Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1891)
- Date
- 1891-01-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Jahr längst von ckato inner Monatsfrist erlegen werden, sie namentlich oblautß in gutem Schutz nit allein gehalten, sondern such, wie sie Juden begehrt, die zehn Jahre lang, doch gegen jäbrÜcher Bezahlung von jedem zehn Thaler und zweien gemästeten Gänsen, Lei allem Obigem zu verbleiben und allhie zu wohnen anädia verwilliaet scyn soll. (Schluss folgt.) Die Leniandoivslü-Feier in Berlin. Berlin, am 3V. December 1890. :דון וכבוד יתן יהוד, לא ימנע טוב י לחלפים בתמים ,Gunst und Ehre gibt der Ewige, versagt kein Gut denen, die untadelig wandeln.' Diese von Lewandowski so ergreifend componierten Worte des 84. Psalms darf ich mit vollem Rechte dem Feste als Devise ausheften, welches am 27. d. M. in ungestörter Harmonie dem Altmeister des Syuagogal-Gesangcs zu Ehren gefeiert wurde, und daß jedem Theilnehmer unvergesslich bleiben wird. Am 13. d. M, dem eigentlichen JubiläumStage, waren dem Jubilar schon zahlreiche Geschenke, Depeschen, Gedichte und Compofitioncn, besonders aber die Adresse des Vorstandes des österreichisch׳ ungarischen Cautoren-Vereines in Wien, zugegangen. Die Feier am 27. eröffnete ein Ständchen, welches Mitglieder der Krank ncaffe Berliner Musiker dem Jubilar als dem Begründer dieser so segensreich wirkenden Vereinigung darbrachten. Hieran schloß sich die Beglückwünschung seirens der Familie. Pünktlich wie immer war Lewandowski um 9 Uhr auf seinem diesmal mit Topfgewächsen, Guirlanden und Lorbeerkränzen festlich geschmückten Dirigentenplatz. Nachdem er die Gesänge zum ־שחרית Gebete geleitet hatte, wurde er als ^דא zur Thora gerufen und von den Synagogeu-Vorstehern ans einen Ehrenplatz geleitet. Im Anschluß an die Schrifterklärung gab sodann Herr Rabbiner Dr. Maybanm eine gedanken- und gefühlvolle Schilderung der Verdienste Lewandowski's um den Syuagögen-Gesang. Vom I°Q1V-Goltesdienste 'ab bis zur .קתשה und עבודה tun .יום כפור charakterisierte der Redner die Tonschöpfungen des Jubilars in innigster und sinnigster Weise. Gleichsam als eine Bestätigung ertönte nach dem Segen und Am u vom Chore herab der so tief empfundene Ouartettsatz für Männerchor וכרתי?1ד und der preisende Gesang des Gesamnitchores ♦שאו שערים Welche Gefühle mögen das zartbesaitete Herz des Meisters durchzogen haben, als er vor Gott diesen Ehrentag zu feiern begann, und als ihm von dieser Stätte die Töne eutgegenströmten, die vor nun fast 50 Jahren niedergeschrieben, ihre weihevolle Kraft bis heute erhalten haben und w^t über das Gedenken der Menschen hinaus behalten werde»? — Kaum zu Hause augelangt, wurde dem Jubibar die Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers, seine Ernennung zum ,Professor', zu Theil. Als erste offieielle Gratulanten erschienen nun die Mitglieder LeS Vorstandes der jüdischen Gemeinde, welche ihm unter Ueberreichuug einer kunstvoll uud reich ausgestatteten Adresse die Theilnahme und Len Dank seiner Vorgesetzten Bthörde aussprachen. Durch eine besondere Inschrift wurde' der Jubilar fortan von der Ertheilung des Gesangsunterrichts an der Gemeinde-Knabenschule unter Belastung seines bisherigen Gehaltes und besonderen Feststellungen bei etwaiger Peusiouirung rc. befreit. Eine zweite Adresse überbrachte sodann der Voistand der Hilfskaffe für israel. Cultnsbeamte uud deren Wiiwen und Waisen in Deutschland, unter Führung seines Vorsitzenden, des Herrn Rechtsanwalt Dr. Stern. Ihnen schlossen sich die Berliner Canto!en au. Ln deren Namen Herrr Markssohn dem Gefeierten einen silbernen Pokal verehrte. Hierauf folgte die Deputation der Lehrerkollegien der Gemeinde-Knabenschule, der Lehrer-Bildungs- und Präparandeu Anstalt, geführt von Herrn Semiuardireetor Dr. Holzmann. In der Beglückwünschung durch das Rabbinat hob Herr Rabbiner Drr'Ungerleider besonders hervor, dass dieser Tag die Hoffnung»» und Wünsche erfülle, welchen vor 2öZJahren Leopold Znnz ז״ל so beredten Ausdruck verliehen habe. Gegen 1 Ubr. überreichte das Festcömite unter Führung des ׳Herrn Zsaac eine Adresse und eine Ehrengabe von 10.000 Mark zur freien Verfügung des Jubilars, sowie mit einem Mückwunschschreiben, einen Ehrenpokal der Gemeinde München. Den Schluss der Deputationen bildete die des Vereins ehemaliger Zöglinge der jüdischen Lehrer-Bildungs-Anstalt in Berlin, namens dessen Herr Weber-Berlin die Ansprache hielt und welcher sich, außer niedreren — anderen ehemaligen Zöglingen, die zur Feier von außerhalb eiirgeti offen waren, Herr Cantor Jacobsohn-Leipzig angeschlossen halbe.' um den Jubilar im Aufträge der Gemeinde Leipzig zu beglückwünschen. In die Telegramme, Briefe, Compositionen, Gedichte u. s w. auch nur einen Einblick zu gewinnen, war bei der Fülle derselben nnmögiich. Um 7 Uhr abends hatten sich die prächtigen Festränine de4 Vereins , der Gesellschaft der Freunde zu der vom Comite veranstalteten Lewandowski-Jubiläumsfeier bis auf den letzten Platz uiit einer ausgewählten Gesellschaft gefüllt. Kurz nach 7 V» Uhr betraten der Jubilar und seine Fainilie unter den Klängen seines Orgelprälidiums -zum' ראש השנה den Saal, von den Anwesenden ehrfurchtsvoll durch Erheben von den Plätzen begrüßt. Das nachstehende Programm mit den Namen der ausführenden Künstler zeigt am besten die Art der dem Meister dargebrachten musikalischen und oratorischen Huldigung. 1. Prolog (Worte von Mosenthal) gesprochen von Herrn Director Siegmund Lantenbnrg. 2. Streichquartett H-moll (Manufcript) die Herren Prof. Joachim, Kruse. Prof. Wirth, Prof. Hausmann, 3. Psal in 84 (für Solo, Chor und Orgel) Dirigent: Herr Siegfried Ochs, Solo: Frl. Jettka Finkenstein, Großherzoglich Hessische Kammersängerin, Orgel: Herr Rockicki. 4. Trio für Pianoforte, Violine, Vinoloucello C*moll (Manuscript) die Herren Prof. Gernsheim, Prof. Joachim. Prof. Hausmann. 5. F e st r e d e gehalten von Herrn Dr. Gustav Karpeles. 6. Psalm 134 (für Choc und Orgel) Dirigent: Herr Siegfrid Ochs. Der Chor bestand ans Mitgliedern hiesiger Gesaugvereiue. Die aufgeführten Compositionen waren sämmtliche vom Jubilar. Ueber den Werth der Compositionen urtheilt G. E. in der »Voss. Zeit' : Beide Werke (Ouartett und Trio) legten wiederum ein schönes Zeugnis ab von dem Ernst, mit dem deutsche Musiker mitunter ihre Künste pflegen, dem Ideal nachstrebeud, ihre Mußestunden zu innerlicher Arbeit benutzend, aus reiner Freude an der Sach-׳, ohne alle Aussicht auf äußeren Erfolg. In beiden Werken bewährt sich die volle Vertrautheit mit den Gesetzen des Kammerstyls, melodische Frische und contrapunktisches Geschick. Es ist sehr bemerkeuswerth, dass gerade das Adagio, das für andere, welche Gewandtheit aber keine Tiefe besitzen, zur gefährlichsten Klippe wird, seine .,(Lewandowski's) besten Eigenschaften zur Entfaltung bringt. Das an das Concert sich anschließende Festbankett eröffnete Herr Commerzienrath Goldberger, der Delegierte des Gemeinde-Vorstandes, mit dem Toaste auf Se. Majestät den Kaiser. Herr William Wolf würdigte als Musiker nochmals die Verdienste des Jubilars. Ihm schloß sich Herr Prediger Dr. M. Lewin namens der Gemeinde Nürnberg an, für deren Synagoge Lewandowski die Musik zum Gottesdienste, allein geschrieben und einheitlich seine Ideen zur Wirkung und Gelinng gebracht habe. Herr Hofopernsängcr Jul. Lieben sang sodann das Lied : ,Der erste Schnee" von Lewandowski. Tiefbewegt dankte der so reich und innig Gefeierte zunächst Gott, und darauf allen denen, welche ihm an diesem Tage Liebe und Anerkeinluug in so hohem Maße bekundet haben. Herr Dr. Minden schildert ׳ die Harmonie in der Ehe und Fainilie des Jubilars , und brachte sein Hoch der Gattin und den Angehörigen. Herr Professor Dr. Cohen aus Marburg, Lewandowski's Schwiegersohn, dankte ihm und dem Festcomils. Es vereinigten sich hierauf die Damen Fr. Lieben, Fr. Prof. Cohen, die Herren Bloch und Dr. Lewandowski (Sohn) - zum Gesänge eines sehr launigen Quartetts des Jubilars: ,Die Käser- Hochzeit', an welches sich das in gleichem Sinne von Jnl. Stettenheim gedichtete Tafellied anschloß. Nach dem durch Geist und Humor gewürzten Toaste des Herrn Prof. v. Hoftnanii ans die Damen wurde gegen 1 Nhr die Tafel aufgehoben. Ein kleiner Tanz hielt die Versammelten bis 3 Uhr um den Jubilar und seine Frau Gemahlin, welche rüstig und froh, den Jüngsten gleich, bis zuletzt ansharrten. Kleine Chronik. Wie». Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat sich Dienstag Len 6. d. M. in folgender Weise constituirt: Präses: Herr Wilhelm Riltcr von G 1t t man n; Präses-Stellvertreter: Herr Gemeinde« rath Gustav S i m o n; Section I. für Bethäns e r, s o n st i g e r i t u eile A 11 g e l e g e n h e i t e u, H ä n s er- A d m i u i st r a t i o n u n b B a uw e sen. Obmann: ,Herr Josef Hieldburgh ä n s s e r; Obmann-Stellvertreter: Herr Max Fleischer. — Section II. für Nute r r i ch t s w e s e u. Obmann: Herr Dr. Gustav K o h n; Obmann-