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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-09-21 · Heft 25 (21.9.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 25 (21.9.1890)
Date
1890-09-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 mit der Aufforderung nahe zu legen, das betreffende Elaborat bis Ende September 1890 d. a. zu überreichen. DaS Ergebnis dieser Aufforderung ist fammt den bezüglichen Eingaben und Anträgen mittelst einfacher Einbegleitnng bis 10. October 1890 bisher vorzulegen. Hiebei bemerke ich, dass ich voraussichtlich die eingelaugten Muslerstatuteu-Entwürfs durch eine aus geeigneten Pelsöntichfeiten zusammengesetzte Enquete durchberalhen und begutachten lassen werde, zu welchem Behufe gelegentlich der für den 10. October 1890 au geordneten Vorlage ein bis zwei Personlichkeiten israelitischen Glaubensbekenntnißcs namhaft zu machen sind, welche bei Erwägung aller Umstände geeignet erscheinen und eventuell auch bereit wären, der gedachten Enqueteberathunz erforderlichen Falles beigezogen zu werden. Es ist übrigens nach Thunlichkeit zu beachten, dass unter den namhaft zu machenden Individuen sich jedenfalls ein Zsraelite des Laienstandes und erst in zweiter Linie ein Rabbiner befinde. Sollte das vorliegende Gesetz zu Anfragen, Bemerkungen oder Anträgen Anlass geben, so wären diese in spceiellen Berichten vorzubringen, wobei die Cumulirung heterogener Materien und Fragen in einem und demselben Berichte nach Thunlichkeit zu vermeiden ist. Wien, 22. August 1890. Zn Vertretung: Kutschern ra. p.“ Es dürfte unseren Lesern sicherlich noch in Erinnerung sein, dass die D!pntation des österr.-ungar. Cantoren-Vcreines zur Zeit, als das Gesetz im Abgeorduetenbause in Verhandlnng war, von maßgebender Seite ans den Moment vertröstet wurde, in welchem an die Festsetzung der Gemeindestatuten geschritten werden wird. Nun dieser Zeitpunkt ist da, und es ist nicht zu läugnen, dass in dem vorstehenden Erlasse, namentlich in den letzten Absätzen desselben, die größte Liberalität für die Vorbringung gerechter Wünsche, die in den Statuten Ausdruck finben könnten, bekundet wird. Darum ist es aber die heiligste Pflicht der berufenen Vertreter des Cantorenstandes jetzt, im geeigneten Momente, für das Wohl und Wehe ihrer Standesgcnossen eiuzntreten. Hierdarfnichl lange gczögert werden, n u r noch e i n i g e W o ch e n, und unser Schicksal i ft für Jahrzehnte besiegelt. Darum videaat . consules! Eine musikalische Heilmethode. Von De. nasä. Go l in g er. *) Eines der am meisten verbreiteten Sprachgebrechen bildet das Stottern, jenes bekannte Sprachübel, wobei das Kind gezwungen ist, entweder mitten im Sprechen plötzlich auszuhören, oder eine Silbe, ein Wort mehreremal hintereinander mit Anstrengung zu wiederholen, bis es ihm möglich wird, den begonnenen Satz zu beendigen. Welcher Menschenfreund fühlt sich einem Stotternden gegenüber nicht von Mitleid erfüllt und verwundert sich nicht, dass man in früheren Zeiten diese bedauernswerthen Geschöpfe hilflos ihrem Leiden überließ! Fast zahllos sind die Erklärungen, welche das Wesen des Stotterübels darzulegen versuchen und ebenso die Heilmethoden, mit denen man dasselbe zu beseitigen glaubte. Der französische Arzt Colombat hältdas Stottern für ein Nervenleiden, welches durch ein gestörtes Gleichgewicht des vom Hirne zuströmenden Nerveneinflusses und der uneingeschränkten Bewegbarkeit der Sprachorgane bewirkt werde. Nach ihm geht nämlich die vom Gehirne zu den Muskeln der Sprachorgane führende Leitung so blitzschnell vor sich, dass *) ,Neue Musik-Zeitung' (Grüninger, Stuttgart) Nr. 14, 15. die Muskeln entweder in einen Zustand von Erstar ung verfallen, oder durch eine gewisse Schwäche in unwillkürliche, krankhaft-׳ Bewegullgeu geraten. Aebnlich i)er Theorie von Colombat irt diejenige seines Zeitgenossen Blume, welcher das Stottern als ein Mißverhältnis zwischen dem Denk- und Sprechgeschäfke betrachtet. Einerseits ist das Denken im Verhältnis zu der Thäligkeir der Sprachmerkzeuge zu schnell, so dass letzere mir dem Gedankeugange nicht gleichen Schritt halten. Anderseits rtl das Denken im Verhältnis zum Sprechen zu langsam, so dais die Zunge schon thätkg sein will, ehe die Gedanken sich entwickelt haben und zum Bewusstsein gekommen find. Durch das Bestreben, dieses Missverhältnis auszugleichen, werden dann die Muskeln der Sprechwerkzeuge so gereizt, dass sie in einen Zustand von Erstarrung, von Verzuckungen und Konvulsionen und Zittern versetzt werden. Dagegen erklärt Kußmaul das Stottern als ein krampfhaftes Unvermögen, das zur Silbenbildung erforderltchr. Vokalisiren der Consonanten d.' h. die Verbindung der Contonanten mit den Vokalen auszuführen. Bei jedem Versuche, dreien oder jenen Consonanten mit ein m nachfolgenden Vokale zur Silbe einheitlich zu verschmelzen, kommt es zu Krämpfen in der Sprachmuskulatur. Endlich ist noch die neueste vom Lpracharzle Coeu in Wien ausgestellte Theorie deS Stotterns zu erwähnen, wonach das Stottern in Folge einer Verminderung der Aibmniigs׳ größe bervorgerufen wird. Schon die oberflächliche Betrachtung der körperlichen Beschaffenheit der meisten Stotternden tässr die Vermutung auskommeu, dass bei ihnen eine Störung der Alhmung vorhanden sein müsse. Bald findet man einen verkümmerten, unregelmäßigen Bau des Brustkastens, bald eine overfiächliche, unregelmäßige Äthmung. welche sich durch leichte Zuckungen in der Gegend deS Zwerchfelles deutlich äußert. Andere Stotterer bieten wiederum eine mangelhafte Entwicklenng und Schwäche der Athemmuskeln dar, die sich beim ersten Anblick erkennt» lässt. Dabei können die Sprachorgane an und für sich vollkommen beschaffe» sein. Es ist lediglich der Coutrast zwischen der Mangelhasten Athemsunktion und den gesunden Sprachorgane», welcher absolut nothwendig ist, damit das Stottern zu Tage treten könne. Temperament und Charakter beeinflussen das Sionerübel in hohem Grade. Bei ruhigen, phlegmatischen Naturen erreicht daS Gebrechen selten eine solche Ausdehnung wie bei lebhaften, sanguinischen Personen. Ferner spielt die Erziehung hierbei eine große Rolle; bei rohen, ungebildeten, scheuen, schüchternen Individuen tritt das Uebel ungleich stärker hervor, als bei gesitteten, wohlerzogenen, mulhigen Personen, weil elftere, die Tragweite ihres Gebrechens verkennend, nicht jenen Ehrgeiz und jene Willenskraft der letzteren besitzen. So mannigfaltig wie die Theorie», sind auch die Heilververfahren, welche als erfolgreich gegen das Stotterübel gepriesen werden. Unter allen diesen Methoden verdienen an dieser Stelle zwei besonders besprochen zu werden, weil sie den musikalischen Takt zur Grundlage des Heilverfahrens machen. Es sind dies die rhythmisch-respiratorische Methode von Colombat und die Stimmgymnaftik von Coen. Ersterer geht bei der Anwendung seiner Heilmethode in folgender Weise vor: er fordert die Stotterer auf, irgend eine Phrase singenden Tones vorzulragen und betrachtet die correkte Ausführung derselben als erstes Erfordernis der Heilung. Sodann lässt er die Stotterer etwas vorlesen und prüft dabei einerseits die Lautbildung, anderseits den Grad des Sprachübels. Neben dem Rhythmus und der geregelten Athmung als Hauptmomente seiner Behandlung, wendet der französische Arzt noch Anfangs eine Art Brust-, Kehlkopf», Gaumen-, Zungen- und Lippengymnastik an, welche dazu dienen soll, die ersten Schwierigkeiten bei der Bildung gewisser wider»

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