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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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achten und v.erebren wird. So möge denn daß Jabr des Heiles ולא יבשו עמי לעולס לפ׳ק für uns alle segensreich und beilbringend sein, uns wöge das Band der Eintracht, die Loiuug unseres erlauchten Landeevarers »Mit vereinten Kräften' umschließen. Pohrlitz, 26. Dcccmber 1890. S. Kornitzer, Cantor. Das Motchol Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und uachbiblischen Schriften. XII. III. Abtheilung, das Moschol als Spruch und S p r i ch w o r t i m weiteren Sinn- Der hebräische Ausdruck Mosckol wird insbesondere gebraucht für Spruch und Sprichwort in allen seinen Gattungen, Denk-Sinn- und Lehripruch. Der Spruch in gewöhnlicher Auffassung spricht einen sinnreichen Gedanken kurz und bündig auch bildlich aus. Er ist die Frucht des gesunden Menschenverstandes, bat die Erfahrung zu seinem Boden, dein er entsprossen, und bringt die Lehre, geschöpft aus den Vorkommnißen des Lebens. Auf dem Wege feiner weiteren Entwickelung dringt er auch in die verschiedenen Fächer des menschlichen Wissens. Der Spruch bringt, was von der Wcltweisheit, den Klugheitsregeln, den Anstands- und Siltlichkeitslehren für das Leben und die Sitte des Menschen heilsam erscheint. Wir haben von ihm neben den Erfahrungslehren auch die Reflexionen über das Streben und Ringen der menschlichen Gesellschaft, über die rechtlichen, politischen, religiösen und sittlichen Zustande der verschiedenen Volksclassen. Nach diesen Richtungen hin hat sich der Spruck auch in der jüdischen Litteratur, in den biblischen und nachbiblischen Schriften entwickelt und ausgebildet. Zn denselben sittdeu wir den Spruch einzeln und zerstreut, wo er zur Bekräftigung oder Erklärung irgend eines Ereignißes zitrrt wird. Erst in den späteren Schriften sind ganze Sammlungen davon angelegt. Von den drei Hanptlheilen der Bibel, des Pentgteuchs, der Propheten und Hagyograpben, ist es nur, letzterer, der ganze Bücher mit angelegten Spruchsammlungen hat. Am umfassendsten und reichsten sehen wir den Spruch in dem Buche ,Sprüche Salomons^ vertreten. Daselbst kommen vor: HelLenthaten eines russtlchkn Polsteimeisters. Oberst Wlassowsky hatte früher einen kleinen Pollzeiposteu in Warschau iuue. Dort erhielt er aber von einem polnischen Grafen einmal ein paar tüchtige Ohrfeigen, wodurch er gezwungen wurde, Warschau zu Verlassen. Die Regierung, als deren Organ er die Ohrfeige erhalten, fühlte sich gedrungen, dem durch feine unerbittliche Roheit brauchbaren Mann rin Pflästercheu auf die wohlverdiente Züchtigung zu legen, sie gab ihm einen Orden und eine höhere Stelle — die Stelle eines Ober-PolizeimeisterS von Riga. Seit seinem ,Regierungsantritte' ver« . folgt er besonders Deutsche und — Juden mit wüthendem Hasse. Neben Riga liegt reizend am User des Meerbusens der Badeort Dubbel«. ein Paradies, das leider unter schauderhafter Wirthschaft zu keiner rechten Blüre zu gedeihen permag. obgleich es manche Jahre recht gut bemcht ist. So erinnere ich mich, dass dort anfangs der achtziger Zahre fast 60.000 Badegäste waren, unter denen sich einige Mitglieder des kaiserlichen Hauses und der berühmte Dichter des , Oblomüw', Go nt s ch a ros f, befanden. Einen Hanpttheil des Badepubiicums bilden Juden, die dem Orte auch die Haupteinkünfte bieten'. Vor wenigen Wochen erschien nun in Dubbeln eines Tages Polft-imeister Wlassowsky mit vierzig Polizei-Beamten und theilte eine Verordnung mit, laut welcher jeder Badegast, ob Mann, ob Frau, ob 1. Sprü ch e über d as Verh äl'tnis de s M en schen zu Gott, als: ,Ueberall sehen die Augen des Ewigen, sie schauen.Böses und Gutes״ (K. 15. 3 ); ,Abgrund und Gruft sind Gott offenbar, vielmehr die Herzen der Menschen' (das. V. 11.); ,Der Mensch fasset den Entschluss,, .aber Gott .den Ausdruck' (K. 16, 1.); ,Der Mensch sinnt seinen Weg aus, aber Gott bestimmt dessen Schritt' (das. V. 9.); ,Hat Gott an dem Wandel des Menschen Wohlgefallen, dann schließen null) seine Feinde mit ihm Frieden' (das.). Dazu bemerkt der Midrasch (Jalk. z. St.): ״Unter diesen Feinden ist besonders der böse Trieb zu verstehen, er ist der größte Feind des Menschen, der von frühester Jugend bis' zum spätesten Alter ihn zu verleiten sucht; der aber einen gottgefälligen Lebenswandel führt, zwingt auch diesen Feind zum Frieden.' .Im Schoße liegt daß Loos, aber von Gott hängt seine Entscheidnng ab' (Das. V. 33.); ,Diele Gedanken sind in des Menschen Herzen, aber der Nath Gottes besteht (K. 19, 21.). Der Midrasch (Jalk. z. St.) übersetzt: ״w’Azas Adonai“, ist der Nath gottgefällig, dann besteht er'. Er bezieht diesen Spruch theils auf Äbsaiom, der seinen Vater vom Throne stürzen wollte, rbeils auf den Egypterkönig Pharao, der Israel vermindern wollte. 2. Sprüche über Religion, als: ,Gottesfurcht ist das erste des Wissens, Weisheit und Lehre verachten die Thoren.' (Spr. 1, 7.) Zn diesem Spruche macht der Midrasch (Jalk. z. St.) eine beachtenswerthe Betrachtung, die das Judenthnm besonders kennzeichnet: Der König David -behauptet: Der Anfang der Weisheit ist Gottesfurcht (Ps.-111, 10), während dessen Sohn Salomon lehrt: der Anfang des Wissens ist Gottesfurcht', damit will angedeutet sein, dass beide, Weisheit und Wissenschaft, das Gleichgewicht hatten, und beiden, wenn sie über- Haupt ersprießlich für die Menschen wirken sollen, die Gottesfurcht vorangehen muß. .Gottesfurcht ist die Quelle des Lebens, durch sie entkommt man den Schlingen des Todes' (K. 14, 27.); Gottesfurcht vermehrt die Lebenslage, die Jahre der Gottlosen werden verkürzt" (K. 10, 27). Dazu macht der Midrasch (Jalk. z. St.) eine wichtige geschichtliche Bemerkung: ,Gottesfurcht vermehrt die Lebenstage', das bat Bezug auf das erste Heiligthum. welches 410 Jahre sich erhalten, und während dieser langen Zeit verwalteten dasselbe nur fünf Hohepriester, somit jeder!'ebr Jange Kind, eine Steuer von fünfzig Kopeken zu entrichten hatte. Mit roher Gewalt fallt er in alle Häuser ein und zwingt selbst die ärmsten Leute zur Bezahlung dieser Steuer, und wie er das Geld eincassirt hat, bringt er ein zweites Gesetz zum Vorschein, wonach Juden, die nicht nach Livland oder Kurland zuständig sind, in Dubbeln nicht weilen dürfen, und binnen 24'Stunden müffen eine Menge kranker, theilweise schwerkrauker Leute, welche erst eben die Badesteuer entrichtet haben, den Ort verlassen. Wlassowsky hat auch während des Gastspieles Sonuenthal's das bekannte Heldenstück versucht, den Künstler aus weisen '-lassen zu wollen, weil er — Jude ist. In seiner ärmlichen Werkstätte auf der Moskauer Vorstadt zu Riga sitzt der Schachtelmacher Leb David Paß. Fleißig muß :et sein, um Drod für sich und die zahlreiche Familie zu erkämpfen. Es sind jetzt gar so schlechte Zeiten! und Liese Coneurren;! Und der Neid und Hass ans Schritt und Tritt! . . . Düster starrt er vor sich hin und Thräuen fallen auf das kleine schwarzlockige Mädel, das zu seinen Füßen knieeud anfangs heftig schluchzt und dann immer leiser und leiser flüstert: ,Ich Hab'Hunger, Vater, ich Hab' Hunger . . .' Ach, seit seit vielen, vielen Wochen׳ hat daS arme Kind knapp trockenes Brod zum Esten bekommen ... Da plötzlich wird die Thüre aufgerissen, und herein tritt — Polizeimeister Wlassowsky, begleitet von einem halben Dutzend Kosaken. { Das Kind springt schreiend auf und stürzt in die Nebenkammer zur

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