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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 nriprnuglick nichts mebr und nichts weniger als Diener bedeutet; allerdings sind die modernen Minister Diener des Kaisers und als solche hochgestellte Persönlichkeilen. Weiter erwähnt der Talmud in der Miichnah bereils die Cbasanim als Gehilfen beim Opseldienst im Tractate Tamid (der über die immerwährenden täglich 2 mal zu bringenden Opfer handelt) V. Abschnitt 3. Mischnab. dann im Tractate Ioma (der über den Tag par excellence d. h. den V e r s ö b n u u g s l a g handelt) VII. Abschnitt Miscknab 1; im Tractate Taanilh (wo die Fastenrolle angeführt wird) im 2. Abschnitt Mischnah 5. Aus all diesen angeführlcn Mischnajoth erhellt für jeden unparteiisch Blickenden zur Genüge, dass das Amt des Ebasan ein heiliges war. Als nun der Tempel zerstört wurde, stieg das Anseben dcr Chasanim dermaßen, dass sie den Ehrennamen שלית צב1ר »der Abgesandte der Gemeinde* d. h. deren Nerda die Braut vom Lande war, im Hotel selbst vorgenommen. Ich war wohl schon einigemal Zeuge solcher Expresstraunngen, ans Neugier aber, den neuen Oberrabbiner zu sehen und zu hören, drängte ich mich nebst vielen Hunderten, welche Verwandte, Bekannte, oder Geschäftsfreunde des Bräutigam waren, ili den Saal. Mich deuchte, ich wäre auf der Börse, so wogte halb stehend, halb vorwärtsdrängend die Menge, und erst als das Brautpaar mit dem Rabbiner durch eine Seilentbür erschien und durch Ziichen bekannt gegeben wurde, dass die Ceremonie ihren Anfang nehme, legte sich das Gemurmel ein wenig. Darauf hörte ich eine Stimme das Aschre anstimmcn — es wurde Mincha gebetet — und diese Stimme klang so, als wenn dem Besitzer derselben schon vor dem Hochzeilsmal so ein rundes Ding, Knödel genannt, anstatt in den Magen in dieKehlc gerathen wäre. Ich sah mich schnell um, ob nicht ein Mann der neu eingerichteten Nettungsgefellschast zur Hand wäre, Ireler erhielten. Dem talmudischen Grundsätze gemäß, שלית של der den Armen vor dem Erstickungstod retten möchte; zum Glück 1ND2 אדם ,der Abgesandte des Menschen ist ihm gleichgeachtet*, j wurde jedoch der Unglückliche und wir noch Unglücklicheren von war dieses Amt, das Cbasanat, ein ehrenvolles und verantwortungSi einem Andern abgclöst, der in mir die Erinnerung wach rief, reiches. Demgemäß musste auch der Charakter des Chasan oder dass Salomo» Sulzer vor circa 50 Jahren einen LIi-adir ge- Schliach Zibbur ein makelloser sein, er musste nicht nur in der Thora bewandert, sondern auch bei seiner Gemeinde beliebt sein. Mit seiner Stimme Gott zu ehren, galt bei den Talmudisteu für besonders verdienstlich; so sagen unsere Weisen כבד את ה' מהונך ,Ehre den Ewigen mit deinem Vermögen*, אל תקרי מהונך אלא מגרונך מה שחננך דד lies nicht: mit deinem Vermögen, sondern mir deiner Kcble, mit welcher er dich begnadigt hat.' (Fortsetzung folgt.) Prager Rundschau. II. Jupiter Pluvius zeigte ein ungnädiges Gesicht, und ein wütbender Sturm peitschte den kalten Regen nach allen Nichtuugen, als ich vor Kurzem in Prag ankam, um der Hochzeit 'meines Freundes N. beizuwohneu. Das garstige Wetter passte so wenig für einen Frcudenrag, dass es fast als eine Rache der Elemente angesehen weiden musste, weil sich ein junger Geschäftsmann ein Mädchen ebne Geld nahm, und da sich die Natur seit neuester Zeit ein Beiipi.l au den Menschen genommen, indem sie dcr Menschen unnatürliches Treiben trefflich uacbabmt, so schien das Wetter mit nnseicm Bräutigam so unzufrieden, wie dessen Leiwandte. Indes» kümmert sich ein Verliebter so wenig um Wind und Wetter, wie um seine Verwandte, wenn er nur das Ziel! Nekadesch von David Rubin, und eigentbümlicher Weise, auch seiner Neigung erreicht. Und erbat auch Recht. Große Cbaraklere er ist mit dem für die Popularität Snlzer's bezeichnenden O-Dur- Mi-adir auf dem Plane erschienen. Sollte denn wirklich das Wort ,unvernteidlich' das Attribut dieser Pi!ce bleiben, die obwohl schrieben, der einst fünsstimmig von dem berühmten Wiener Stadttempelchor ansgeführt, nun aber im Jahre des Heils 1890 glücklich als einstimmig der harrenden Menge in klagendem Tone . wiedergegeben wurde. Ueber All' dies hinaus vernahm ich, übertönt vom Rufen um Rübe, die von einem etwas verschleierten 1 Organe kommenden Worte des Herrn Oberrabbincr Dr. Ehrenfeld. Durch sein einnehmendes, bescheidenes Wesen, das einen großen Schatz edler Eigenschaften zu verbergen schien, wurde der Eindruck seiner Rede entschieden gehoben. Eine Stunde später erfreute ich mich wieder an den edlen Zügen dieses geweibten Mannes, der mir gegenüber in der Klaussynagoge stand. Ich halte nämlich die Eb׳׳e, als Beistand des Bräutigams zu sigurireu. So wenig mich nun im Hotel der ,Gottesdienst' anmuthete, so angenehm war mir der Aufenthalt tu diesem Golteshanse. Die lustigen, von keinem banalen Aroma insicirten }Räume lassen eine heilige Stimmung bald auskommen und erböben dieselbe durch den dem Eintrelenden entgegcnklingenden Gelang des Cantors und des Chores. Ich babe in meinem College!! und Namensbrnder einen sedr stimmbcgabtcn Cbasan, der wenn er in früheren Jahren etwas von Accentuirung und Nnancirung im Vortrag gelernt hätte, auch ein guter Sänger geworden wäre, kennen gelernt. Bei dieser Gelegenheit hörte ich von ihm einen hübschen lassen sich vom Mammon nicht bctbörcn, und der Beispiele, wo nur nm's Geld geheiratet wird, sind namentlich bei uns Israeliten genug vorhanden. Ueberbanpl hastet dieses Nebel großer l mit der allgemeinen Bezeichnung ,ewigschön', denn doch sich auf Geldgier auch Leuten an, die sich sonst da» Auseben bober Bildung und Humanität geben, und mit einem solchen Manne gieng ich einmal durch die Straßen Prag'» spazieren, als er mich plötzlich ans einen herankommend׳ n Lcichencondnct aufmerksam machte, biuter welchem nur zwei Leidtragende und einige arme Schlucker einhergiengen. ,Sehen Sie', sagte er, .dies ist ein Begräbnis eines armen Mannes!' und seufzend fügte er hinzu: .Um Alles in der Well soll man Geld baden!!' Diesen bedeutungsvollen Hinwei', da'S man ohne Gelb Nicht» ist, und mit Geld Alles, fand ich leider bestätigt, als ick vom Babnbos ankomment, mein Quraiier im ,Hotel Stein' ansschlug. Nur in Folge längerer Bekanntschaft mir dem Wirihe gelang e» mir, ein Zimmer zu erhalten, da fast alle Räumlichkeilen mit Leuten überfüllt waren, welche, wie ich hörte, als Gäste einer reichen Hochzeit anwesend waren. Der Trauungsact wurde, allen Schritten und Tritten gleich den Opern Troubadour, und anderen ähnlichen in unerhörten Lervielsälligungen repräsentirt. Ans. dere hervorragende Componisten haben ja auch Vorzügliches in Trauuugsgelängen geschrieben, und gerade in letzter Zeit bat uns Herr Joses Sulzer in seinem ,Anbange' mit einem prachtvollen Mi-adir und einem ebenso schönen Llsksro überrascht, weiche beide den Herren Cantvrcn Gelegenheit geben, sich und ihren Chor in glänzendes Licht zu setzen. Gerade solche Kräfte, wie bi^ Prager Synagogen sie habe», vermögen sich an die Bewältigung derartiger Prachtstücke heranznwagen und sollten dies auch nicht unterlassen. Zum fünften Male an diesem Tage ergriff Oberrabbincr Dr. Ehrcnseld das Wort, um diesem fünften Brautpar die Wichtigkeit des Momentes, während dessen, sie unter der Cbnppa stehen, zu Herzen zu führen; aber gewiss ist es, dass ich zum

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