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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-09-21 · Heft 25 (21.9.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 25 (21.9.1890)
Date
1890-09-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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© von Seiten meines Magens legitimirt, man hätte mich rein aufgegeben.׳' Diese Differenzen aber blieben immer nur im Gebiete der Discufsion, im Leben waren auch die genannten Gegner ihm aufrichtig zugethan, und die Freundschaft mit ihnen war eine dauernde. (Fortsetzung folgt). Kleine Chronik. Wien. (A u s z e i ch n u tt g.) Der verantwortliche Nedacteur unseres Blattes, Herr Alois Kn!ka, wurde kürzlich wieder mit einem Orden ausgezeichnet. Seine Majestät der Schah von Persien verlieh demselben den .Sonnen- und Lowenorden', welchen der ausserordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am Wiener Hofe, Se. Excelleuz General N e r i m a n K h a n, dem Genannten persönlich überreichte. Großwardeiu. Wie in der letzten Nummer dieses Blattes bereits gemeldet wurde, empstug Sr. Majestät während seiner hierortigen An- Wesenheit anlässlich der großen Mannöver die Deputation der hiesigen israelitischen Culrusgemeinde und die Deputation der Debrecziner orthodoxen Religionsgemeinde. Der Sprecher der Großwardeiner israelitischen Culrusgemeinde (Neologen), Vorstand Ignaz Adler, hielt folgende Ansprache: .Ew. kais. u. ap. kön. Majestät! Allergnädigster Herr! Zn Vertretung der Großwardeiner israelitischen Cnltusgemeinde treten wir vor die allerhöchste Person Ew. Majestät, von uuterlhäniger Huldigung, bürgerlicher Treue und gleichzeitig vom Dankgefüdl durchdrungcn für die von Ew. Majestät in Angelegenheit der Selbstständigkeit und Cultur unserer Ccnsesiion getroffene gerechte, weise und väterliche Verfügung. Möge Ew. Majestät gnädigst gestalten, dass in dem unvergesslichen Augenblick, wo der Allmächtige es uns zu erreichen gestattete, dass wir in Ew. Majestät von Angesicht zu Aus gesicht den stärksten Schild jeder Rechtsgleichheit sehen, dankerfüllt stehen, dass der Allmächtige Ew. Majestät zum Ruhme unseres Vaterlandes und zum Wohle der gesammteu Völker Ihrer Reiche in den Segnungen der Volksliebe und des Friedens lauge leben laste.' (Begeisterte Eljenrufe.). Der Führer der iiraelitischen orthodoxen Gemeinde, Isidor Ullmann, bat zuerst um die Erlaubnis, den Segenespruch nach altem religiösen Brauch bedeckten Hauptes recitiren zu dürfen und richtete sodann an Se. Majestät die folgende Ansprache: ,Als die Vertreter der seit 200 Jahren bestehenden Großwardeiner orthodoxen Zudengemeinde und der Zudenheit des Comitats sind wir vor Ew. Majestät gekommen, um unserer tiefsten Ehrfurcht Ausdruck zu verleihen. Mit der in unserem Herzen wurzelnden Treue, mit opferwilliger Hingebung, mit unverbrüchlicher Anhänglichkeit huldigen wir in der gesalbten Peifou Ew. Majestät dem Erwählten der himmlischen Vorsehung, den Gott in seiner, Barmherzigkeit diesem, von so vielen Völkern und Confestionen bewohnten theuren Vaterlande gegeben, damit er wie ein Cherub wache über die Gerechtigkeit, den Frieden und die Liebe, und damit die Völker bei Aufrechthaltung ihrer heiligen Ueberzeugung und der Gewistensfreiheit in einander verschmelzen zu einer großen und starken, für Thron und Vaterland entflammenden Nation." Redner schloß hierauf mit einem Gebet für das Wohl Sr. Majestät. Zu erwähnen ist noch, dass beim Empfange der Deputation der beiden jüdischen Gemeinden die in der Deputation anwesenden sechs hiesigen und ComitatS-Rabbinen beim Erscheinen vor Sr. Majestät einen jüdischen Segensspruch sprachen, an besten Schluss Se. Majestät Las ,Amen' wiederholte und sich hierauf neigend für den Spruch dankte. — Die Führer der beiden'Deputationen waren auch zur Hoftafel, welche Nachmittags 4 Uhr bei Seiner Majestät starrfand, geladen. 'Mrag. Die Hochflut, von der Prag heimgesucht wurde, hat auch einige der in dem Jojefstätter Viertel gelegenen Synagogen inuudüt. In die Piukassynagoge, die Zigeunersynagoge, insbesondere aber in die Altueu-Syuagoge ist das Wasser mir Vehemenz gedrungen. Der Fußboden daselbst ist ganz zerstört, die Bänke wurden trotz ihrer Schwere vom Platz geschwemmt, die charakteristischen Einrichtungsstücke aber und die alte Fahne sind unversehrt geblieben. — In der Edel- PorgeS Stiftsynagoge in der Zoachimsgaste wurde in der Nacht vom 5. auf den 6. September ein frecher Diebstahl verübt. Ein Gauner drang ln die Synagoge ein, plünderte den Opferstock aus, trennte von mehreren Betmänteln die Gold- und Silbertcesten ab und stahl nebst drei silbernen Thora׳,eigern auch drei Henkel einer silbernen Lampe,- in welcher das ewige Licht brannte, und eine silberne Kette, an welcher diese befestigt war. Wenöldschow. In d r hiesigen altehrwürdigen Gemeinde war der Tcmpet nach uraltem Muster, aber nicht den Ansvidernngei! der Jetztzeit entsprechend gestaltet. AtS der neugewählte Cullne-Gemeinde- Vorsteher, der Großindustrielle und Fabriksbesitzer Herr I. Bergmann, die Leitung der. Gemeinde übernahm, gieng sein Streben zunächst dahin, das Gotteshaus in besserer, veredelter und würdiger Form erstehen zu lasten. Viele der guten, gemeinnützigen und heiligen' Sache in den Weg gelegten Hinderniße hinwegräumend, schritt er rasch und energisch ans Werk, und es gelang ihm auch, mit Gottes Hilfe sein Vorhaben glücklich zur Ausführung zu bringen. Montag, den 8. September fand die feierliche Tempeleinweihung statt, an welcher sänuntliche B׳׳börden der Stadt theitnahmen. Es erschienen der l. k. Bezirkshanptmann, der k. k. Bezirksrichter, der hochwürdige Decan, der P-arrer, der Bürgermeister, der Director und die Piofessoren des hiesigen Obergyiniiasiums u. s. w. Herr Obercantor.Aron Singe! sen. eröstuete die Feier mit der Necitation des Mali Towu. Unterstützt von seinem gut geschulten Chore sang Obereantor Singer trotz seines Alters mit Zugendfrische und trug zur Weihe des feierlichen Mvitteiits wesentlich bei. Hierauf bestieg unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Dr. Abraham Loewy, die neue, prachtvoll consteuirte Kanzel und schilderte in meisterhafter Weise, mit oralorischem Schmucke, aulehnend an den Vers Jesaias ״Ki bessi betk Tfillah jilckore kcbol boamim“ cm der Hand der G schichte die Bedeutung des Teinpets zur Zeit des Bestandes des isr. Staates, und - nach Anflösung des letzter!! die Bedeutung der Synagoge im Mittelalter und in der Neuzeit, wobei er sämmtliche Untensilien der Synagoge als Symbole erläuterte. Die R.'de machte einen eminenten Eindruck auf die äußerst zahlreichen Zuhörer, die dem Herrn Rabbiner die gebührende Auerkennung nicht versagten. Hierauf hielt Herr 3iabb!natsca11didat Kohn eine Predigt in böhmischer Spräche.. Unter Absingung des ,Kaiserliedes und der Schlußbymne des ״Adon Olam“ endete diese schöne, seltene Feier, die allen Theilnehmenden unvergesslich bleiben wird. ZZreslan. Vor dem jüngsten Kaiserbesuche in Breslau schrieb ein neidgeschwollener Antisemit im ,Volk': Unter den- 101 jungen Damen, welche die kaiserlichen Majestäten am II. September hier begrüßen sollen, sind mindestens 20 also ein Fünftel, Jüdinnen. Da ein Sechzehntel der Bevölkerung BreSlaus jüdisch ist, so sind die Inden bei dieser hervorragenden Patiiotischen Gelegenheit wieder einmal dreimal mehr begünstigt als die Deutschen. Ob inan dem Kaiser damit eine so ganz besondere Freude zu machen glaubt?' (Sicherlich! denn er sieht hierbei nur ans die Bethätiguug der patriotischen Gesinnung, und mau ehrt ihn mit dem Schönsten, was man hat.) Salonichi, 5. September. Eine entsetzliche Braudkatastrophe hat in d.er Nacht von Mittwoch zu Donnerstag unsere Stadt heimgesucht und zwei Dritttheile dersetven in Asche gelegt. DaS ganze Judenviertel ist niedergebrannt, achtzehntansend Glaubensgenossen sind obdachlos und gänzlich mittellos geworden. DaS Feuer brach um Mitternacht am Mittwoch in einem am Ouai belegenen Hause aus. Der scharfe Wind trug die Funken in das Jndenviertel. Die Flammen griffen in dem dichtbevölkerten und größtentbeils aus hölzernen Häusern bestehenden Bezirk so ungeheuer rasch um sich, dass die Spritzenleute es aufgaben, die Flammen zu bewältigen und sich der Rettung ihrer eigenen Habe und Familien widmeten. Selbst das ans den brennenden Häusern gerettete und in den Straß.׳n ausgeschichtete Eigenthum wurde schließlich eine Beute der Flammen. Sieben Synagogen mit ihrem ganzen, zum Theil sehr kostbaren Jnbalt und sämmtlichen Thorarollen, das jüdische Krankenhaus, die Mikwah wurden eingeäschert. Leider sind auch Menschenleben zu beklagen. Das grauenhafte Elend spottet jeglicher Beschreibung. Ueber 2000 Häuser sind abgebrannt, der Schaden beläuft sich auf .ca. 10.000.000 Mark, von denen nur 3,000.000 durch Versicherungen gedeckr sind. Unter dem Ehrenvorsitz des Vati hat sich ein ans Vertretern sämmtlichec Nationen bestehendes Hilss-Comits gebildet, welchem der österreichische Consnl 1500, der französische und italienische je 1000 Francs und unsere' Glaubensgenossen Allatiui und Moldiano sehr bedeutende Snmm.׳l1 bereits haben zugehen tasten. Se. Majestät der Sultan hat angeordnet, dass den Obdachlosen Militärzelte und Brolvorrathe ausgefotgt und ohne Unterschied der Confestlon in den Moscheen Unterkunft gewährt werden soll. Wir hoffen zuversichtlich, dass auch die ausländischen Glaubensbrüder das Ihrige dazu beitragen werden, dem Elend zu steuern. I. Pr. ׳ -n&zncrvc■

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