Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 25 (21.9.1890)
- Date
- 1890-09-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Wans. Das ,XIX. Siecle' vi-röffentlicht gelegentlich der Enthüllung, woher die Bonlange die nöthigen Mi:tel zur Agitation genommen, unter Anderem auch folgeiidis Gespräch eines Royalisten mit Baron Hirsch: Es bandelte sich damals um die Wahl im Nord-Departement, man brauchte- Geld, damit Bonlanger gewählt werde, für welchen die Royalisten sich sehr interessirten, der Graf von Paris war in Spanien und die Zeit war sehr gedrängt — da begab sich der erwähnte Royalist zu Baron Hirsch und sagte: ,Es cnbt in Paris nur zwei Menschen, an die wir uns wenden können, Rothschild und Sie; aber Rothschild ist durch und durch Geschäftsmann, während sie ein nobler Charakter sind, weshalb ich auch nicht gezögert habe, bei Ihnen anzuklopf.n.' Daraufhin gab der Bankier .200.000 Francs. Den hierüber erhaltenen Schuldschein zerknitterte er und warf ihn in den Kamin, mit den Worten: .Leute wie wir, haben einen Empfangsschein nicht nöthig.' Trotzdem erhielt er nach kaum einer halben Stunde durch den Kammerdiener eines Herzogs ein sehr liebenswürdiges Schreiben, das in Form einer Danksagung eine Bestätigung erhielt. Einige Augenblicke später trug der Diener des Barons dem Herzog die zerrissenen Stücke seines Briefes zurück, eiligewickelt in ein Papier, worauf blos die Worte standen: .Niemals nimmt ein Mensch, wie ich, eine Bestätigung von einem Alaune, wie Sie.' «London. (Wann wird die Erde übervölkert sein?) Diese Frage war dieser Tage Gegenstand der Discussion in der geographischen Section der Lritislr Association, welche gegenwärtig ihre Jahresversammlung in LeedS hält. Einer d:r Gelehrten, Herr E. G. Ravenstein, führt ein umfangreiches statistisches Material vor, ans dem hervorgieng, dass die Erdkugel, wenn Alles seinen gereg-lieu Gang geht, nach spätestens 182 Jahren so bevölkert sein wird, dass kein Platz mehr für die Nachkommen übrig sein wird. Die nnwirtdlichen und daher unbewohnten Gegenden um den Nord- und Südpol nutzer Acht lassend, theilt der genannte Statistiker und Geograph das Festland der Erde in folgende vier Abtheilnngen: Gut cnlivirbares Land > 28,469.000 (engli!che) Quadratmeilen: Steppen, Dünen und ähnliches schlecht cultivirbares Land 13,901.000 uncultivirbare wüste Felsen rc. 4,180.000, zusammen 46,350 000 §^uadratmeilen. Die gegenwärtige Bevölkerung der Erde berechnet er mit circa 1497 V2 Millionen, wovon auf Europa 360.200.000, ans Asien 856 Millionen, auf Afrika 127 Millionen (eine Schätzung,' die hinter der üblichen stark zurückbleibt), auf Australien 7,730 600, auf Nordamerika 89V» Millionen, endlich auf Südamerika 36'/r Millionen komm.-n. Herr Ravenstcin nimmt nun an, dass die Menschheit sich blos nur 8 Percent in jedem Jahrzehnt vermehrt, und berechnet hienack, dass es im Jahre 2072 .5994 Millionen Menschen geben wird. Mehr als diese Zahl werde aber die Erde, wenn nicht ganz besondere landwirthschafrliche V r- Hesserungen erfunden werden, nicht zu ernähren im Stande sein. So weit die Ausführung des Gelehrten. Wir für unseren Theil wollen im Interesse unserer Ururenkel hoffen, dass es innerhalb dieser Galgenfrilt von 182 Jahren gelingen wird, aus Kieselsteinen Brod und aus Luft Fleisch zu fabriciren — wie dies Herr Siemens vor einigen Jahren schon auf der Berliner Naturforscher-Versammlung beiläustg in Ansstcht gestellt hat. Damit wäre allerdings blos die Ernährungsfrage und noch nicht die Platzfrage gelöst. Indessen werden unsere Enkelkinder auch da einen Ausweg finden. Sie brauchen ja blos ihre Wohnsitze zum Theile in Ballon captifs aufzuschlagen. .Oder wer weiß? Vielleicht ist bis dahin gar schon eine Brücke nach dem Mars gebaut . . . Lincoln. Wie viele andere englische Kathedralftädte ist auch Lincoln, eine der ältesten und interessantesten Städte Englands, 211 km. im Norden von London auf einem hohen Hügel gelegen, reich an Profanbauten, welche in die normannische Zelt hinabreichen. Unter, diesen ist das sogenannte ,.Judenhaus' bemerkeuswerth, welches inmitten von niedrigen Häusern in einer steilen Straße steht, die zur .Kathedrale hinaussühlt. AnS den Ueberresten ist zu schließen, dass dieselben nur einen Theil des ursprünglichen Gebäudes, das viel größere .Dimensionen gehabt haben muß, bilden. Das normannische Bandornament über den Thorwegen und die zierlichen Capnäle widersprechen der Annahme nicht, dass daS Haus ans dem Anfänge des 12. JahrchundertS!lammt. Um diese Zeit war Lincoln bereits eine blühende Stadt, in der auch viele Juden lebten. Im Jahre 1255, unter der Negierung Heinrichs III., des Sohnes von Johann ohne Land, dessen .Herrschaft von fortwährenden Kämpfen mit den Baronen des Landes, mit Frankreich und langwierigen Verfasfungßstreitigkeiten ansgefüllt war, waren die Juden daS Ziel einer blutigen Verfolgung, weil sie jlch dem Verdacht ausgesetzt hatten, einen Knaben gekreuzigt zu haben, dessen Leichnam man in einem Brunnen gefunden. Zweinndvierzig Jud«-n fielen damals der Volkswuth zum Opfer, und einige von ihnen wurden an die Schweife wilder Pferde gebunden, welche die Unglücklichen zu Tode schleiften. Der Knabe wurde als ,kleiner St. Hugo' heilig gesprochen, zum Unterschiede vom großen St. Hugo, welcher einer der ersten Bischöfe der Diöcese gewesen war. Diesem Ausbruche fanatischer Volkswuth in der Mitte des 13. Jahrhunderts, an dem wahrscheinlich die Geistlichkeit der Diöcese nicht unerheblichen Antheil gehabr haben wird, verdankt wohl die nunmehr altersgraue Ruine ihre Bezeichnung. WhrkadekphlN. »Die jüdische Alliance von Amerika' ist der Name eines Vereines, dessen Bildung durch die jüngsten Nachrichten aus Russland über erneuerte Verfolgung unserer dortigen Glaubens-» genossen angeregt wurde. Entstehung und Zweck desselben wird uns auS dein Folgenden ersichtlich: Die Herren Bernhard Harris, A. B. Cohen und Dr. C. D- Spivak beriefen kürzlich eine Versammlung hervor» ragender Glaubensgenossen ans dem südlichen Stadttheile» welche am 6. August in der Wohnung des Letzteren zusammentrat, um zn berathschlagen, wie man die hartbedrängten Glaubensgenossen im Czarenreicke die, wie man annehmen konnte, zahlreich nach den Ver» einigten Staaten berübsrkommen würden, am besten unterstützen könnte. Es wurde beschlossen, an sämmtliche israelitische Gemeinden, Vereine, Cvevras und Logen der Stadt Einladungen zu einer allgemeinen Versammlung zur gründlichen Berathung und endgiltige» Beschlußfassung ergehen zu lassen. Diese Versammlung fand Mittwoch den 20. August Abend in der Halle Nr. 203 Pine Straße statt, in der auch die ,Hebrew Literatnre Society' domiciiirt ist. Die Versammlung war von Delegaten der Gemeinden und Vertretern vou 15 Vereinen und Logen ans dem unteren Stadttheile besucht. Anderweitige Tkeiluahme beschränkt sich auf die Herren Rev. Dr. S. Morais, Rev. E. Eppstein. Herrn L. FetS und Schreiber diese». Das Counts ' erstattete folgenden Bericht: »llm zn verhindern, dass die zahlreichen jüdischen Emigranten ans Russland, die in Folge der Jsraelitenverfolgung daselbst nach den vereinigten Staaten herüberkommen, sich in den großen Städten niederlassen, wo sie ein schweres Fortkommen haben und an Leib und Seele zu Grunde gehen, soll eine aus Delegaten von Vereinen, Logen, Gemeinden anö einzelnen Personen bestehende Vereinigung gebildet werden, welche dafür Sorge trägt, dass die Emigranten ans das Land kommen, wo sie Luft und Sonnenschein habe» und sich auf anftändize Weise ihren Lebensunterhalt verdienen können.' Es wurden folgende Beschlüsse unterbreitet: 1. Der Name der Organisation soll sein: »Jüdiiche Alliance von Amerika.' 2. Zweck derselben soll sein, Förderung deS Ackerbaues und verwandter Gewerbszweige unter den russischen Einwanderern nach diesem Lande. 3. Die Mirgliederschaft in dieser Organisation soll aus Delegaten der verschiedenen jüdischen Gesellschaften in diesem Lande und einzelnen Personen bestehen. Jede Gesellschaft, welche Delegaten schickt, soll für jeden Delegaten 25 Dollar einzahlen; der Jahresbeitrag einzelner Mitglieder soll 3 Dollar, der von Gönnern (patrons) 10 Dollar betragen. 4. Beamte sollen in ber Jahresversammlung im September gewählt werden. Wähler sind nur die Delegaten, jedoch sind alle Mit» glieder stimmberechtigt. 5. DaS B amtenpersonal soll bestehen ans einem Präsidenten, Dice-Prälidenten, Schatzmeister und zwölf Directore».' Als zeitweise Beamten, bis October׳d. I. wurden gewählt: Dr. Spivak, Präsident; Moses Klein, Vice-Präsident; Rev. Dr. S. Morais, Schatzmeister und Bernard Harris, Seeretär. St. Lonis. Den Ursprung der weißen Menschen erklärte kürzlich ein!chwarzer Prediger in Minnesota seinen farbigen Zuhörern in folgender Weise: »Meine Brüder! Ihr seht einen weißen Mann: er ist zu schlecht, er ist verstucht! Ihr werdet Euch wundern» wie Gott diesem schlechten Menschen ertauben konnte, auf diese schöne Welt zu komme». Ich will Euch sagen, wie daS geschah! Vor tanger, langer Zeit lebten die Nigger Adam und Eva in einem schönen Garten. Die hatten zwei Söhne, der eine hieß Kain, der andere Abel. Kain schlug seinen Bruder Abet todt und versteckte sich. Du kam Gott vom Himmel und rief: »Kain, Du denkst wohl, ich sehe Dich nicht Du Buschnigger! Komm nur heran», Kain!' Kai» kam auch heraus und sprach: »Ja, Massa, hier bin ich, was willst Du, Massa?' Gott fra.ste: ,Wo ist Dein Bruder Abel?' Als er s» fragte, wurde Kain vor Schrecken über und über weiß. Seht, Brüder, dieser Kain war der erste weiße Mensch!' Allen geehrten Collegrn» Lesern u. Mitarbeiterin unseres Mattes wünschen wir נמר התימה סוכה