Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— — ertracbtete. Glicht dasAlleredelste war.Zwcise! und Sinnlichkeit müssen vor dem Gebete bekämpft werden; jedes Vermeiden des Geistes in dem Näturleben raubt dem Gebete die Kraft. Nur wer seinen ׳eigenen Willen, die Eitelkeit, den Stolz'beherrscht und beim Gebet Gott zum Opfer bringtz der wird auch Nutzen von seinem Gebete haben. Wer ' äder dieses nicht vermag, wer unter dem Gebete alle seine Begierden, all' sein Wollen festhält, dem wird es nie Dingen, sich recht mit Gott zu vereinigen; denn'in dem'Herzen, Ä'ter Seele eines solchen, der auch beim Gebet seinen eigenen Dillen behauptet und nicht von seinen Leidenschaften und selbst- Nichtigen Begierden lassen kann, ist ein Götzentempel׳ erbaut, riehen welchem Gott nicht wohnen kann und will. Der Mensch Mutz'also sozusagen erst diesen Tempel der fremden Götter in sich zerstören,' damit Gott auf den Ruinen dieses den Tempel seiner Gnade und Barmherzigkeit aufbaue. .Dann wird er kommen Lwd Dich segnen/ ־ r ' ' 5 * Und so kommen wir jetzt zu den beiden Fragen: Wann Wen wir beten? und »vie sollen wir beten? r״'־' Wann sollen wir beten? ,Die wahrhafte Andacht duldet keine Einschränkung auf gewisse Zeiten, Oerter und Formeln, sie ist frei und fessetlos. Ihre Gebetszeit ist der Augenblick, welcher sie' bervorrusss ihre Sprache die des Herzens, das Gotteshaus das gaNze Weltall, unsere Lebensverhältniße und die Welt mit seinen Unermesslichen Wundern' das bedeutüngsvolle Gebetbuch/ ,Wo auch immerhin meines Namens gedacht׳' weiden wild, will ich zu Dir kommen und Dich segnen.2) ״ B. Mos. 20.) ׳,Der Himmel iist mein Thron und die ׳Erde der Schemel meiner Füße. Wo ist ein Haus, das ihr mir erbauen könntet, oder der Ort zu meiner Aubestälie?' (Zesaias. 46, 1.) Obgleich wir zu jeder Zeit?־ ■.'L> bei jeder Veranlassung zu Gott beten können, so ist es dennoch geböten und zweckmäßig, zu bestimmten Zeiten und Veranlassungen , allein oder in Gemeinschaft mit nnserer Familie zu beten, da die fromme Gesinnung und Erbauung zur Erhaltung des religiösen ^Geistes im Hanse vom größten Einfluß ist. Wo Hansgottcsdienst ^in der Gemeinde herrscht, da wird auch der öffentliche Gottesbleust hoher und heiliger gehalten. Zn welchem Hause er statt. Pndet, da ist auch der Hausfrieden größer, das Hausglück erhöhter und der Haussegen gewisser. Sprechen wir ׳ darum mit Zosua: ^,Zch Uber und mein Hans wollen dem Herrn dienen/ (Zosua 24. 75. ) ' ' Wir sollen nicht nur beten, wenn wir sozusagen zum Gebet Aufgelegt sind'; bann würde man es gar zu oft unlerlassen. Auch Zöllen wir nicht bl06 in Noth und Drangsal unsere Zuflüchr-znm M^bef nehmen. Daher ist die weise Einrichtung getroffen worden, "die "häuslichen 'Andachten zu halten. Dieselben besteben: s, ' ‘ 1. Zn der Andacht am Anfänge und Schlüsse des Tages, 'Dämid das Gebe! immer die erste und letzte' unserer Tagesbe׳- )schäfligungeu sei. es ist dies eine natürliche Forderung, die der *Mensch seinem Gotte zu leisten hat. . ' ' % Zn dem Tischgebete vor und nach der Mahlzeit seine Seele iM Gebet wie im froNmien Gesang zu dem emporzuheben, Es ist schließlich . unerlässlich; zum Gelingen eines jeden- Unternehmens, sein Thun׳ und Lassen״ Gottes gnädiger! Führung anznvertranen und bei jedem:Vorväben Gott um feinen Beistand zu flehen.' ,Besieht dem Herrin:Deine Wege-,- und hoffe aus ihll,- er wird's.gnt Mächen." -. <: ׳ ••׳:• : ... -• ״-. : Der öffentliche Gottesdienst^ in welchem das religiöse Lebest seinen-Mittelpunkt sindet, wie. es auch anschemselbm seine Nahrung ziehet, ist wohl zu unterscheiden pvn'-.d^m׳Mebe.te>dk§''Einze1ney. Der öffentliche Gottesdienst stellt das religiöse Geiammthewnsstsein der Gemeinde dar. Wir. sollen Alle für einander, freilich dabei auch jeder: für sich beten. Wir versammeln ,Ms<im Gotteshanse, nicht um Gott -einen Dienstzu erweisen, sondern, um fromme Empsindungen dep-Liebe, deS Dankes,, der Ehrfurcht in uns und Andern zu erwecken.. Derjenige, welcher sich seines Glaubens freut,, wirh inchem (Besuch des öffentlichen Gottesdienstes die höchste Freude in G0;tt erkennen. Unser Gottesdienst galt doch den modernen Völkern als Muster, und wir sollten denselben , vernachlässigen? ,Zhr sollt mir sein ein priesterlrches Reich und. ein heiliges Volk.' Die Pforten des Tempels stehen offen und laden.die Gläubigen zur Andacht-!ein. Unglücklicher, wenn Du hier nichts empsind.est, so< -sage. ich;Dir: Deine Aufklärung hat Dir das höchste Gut, Dein.- jüdisches Herz geraubt; unter Deiner Erleuchl.üng starb Dein Gottesglaube. Der öffentliche Gottesdienst: predigt die ,.Gleichheit aller Sterblichen. ,Er mahnt den Stolzen zur Demuth, den Niedergebeugten zum. Trost., Keine andere,menschliche-Anstalt wirkt dies^ auf dieser Stätte, wo Du in dem Gotteshaus stehest, werden einst Deine Nachkommen anbetend stehen und für Dich das Scelerrgebet,, den Kaddiich sprechen, werden sich Deiner erinnern, Deiner hier bei Haskoras Neschomos gedenken. Warum fliehest Du .diesen: beiligen Hrt? /Schämst: Du. Dich( Deiner ׳Brüder, oder schämst Du sOich des öffentlichen Gottesdienstes? -Das Erste,sft eine Abscheulichkeit, das Andere ein. Faustschlag in-das Gesicht des Judenthums.. ,Jst.es denn für-Euch die Zeit,, dass, ihr-.-in Eueren getäfelten Häusern wohnet, und dieses Hans ist verwüstet?^ Zch freue mich mit denen,, die zu mir. sprechen: ^Zn'sHaus des Ewigen,lasst.uns gehen/. Ps. .122, 1. , .. . . . ... - Der öffentliche Gottesdienst beseligt. unser Gemüth durch Gebet, Gesang und. ceremonielle Uebung, erfüllt nufer Her; mit Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen;..er belehrt-uns durch die Predigt, welche erbaut und. erhebt. Sprich nicht : der^ Gottesdienst, die Predigt hieten mir nichts Neues. Die Belehrungen können nichr.genug wiederholt, werden. Selbst ein geringer Redner sagt oft viel Nützliches, und ein minderer Vorbe,ter kann w.ürdfg die Gebete sprechen. ,Worte.die vom Herzen gehen, d1;izcg^n wieder zum Herzen/ Nur der Thor, der Sünder und Spötter kann das göttliche Wort verachten; allen Anderen ist es unmöglich.. ",Äem "Gottlosen ist Gottes Dort ein Gräuel, denn es ist ein.Schatz der Weisheit,' der ihm verborgen ist/ SiräcK'l, '31. Und hiermit kommen wir -zu der Frage: Wie' föQ'eli wir vöjj dem alle gute Gabe kommt. ,Wenn Du gegeben hast und "satt bift, dann sollst Du loben den Ewigen, Deinen Gott/ '5- B Most 8, 16. '3/'Zn der Ausübung festlicher Eeremonien, z. B. Anzünden der Sabbath- und Festlichtcr — der 6llanuka-Lichter, Kiddusch, Habdolah, Leder 2c. 4. Zn Daukgebeteu bei freudigen und traurigen Veranlassungen, bei außerordentlichen Naturerscheinungen, beim Genüsse einer neuen Frucht. Seheheehejonu. Z. Zn frommen Beobachtungen, im andächtigen Lesen der beiligen Schritt und anderen'Erbauungsschriften. ,Nicht"Weiche daS Buch der Lehre von Deinem Munde/ Zosua. 1, 8. beten? ' Dcmüthig und innig:' Bechol lewowe'öli'b uwebhol riaf» sehecho, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Weüst das Gebet Gott, wohlgefällig sein soll, so muß es solgen de Eigenschaften haben: 1. das Gebet sei andächtig, d. h. wir müssen an das denken, was wir Gott im Gebete vortragen';! 2. däs.Gebet muß -inbrünstig sein, d. b. es MUß auch' eine heilige Empsindung ׳der^ Liebe ׳gegen Golt in uns rege sein; 3. muß das Gebet im Vertrauen auf Gott gerichtet sein, d.'h. wir können und sollen-uns däräüf verlassen, dass Gott vermöge!. deiner unendlichen Güte unser Anliegen gewähren wird, wenn, es seine Allweisheit als nöthig erachtet; 4. muß das Gebet in .einer ehrerbietigen Haltung