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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-10-14 · Heft 27 (14.10.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 27 (14.10.1890)
Date
1890-10-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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mehrere Takte lang in einem Athem au?. Was die chromatischen Läufe anbelangt, so übe man sie zunächst im Umfange des HexachordS, und zwar in jenem der mittleren Lage des Organs und in langsamem Zeitmaß, das dann später verdoppelt, verdreifacht, überhaupt vervielfacht werden kann.׳ Hierher gehören auch rasch ausgcführte Treffübunzen in großen Septimen-, dann in Nonen- und Decimen-Sprüngen; auch die verminderten und übermäßigen Intervalle sind zu beachten. Ein schöner, nach allen Seiten abgerundeter Triller ist di? Krone der technischen Ausbildung einer Stimme, nur ist er in seltenen Fällen in höchster Vollkommenheit zu erreichen. Am ehesten noch bei Hellen Sopranstimmen, da hier die Stimmbänder zart und dünn sind und sich daher zu rasch ausgeführten Schwingungen besser eignen. Am schwersten fällt ein schöner Triller Len Altistinnen und Bassisten, doch sind auch hier tägliche Trillerübungen unerlässlich, da sie zur Geschmeidigkeit der Stimme wesentlich beitragen. Wann soll sich der Schüler mit der Gesangslitteratur vertraut machen? Das kommt auf die Fortschritte an, die er macht. Dilettantisch, ja geradezu gewisienlos ist cs zu nennen, wenn der Lehrer gleich in den ersten Stunden Lieder und Arien singen lässt, oder nach wenigen Wochen dem Schüler Opern- und Oratorienpartien.einzuüben beginnt. Es kommt dies häufiger vor, als man glaubt. Mögen die stimmlichen Anlagen noch so bedeutend und hervorragend sein, ohne ernste und gründliche Schulung des Organs wird kein Sänger, und sei er von der Natur noch so reich ausgestattet, künstlerische Leistungen im höchsten Sinne des Wortes vollbringen. Er mag in den ersten Jahren durch seine außerordentlichen Stimmmittel die Zuhörer bestechen, nur zu bald wird jedoch die Zeit kommen-, wo das Organ seinen Klang einbüßt, und wo alle jene Schäden um so unverhüllter sich zeigen, die in der mangelhaften Disciplin des Organs wurzeln.' Die letztere st-Lt Gesetze auf, die in der Natur des Organs selbst begründet sind. Stimmen schaffen vermag kein Lehrer, aber die natürlichen Anlagen entwickeln und auöbilden, das kann ein tüchtiger Geiangspädagog, aber auch nur ein solcher, der selbst arbcitsvolle Lehrjahre durchgemacht hat. Wenn ein bekannter Schriftsteller, der ein dickes Buch über die Stimme geschrieben hat, die Behauptung aufstellt, der Gesanglehrer brauche so wenig selbst Sänger zu sein, wie z. B. derjenige, der fette Ockfen treibe, fett sein müsse, so ist dieser Satz, ganz abgesehen von dem ebensowenig geschmackvollen wie zutreffenden Vergleich,- einfach widersinnig. Wir möchten demselben den Swift'scheu Tanzlehrer gegeuüberstellcn, der alle Vorbedingungen für sein Fach besaß, an beiden Füßen aber gelähmt war. Ein vernünftiger Lehrer wird auch stets den richtigen Zeitpunkt heraussinden, wo er den Schüler in die Litteratur ohne Schaden für die Stimme einführen darf. Auf alle Fälle muß letzterer mindestens acht bis zehn Töne vollständig frei beherrschen können, ehe ihm zunächst einfache Lieder und Gesänge anvertraui werden können; denn hier beginnt zugleich ein neues wichtiges Eapitel des Gesangsunterrichts, jenes vom musikalischen Vortrag, und es ist dies wahrlich kein leichtes. Manche fassen es nie. Der Lebrcr kann hier freilich, sofern er selbst eine sein empsiudende Natur ist, in hohem Grade fruchtbar und anregend aus den künstlerischen Geschmack fördernd wirken; aber so wenig er Stimmen aus dem Nichts hcrvorzaubern kann, ebensowenig vermag cs jenes seelische Moment zn schassen, das dem Gesang erst die künstlerische Weihe gibt und ihm jene sympathische Wärme verleiht, die Herz und Gemüth so unmittelbar ergreift. Dieses Moment kann, wenn es auch noch so verborgen schlummert, geweckt und zur vollen Entfaltung seiner gehcimnisvollen Mach! erzogen werden. Der Dramatiker Ludwig war es, der einst auf feinem׳ Schmerzenslager nußrief: Entweder fehlt der Becker oder es fehlt der Wein. Dieser Ausiprucv erinnert an die Geiangsknnst. Entweder' wird der Mangel an blendenden Stimmmitteln durch ein reiches Geistesleben, durch fein abgetönte künstlerische Auffassung und durch einen dem wabrhaft Schönen zugewandten musikalischen Geschmack ausgewogen, oder wir beobachten das Gegentheil. Das Vollkommene will uns auch hier zuweilen nur ein Gleichnis erscheinen, selten treffen die Grundbedingungen eii.ier abgeklärten Kunstleistung harmonisch zusammen. Einer der wenigen Künstler, der diesem Ideale entspricht, ist Julius Stockhausen. Aber darauf hinzuarbeiten, dass diesem bohcn Ziele möglichst nachgcftrebt' und uachgeeifert werde, ist mit eine der wichtigsten Pstichten eines Gesanglehrcrs, der es mit seinem Berufe ernst nimmt. Kleine Chronik. Wien. Die im vorigen Jabre sröffnete, vom hohen Landessckulrathe coiicessionirte Hebräische Privat-Sprach- und Bibelichnle beS Neligtonslehrers der islaelitischen Cnltnsgemeinde Adolf R o t t e c .Hü. Kolonitzplatz 3, tritt nunmehr, tu den IL Jahrgang. Der Zweck dieser Schule besteht darin, schulpflichtige Knaben in schulfreier Zeit mit der hebräischen Sprache so weit vertrant zu machen, dass sie die Bibel im Urtexte zu lesen und in die Muttersprache zu übersetzen im Staude sind. Der Unterricht begann am 1. October a. c. und werden in jeder Abtheilung wöchentlich drei Stunden ertheilt. Die Nothwendigkeit dieser Anstalt wird dadurch am klarsten bewiesen, dass im Vorjahre wegen großen Andranges zn derselben Parallel-Classen errichtet werden mussten. Die Anstalt wurde von den schulbehördlichen Vorgesetzten des Oeftern inspieüt und ihre Leistungen fanden wiederholte Anerkennung. Wien. Bei der Preisvertheilung in der land- und sorstwirthschaftlichen Ausstellung wurde der bekannten Bildhauer- und Steinmetzftnna Sommer & Weniger in Wien für ihre exponirten Stein- Materialien aus eigenen Brüchen mit Nüchstcht auf die besondere ' Schönheit und Härte sowie auch für die exacte Bearbeitung und den Schliff derselben die höchste Auszeichnung zuerkannt. Aeicheuöerg. Ueber den Gottesdienst an den verflossenen hohen Feiertagen in der hiesigen Gemeinde schreivt die ,Neichenberger Ztg.* : Gelegentlich der letzten Festtage wurden größtentheils Gesänge von Deutsch (Breslau) gebracht, jenem Jünger des jüdischen Altmeisters Snlzer, der des Letzteren Werk ans antiker Grundlage in moderner Weise sortgeführt hat. Den nachhaltigen Eindruck, den jene Gesänge machten, verdanken sie wohl zumeist dem nahezu makellosen Vortrage des Obercantors Herrn Kestenberg. Bereits anlässlich seines vorjährigen Probevortrages wurde in diesem Blatte der Vorzüge seines Organes und seines Vortrages gedacht. Schon der außergewöhnliche Umfang der Baritonstimme, die unbeschadet ivres augenebtn.'lt. weichen Klanges in's Tenorregister hiuantreicht, macht einen mächtigen Eindruck, der durch die freie, von keinen Unarten beeinträchtigte Toinntwicklung noch gehoben wird; selten aber sindet man solchen Wollaut der Stimme, ein solch' zartes mezza voce mit dieser strotzenden Kraft und dennoch wohlthuenden Stärke vereint; das Uebrige thut der warme, deutliche und dem Texte angemessene Vortrag, sowohl in den Orgelgesäugen, als auch in den Recitativen. Es wäre von Interesse, wenn Herr Kestenberg auch dem größeren Publicum unserer Stadt Gelegenheit geben würde, ihn z. B. bet den Veranstaltungen des Ehorvereines als Oratoriensänger kennen zu. lernen. In seinen Bemühungen wurde er durch den stattlichen Synagogenchvr unter Leitung des Herrn Jul. Fischer und die vorzügliche allen modernen Ansprüchen genügende Orgel mit ihrem langjährigen Organisten Herrn Ferd. Gerhardt jnrt. bestens unterstützt, so dass der Gottesdienst im hiesigen israelitischen Tempel wahrhast würdevoll gestaltet wurde. Agram. Samstag den 20. v. M. feierte Cantor Josef Ko hu sein siebzigstes Gebiutsfest und gleichzeitig das 40jährige Dieustjubiläum in der hiesigen Gemeinde. Der Jubilar wurde vom Vorstande eingeladen, den Sehachrith- und Nu88ak-GotteSdienst zu celebriren, u!td bei Vorlesung des Wochenabschnittes unter Orgelklang und Chorgesang zur Thora gerufen, woselbst Herr Oberravbiner Dr. Jacob y an ihn eine Ansprache hielt. Nach dem AIussak-Gottesdienfte begab sich der Gesammtvorstand unter ^Führung des Präses, ^Herrn Max Stern,

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