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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-11-21 · Heft 31 (21.11.1890) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 31 (21.11.1890)
Date
1890-11-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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- -3aber ein guter Mensch reicht sie ihm dennoch aus Mitleid, und rettet den Köuigswhn vom Tode. Würde der Fürst diese That als ein Vergeben betrachten, er wird vielmehr den guten Mann belohnen, der ihm seinen Sohn erhalten. Und wir, wir Menschen alle sind Kinder Gottes.33) ״. Batra 10.) w.r. (Fortsetzung folgt). Aus dem Nachlasse Salomo» Suyer's. Wie ein guter,!lebender Vater, nachdem er seine Kinder gut versorgt und alle reichlich ausgestattet, ein hübsches Sümmchen noch zurücklegt, dass sie auch noch später, nach seinem Tode eines ihnen aufbewabrten Fundes tbeilhaftig werden sollen, ebenso hat der unvergessliche Sänger des unvergänglichen , Zionsliedes ״ unser Altmeister Salomon Sulzer '1‘צ׳ל׳! sich nicht mit dem begnügt, was er alles für uns in einem langen, thatenvollen Leben geschahen und gewirkt, sondern er trachtete auch noch, uns selbst nach seinem Tode mit einer reichen Gabe zu beschenken und uns ein .Andenken^ zurückzulasien, das der Vergesienheit nie verfallen kann und wird. Mit diesem Unterschiede aber, dass .unser Erblasier uns hier ein Erbe hinterließ, das mit keiner Summe zu vergleichen und auf einen bestimmten Werth nicht zu berechnen ist. denn es ist ein unerschöpflicher Schatz, den er uns in seinem Nachlasse vermachte, eine unversiegbare Quelle, an der unsere spätesten Epigonen noch sich zu laben und aus ihr lautern, wirklich künstlerischen Gesang zu schöpfen haben werden. Wenn wir nun in diese Compositionen alle einen Einblick thun, so tritt uns gleich das treffliche Urtbeil von Liszt über Sulzer klar vor Augen und erscheint uns in seiner ganzen Vollgültizkeit und Unumstößlichkeit. Liszt sagt nämlich in seinem Buche ״De Bohemiens et de leur musique“ über Sulzer Folgendes: .Bei Snlzer's ' Tempelgesang habe ich zum ersten und einzigen Male den Eindruck einer national-jüdischen K u n st empfunden, während alle andern, selbst trefflichen Leistungen jüdischer Tondichter, Poeten und Maler doch nur ein Nachbilden und Wiederholen christlich abendländischer Kunst feien.״־ Sehen Sie meine verehrten Herren Collegeu! Ein Liszt erkennt an, dass es eine national-jüdische Kunst, besonders in der Musik, geben muß, und fordert daher vom jüdischen Künstler, dass er auch diese und nur diese üben und pflegen soll. Dass aber eine solche wirklich vorhanden ist und nicht nur in der Phantasie der sogenannten Zdealisten allein existire, bezeugt uns Liszt, der sie in voller Wirklichkeit bei Sulzer vorgefunden hat. Welches aber ist das Erkennungszeichen jüdischer Kunst in den Sulzerischen Compositionen? Vor Allem ist's das sichtbare Streben, in und mit ihnen daß Höchste in der Kunst zu erreiche» und zu leisten. Dann aber ist's auch die warme, tiefe Empsindung, die Lebhaftigkeit der Tewpis und der besondere Neiz der Melodie, welche überall hervortreten und sich kennbar machen. Nirgend ein schwerfälliges Schleppen und Dehnen, eine geisttödtende Starrheit und Schlaffheit, sondern überall Leben, Geist und Beweglichkeit, wie eben das jüdische Naturell es erfordert und wie es auch dem Geiste der jüdischen Gebetsprache entspricht. Was aber seine Compositionen besonders und ausschließlich als jüdisch kennzeichnet, ist der Umstand dass sie ihre bauptsächlichen Anhalts- und Stützpunkte in der traditionellen Melodie suchen, und dass der Gesang sich in ihnen überhaupt nach geläutertem jüdischem Geschmacke gestaltet; dass auf den Sinn des Wortes und des Satzes der größte Werth gelegt wird, um dem Texte in grammatischer und syntaktischer Beziehung volle Geltung zu verschaffen, wodurch der Gebetinhalt mit der Melodie so verschmilzt, dass sie untrennbar erscheinen; es ist keine Tonmalerei sondern volle Wirklichkeit. Weitere Vorzüge Sulzer'scher Compositionen sind: Der klastische Aufbau ihrer Motive auf der einfachen, aber kräftigen harmonischen Grundlage des Dreiklanges, und die, vermöge der überaus gesanglichen Stimmführung, leichte, selbst den geringsten chorischen Mitteln zugängliche Ausführbarkeit. Abgesehen von dem allgemeinen praktischen Werth dieses Werkes ist auch die theoretische Nützlichkeit desselben eine große und bedeutende, indem es ein Studien werk ersten Ranges ist, und Belehrung und hohes Vergnügen demjenigen verschafft, der es zu erforschen sucht und die in ihm verborgenen Schätze hohen Wissens zu erfassen vermag. Was die nützliche Verwendbarkeit der Gesangstücke selbst anbelaugt, so sind sie, . wie gesagt, sehr zweckentsprechend und in mancher Beziehung sogar unumgänglich nothwendig. Die drei Hisoreri, resp. W’hoju limseliisso sind zu allen Lecho dodi gleichnamiger Tonart zu verwenden, und es ist in der That gut, wenn solche selbständige Compositionen für einzelne Strophen desselben existiren. Einen ganzen!Lecho dodi vollständig durchzusingen, ermüdet sowohl die Zuhörer wie die Sänger und ist langweilig. So aber kann man den einfachsten Lecho dodi vorher anstimmen und zur Würze einen der Disorcri hierzu beifügen und bietet damit einen Kunstgenuss, der noch Lust zu andern derartigen Genüssen übrig lässt. In Betreff der verschiedenen Adon 010m und Jigdal wissen wir ja, wie groß die Nachfrage nach solchen Stücken Sulzer'scher Provenienz ist, die entzücken und zünden. Naarizoch und K’wodö sind zwei Chorstücke für Männerstimmen, die ihre beabsichtigte Wirkung nie versagen werden. Der Text erscheint hier fein gegliedert und ganz besonders sinnreich pointirt. Mi chomocho (Schewuos) und Haneros halolu (Chanukah) sind auf die betreffenden traditionellen Melodien gegründet und entsprechen in ihrer Erhabenheit vollkommen der religiösen Weihe des Tages. Das Cantorsolo im ersteren, vorzüglich jenes von Weneemar ist wahrhaft seelenvoll und erhebend. Schon in diesem kleinen Stückchen sieht man Sulzer's wahre Größe im jüdischen Necitativ. Was sollen wir aber erst sagen von der unvergleichlichen Comp o sition des Adonj nioloch? Wir können unsere, solcher Schöpfung gegenüber nur schwachen Worte in diesen einen Begriff zusammenfassen: cs ist ein Meisterwerk! Würdig eines Sulzer, würdig des so kurzen, aber das Weltall umfassenden Psalmes. Mit den Brandungen des vom Sturm gepeitschten und bis auf den Grund aufgewühlten Meeres, sprüht sie Feuer und Flammen, und mit der dem Sturme gebietenden und das Meer beschwichtigenden Gottesstimme gleitet sie sanft auf der gekräuselten Fläche zu ihrem erhabenen Ziele: die Anerkennung der Macht Gottes im heiligen Gotteshause für alle Dauer und Zeiten. Im Ma towu sind Cantor und Männerchor zugleich be-!heiligt, und ist besonders das Cantorsolo, welches stark mit jüdischer Tonfärbung durchwirkt ist, höchst schwungvoll und sehr interessant. Es dürfte hauptsächlich für Synagogeneinweihungen, des in ihm ausgesprochenen Ernstes wegen, sehr geeignet erscheinen. Mil den vier Boruch haho und drei Mi adir haben wir eine sehr willkommene Gabe erhalten, denn wenn man bedenkt, wie sehr und oft man in Verlegenheit ist, bei Hochzeitsfeierlichkeiten den animirten Gästen etwas Gediegenes bieten zu können, so wird man wohl begreifen, welchen wahren Fund sie für so manchen College!! bilden, und welche Rettung ׳in der Not sie ihm bieten werden. Die Mi adir sind ausnehmend schön und von aumuthiger Melodie; sie werden jedenfalls den Sängern Ehre einbringen. Dasselbe gilt auch vom hierzu gehörenden und für; Männerchor bestimmten M'hcro.

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