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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-09-21 · Heft 25 (21.9.1890) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 25 (21.9.1890)
Date
1890-09-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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fpenstiger Laute zu überwinden. Diese gemeinsame Gymnastik besteht in folgendem: Nach einer tiefen Einatbmung wird die Zunge gegen die Rachenwand zurückgezogen und deren leicht gekrümmte Spitze gegen das Gaumengewölbe gebracht, indem man zu gleicher Zeit die Lippen derart auseinanderzieht, dass die Mundwinkel wie beim Lachen von einander entfernt werden. Der Kranke muß außerdem Sorge tragen, nur nach vollzogener Athmung zu sprechen und soviel Luftvorrath als möglich in den Lungen zurückzuhalten. Nachdem die widerspenstige Silbe mit Hilfe dieser Gymuastlk hervorgebracht wurde, müssen die Sprachorgane ihre natürliche Lage wieder einuehmen und wird dann das Leien oder Sprechen nach einem verschiedenen stets wechselnden Zeitmaße begonnen. Colombat wählt zu dem Zwecke den musikatischen V1. V«, 3/8, 4/4 und 6/8 Tact, den er entweder mit dem Fuß schlagen oder besser derart markieren lässt, dass der Stotternde bei jeder ersten, zweiten, dritten, vierten oder sechsten Silbe den Daumen an den Zeigefinger je nach dem gegebenen Tempo annähert. Die Coen'sche Stimmgymnastik besteht in der reinen und kräftigen Betonung der Vocale sowohl für sich, als auch in Verbindung mit anderen. Diese Uebunzcn sollen die Spannkraft der Stimmbänder und der Brustmuskeln erhöhen und den Kehlkopf zur Thätigkeil anregen und stärken. Das bei der Stimmgymnastik eingeschlagene Verfahren ist folgendes: Nach einer tiefen Einathmung lässt man Anfangs die Vocale so laut und so lange hiuauSrufen, als der Alhem und die Stimmmittel des Stotterers reichen. Sobald die Tonstärke einen ziemlich hohen Grad erreicht hat, wendet man seine Aufmerksamkeit der Tonhöhe zu und lässt zu diesem Behufs jeden einzelnen Selbstlaut nach der musikalischen Scala mit der Bemerkung singen, dass die Uebenden stets die Mitteltöne ihrer entsprechenden Stimmregitter anzuschlazen haben. Even verbietet daher bei Männern die Fistel- und bei Frauen und Kindern die sogenannten Kopftöne, um nicht durch zu starke Spannung der Stimmbänder eine Ueberreizung derselben herbeizuführen. Die Stimmgymnastik, beginnt am ersten Tage der fünften und endigt am letzten Tage der achten Bebandlungswoche. Zn den ersten vier Wochen lässt Cocn ausschließlich Aihemgymuastik alS vorbereitende Methode treiben. Dieselbe besteht im Wesentlichen auS folgenden drei Acten: Eiuaibmung, Zurückhalten der Luft in den Lungen, Äusarhmung. Nachdem die Stotterer sich aller beengenden Kleidnngsstücke entledigt haben,!ebnen sie sich in .gerader Haltung mit zurückzedrängten Schultern und vorgedrängtem Brustkorb an eine feste Wand an. Nun lässt man sie eine lang- -same, liefe Einalhmung machen, wobei die atmosphärische Luit gewaltsam in die Lungen eindriugt. Dieser Act dauert Anfangs 3 bis 5 Sccuudeu, später 10 bis 15 Sccnuden und noch länger und zwingt die Athemorgane zu einer Erhöhung ihrer Thäligkeit. Der Elnathmnng folgt das Zurückhalten der Lust in deu-Luugeu, welches 10 bis 20, höchstens 80 Sccunden dauert, je nach der körperlichen Beschaffenheit des Kranke«. Die Luft muß möglichst vollkommen in den Lungen eiugchalieu werden, damit sie nicht durch die Nasenöfsuungeu oder Den Mundcanal entweiche. Das drohende Erlahmen der Älhemkraf! gibl sich durch eine zuckende Bewegung in der Zwerchscllgegend kund, welche in eine endliche Erichlaffuug der Muskeln übergeht, auf die eine schwache Exspirariou folgt. Der. drille und letzie Act der Älhemgymnastik, die Äusalhmupg, wird das eine Mal schnell und kräftig, das andere Mal dagegen langsam und gedehnt ausgeführt. Die erstere gelingt am besten, wenn der Mund weit geöffnet und die Bauchpresie in unterstützende Tvätigkeil gesetzt wird. Das dabei Hörbär werdende Geräusch gleicht einem mit vollster Kraft ausgestoßenen Seufzer. Die vereinigten Alhem-, Stimm- und Sprechübungen umfassen eine Dauer von zwölf aufeinanderfolgenden Wochen; die tägliche Uebunz selbst dauert 1—IV2 Stunden. Diele Heilmethode hat sich ihrem Erfinder, Dr. Coeu in Wien, in vielen Hunderten von Stotterfällen trefflich bewährt. Gedenket der Tage der Uorjrit — erwäget die Aenderung der Zeitalter. V. B. M. 32, 7. Dr. Gabriel Richer Y. XXXVI. Noch einer litterarischen Arbeit Nießers, die im Jahre 1832 ibn beschäftigte, müssen wir erwähnen. Börne, auf den wir s. G. w. noch zurückzukommen gedenken, hatte die Eindrücke, die er aus dem politischen Leben Deutschlands nach 1830 empfangen, in zwei Bänden: ,Briese aus Paris' wiedergegeben und darin seinen Unmuth meisterhaft knnd getban. Der bisher so maßvolle, geistreiche Schriftsteller, der es verstanden, in kurzen Aufsätzen, gedankenreiche. Wahrheiten in liebenswürdiger, künstlerischer Form niederzulegen, trat in diesen Briefen in leidensckastlichem Mißmuth gegen Deutschland auf, weil die politische Ent- Wicklung, von der er in glühender Begeisterung seit der Juli- Revolution geträumt, sich nickt verwirklichte. Viele seiner Freunde bedauerten die Erscheinung dieser Briefe, die an den gerügten Uebelständeu nichts bessern konnten, wohl aber Widertachern Anhaltspunkte boten, diejenigen, die an den Negierungssystemen deutscher Fürsten mit Recht so Vieles tadelten, als Vaterlandsfeinde zu verketzern. Zu diesen seinen Tadlern gesellte sich auch Collaborator E. Meier zu Hamburg in einer dreizehnseitigen Erstliugsschrist, betitelt: ,Gegen L. Börne, den Wahrheit-, Recht- und Ehrvergessenen Briefsteller aus Paris. Altona 1831'. Der einzige Inhalt derselben ist eine fortgesetzte Schimpfrede auf Börne. Bei dieser Gelegenbeit konnte Meier nicht unterlassen, auf die Juden im Allgemeinen in ^folgender Weise zu schimpfen: ,Börne ist ein Jude, wie Heine, wie Saphir. Getauft oder nicht, das gilt gleich viel; denn es ist ein Mißbrauch, den Namen im Gegensatz eines Christen zu gebrauchen. Er bezeichnet nicht allein die.Religion, sondern eine ganze Natinalität und ftebt also den Germanen, Slaven und Griechen ^gegenüber, nicht nur den Mubamedauern und Christen. Nicht den Glauben der Juden hasten wir, sondern die vielen hässlichen Eigenthümlichkeiten dieser Asiaten, die mit der Taufe nicht abgelegt werden können, die unter ihnen so häufige Unverschämtheit und Anmaßung, die Unsiitlichkeit und Leichtfertigkeit, ihr vorlautes Wesen und ihre oft so gemeine Grundgesinnung u. s. w.' Natürlich konnte Rießer diese Gemeinheiten, nicht uuerwidert. lasten und schrieb: .,Börne und die Juden. Ein Wort der Erwiderung auf die Flugschrift des Herrn Dr. E. Meyer gegen Börne, von G. Nießer Di׳.. Motto:, ,Antworte dem Thoren nach seiner Tborheit, damit er sich nicht weise dünke'. (Sprüche 26- 5 ) Altenburg 1832.' Der Kritiker der Pariser Briese erhält seine, gebührende Antwort wegen seiner Schmähworte auf die Juden. Mit der ganzen Wucht seines erzürnten Gemüths erwidert Nießer: ,Wer mir den Anspruch aus mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, die Sprache, die ich rede, auf die Luft, die ich athme. Darum muß ich mich gegen ihn wehren wie gegen einen Mörder. Wohl mir, dass ich es in freier deutscher Rede, kann, dass, mindestens die Muttersprache, liebreicher als ihre Jünger, sich mütterlich meiner aunimmt und mir ihre mächtigen Waffen zu dem Kampfe nicht versagt, vielleicht wird mein Gegner an dem derben Ernste ihrer Streiche die Deutschen msmw

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