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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-10-14 · Heft 27 (14.10.1890) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 27 (14.10.1890)
Date
1890-10-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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des Kuratoriums. Summe fl. 15.500. Anzahl und Höhe der Stipendien, welche in obiger Summe nicht mir inbegriffen sind, hängt von der Mnnisicenz der Landes-Judenschaft und von der Hochherzigkeit bekannter Woblthäter und Förderer ab. IV. Vorbereitende Schritte und Maßnahmen. Dem Aciions- und Gründnngscomile fällt vor Allem die Ausgabe zu, ein Rundschreiben an die bedeutendsten .Kultusgemeinden in Oesterreich ergehen zu lassen, worin diese 1. von der geplanten Errichtung eines Seminars in Wien zu verständigen sind; 2. aus die Unverlässlichkeit von Proseminarien bingewiesen, Lehrstoff und Lehrziel, sowie Fingerzeige zur Gründung einer solchen Anstalt angegeben werden. Als Beilagen können die Statuten des Beth-hamidrasch in Wien und des Proseminarvereines in Brünn dienen; 3. soll es die Aufforderung enthalten, bekanntzugeben, welche Wünsche, Anschauungen und Ansprüche in der betreffenden Kultusgemeinde und in der Indenschaft ihres Kronlandes mit Bezug auf die Ausbildung der Kandidaten der Seelsorger und des Lehramtes vorwalten; 4. wie viele Stipendien und in welcher Höbe diese dem heimischen Kandidaten am Wiener Semiar zu gewähren in der Lage und Willens sei; 5. ob der Kultnsgemeinde der übersichtliche in einer Beilage mitgeiheilte Lehrstoff und das Lehrziel des Seminars genügend erscheint und was sie eventuell daran zu ändern wünscht; 6. ob sie geneigt sei, sich mit den Rabbinern ihres Landes, bezw. Kreises oder Bezirkes mit dem Ersuchen in Verbindnng zu setzen, ein Augenmerk auf talentirte Knaben, welche Eignung und Widmung für ein Proseminar besitzen, zu richten und auch für deren vorbereitende fachliche Ausbildung (für die Aufnahmsprüfung an einem Seminar) Sorge zu tragen. Auf der breiten Grundlage der so gewonnenen Jnformationeu, der genaueren Kenntnis der maß- und richtunggebenden Verhältniße und Bedürfniße der jüdischen Bevölkerung, sowie der Vorbedingungen, denen man Rechnung zu tragen habe, kann I sich ein lebensfähiger Organismus mit einer sicheren Gewähr des -Gedeihens erheben. V. Skizzirter Studienplan. Den Inhalt der Vorträge bilden; 1. Bibel Exegese mit Heranziehung der wichtigsten alten und neuen Kommentare und der einschlägigen verwandten Alterthumsforschungen, Massora, biblische Geographie, Geschichte der Bibelforschung. 2. Hebräische Grammatik ausführlich mit hebräischen Styl- .-.Übungen, aramäische Grammatik, Anfandsgründe der arabischen und syrischen Sprachlehre. 3. Mischna und Talmud in entsprechender gradatim fortschreitender Auswahl mit besonderer Berücksichtigung jener Tractate, welche die Quellen der rituellen Praxis bilden, mit den wichtigsten Glossarien, Kommentaren und Novellen, Hodegetik des Talmud. 4. Rituale Kodices mit Zurückfübrung ans die Qllellen, und zwar Tur und Sckulchan Aruch, Orach chajim §§ 135—155, 242—259.308-311,318—325,328—331.339—343,429—467, 497—498. 515, 518, 526-529, 617, 618; Zore deah §§ 1—111, 183—201, 268—284. 342—402; Eben haeser 4, 6, 7. 11, 13—15, 17, 31, 38, 42, 61, 62, 119—154, 169. 5. Hebungen in Behandlung ritueller Kasualfragen. 6. Midraschim in geeigneter Auswahl, deren homiletische, ästhetische und litterar-historische Behandlung. 7. Geschichte des Zudeuthums und seiner Litteratnr in Verbindnng mit einer Kbrcstomathie des historischen, religiös-philosophischen und neuhebräischen Schriftthums. 8. Allgemeine Rhetorik,^ Predigtübungen nach gegebenen biblischen und agadistischen Texten. 9. Matrikenführung, österreichische Ehegesetzgebung im Zu» sammenhange mit den biblisch-talmudischen Satzungen über Eheangelegenheilen. 10. Didactik mit entsprechenden religionsunterrichtlichen Hebungen. Für Lehramtscandidaten sind bloß die Vorträge 1, 2, 3, 6, 7, 10 obligat und können dieselben ihre Reifeprüfung am Schlüße des dritten Jahrganges ablegen. Die Bedingungen eines guten Gesangs- Unterrichts.*) Von Jofef Sittard. III. Wenn auch heute die Koloratur nicht mehr in jenem Grad als oberster Zweck in der Gesangskunst erscheint, wie in den beiden letzten Jahrhunderten, so ist sie doch als stimmbildender Factor nicht zu umgehen, denn ohne Biegsamkeit und leichte Beweglichkeit seiner Stimme vermag der Sänger selbst im getragenen Gesang nichts Vollkommenes zu leisten. Aber auch für Erzielung eines größeren Wollauts und einer größeren Weichheit des Tones, namentlich bei Stimmen, die von Natur aus hart sind, erweisen sich diese Uebungen als durchaus nothwendiz. Als wichtige Vorstufen dieser höheren Ausbildung des Organs haben wir bereits das messa. voce und die stufenweise Anreihung zunächst im Umfang der Scala sich bewegender Töne kennen gelernt. Hierzu gehören auch die sprungweisen Fortschreitungen. im Umfang einer Terz, Quart, Quint u. s. w. Diese Uebungen hat der Schüler nach und nach immer schneller auszuführen. Als vortrefflich, um eine leichte Beweglichkeit des Organs herbeizu» zuführen, und zugleich auch eine gute Vorschule für den Triller, dürfte sich folgende Uebung bewähren. Man singe die beiden ersten Intervalle der Dur-Tonleiter streng gebunden einen Takt lang zunächst als Viertel, dann als Achtel und zuletzt als Sechzehntel in einem Atbem; diese Secundenübung wird durch die ganze Tonleiter in auf- und absteigender Richtung, und zwar in immer rascherem Tempo ausgeführt. Später übe man in derselben Weise die Verbindung von Terzen-, Quarten-, Quinten- und Scxtenlänfen fauch in Moll. Beherrscht der Schüler diese Läufe einigermaßen, dann verdopple und verdreifache er die Takte. Zugleich laste man die Läufe der Tonleiter mehreremale in einem Alhem auf- und absingen und erweitere nach und nach den Umfang bis zur Decime und Duodecime. Man laste diese Pastagen auch in umgekehrter Reihenfolge singen. Eine empfehlenswerthe und durch die Praxis bewährte Vor- Übung zu den Verzicrungen, wie Vorschlägen, Doppel schlagen, Pralltrillern und Mordenten ist folgende: Der Schüler schlage etwa das eingestrichene e an, verweile möglichst lange auf demselben und laste den zweiten Ton, zunächst die Secuude. kurz und bestimmt nachschlagen, um dann sofort wieder zu e zurückzukebren; diese Uebung, die auch in größeren Jntervallabständen die Tonleiter auf- und abgesungen werden muß, also etwa in großen und kleinen Terzen und Sexten, in verminderten, reinen und übermäßigen Quarten und Quinten, führe der Schüler *) S. , öftere, uugar. Ccmtoren-Zeitung" Jahrg. 189V Nr. 22 und 23.

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