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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-11 · Heft 2 (11.1.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (11.1.1891)
Date
1891-01-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Stellvertreter: Herr Dr. Alfred Stern. — Sektion III. für Spital itub W o hI th ä l i g kei t s - A n st al t e n. Ob״, ann : Herr Gnstav Simon; Obinann-Stellvertreter: Herr Theodor Ritter v. Goldschmidt. — Sectio» IV. für Finanz en unb Controls. Obmann: Herr Moriz K arpeles; Obmann-Stellvertreter: Herr Josef M. Ritter v. Pfeiffer. -- Für die Agenden der Friedhof- Verwaltung besteht ein Comij«. Obmann desselben ist Herr Baurath Wilhelm Stiaßny Obmann - Stellvertreter Herr Gemeiuderath Gustav S i m o n. Wie». Samstag den 3. d. M. verschied im hiestgen allgemeinen Krankenbause Herr S. S a m n y l o w, bis vor Kurzem Obercantor in Galatz. Der Verstorbene hoffte hier Heilung von einem chronischen Leiden zu finden, aber leider hat sich ihm, diese Hoffnung nichterfüllt. Das Leichenbegängnis fand Montag den 5. statt, und gaben die Cantoren I. Singer, I. Bauer, I. Schiller, S. Dünmann, I. Witt» mann, S. Weinberger und Rabbiner Margnlis aus Galatz dein in der Fremde verschiedenen College!: das letzte Ehreaigeleite. Die Leichenfunction in der Halle versah Cantor Löwy von der Schiffsynagoge und am Grabe recitüte Cantor Wittmann das LI mole racliamim. ת׳נ׳צ׳ב׳ה. Wien. Am 6. d. M.?כיו טס fand das Jahrzeit für den verewigten Obercantor Professor Salomo n Sülze r statt. Um 11 Uhr Vormittags versammelten sich die hier weilenden Mitglieder der Sulzer'schen Familie am Ehrengrabe des Familienoberhauptes am Centralfriedhofe. Herr Cantor Emil Frankel, ein N ffe des Verewigten, sprach mit tiefempfundener Rührung die üblichen Gebete und gedachte hierauf Salomon Sulzer's als Familienglied. Bi dieser Gelegenheit wurden mehrere prachtvolle Kränze ans das Grab niedergelegt. Erwähnt sei hier auch, dass die Wiener Cultusgcmeinde zur Ehrung des unvergesslichen Meisters ein stylvolles Grabd.nkmal aufführen ließ. Montag den 5. Jänner begab sich eine Vertretung des österr.- nngar. Cantoren-VereineS, bestehend aus den Vorstandsmitgliedern I. Singer, I. Bauer, I. Schiller, S. Dünmann, sowie die Cantoren I. Wittmann und S. Weinberger auf den Centralfliedhof zum Grabe Sulzer's, um dem verewigte!! Meister anlässlich seines Jahrzeites Pietätvolle Ehrung zu beweisen. Nach Verrichtung einer stillen Andacht sprach Cantor Schiller bas Xaääiseb-Gebet. WiM. Der Bankbeamte, Herr Engen Singer, ein Sohn des Obercantor Josef Singer, wurde beim letzten Avancement zum k. u. k. Lieutenant in der Reserve ernannt. Dem strebsamen jungen Mann gratulieren wir zu der ihm gewordenen Beförderung. Wien, 9. Jäi.ner. Die heutigen Blätter berichten über den ' gestrigen Empfangßabend beim Bürgermeister von Wien,- welcher die Minister, die Spitz-.u der Behörden und die hervorragendsten Vellreter sämnulicher Wiener Gesellschaftskreise in den Prachtsälen des neuen Nathhauses vereinigte. Unter den Anwesenden sind auch die officiellen Vertreter der katholischen und protestantischen Religion angesuhrr, aber die der jüdischen Religion haben wir in sämmtlichen Berichten leider vermisst. Es wäre gewiss nicht ohne Interesse, zu erfahren, ob an die officiellen Vertreter derselben, au das Präsidium der Diener Cultusgemeinde, oder einen der Rabbiner und Prediger Wiens, als Verrreter der jüdischen ,Geistlichkeit", Einladungen zu diesem Arende ergangen sind, oder warum dieselben unterlassen wurden. Srag. Ein Gerücht, welches in der hiesigen Gemeinde conrsirt, verursacht große Beunruhigung unter den Gemeindemitglisdern. Es soll nämlich in der Commission, welche von der CultuSgemeinde» repräsentanz mit dem Entwürfe der neuen Gemeindestatuten betraut wurde, die Absicht bestehen — entgegen dem § 17 des Gesetzes vom 21. März 1890, welcher für alle gesetzlich angestellten Rabbiner gleiche Rechte festsetzt — einem der hiesigen Rabbiner besondere Vorrechte zu gewähren. Diese Beunruhigung der Gemüther wird wahrscheinlich bei den nächsten Wahlen in die Cultuszemcinderepräsentanz Ausdruck finden. - Hieilchenöerg. Freitag den 26. Dezember fand sich ein zahlreiches Publikum ans allen Kreisen der hiesigen Gesellschaft im israelitischen Tempel ein, um der ersten Aufführung der Gerhardt'lcheu Tempetgesänge beizuwohnen. Unser heimischer Componist hat sich hier zum ersten Male auf einem ihm ferne liegenden Felde versucht, und der Versuch ist wahrlich nicht mißlungen. Der gestern gehörte Cyclus von Gesängen umfasst einen großen Chor mit Baritonsolo zum Sabbatheingange, ferner die Psalmen 92 (mit Solo) und 93, endlich noch ein Baritonfolö, sowie diverse Response!!. Sie alle zeichnet gleichmäßig eine musterhafte Arbeit aus, weder der Satz der Chorstimmen noch die dem Charakter derselben angepasste Orgelbegleitung lassen irgend etwas zu wünschen übrig. Die einzelnen Soli sind sehr exact und charakteristisch gearbeitet, wenn auch gerade bei diesen Schwierigkeit auf Schwierigkeit gehäuft ist. Die zahlreiche Zuhörerschaft brachte der Aufführung das größte Interesse entgegen, nicht minder der Musik selbst, als der Wiedergabe derselben. Herr Obercantor Kestenberg trug mit den Vorzügen seiner Stimme und seines Vortrags zum Gelingen des Abends bei, er setzte sich über die technischen Schwierigkeiten mit Leichtigkeit hinweg und verstand es, durch aufmerksames Eingehen in die Intentionen des Componisten seinen Solis zur größten Wirkung zu verhelfen; seine Leistung war geradezu musterhaft. Recht wacker hielt sich der stattliche Tempelchor unter Leitung seines Dirigenten Herrn Julius Fischer: einig,׳ Unebenheiten in der Intonation, besonders dissonireuder Stellen, werden sich bei Wieder- Holungen von selbst bessern; nicht so der nicht zu verkennende Mangel an Tenoristen. Den Beschluss des Abends machte die Festhymne von Ferdinand Gerhardt, deren Sopransolo ein junges Mädchen mit ziemlich kräftiger jedoch noch unentwickelter Stimme sang; ob es richtig ist, den Gesang zu einer Zeit, wo die Stimmmutation einrreten mnß, durch Uebertragunz so schwerer Aufgaben zu pflegen, ist eine Frage, die sich der Lehrer vorlegen soll. Der Tempelchor, sein Leiter und der Herr Cantor haben sich durch die Aufführung dieser intereffanteu Werke ein unbestreitbares Verdienst erworben. X. Y. LemVerg. Die Baron Hirsch'sche Stiftung für Galizien und die Bukowina geht nun ihrer Activirung entgegen. Die Statuten derselben, bestehend aus 2» Artikeln, sind bereits von der Regierung genehmigt. Artikel II. führt als Zweck an: a) ,den Kindern israel. Eltern in Galizien und der Bukowina den VoikSschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften zu gewähren", b) ,israelitische Kinder zu tüchtigen Handwerkern nnd Landwirthen heranznbilden." Das Stiftnngscapital beträgt 12 Millionen Francs. Die Verwaltung obliegt einem Cnratorium. Der Sitz der Stiftung ist in Wien. Köln. Unter den vielen Reliquien, welche in den hiesigen katholischen Kirchen anfbewahrt werden, zeigt man, wie das ,Israel. Gemeinde-Blatt" berichtet, auch die U.berreste der Makkabäer, jener jüdischen Glaiibenöhelden, welche vor 2000 Jahren gegen AntiochuS von Syrien für den cinig-einzigen Gott kämpften und denen wir die Chanuka-Tage verdanken. In alten Zeiten wurde auch in der Christenheit ein Makkabäerfest zu Ehren der jüdischen Mutter nnd ihrer siebe» Söhne gefeiert, die für ihre» Glauben starben (Mak 2, 7). Seit dem 13. Jahrhundert ist dieser dem Judenthum entlehnte Feiertag einge« gangen. Wie die (angeblichen) Ueberreste der jüdischen Märtyrer nach Köln gekommen, darüber berichtet ein Blatt Folgendes: Die Reliquien der Makkabäer sind im Jahre 1164 vom Kaiser Friedrich I. dem damaligen Erzbischof von Köln. R inald von Dassel, geschenkt nnd von diesem nach Köln gebracht worden. Nach alten Berichten wurden dieselben durch Kaiserin Helene von Antiochien nach Konstantinop.l, der Residenz ihres Sohnes, gebracht und gelangten 'von da nach Mailand. Nach ihrer Ueberführnng nach Köln wurden sie einer Klosterkirche überwiesen, welche bald Makkabäerkirche und die Straße, in welcher sie lag, Makkabäerstraße genannt wurde. Die^Reliqnien der h. Makkabäer wurden am 6. November in der St. Andreaskirche anS dem knnstvcll.׳n Schreine behufs Wiederherstellung desselben gehoben. Dem Akte wohnten außer dem erzbischöflichen Commiffär, Herrn Domcapitnlar Lie. Velten die Pfarrgeistlichkeit und die Vorsitzende» teS Kirchenvorstandes nebst mehreren Mitgliedern bei. Dem Schreine wurden acht Häupter und acht Säckchen mit R liquien entnommen und nach eingehender Prüfung in einen eichenen Behälter gelegt, welcher nach Feststellung der betreffenden Urkunde mit dem erzbischöflichen Siegel geschlossen wurde. Die Häupter trugen sämmttich kunstvoll gearbritete. durchbrochene und mir echten Perlen und Edelsteinen besetzte silberne E nfassnngen. Zur gefälligen Diejenigen Herren Colkegen und Leser unseres Blattes, welche noch nicht das Abonnement pro 1891 erneuert haben» werden ebenso HWich als dringend ersucht, entweder den rntfallrndenBrtrag umgehend einrufenden, oder uns mittelst Karte anxurrigen, dass ste das fernere Abonnement aufgebrn. Dir Administration.

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