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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-09-01 · Heft 23 (1.9.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 23 (1.9.1890)
Date
1890-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 zu konzentrieren und letztere mit Vorsicht nach der Höhe wie nach der Tiefe zu erweitern, so schreite man später zur Verbindung zweier und mehrerer Töne dcr diatonischen Skala; auch übe der Schüler sich in der Verbindung von Terzen, Quarten, Quinten. Texten, Septimen und Oktaven, wie von kleinen und verminderten Intervallen. Aber erst dann, wenn der Schüler die Mittellage, und zwar vollständig, auch messa voce beherrscht und eine Ansgleichung der beiden Register statlgesnnden bat, darf der Lehrer weiter geben und die Stimme gleichmäßig nach oben wie nach unten ausbildcu. Ist der Schüler io weit, dass er die Vokale rein, klar und deutlich anzuschlagcn vermag, dann sübre er diese Uebungcn auch ans den Solmisationssilben aus. Bei den Contonanteu ist ganz besonders ans eine scharfe und deutliche Anssprache zu achten. Man beachte namentlich jene der Doppelvokale ai (ay ) au, än, ei (cy), en oi und ui. Man bäte sich, die beiden Vokale scharf gesondert auszu'precheu, was so leicht geschieht; erst gegen Schluss des auszuhaltenden Tones den Diphthongen in den brtreffenden Doppellaut zu verwandeln, ist unzulässig. Wie oft hören wir A-ugen statt Augen, Klarha-it statt Klarheit, ma-in statt mein u. s. w. Bei der Aussprache der Doppellaute mit Ausnahme des oi, ist ein dunkles und ein Helles a wob! zu unterscheiden. So ist z. D. der Diphthong ei in dem Worte .Geleite" Heller, in ,Geläute" dunkler anzusetzen. Man beachte den Unterschied zwischen ,Häute" und ,heute", ,Häuser" und ,heiser", ,Waisen" und ,Weisen" ,Leuchter" und .leichter", 11. s. w. Die Vokalise hat es einzig und allein nur mit der Stimmbildung selbst zu thnn; während durch Hinzutrilt der Consonanten das sprachliche Element mit in den Vordergrund tritt; ihm ist die größte und gewissenhafteste Beachtung zu schenken, da eine klare Aussprache und bestimmte Deklamation die Grundbedingungen eines schönen Gesanges sind. Für unsere Andeutungen über einen rationellen Gesangsunterricht wäre folgende Uebnngslitteratnr zu empfehlen: Ferdinand Siebers 100 Vokalisen und Solseggien op. 31/85. Da jede einzelne Solseggie und Vokalise einen besonderen technischen Zweck verfolgt, so hat der Lehrer die ibm geeignete, dem Können des Schülers entsprechende Wahl zn treffen. Hierher gehören auch desselben Verfassers 60 leichte Vokalisen und Solseggien op. 44/49 und F. Lampertis ״Prime Lezionie di canto“, dann die 60 Solseggien aus die Intervalle der Tonleiter, von G. W. Teschner nach italienischen Meistern bearbeitet. Weiter die Treffübungen op. 55 von Gnrlitt und Manuel GarciaS tägliche Uebungen. Besonders letzteres Werk ist ganz vortrefflich. Vorzüglich ist für den angedendeten Zweck auch das Solfezgienalbum von L. Stark in seinen ersten zwanzig Nummern, also bis zu den Verzierungs- und Coloraturstudien. Hier noch einige Nathschläge über Schonung und Erhaltung der Stimme. Vor allem hüte sich der Sänger vor Erkältungen und vor ärztlichen Specialisten. Letzere sind in gewissen Fällen sofort bei der Hand, Nachen und Kehlkopf mit Höllenstein und Jod zu behandeln. Das sind zu schroffe und zu scharfe Mittel, -welche die Schleimhäute und Muskeln in einen krankhaften Reizzustand bringen und somit in der Regel mehr schaden als nützen. Diese beliebten Aetznngen haben freilich eine akute Wirkung, ihre Folgen sind aber oft recht schlimme und können bei häufigem Gebrauch zur Erschlaffung der Stimmbänder führen. Der Sänger achte vornehmlich darauf, dass er keine kalte, scharfe Lust einatme, da hierdurch leicht eine Entzündung der Stimmritze und der Schleimhaut des Kehlkopfes eiütritt. Er atme also durch die Nase, weil durch den längeren Weg, welchen die Luft bis zum Kehlkopf zu durchströmen hat, erftere erwärmt wird, so dass dieses heikle Organ vor plötzlicher Abkühlung geschützt ist; es werden aber hierdurch auch die Schleimhäute feucht erhalten und nicht ansge» trocknet, wie dies geschieht, wenn durch den Mund die Luft plötzlich und in großer Menge zugeführt wird. Weiter hat der Sänger sich vor schlechter, dumpfer Luft zu hüten, besonders vor Staub und Lokalen, die durch Tabaksqualm vergiftet sind. Nichts verursacht mehr Calarrhe des Kehlkopfs, und ein öfteres Auftreten der lctzteren binterlässl eine Verdickung der Schleimhaut, wodurch die Stimme ihren Metallklang verliert und eine rauhe Klang* färbung annimmt. Bei leichten Erkältungen ist das Einatmen von Kochsalzdämpfen vermittelst eines Jnbalationsapp.irates scharfen Mitteln rorznziehen. Bei schweren entzündlichen Komplikationen ist selbstverständlich ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich. Weiter hüte man sich, nach längerem Singen oder Sprechen kalte Luft einzualmen, da die Schleimhaut sich gar zu leicht entzündet. Im übrigen Härte man den Körper gegen die Unbill der Witterung möglichst ab durch kalte Waschungen und durch Bewegung in freier Luft. Eine mäßige Lebensweise ist mit ein wesentlicher Faktor zur Erhaltung der Stimme. Auch scharfe Gewürze und sonstige stark reizende Substanzen sind möglichst zu vermeiden. Das Rauchen ist nicht unbedingt schädlich, wenn es sich in mäßigen Grenzen hält, aber der Sänger hüte sich, den Ranch in die Lungen zn ziehen. Das Rauchen durch die Nase ist höchst schädlich. Es gibt Sänger, deren Constitution es erlaubt, dass sie die Cigarre nur dann aus dem Munde nehmen, wenn sie zn singen haben; ein Beispiel hierfür bietet der ehemals berühmte Sänger Guiseppe Mario, aber solche Beispiele sollen mehr bewundert als uachgeahmt werden. Nichts ist schädlicher für die Nespirations? organe der Sängerinnen als das Tragen zu enger Kleider. Die Stimme wird durch dieselben ihrer Kraft und Resonanz beraubt, da man durch die Lunge nicht genügend Luft ein- und ausatmen kann. Am verwerflichten und für die Gesundheit am schädlichsten aber sind die modernen orthopädischen Eisenstangen, die Corsetts, eine der thörichften Erfindungen des 19. Jahrhunderts. Ein medizinischer Schriftsteller meinte kürzlich, dass unsere Stahl» corsetts, diese Stahlpanzer der eisernen Jungfrauen unserer aufgeklärten Zeit, sich ganz wohl in den Museen neben den Daumschrauben, dem spanischen Stiefel, dem gespickten Hasen und den übrigen mittelalterlichen Folterwerkzeugen unterbringen ließen. Gedenket der Tage der Vorzeit — erwäget die Aenderung der Zeitalter. V. B. M. 32, 7. Dr. Gabriel Rießer Y. XXXIV. Im größten und mächtigsten Staate Deutschlands, in Preußen, waren damals nicht weniger als 21 verschiedene Judengesetze, nach denen die jüdischen Preußen der verschiedenen Provinzen regiert wurden und mit diesen Gesetzen, reipective Juden-Unordnungen befasst sich Rießer im zweiten Bande seiner Zeitschrift ,Der Jude." Bis zum Beginne des 19. Jahrhunderts exiftirten die Juden Preußens in trüben Verhältnißen als sogenannte Schutzjnden unter mannigfacher Bedrückung und Kränkung. Friedrich der Große von 1740—1786 nahm aus sie keine andere Rücksicht als sie financiell auszubeuten. Sie bürgerlich zu heben und in den Staatsorganismus einzufügen, lag diesem königlichem Philosophen ganz und gar fern. Versagte er doch bekanntlich der Anerkennung, welche die Academie der Wissenschaft dem unsterblichen Mendelssohn gezollt, die Bestätigung aus dem einzigen Grunde^ weil er eben Jude war. Diese Thatsache kennzeichnet zur Genüge

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