Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 22 (15.8.1890)
- Date
- 1890-08-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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e Wew Hork. Es erscheint dahier in deutscher Sprache eine Zeitung unter dem Titel .Der Wanderer*, ein Organ für die Interessen Des JutenthumS. Redakteur ist Herr Dr. M. Wechsler. §>0jia. Fürst Ferdinand vcn Bulgarien hat einen vom Kapell- «reister Josef Diamand komponirten ״Bulgarischen Parademarsch" huldvoll st angenommen und denselben sämmtlichen bulgarischen Militärkapellen als Armeemarsch zuzuweisen angeordnet. — Der Compvsitcur ist aus Lemberg und bekleidet gegenwärtig den Posten eines Militärkapellmeisters des 10. bulgarischen Infanterie-Regiments. WersaEes. Vor zwei Jahre» starb hier der Großrabbiner Charleville. und hinterließ eine Tochter ohne jedes Vermögen. Der Stadtpfarrer, der mit dem Verstorbenen in Frieden und Freundschaft zusauuueulebtc, hat dieser Tochter eine lebenslängliche Pension von 1800 Francs ansgesttzt, indem er derselben zurief: ״Je recompense en vous les vertus de votre pdre.“ (״Ich belohne in Ihnen die Tugenden ihres Vaters!") Wien. Die Nachricht von einer Verschärfung der 1882er Vervrdnungeu gegen die Juden in Russland, welche die ״Times״ jüngst in Umlauf gesetzt, hat noch keine amtliche Bestätigung gefunden. Die in Berlin erscheinende ,,Allgemeine Staateu-Correspondenz" will sogar auglblich auf Grund von Erkundigungen an maßgebendster Stelle misten, dass die Nachricht in Russland als salsch bezeichnet werde. Die An- Gelegenheit war bekanntlich Donnerstag und Freitag Gegenstand von Anfragen in den beiden Häusern des englischen Parlaments. Im Unter- Hause erklärte Unterstaatssecretär Ferguston, im Monate Juni noch habe der englische Geschäftsträger in Petersburg berichtet, dass von der rustischeu Regierung bis damals keine Maßregel erwogen worden sei, welche den Inden diejenigen Rechte entziehen solle, die sie jetzt besäßen. Im Oberbause fragte Lord Meath die Negierung, ob es wahr sei, dass in Russland ein Edict erlassen wurde, welches den Juden verbiete, Land zu besitzen oder zu bewirthschaften, und ferner, »venu es so wäre, ob die Regierung Schritte ergreifen würde, um eine Masteneiuwanderung verarmter rustifcher Juden in England zu verhindern. Lord Salisbury antwortete, die Regierung besitze keine Nachrecht, welche die erwähnte Angabe bestätigen konnte, und er habe keinen Grund für die Annahme, dass jüdische Auswanderer nach England kommen würden. Die von Lord Mcath angeregte wirthschaftliche Frage tonne er nicht erörtern, so lange kein Grund dafür vorhanden fei. Wrüg. Der Schriftsteller Karl Wiesenthal von hier, veröffentlicht in der Prager .Jsr. Gemeindezeituug* einen Brief Napoleons, der noch beure nufer Jntereste in Anspruch nimmt. Als Napoleon im Mai 1812 in Kowno lagerte, befahl er, dass man mit Danziger Juden Lieferungen abfchließe, um den Preußen -nicht in die Hände zu fällen. Er selbst hatte sich Adressen von Juden verschafft. General Graf von Segur erzählt nun in seiner Geschichte: ,Napoleon und Die große Armee', dass der Danziger Jude ,Kubloscher" von dem Kaiser einen Brief empfing, der in deutscher Uebersetzuug wie folgt lautet: Mein Herr! Wie Mir mitgctheilt wurde, liefern sie gut und billig. Das hat Mein Herz erfreut! Wenn Gott Mir zum Siege verhilft, so will Ich Europa beweisen, wie dankbar sich ein Kaiser gegen die Juden, ihre Stammesgeuosteu, zeigt. Ich werde Europa Vorschriften machen und die Gefahr aufheben, in neue Barbarei zurückzusinken. Hat Ihr Volk die FinsterNiß des Mittelalters überstanden, so soll dieser Krieg dazu dienen, alle barbalischeu Völker in Civilisiernng zu versetzen! Wer könnte wohl glauben, dass es möglich ist, wenn man im Jahre des Heils 1812 noch Abneigung gegen die Juden hat. Was soll der große Kampf der Menschen, der Kriez des Glaubens, welcher im Innern die Staaten zerrüttet! Ich habe mich längst über Die Leidenschaften der christlichen Welt durch eigene Anschauungen empcrgehoben. Noch viel Blut ׳ muß vergosten werden, ehe auch die Juden aller Länder Europa's die Sonne der Freiheit schauen! In Meiner Lage muß Ich viele Jutereffen ausgleichen und Pstichten erfüllen. Hätte Ich die Welt regiert, dann wären die Juden weiter! Es ist wahr, mein Herr, Ich liebe Ihre Nation! Seit zwanzig Jahren erblicke Ich Eure Kausteute an Meiner Seite, auf den Schlachtfeldern Italiens und in den Gefilden Spaniens hat mancher Jude für Frankreichs Größe sein Leben gelasten. Ich billige es, wrun Ihr auch Ln Preußen nach Rechte» strebt. Preußen hat große Pfaffeumachi, das ist schlimm. Ich gebe meine Zustimmung zu den Anstrengungen, die Ihr beginnen wollt. Alles, was-in Meiner Macht liegt, werde Ich thu», Eure Beschlüße zu unterstützen'. Sind Eure Anstrengungen einstimmig. dann könnt ihr die Hoffnung hegen, die Deutschen zur Anerkennung Eurer Rechte zu zwingen. Völker genug sind durch unermessliche Grausamkeit, an den Juden verübt — nicht ohne jegliche Berechtigung zugrunde gegangen. — Man hat in die Welt hinanspofaunt, Ich habe die Aeußerung getban: ״Tie Juden sind die Raubritter uns.rer Zeit." Welch' eine schimpfliche Lüge! Mein Gott, was sott Ich in letzter Zeit nicht Alles gesagt und geschrieben haben. Jetzt mein Herr, habe Ich Ihnen einige Mittheilnngen gemacht, die Ihr Herz erfreuen werden. Wahrlich, wie Ich geschrieben, so denke Ich! Der Kaiser Frankreichs ist dankbar! Alle Lieferungen schnell nach Kowno. Gehen uns die Gelder aus, so gilt Mein kaiserliches Wort: Ich zahle bald jeöe Forderung! Mein Herr, Ich habe die Ehre K o w n o, am 18. Mai 1812. Napvleo n.׳' Lemöerg, am 31. Juli 1890. Auch hier wurde am Vormittage in der großen städtischen und am Nachmittage in der vorstädtischen Synagoge am Hochzeitstage der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Valerie ein sostnner Gottesdienst vom Herrn Rabbiner Dr. Kobak abgehalten, bei welcher Feierlichkeit Herr Obercantcr Schlomm sich mit seinem Tenorgesange auszeichnete, wobei die israelitische Waisenknaben-Musikeapelle prachtvoll mitwirkte und ein vorzügliches vom Obercantor Schlomm eomponirtes Oritarinm unter Mitwirkung des Tempelchores, letzteres unter Leitung des Chordirigeuten Herr Caplan, spielte und war das anwesende Publikum von dics.׳r Feierlichkeit entzückt. Z. J. Waden. — Anläßlich der Vermählung Ihrer k. und k. Hoheit, der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Marie Valerie, fand am Samstag den 2. August im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde ein Festgottesdienst mit Predigt statt. Das Gotteshaus war von Andächtigen veischiedener Consessionen bis ans das letzte Plätzchen gefüllt. Sr. Ehrwürden, Herr Rabbiner W. Reich, sprach mit gewohnter Meisterschaft, den einst von der allverehrten Kaiserin gethanen Ausspruch ,Mein Kind soll religiös, aber nicht zelotisch erzogen werden* zum Thema seiner geistreichen Rede nehmend. Nachdem Herr Obercantor I. Schäfer, Psalm 45, mit seiner angenehm klingenden Stimme rccitirt hatte, schloss die erhebende Feier mit dem im Chor abgesungenen Kaiserliede, Am 31. Juli, dem Tage der Vermählung, wurde in der israelitischen Gemeindekanzlei ein ansehnlicher Betrag an Arme ohne Unterschied der Consession vertheilt. NngarisH Kradt/H. Die in Nngarisch-Hradifch erscheinenden ״Slovanske Listy" bringen aus Anlass der jüngst stattgehabten Gemeindewähl n in Gaya einen Artikel, in welchem sie nach dem Muster der ״Moravska Orlice'^ und des ״Hlas" die slovakische Bevölkerung der Um- | gebmlg GavaS aussordern, ja nichts bei den Juden zu kaufen, weit sie beiden letzten Wahlen für die deutschen Caudidaten gestimmt haben. Budapest. In Budapest und in einer der ältesten Gemeinden des Landes trug sich kürzlich folgende Scene zu: In Eien wohnt seit Jahren ein jüdischer Kaufmann, welcher nach österreichischem Gesetze seit 8 Jahren in einer Civitehe mit der Tochter eines Wiedner Haus- Herrn lebr. Seiner Mutter, einer sehr frommen Frau, gab der Sohn das- Versprechen, im Falle Kinder aus der Ehe entstammen, dieselben nach jüdischem Glaubest zu erziehen und das Hauswesen nach ihren Anweisungen echt jüdisch zu leiten. Sie erhielt sein Versprechen und Ehrenwort. Nun ist die treue Anhängerin ihres Glaubens, die zärtliche Mutter ihres Sohnes, im Decembcr 1889 den Weg alles Irdischen gegangen. Da bat die nunmehrige Frau des Hauses ihren Gatten, er möge jetzt, nachdem die Mutter nicht mehr unter den Lebenden weilr, mit den Kindern zum Christenthum übergehen. Nach langem Zögern erklärte der Gatte, das am Todtenbette gegebene Versprechen nur dann außer Acht zu lasten, wenn er vor Zeugen bei einem Rabbiner feines Versprechens entbunden würde. Obgenannter Kaufmann wandte sich an die Wiener und Pester Rabbiner, welche ihn aber Alle mit seinem Verlangen abwielen. Nur der Rabbiner einer׳ alten Nachbar-Gemeinde brachte das Geschäft in Gegenwart des Schächters und Tempeldieners zu Staude und überlieferte die fünf jüdischen Seelen dem fremden Glauben! (Warum nennt die Wiener »Neuzeit' der wir diese Mittheilung entnehmen, den Namen der Gemeinde und des religionsverrätherischen ,Rabbinatseolleginms' nicht? Red.) Znaiw- .3. August. (C h r l st l i ch - s o e i a he A u s f l ü g l e r.) ׳ Ein Separatzug brachte gestern Vormittags etwa 500 Wiener Ausfingier unter dem Banner des obigen^Vereins in-unsere Stadt. Unter- Wegs unterhielten sich die Vergnügungszügler inihrer liebenswürdigen Art, und ein Theilnehmer an der Fahrt ries den.Reisenden des-