Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 28 (21.10.1890)
- Date
- 1890-10-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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betrifft, die zum Schluffe ganz' richtig beurtheilt sind, wollen wir nochmals auf die Versicherungen Hinweisen, welche den Vertretern des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereines aus dem Munde des Statthalters von Nicderösterreich wurden, und im Vertrauen auf dieselben dürfen wir hoffen, dass unsere gerechte Sache Würdigung finden wird. Das Molchol. Nach seiner Bedeutung und Anwend ung in biblischen und nachbiblischen Schriften. X. Die hebräische Bezeichnung für Adler leitet sich von einer Wurzel her, welche ,abfallen' (von Baumfrüchten, Blättern) und ,ausfallend (von Haaren) bedeutet. Es beruht dies auf der Eigenthümlichkeit des Adlers, dass er jährlich sein Gefieder wechselt. Daher ein Psalmdichter (Pf. 103, 5.) seinem Gotte dankt, dass er seine Jugendkraft wie die des Adlers erneuere, während anderseits der Prophet Micha (1, 16.) droht: .Mache Dich kahl und scheere Dich um^die Söhne Deiner Freunde, mache breit Deine Glatze gleich dem Adler, denn sie sind von Dir hinweggeführt.' Mit eingehender Anhänglichkeit schildert der Dichter die Sorge Gottes um sein Volk unter dem Bilde: ,Wie der Adler seine Jungen,.bewacht, über seinem Neste flattert, so breitet er aus seine Fittige, nahm es auf und trug es auf seinen Schwingen' (51. 32, 11.) ,So hat er sie auch auf Adlersflügeln aus Egypten geführt und zu sich geleitet (2. M. 19, 4.) und so erheben die Gottvertrauenden mit kräftigem Schwünge ihre Fittige gleich dem Adler' (Jes. 40, 31). Die Schnelligkeit und die Kraft seines Fluges, mit der er auf die von Weitem erspähte Speise herabstürzt, die unzugänglichen Felsen, auf denen er sein Nest erbaut, geben den Dichtern Gelegenheit, zu mannigfach gewendeten Bildern. An dem Thronwagen Gottes, welchen der Prophet Ezechiel (Cap. 1.) schaut und beschreibt, haben die ihn tragenden Thicre vier Gesichter: deS Menschen, des Stieres, des Löwen, des Adlers. In diesen Bildern soll nicht nur die Allmacht Gottes anschaulich dargestellt werden, sondern auch dessen Vorsehung. Der Wagen bedeutet, er lenkt und leitet Alles, und erstreckt sich seine Fürsorge über Menschen und Thiere. Pelikan, N a ch t e u l e und Nabe vollenden das Bild grauser Oede, verlassener Trümmer (Jes. 34, 11). Der betagte vereinsamte Sänger (Ps. 102, 7.) klagt: ,Ich gleiche dem Pelikan der Wüste ich bin wie der Uhu der Trümmerstätten.' Dem Naben schrieb man Gefühllosigkeit gegen seine Jungen zu, und daher gibt Gott auch den jungen Raben, wenn sie zu ihm schauen, ihre Nahrung (Ps. 107, 9). Eine gegentheilige Anschauung scheint dem Storch den Namen •יד!םידה, Liebreich, gegeben zu haben. An. feinem und anderer ,Wandervögel Beispiele tadelt der Prophet (Jerem. 8, 7.) das abtrünnige Israel: ,Auch der Storch am Himmel kennt seine Zeiten, die Taube, die Schwalbe, der Kranich halten die Zeit ihres Kommens inne, aber mein Volk kennt die Vorschriften Gottes nicht. Die Schwalbe konnte sogar am Tempel ihr Nest bauen und in der Nähe des Altares ungestört ihrer Jungen pflegen, wie ein wallfahrender Dichter (Ps. 84, 4) mit freudiger Rührung .wahrnimmt. Zum Altar fanden als Opfergabe von allen Vögeln nur die Taube Zugang. Sie ist das Bild der Sanftmuth, die aus ihren Augen zu blicken scheint. Mit dem kosenden Rufe: ,Meine Schwester, meine Traute, meine Taube, meine Holde, .klopft der Liebende an der Thüre der Geliebten' (Hohesl. 5, 2). Aber Ephraim (das Reich Israel) ist dem Propheten (Hos. 7, 11,) .eine einfältige Taube', da es bald nach Egypten, bald nach Assyrien um Hilfe ausschaut. Die Beobachtung des Naturtriebes, welcher sich in dem Treiben der Ameise kundgibt, veranlasst den Dichter zu der sinnigen Parabel: ,Geh' zur Ameise Fauler, sieh' ihre Wege an und werde weise. Sie hat keine Führer, Herrscher, Leiter, dennoch bereitet sie im Sommer ihre Speise, sammelt in der Erntezeit ihr Brot' (Spr. 6, 6). Der Midrasch (Jalk. z. St.) knüpft an diesem Spruche mehrere Betrachtungen, die bemerkenswerth sind. ,Man fand einmal in einem Ameisen» Hausen 300 Cur Weizen, und doch lebt die Ameise nur sechs Monate und benöthiget zu einer Mahlzeit nicht mehr als einen und eine» halben Weizenkern, sie sammelt für Andere. Welch' ein schönes Vorbild für den Menschen, der durch Wohlthätigkeit auch für das Jenseits Vorrath sammeln sollte. ״W’hakerea kajemes leaulom habo.“ Die Biene bietet ein Bild des ungestümen, mit vereinten Kräften unternommenen Angriffes (5 M. 1, 44). Dagegen erscheint die Biene in der Bibel nicht, wie wir erwartet hatten, als Bild des Kunstfleißes. Das mag daher kommen, weil in Palästina keine Bienenzucht eingeführt war, man fand in den Wäldern und sonstigen Orten wilden Honig in Ueberflnss, wie aus mehreren Bibelstellen ersichtlich ist. Wurm und Made werden wieder als Bild der Erniedrigung und der Vergänglichkeit angetroffen. Das Pflanzenreich mit seiner geringern oder doch weniger in die Augen fallenden Mannigfaltigkeit bildet selbst» verständlich dem Dichter ein viel beschränkteres Feld für poetische Bilder, obgleich auch hier nicht minder die lebhafte Empfänglichkeit für Natnrschönheiten sich kundgibt. Die Ceder, die Krone des Baumwuchses in Palästina wegen ihrer Höhe, ihrer mächtigen, mit dichtem immergrünen Laube bedeckten Aeste, ihres wohlriechenden harten und fast unverderblichen Holzes, begegnen wir in verschiedenen biblischen Bildern. Neben ihr ragt die Pal me mit ihrem gerade iu die Höhe strebenden mächtigen Stamme empor, als das Bild des schönen Wuchses an Menschen und des glücklichen Bestandes der gottgesegneten Frommen: .Der Gerechte blühet wie eine Palme, wie eine Ceder im Libanon ragt er her» vor' (Ps. 93, 13). Der Wein stock mit seinem reichen Blätter» schmucke und weitdehnenden Ranken dient als Bild gedeihlicher! Fruchtbarkeit. Der N u s 8 b a u m wegen^seines reichen Schattens, der Apfelbaum wegen seiner lieblichen Blüthen und seiner 1 angenehmen Frucht, werden als Gleichniße häufig bei den Propheten und Psalmisten gebraucht. ,Wie der Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so mein Geliebter unter den Jünglingen; wie gern säße ich in seinem Schatten, und seine Frucht, wie süß meinem. Gaumen' (Hohesl. 2,3). Wermuth hingegen ist ein Bild deS Lasters und der Neue, des Leidens und der Bitterkeit. Dorn und Distel das Bild der Unfruchtbarkeit und Nutzlosigkeit. Eines der schönsten Gleichniße ist das im fünften Capitel des Jeiais enthaltene, womit der Prophet eine seiner Strafreden einleitet. ,Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Bergspitze. .Er grub ihn um. säuberte ihn von Steinen, bepflanzte ihn mit edlen Neben, baute sogar einen Thurm darin und hieb auch einen Kelter darin aus und hoffte nun, dass er Trauben bringen würde, aber er brachte Herlinge. Und nun ihr Bewohner Judas und Jerusalems richtet doch zwischen mir nnd meinem Weinberge, was ich nicht schon an ihm gethan? Nun, so will ich euch wiffen lasten, was ich meinem Weinberge thun will. Wegnehmen werde ich seine Umzäumung, dass er abgeweidet werde, einreißen seine Mauer, dass er zertreten werde, und ich will ihn brach liegen lassen, Dornen und Disteln sollen aufschießen und den Wolken will ich gebieten, dass sie keinen Regen darauf fallen lasten. Der Weinberg des Ewigen ist das Haus Israel und die Männer von Juda seine Lieblingspflanzen*, u. s. w. Nun folgt die Anwendung der Par bel. w.r. ortsetzung folgt).