Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1891)
- Date
- 1891-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumtralions-Preis. Jür Kantoren und Kuttusveamle in Hesterrrich-Ztngarn Ganzjährig ...... fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und Kuslusöeamle , im Anstand Ganzjährig.8 Mark oder.4 Rubel.. - Kür private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Central01־g־an für die IntereAn der Guntoren und ^ultusbemuten. Ersrl; rruL jeden; e h n L e n Tag. L e g r ü über: Öbercautcr Jacob Bauer. Medactroir Admimkratrau׳ Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden, billigst berechnet. Atanuscripte werden nicht retournirt. Abonnementsnnd Inserlionsbetröge stnd in Wien zaytbar. Nr. 3. Wien- 21. Jänner 1891. 11. IahrKanA. Zur Grschichtr des Lautorutes im Mittetalter und -er Neuheit. Von Dr. M. Grün Wald, Rabbiner in Jungbunzlau. III. Lchoil der PI a tz, den der Vorbeter in der Synagoge, in dklu Be:- und Vcrsammiungßhause einilahm, zeigt daraus bin, wclchci Rang ihm kn der Gemeinschaft Israels zukam. Der Talmud nennt diesen Platz ״Bimah“ (1(בימה), gewöhnlich durch .Anhöhe' wicdergegebcn. Ob diese Einrichtung ursprünglich jüdisch, wollen wir dahingestellt sein lassen; uns scheint es. dass dies eine Nachahmung der christlichen Kirchen war, ja dass selbst die größte mustergebcnde Basilika in Alexandrien uichtjüdischem Vorbilde angepasst wurde. Die Beter, die versammelte Gemeinde, befand sich, wie dies in Prag in der Altneu-Synagoge noch zu jeden ist, in der Tiefe, entsprechend den Worten des frommen Sängers und Dichters 'ממעמקים קראתיך ה .aus der Tiefe rufe ich Dich an o Ewiger', und die Tiefe des räumlichen Standpunktes soll die Herzenstiefe, die Innerlichkeit des Gebetes veranlassen und versinnlichen. Nur der Vorbeter und der zur Thora Gerufene ward der Ehre thcilhaftig, aus der ,Tiefe zur Höhe' zu gelangen. Daher der Ausdruck עליה Alijah (das Au f ft ei g e 11 zur Thora) daher עלה ייתורה er ist hinaufgestiegen, hat sich erhoben zur Thora. Wo nun die- Bimah sich u r s p r ü n g l l ch befand, ob in der Mitte oder gegen Ende der Synagoge nach oben, lässt sich nun nicht mehr ermitteln. Am wahrscheinlichsten war die Thora- Lade (die heutige Arche) in fast unmittelbarer Nähe der Bimah, wie dies tbalsächlich in der Altneuschule der Fall ist. Ja selbst die F a h 1t,e, die aus dem Schwedcnkriege, aus dem Jahre 1642 stammt, und die bis auf den heutigen Tag sich in der Altneusynagoge befindet, scheint nicht nur dem rühmlichen Andenken ') Die Etymologie dieses Wortes ist bis jetzt noch nicht festgestellt worden. Im Pentateuch kömmt schon das Wort במה ,Anhöhe' vor und haben wir im griechischen Worte bömüs ״die Anhöhe" dieselben Laute; uns jedoch will es bedünken, dass das talmudische Wort bimah aus dem griechischen bßma (von den Griechensclbst im Mittelaller Und der Neuzeit bima ausgesprochen) abstammt. Es wäre dies ein-Beweis mehr für den Jtäzysmns. — Ueber bie Bimah vgl. Hamburger'S Real-Encyclopädie s. v. Synagoge, Seite 1145; halber, sondern auch zur Erinnerung an die alexandrinische Fahu zu dienen. Der Synagogendiencr^) gieng nämlich auf die Anhöhe (Bimah) und gab mit der Synagogenfahne das Zeichen, damit das^Volk zur bestimmten Zeit in das Amen') einfalle. Das Wort ,Amen' selbst spielte in der jüdischen Liturgie eine große Nolle. (Näheres sehe man in meinem Buche: lieber den/ Einfiufs der Psalmen auf die Entwicklung der christlichen Liturgie^ Frankfurt am Main, Kaufmann 1890.) So ward das Schlusslicd beim Mussafgottesdienfte ein Akrostichon auf das Wort Amen. Das so melodische Ln k’elohenu »Niemand ist unserem Gotle gleich' lautete ursprünglich in hebräischer Fassung wie folgt: 'אין באלהינו וב מי נודה Das ברוך אלהינו »Gelobt sei unser Gott' u. s. w. bildete den naturgemäßen Schluss, wie ja bekanntlich die Segenssprüche׳ stets mit 'ברוך אתה ה »Gesegnet seist Du, o Ewiger' schließen. Dies herrliche Lied stammt auch von einem Vorbeter, voit einem Chasan. Ein hervorragender Gelehrter zur Zeit Raschis (R- Salomo den Iizchak aus Troyes in der Champagne) war Nabbi Meir; an zahlreichen Stellen erwähnt nun der bedeutendste Commentator von Bibel und Talmud den שליח צבור Nabbi Meir mit den Worten: מיסודו של רבי מאיר ש״ץ למדתי בן aus dem׳ Grundbuche (Tertbucbe) des Nabbi Meir, deS Abgesandten der' Gemeinde, habe ich dies gelernt. Wenn nun auch außer den von Zunz in feiner Bropgraphie Naschis angeführten Daten nichts Näheres bekannt ist, so genügt es darauf hinzuweisen, dass der 2) Ueber das Alter der Altneusynagoge vgl. Jacob W. Pascheles' Volks kalender für das Jahr 5645 und unser ״Jüdisches Centralblatt" 1888 p. 18 ff. über die Fahne daselbst und die Anschrist vgl. m ei n e Geschichte der Juden in Böhmen p. 46, woselbst wir die deutsche Uebersetzunz der Fahneninschrist nebft Erklärung bringen. 2) Amen wird gewöhnlich durch: ״Es werde wahr" übersetzt; hatte jedoch schon in der Bibel und folgerichtig im Talmud Wort und Bedeutung eines SchjwuresH es ist deshalb mehr als eine leere Spielerei, wenn Amen אמן zergliedert wird in die Worte אל מלך נאמן »Der Allmächtige ist ein treu bewährter König" nnd von den jüdischen Mystikern in אני מוסר 1פשי nW weihe mein Seelenheil mein Leben."