Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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geschehend ,Der Ort auf dem Du siebst ist heiliger Boden.* Wir müssen bedenken, dass wib vor dem König׳ aller Könige; vor dem' erhabensten Weltenicbopser dastehen, und deshalb soll -unser Herz'von tiefster Ehrfurcht und Demntb gegen dieses heilige Wesen entflämmt und durchdrungen sein; 5. mutz das Gebet ddn' der GeMeindi! ' mit Aüständ 'und Würde leise gesprochen werden. ,DerVorbeter trage 'die Gebel'e׳alle'in einem ndelodischen Necikativ in alt hergebrachter Weise vornüber nie^ io׳, dass das Gebet blos eine entbehrliche Unterlage zur Melodie werde. Zn keiner Silbe verwende er mehr Zeit, als man eben braucht, um sie verständlich auszusprechen, und schälte nie^Töne'zwischen die Silben ein. Von den modernen Vorbetern wäre, es sehr zu wünschen, dass sie sich hes ,Weinerlichen' im Vortrag enthielten; es ist nicht schicklich und stimmt -durchaus..nicht zrr. höherer Andacht.' (Dr., Creizenach.) . Alle unsere Gebete werden um so vollkommener, je einfacher sie-im-Vortrage, sind, je mehr ׳Dank Und- Lob sie enthalten. Wir lönsten picht genug, danken, -selbst wenn׳ wir auch nach unserer MeinwNg *von Gott nicht erhört werden sollten. 'י. ';f■ Wie aber erfahren wir überhaupt, dass Galt uns erhört? Denn nach dem.^was ich oben erwähnt habe, dass Gott nicht immer das gewähr!, um was-wir bitten, wenn cs׳ nicht in seinem Rath- 'schlüss liegt, so werden wir-aber doch erkennen, dass nach dem 'Gebete der Gottcsfriede in das Herz' emzicht, welcher höher ist, henn alle Vernnnst und mit ihm eine belebende, eine stärkende Kr.aft, ,den Stürmen und Unwettern des Lebens in Gottoertrauen -zu begegnen und freudig den Kamps ums Dasein fortzuietzen. Freilich merkt und - fühlt diesen Frieden. ׳ diese höhere Kraft- Mittheilung der Eine mehr oder weniger,, früher oder später, mehr als der Andere. Fertige Erfüllung der Wünsche fällt nicht in den Schotz vom-Himmel herab., ״Den..Willen..seiner Verehrer erfüllt er und ihr Flehen erhört er—-und Hilst ihnen.' Wir-sollen aber zu Gott nicht beten, um ein zu viel, um unnöthige Dinge und außergewöhnliche Äaben; wir wollen aber auch nicht unterlassen, zu Gott immer und immer wieder um dasjenige zu beten, was zu unserer leiblichen- und.geistigen Nahrung gehört, und Gott wird uns gebend was wir für unser Dasein bedürfen. So oft mein Fuß die heilige Stätte betritt,׳ blicke mein Geist preisend j zu Dir, o Gott, empor. ,Lobet den Namen des Herrn! Lobet ihn Diener des Herrn, die ihr stehlt in, Hause des Herrn, im Vor- Hose unseres' Gottestempels, Hallelujah!“ ׳.:■׳• Tempel- und Cantor-Jubilmun in Jassy. i: .. / , I a s s y, am, 24. October 1890. -. ׳ Ueber das hier am Simchas-Thora-Tage staltgebabte Tempel- und Cantor-Jubiläntti, ,dessen bereits in vorletzter Nummer, kurz ,Erwähunllg'gethan würde, gebt uns folgender Detailbericht zu: ,Schon am 8chemini-Azereth prangte der Tempel im ,Flaggenschmucke; das Innere desselben war mit׳ Blumen. Gunlanden und duftenden exotischen Pflanzen reich dceorikt, und den Sitz, welchen der Gründer des Gotteshauses. Jacob v. Nenschotz, s. A.. einzunebmcn pflegte, sowie die oberbalb desselben zu Ehren des Philanthropen angebrachte marmorene Gedächtnistafel zierten Kränze,in geschmackvoller Weise arrangirt. Auch der Sitz des jubilirenden - Obercantors war mit- Blumengewinden umgeben. Während des Gottesdienstes am8ob6miui-Az6retb. dem die Gemeinde vollzählig bdiwohnte, herrschte'bereits feierliche Stimmung, 'und die.Versammlung lauschte der Szelenfei^r sowohl als dem, vom Jubilar celebrirten Nussak- und. 668eb6m-Gebete mit Andacht und erhebendem Vergnügen. Am Vorabend des Jubiläumstazes war der Tempel von außen und innen glänzend illnmiuirt, und der Andrang zu demselben war so groß, dass Viel^ ihre liebet Nvth batten, sich ein Stehplätzchen im Vorhofe zu erkämpfen׳. Während der üblichen von den Klängen des Chores begleiteten siebenmaligen Thoranmzüge. an deren Spitze der Jubilar einherschritt, durchbrach ein förmlicher Frauen- und Mädchenknäuel die Reihen ihrer Vormänner, um den Umzüglern ihre - begeisterten; Glückwünsche zuzurnfen und die Thora zu küssen. Die dabei vorwiegende fröhliche Verfassung entschuldigte diese ungewöhnlich spontane Kundgebung. So verlies der Nüstabend zur Doppelfeier. Programmgemäß war der Beginn des Gottesdienstes-, am Zubiläumstage für 8 Uhr anberanmt. Rechtzeitig genug stellte sich das Publikum, der Vorstand, die ,geladenen Honorationen, darunter auch zahlreiche beivorragende Rumänen, ein, um dem Halls! beizuwohnen, welchen der Jubilar, vom trefflich geschulten und geleiteten Chor unterstützt, mit einer Verve und!stimmlichen Fülle vortrug, die das Auditorium zu Enthusiasmus׳. hinriss. Nach einer kleinen Pause, während welcher der Vorstand der Frän Adelaide v. Nenschotz den Beginn des eigentlichen-Dank?» gottesdiel: stes melden ließ, erschien die Dame nebst ihren zwei Töchtern und dem Bruder, Herrn Jolles, im Vestibül des Tempels, von den ältesten Mitgliedern empfangen und zum Platze geleitet, den ihr gottseliger Gcmal 23 Labre lang einnahm. Es war rührend zu sehen, wie der zartfühlenden Gattin Zähren der Erinnerung an den Verlust ihres Familienhaupts aus den Augen rollten. Bei dieser Wabrnebmnng gieng eine tiefe Bewegung durch die ganze Versammlung. Auf ein gegebenes Zeichen intonirte der auf der Galerie postirtc Chor einen vom Jubilar ,auf die an der Tempelpforte prangenden Worte: ״Rstb Jaakow lechu wenelchu beaur adonaj“ componirlen Choral, der seine mächtige Wirkung nicht verfehlte und gleichsam das Präludium zur Feier bildete. Hierauf hielt der als Talmudist und Schriftgelebrter in weiteren Kreisen bekannte Dr. Lippe — Rabbiner Dr. Igel in Czernowitz war durch die Feiertage verhindert, der Einladung Folge zu leisten— die Festrede, in welcher er die hoben Eigenschaften Jacob'von Neufchotz's in das richtige Licht stellte und die civilisatorischL Bedeutung der Gründung des Tempels für das rumänische Judenthum mit tiefem Sachverständnis auseinandersetzte. Der Redner verfehlte dabei nicht, auf die Verdienste des mitjnbilirenden Obercantors Honigmann lobend hinzuweisen. Der zweite Redner war der Altersvorstand. Herr S. Neischer, der einen kurzen, doch klaren Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Gotteshauses warf. Nun trat Obereantor Honigmann an den Altar, um den von ihm neucompouirlen Psalm 84 in erhebender und würdevoller Weise vorzutragsn. Diese Composirion bildete den Glanzpunkt des gesanglichen T'veiles der Feier und kennzeichnete den feinen Musikgeschmack und das längst anerkannte Gesangstalent des Jubilars. Daran knüpfte sich noch cm ebenfalls zu dieser Gelegenbeit vom Jubilar gesetzter vierstimmiger Männer-Chor auf dcn 100. Psalm, der sehr anregend und stimmungsvoll klang. Zum Schlüsse der Feier execntrrte der Gesammtchvr den 150. Psalm, eine wirkungsvolle Piece mit figurirtcm Finale, deren Motive bereits Gemeingut hier geworden sind. Herr Honigmann wurde allseitig auf's Herzlichste beglückwünscht und fand vor Rührung kaum der Worte genug, seinem Danke Ausdruck zu leihen. Damit war die Feier zu Ende und die Thoranmzüge begannen. Nach dem Gottesdienste begaben sich die Tempel notablen nebst dem Jubilar in das Palais der Frau v. Nenschotz, um ihr die Glückwünsche darzubringen. Bei dieser Gelegenheit ließ dieselbe die Gaste reichlich bewirthen. Der Ueberfluß an Champagner