzung folgt). Das Mojchol Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischea Schriften. XIII. Josua, Sohn Sirachs, auch ״Ben Siro“ genannt, war der Sohn eines palästinischen Juden, nach Einigen eines Arztes, nach Andern eines Hohenpriesters, und lebte wahrscheinlich um die. Zeit 210—180 v. j. Zeitr. Sein Spruchbuch, das er verfasste, ist eine Blumenlese (Anthologie) von Sittensprüchen, eine Nachahmung der Sprüche Salomons, und scheint er auch viele Sprüche von demselben entlehnt zu haben. Die Kirchenväter nennen das Buch ein ,T u g e n d s ch a tz und S i t t e n k a t e ch i s m u s und das tridentinische Concil erhob den Josua Sirach zu den canonischen Schriften. Von Seiten des Judenthums ist ihm diese Auszeichnung nicht zu theil geworden. Unsere Nabbinen wollten es gar zu den ״Seforim bachizaunim“ rechnen. Im Talmud (8anb. 100) wird das Sprachbüch Ben 8iro erwähnt, und Nabbi Josef war derjenige, der es verwirft. Es werden mehrere Stellen daselbst aus dem Buche angeführt und darüber debattirt, ob sie in sittlicher Beziehung nicht anstößig sind, und wenn auch das Resultat für ihn nicht ungünstig aussällt, so hat es doch in jüdischen Kreisen wenig Eingang gefunden. Dafür mehr in christlichen Familien; in älteren Zeiten wurde das Sirachbnch sogar in den Kirchen verlesen und in,den Schulen traktirt. Luther selbst nennt dasselbe ein gar nützliches Buch, das fromm und klug macht. Auch die späteren jüdischen Geschichtsschreiber sprechen sich lobend darüber ans. Grätz in seiner Geschichte der Israeliten (2 Band b, Seite 218) schreibt über Josua Sirach: ,Die Verirrungen, die er in seiner Geburtsstadt überhaudnehmen sah, erfüllten ihn mit Trauer und Schmerz und gaben ihm den Gedanken ein, ein Spruchbttch anzulegen, um auf die Schäden derselben hinzuwcisen und dadurch seine Stamm- und Zeitgenosten auf den rechten alten Weg zurnckzufnhren. Er war ein Spätling der Sprnchdichter.E Von Josua Sirachs Lebensumständen ist gar wenig bekannr. Von Jugend auf suchte er Weisheit und flehete im Tempel zu Gott, dass er sie ihm zu Tbeil werden laste, und als er sie gefunden, hielt er fest an ihr und wich in seinem ganzen Leben nicht davon. Er war glücklich, da's ihm Gott eine beredte Sprache gegeben, und setzte seinen Lebenszweck darein, ihn mit seinen Lippen zu preisen. Sirach halte viel gelitten, und durch Leiden und Prüfungen hat er Erfahrung gesammelt. Wir wollen nun einen kleinen Auszug von den wichtigsten Sprüchen Sirach'S unseren Lesern mittheilen. Sirach geißelte mit stachelnden Worten den Uebermulh, die Falschheit und die Lüsternheit, der Neichen welche den Mammon anbeteten. ,Wer Pech angreift, beschmutzt sich, und wer mit einem Frevler umgeht, wird diesem gleich. Was kann der Topf mit dem Kessel für Gemeinschaft haben? Dieser wird anstoßen und jener zerbrechen. Der Neiche thut Unrecht und er brummt noch dazu, der Arme leidet Unrecht und er bittet noch dazu. Wenn Du ihm dienlich sein kannst, benutzt er Dich, und wenn Du Mangel hast, verlässt er Dich; wenn Du! Vermögen besitzest, lebt er mit Dir und beutet Dich aus. Bedarf

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