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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-10-21 · Heft 28 (21.10.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 28 (21.10.1890)
Date
1890-10-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s Kleine Chronik. Wrett. Zur Erinnerung an das vierzigjährige Negierungs- Zubiläum des Kaisers bat Baronin Bettina Rothschild in der Marktgemeinde Gaming ein AltersversorgungshauS für alte und durch eine längere Reihe von Zähren thätig gewesene Bedienstete der sreiherrlich Rotdscbild'ichen Domänen Gaming und Waidhofen, und zwar für 40 Männer und Frauen errichtet. Sonntag den 12. d. M. hat nun die feierliche Schlußsteinlegung deS nach den Plänen und unter der Leitung des Bauraibes Wilhelm Stiaß y erbauten Versorguugshauses stattgefunden. Nach dieser Feier^ welcher außer der Stifterin noch Gräfin Festetits. Bezirkshauptmann Gras Lippe, Bezirksrichter Ritter v. Winiwarter. Bürgermeister Groß von Gaming mit der gesammten Gemeindevertretung, Dechant Wimmer, Gemeiuderath Fritz aus Wien n. A. anwohnten, versammelten sich die Gäste in dem großen Arbeitssaale des Hauses zu einem Festmahle, bei welchem der Reigen der Triuksprüche von dem Director Prasch mit einem Toaste auf den Kaiser eröffnet wurde; begeisterte Hochrufe der Anwesenden folgten, während von den benachbarten Anhöhen Pöllerschüfse erdröhnten. Mit stürmischem Beifalle wurde der Trinkipruch des Dechanten Wimmer ausgenommen, welcher der Baronin Rothschild für den Palast, den sie dem Alter und der Armuth errichtet hatte, dankte und sie einen Schutzengel der ganzen Gegend nannte. Bezirkshauptmann Graf Lippe sprach in seiner Tischrede den Wunsch aus, es möge das schöne Beispiel der Woblthäterin Nachahmung in den Kreisen der von: Glücke Begünstigteu siudeu, viele Gefahren, die uns jetzt entgegenstarren. würden dann gebannt werden können. Es folgten dann Toaste des Gemeinderathes Fritz auf den Dechanten Wimmer, den edlen Priester der Religion der Barmherzigkett und Nächstenliebe, des Directors Prasch auf den Erbauer des Hauses, des Baurcuhes Stiaßny auf seine Mitarbeiler u. A. m. Wien. Vor etlichen Zähren erschien von Herrn I. Wiesen in Osterode a. Harz ein PH otographiesammlungs-Tableau von bekannten E a n t o r e n und C o m p o n i st e n, das in Eollegenkreisen allgemeinen Beifall fand. Wie uns nun dergeehrte Herausgeber mittheilt, beabsichtigt er, da die 1. Auflage vergriffen ist. eine neue Prachlausgabe zu veranstalten. Zu diesem Zwecke ist bereits eine gute Auswahl von berühmten .und bekannten Cautoren und Componisten getroffen worden. Wir wollen daher nicht verfehlen, diejenigeu verehrten Herren College«, welchen in nächster Zeit eine diesbezügliche Aufforderung zugehen sollte, auf die Arbeit des Herrn Wiesen aufmerksam zu machen. Zn Anbetracht besten, dass durch dieses Unternehmen nicht allein daß collegialische Gefühl, sondern auch die Wüdigung des Cantorenstaudes gefördert wiid, wird wohl hoffentlich Zeder seine Unterstützung dem Werke augedeiheu lassen. M«g.-Hstra. Einer unserer hervorragendsten Mitbürger, die Zierde der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Herrmann Braun, ist Montag den 13. d. M. im 70. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene stand in Folge seines gottgefälligen Lebenswandels sowie seines vielbekundeteu Wohit hätigkeitSsinn es in hohem Ansehen, und allgemein war mau erfreut, als er nach langjähriger Abwesenheit vor Kurzem in seinen Heimatsort zurückkeh:te, um daselbst in stiller Muße seine letzten Lebenslage zu verbringen. Doch lange war ihm dies nicht vergönnt, eine tückische Krankheit raffte ihn in wenigen Tagen hinweg. Das Leichenbegängnis, welches am 15. stattfand, gestaltete sich durch die Theilnahme der Behörden, der gesammten Gemeinde und zahlreicher Vertreter der umliegenden Ortschaften zu einer großartigen Trauerkuudgebung. Der im Vorjahre in Wien gegründete .Nng. Ostraer Wohltätigkeits-Verein* zur Unterstützung dürftiger Landsleute, dcffeu Obmann Herr Herrmann Braun war, entsandte gleichfalls eine Vorstands-Deputation nach Ung.-Ostra, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. ת׳לצ׳ב׳ה «LrPto-Szt.-WiKlos. Vor Kurzem hat hier die Jnstallirung deS neuen evangelischen Bischofs Valtik stattgefuuden, der auch eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde mit dem Vorsteher Herrn Zosef Kohn au der Spitze anwohnte. Zn seiner Jnstallirungsrede gelobte der neue Obcrhirte, stets im Sinne des Evangeliums zu wirken und mit allen GlaubenSbekenutnißen in Frieden und Eintracht zu leben. Schließlich dankte er auch der jüdischen Deputation für die ihm erwiesene Ehre. Aokay. Mit Hülfe der aus Staatsmitteln und privaten wohlthätigen Kreisen reichlich zufließenden Mittel beginnt unsere durch die letzte Feuer-Katastrophe schwer heimgesuchte Stadt sich allmälig wieder «us Schult und Asche zu erheben. Ueberall wird eifrig gebaut, und durch die gleichzeitig durchgeführte Regulirung der Straßen erhält Tokay ein schöneres Aussehen. Der größte Platz der neuerbauten Stadt soll mit Rücksicht auf die großartige, von Baron Hirsch gewidmete Spende für die Abgebrannten die Bezeichnung ,Baron Hirsch-Platz* erhalten. Wagdeöurg. Der hiesigen ,Israel. Wochenschr.' wird alls Berlin berichtet: ,Wie der Kaiser selbst inmitten seiner Reisen auch die nnbedeutendsten Dinge mit bewundernSwerther Schnelligkeit zu erledigen sich bemüht, davon mag ein Zeugnis das folgende Erlebnis einer hiesigen armen Witwe ablegen. Deren Sohn hatte sich vergeblich bemüht, als Hautboist bei der Garde eintreten zu können. Trotz der besten Empfehlungen seitens deS Dirigenten wollte ihn doch kein Commandeur im Corps haben, weil er Jude ist. So war der junge Mann schließlich froh, bei einem in Glatz garnisollirettden Regiment Aufnahme zu finden, mit welchem er später nach Metz gehen musste. Da kam die arme Mutter des Soldaten, der bereits sechs Jahre dient, auf die Idee, den Kaiser zu bitten, den Sohn nach Berlin zu entlassen. Weshalb derselbe hier nicht diene, verschwieg sie in ihrem recht und schlecht selbst verfassten Gesuch keineswegs, gleichzeitig aber machte sie den ,gnädigsten Herrn Kaiser' darauf aufmerksam, was cS für sie zu bedeuten habe, wenn der Sohn hier am Orte mit der Mutter leben und mit ihr seinen Verdienst theilen könnte. So gut wie der Kaiser die Mutter verstand, ein so geringes Verständnis zeigte er für diejenigen Skrupel, welche für die Zurückweisung des Soldaten von der Berliner Garnison vorhanden gewesen. Der Brief war in das Manöverterrain nach Schleswig-Holstein gesandt worden, und dennoch waren erst acht Tage seit dem Abschicken des Bittgesuchs vergangen, als der Oberst in Metz den Hautboisten S. zu sich be» scheiden ließ, um ihm zu eröffnen, dass er zur Garde übergehen könne, da Se. Majestät das Nöthige veranlassen werde. S. kann zwar erst später von der Gnade deS Kaisers Gebrauch machen, da er verschiedene contractliche Verpflichtungen nicht sofort brechen wollte, aber der oberste Kriegsherr hat jedenfalls unverzüglich seine Verfügungen getroffen.' Werlin. Der evangelische Oberkirchenrath veröffentlicht in dem ,Kirchlichen Gesetz- und Verordnungsblatt' über den Wechsel der Glaubensbekenutniße eine Statistik aus den Jahren 1875 bis 1888, die allerdings, da sie Schleswig-Holstein Hannover und Hessen-Nassau nicht berücksichtigt und nur die Hauptglaubensbekenntniße der Evangelischen, Katholiken und Juden in Betracht zieht, auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann. Danach sind in diesem Zahre zur cvangelischsn .Landeskirche übergetreten 22.764Katholiken. 1.901 Juden, 6.913 Andersgläubige, während vom Evangelischen übertraten: 2 441 zum Katholizismus. 135 zum Judenthume, 14.825 zu sonstigen Kirchengemeinschäften, die im Einzelnen zum größten Theil unbekannt sind. Die Uebertritte von Juden haben sich fortwährend in steigenden Richtungen bewegt, sie betrugen 1888: 348. es waren hauptsächlich Brandenbürg und Schlesien daran betheiligt. Eine genaue Prüfung der Zahlen und eine Vergleichung derselben mit dem Procentsatzs der jüdischen Bevölkerung ergibt, dass die Uebertritte am häufigsten in denjenigen Provinzen erfolgen, wo die Inden am wenigsten vertreten sind, und diese Wahrnehmung in Verbindung mit dem Berichte der .Inden- Mission' ist von Neuem ein schlagender Beweis für die Thatsache, dass nicht eine sogenannte ,religiöse Ueberzeuzung' die.Apostaten au daß Taufbecken führt, sondern dass lediglich Feigheit und Charakterlosigkeit ihre Begleiter auf dem Wege zur Kirche sind. Darmstadl. Im letzten Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogthums Hessen veröffentlicht das Oberconsistorium ein Rundschreiben an die evangelische Geistlichkeit, in welchem dieselbe vor der Theilnahme an antisemitischen Bestrebungen auf daS Entschiedenste gewarnt wird. Das hochinteressante und lehrreiche Schriftstück hat im Wesentlichen folgenden Wortlaut: ,Es ist Ihnen nicht entgangen, dass in den letzten Jahren, hauptsächlich aber seit den im Februar 1. I. vollzogenen ReichslagS-- Wahlen, in den verschiedensten Gegenden deS Großherzogthums aniisemitische Bestrebungen zu Tage getreten sind, die bei der Art, wie solche Agitationen betrieben werden, für den Frieden unter der Bevölkerung ernste Gefahren in sich schließen. Während wir in der stets und auch bei der letzten Reichstagswahl als richtig.bewährten Voraussetzung, dass die evangelische Geistlichkeit bei der Erfüllung ihrer politischen Pflichten von - selbst denjenigen Bestrebungen ihre Mitwirkung versagen werde/ jdie dem evangelisch-christlichen Volksleben nachtheilig sind, uns nicht veranlasst sahen, die politische Thätigkeit der Geistlichen zu beeinflußen, sondern deren polnische Meinungsfreiheit

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