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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-10-14 · Heft 27 (14.10.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 27 (14.10.1890)
Date
1890-10-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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und des Oberrabbiners in die Wohnung des Jubilars. Herr Dr. Jacoby feierte Namens der Gemeinde die Verdienste des langjährigen Beamten und überreichte demselben ein kostbares Geichenk. Herr Cautor Kohn war von dieser Ovation so zu Tbränen gerührl, dass er kaum Worte des Dankes finden konnte. Die Auszeichnung und Anerkennung und die Art und Weise, wie selbe ibm zu Theil wurde, ehrt sowohl ihn selbst als auch die Gemeinde. Der Jubilar ist in Folge seines anspruchlosen und bescheidenen Wesens bei Hoch und Niedrig, bei Jung und Alt geehrt und geschätzt, und das Verhältnis zwischen ibm und den Gemeindemitglr'edern kann nicht schöner gedacht werden. Trotz seiner 70 Jahre und seiner mehr als fünfzigjährigen Amtswirksamkeit erfreut sich Herr Cautor Kobn solch' geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit, wie vor fünfzig Jahren und er ist s irrem Berufe so sehr ergeben, dass er aus die Ausübung desselben kaum freiwillig verrichten dürste. Die Freude, die der Jubilar an seiner Thätigkeit und auch an seinen Kindern—ein Sohn desselben nimmt eine geachtete Stellung in Wien ein — genießt, möge ihm noch viele Jahre beschi-.'den sein. (Im Anhänge zu diesem Berichte müssen wir unserer Verwunderung Ausdruck leihen, dass in demselben H rr Obercantor Lewandowsky in Agram nicht erwähnt ist. Die Redaction) Ioölhchou. Während der verflossenen Feiertage wurden sowohl von mir als auch von mehreren College» in der Umgebung mehrere Piecen aus dem von Herrn Cantor M- Lintner. Bunzlau, herausgegebenen Werke ״Hadras kodesch“ anfgeführt und haben überall ungetheilten Beifall gesunden. Ich kann es darum nicht unterlassen, dieses inhaltsreiche, mit schönen und dennoch leichten und gsfälligeu Necitativen ausaestattete Werk auf's Angelegentlichste zu empfehlen. Namentlich in jenen Gemeinden, die nur über schwachen oder über gar keinen Chor verfügen, soll dasselbe nicht fehlen. Cantor Weiß. Merlin. Der Prediger Dr. Stier in Steinamanger wurde nach abgchaltenem, beifällig aufgenommenem Probevortrage von der Repräsentanz der hiesigen Gemeinde einstimmig zum Rabbiner gewählt. Kannover, den 28. September 1890. In der Nacht vom. 25. bis 26. d. M. ist einer unserer edelsten Mitbürger heimgegangen! Der Rentier Simon Coppel ist im fast vollendeten 80. Lebensjahre sanft entschlafen. Um den Verklärten trauern nicht nur die Seinigen, sondern Alle, die ihn kannten, standeu schmerzerfüllt an seiner Bahre, beweinen den Tod eines Wohltbäters im wahrhaften Sinne des Wortes. Der Verstorbene, welcher viele gemeinnützige, wohlthätige Vereine ins Leben gerufen und unterstützt hat, errichtete im Jahre 1881 die ,Simon und Carl Coppel'sche Stiftung* mit einem Capital von -90.000 Mark, dessen Zinsen unbemittelten Studirenden und Künstlern jeder Co n f e s s i o n zufließen. Auch die ,Uitterstlitzungscasse für jüdische Lehrer* ist durch ihn ins Leben gerufen, sowie die ,Haunover'sche .Kinderheilanstalt', als,deren Schatzmeister er 25 Jahre lang gewirkt hat und zu dessen Vorstaudsehrenmitglied er alsdann ernannt wurde. Trefflich bewährte sich sein Wohlthätigkeitsfinn bei den ,Feriencolouien*, auch war er Ehrenmitglied des ,Arbeitervereines', lange Jahre hindurch Schatzmeister im ,Kunstverein*, sowie Ritter des König!. Preußischen K r o n e n o r d e n s III. Classe, mit welchem ihm Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I. auSzeichnete. Simon Coppel ist zwar nicht mehr unter den Lebenden, jedoch di.׳ Werke seines edlen Herzens, das nur für alles Gute und Erhabene schlug, sie leben fort, sie errichten -ihm ein Denkmal, stärker als von Erz und Stein, ihm, dem besten Freunde der Armen und Bedrückten, der gar manches bange Herz getröstet, gar manche Thräne getrocknet hat. Ein imposanter Tranerzng, in welchem sich u. A. der Herr Qberpräsident v. Lenningsen Excellenz befand, geleitete den Seligverklärten zur lehren Ruhestätte, und die ergreifende Rede des Landrabbiners Dr. Gronemann, die Vorträge des Obercantors Lazarus und die Trauergesänge des Synagogenchors geftaltetcn die Feier zu einer würdigen und erhebenden. Heute bezeichnet ein frisch aufgeworfener Sandhügel den Ort, wo ein wahrhaft wohl׳ wollender Mensch begraben liegt, der mit den herrlichsten Charaktereigenschaften ansgestattet war. — Möge er sanft schlummern, möge ihm der Allgütige reiche Belohnung zu Theil werden lassen für die Liebe, die er feinen Mitmenschen entgegengebracht, für das Gute, das er hienieden gewirkt hat! Zadik katomor jifroch, keeres balwonon jisgeh, schesulim be־wetb adonaj, der Fromme sprießet wie die Palme, wie die (Jeder des Labanons grünet er, gepslanzet im Garten des Herrn! Em. B. Karmover. Wie das ,Hannov. Tagbl.' meldet, ist das Capital der 1881 mit 90.000 M. begründeten Simon und Carl Coppel- Stiftung auf 120.000 M. angewachsen. Der vor Kurzem verstorbene Rentier Simon Coppel wollte an seinem 80. Geburtstage, den er bei längerem Leben am 18. October d. I. gefeiert haben würde, daS Capital um 10.000 M. vermehren und eine gleiche Summe bei einem anderen bevorstehenden Familienfeste hinzufngen. Da der Tod di'se Absichten S. Coppels vereitelt, hat die Familie der Stiftung 30.000 M. überwiesen. Wagdeönrg. Eine gebührende Antwort, auf eine antisemitischc Provocarion wird der .Magd. Wochenschrift* aus Drieburz in dessen gemeldet: Im hiesigen Kreisblatt erschien folgende Annonce: ,Suche sofort drei Drescher, israelitischer Confessio». Dreschfl'gel und sons ges Zubehör wird gestellt. Per Fuder 3 Mk. bei freier Station. Ernst Eidmann, Bierbrauer in GroßNmstedt.' Damit begnügte sich der Herr Bierbrauer nicht, er ließ in .ortsüblicher Weise* dasselbe auch durch die ,Ortsschelle* ausrufen. Darauf brachte ihm die Nr. 68 des Kreisblattes die gebührende Antwort: .Dem Bierbrauer Herrn E'»dmann zu Groß-Umstedt können durch den Unterzeichneten die gewünschten drei israelitischen Drescher nachgewiesen werden, die ihn tüchtig auszudreschen im Stande wären. Samuel Steinhaner, Drieburg." Jassy. Die hiesige israelitische Gemeinde begierig am Simchas- Ibora-Tage ein schönes Doppelfest. Sie feierte nämlich den 25jährigen Bestand des vom seligen Herrn Jacob v. Neuschotz aus eigenen Mitteln erbauten ersten Tempels in Rumänien und gleichzeitig daS 25jährige Dienstjubiläum des daselbst angestellten ersten Cautors Max H o n i g m a n n. Rabbiner Dr. Igel ans Czernowitz. der vor einem Vierteljahrhundert die Synagoge einweihte, wurde vom Vorstände eingeladen, der Feier beizuwohnen. Mokßara. .Jewish World* berichtet aus Bokhara: Der russische Finanzminister wird während seiner Rundreise durch Centralasien auch Las jüdische Viertel von Bokhara besuchen, um daselbst die Seiden-Cultur und Manufactur zu inspiciren, ein Industriezweig, in welchem die Juden der transkaspischen Länder sich besonders auszeichnen. In Bokhara allein sind gegen 6000 jüdische Seidenarbeiter, deren prachtvolle Webearbeiten auf den Märkten von Nrschnei׳Nowgo.od, Odessa, ja selbst Lyon sehr gesucht sind. Diese Industrie wurde von persischen Juden eingeführt und damit eine Quelle großen Reichtbnmes in ihre neue Heimat gebracht, der beste Dank für die Gastfreundsc aft, welche ihnen geboten wurde. Es gibt in Bokhara auch mehrere Rabbiner, welche tagsüber an der Spindel bei der Arbeit sind, während sie den größeren Theil der Nacht dem Studium der Thora und des Talmud widmen. Die Juden von Centralasien werde» bald in nähere Berührung mit den Glaubensgenossen deS Westens gebracht werden, sobald die sibirische Eisenbahn, welche Petersbn g mit Vladivostok in Osisibiren verbinden wird, vollendet sein w'.d. Eine Zahl kleiner jüdischer Gemeinden ist über Sibirien zerstreut, und ihre Mitglieder müssen oft eine sehr beschwerliche und erschöpfende Reise in Schneestürmen und bei einer Kälte, von welcher man sich in Europa gar keine Vorstellung machen kann, ausführen. um eine mäßig große Kehilla zu erreichen, wo sie sich mit den religiösen Objecten für Synagoge, Schule und Haus versehen können. Für diese armen Leute wird die neue Eisenbahn ein wahrer Segen sein. Ein Beweis, welchen Werth der Emir von Bokhara auf das Gedeihe» seiner jüdischen Nnterthanen legt, ist die Gründung einer Waaren- und Geldbörse, welche unter die Aufsicht des russischen Residente» gestellt werden wird. London. ״Jewish Chronicle“ erzählt über die älteste Synagoge in Russland Folgendes: Am Fuße des BergeS Milhradites bei Fevdosia (ursprünglich Theodosia) an der Südküste der Krim liegt eine Synagoge, welche fast tausend Jahre alt ist. Eine Tafel, welche in die Wand eingelassen ist, enthält folgende Inschrift: ,Durch Menschenweisheit wurde dieses Hans erbaut. Messias! Komm' und versammle dein Volk Israel! Im Jahre 678 (4768A.-M.).* In den letzten Jahren der Herrschaft der Khane wurde die Synagoge fast ganz zerstörr, aber sie wurde von der Kaiserin Katharina II. nach Erwerbung der Krim wiederhergestellt. Vor fünfzig Jahren brachte Firkowicz. ein gelehrter Karaite, aus dieser Synagoge ein altes Sepher und einige Pergament» rollen nach Petersburg und verkaufte dieselben an die kaiserliche Bibliothek. Da die Kedartion unseres Matjes durch! die in den letzten Tagen von Seiten des Cantoren- Vereines bei den Behörden und Cultnsgemrinden zur Regelung der Standesvrrhältnitze der Cantoren ringeleitrten Schritte stark in Anspruch genommen war» erscheint die dirswochentliche Nummer um zwei Tage verspätet. Mir bitten diesbezüglich unsere Leser um Nachstcht. Die Uedartion der ״österr.-ungar. Lantoren-Zeitung/*

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