Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 22 (15.8.1890)
- Date
- 1890-08-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Aber was fragen die Herren Doctores nach dieser Metarnorpboie von Trivialem zu Heiligem, werden ja über Nacht aus primitiven Privatlehrern frischgebackene Neligionsweiser, so wollen es unsere kleinen Gemeinden, und so sagen cs uns die vielen nach Selbstständigkeit riechenden und ringenden Concurie in den Zeitungen. Und so ergeht cs auch einem in einer kleinen Gemeinde Böhmens lebenden Cantor, der entweder sich das Zeugnis eines Neligionsweisers verschaffen oder — springen must. Ich bin. wie Sie meine geschätzten Leser!'eben, bereits aus dem Prager Stadt- Nayon berausgefahren, ich hoffe in Bälde wieder hineinzukommen, um meine -Rundschau zu vergrößern.' Zuttgbunzlau, Ende Juli 1890. B. S. Berichtigung nlicr keine Entgegnung. Der sehr geebrte und gelehrte Herr Verfasser der ,Beiträge' hat in Nummer 20 dieses Blattes eine Entgegnung auf meine in Nummer 18 geäusterten Meinungen veröffentlicht, die ich sehr respectiere und wofür ich ihm hiemit Dank sage, weil IEEE," .רבים ותרבה הדעת Meine Absicht ist es nicht, zu polcmisircn oder die Maimonides-Litteratur vergrößern, sondern diese Zeilen baden nur den Zweck, meine Worte zu berichtigen, damit sie keinen Anlaß zu fernerer Entgegnung geben. Der Herr Verfasser sagte in Nummer 16: .Wir waren der festen Meinung, dass im Jad liachasoko kein Wort vorkömmt, für welches nicht die Quelle im Talmud sich vorfindet.' Darauf erwiderte ich, dass es Viele gibt, welche behaupten, es befänden sich daselbst auch solche Lehren, die gerade nicht im Talmud Vorkommen, und dass es möglich ist, dass diese Lehren dem Sein, Sofra und Tosefta oder anderen Midraschim entnommen sind. Weise seid vorsichtig in euren Worten! Der Jad Malachi, welcher in seinem zweiten Theile viele Normen über die Lehren im Jad haehasoko aufstellt, sagt Cap. 9, S. 184, dass Maimonides oft dem 8etri oder 80kra Lehren entnimmt, wenn sie auch mit dem Talmud collidireu, so heißt es z. B. Hilchat-Melocliim, Cap. 5.: Es ist eine mosaische Pflicht, von Alum Zinsen zu nehmen, eines gegen den Talmud 1 ist. So sagt Maimonides Helchot, Rorea’ch. אך את דמכם לנפשתיכם'אדרוש זה ההורג את עצמו. Diese Stelle findet sich nicht im Talmud, sondern in Nildrasch Nabba 31, und deren könnte ich mehrere anführeu. Ferner sagte der Verfasser in Nummer 16: ,Wir erfahren erst jetzt von unserem geschätzten Gegner, dass Maimonides auch j etwas aus sich selbst sagte und aus eigener Machtvollkommenheit! anordnete.' Hierauf erwiderte ich. dass nicht der geschätzte Gegner der erste ist, welcher dies glaubte, sondern dass es sowohl beim Leben Maimonides wie nach seinem Ableben Viele gegeben hat, welche dies annahmen, aber keinesfalls wollte ich damit gesagt haben, dass diese Meinung eine richtige ist, und absichtlich betonte ich, dass Viele behaupten, dass im Jad haehasoko solche Lehren sich auch finden, die nicht im Talmud sich befinden, waS auch wahr ist, weil viele dem Midrasch in 8ekri, Sofra re. entnommen sind. Die Größe und Vollkommenheit des Jad haehasoko ist von allen Heroen anerkannt und gelobt worden, von seiner Vortrefflichkeit zu sprechen, hieße Eulen nach Athen tragen: 9 Der Herr Verfasser sagt ferner, dass nach dem Mögen Abraham der Vorbeter den אינו בכך מוצא ist; aber der Mögen 9 Siehe Jad Malachi 2. Theil wie Tifereth Lemoscheh und Darche Mosche von Hirsch Chajes, eine Vertheidigung gegen die Feinde, besonders gegen Luzzato, welcher polemisch gegen Maimonides auftrat. Abraham behauptet in Cap. 53, Parazrap 20, dass jetzt Alle Bekinim find. Endlich sei cs mir gestattet, noch einige Worte über das Verhältnis der Rabbiner zu den Cantoren im Interesse Beider zum Ausdruck zu bringen. Ganz anders sind die Worte des sehr geehrten Verfassers in Nummer 20, als in Nummer 16. Ich will gerade nicht behaupten, dass die Worte in Nummer 16 von einer Animosität gegen die Nabbinen dictirt wurden, aber sie sind doch nicht sine ira et studio geschrieben worden. Irr Nummer 16 heißt es: ,Der Rabbiner hat nichts weniger als etwas mit der Seelsorge zu schaffen; im Gegentheil liegt ihm vielmehr die Körpersorge ob, er bat besonders über die praktische Religion zu wachen, dass Alles in der Ehe, im Hause und in der Küche recht sauber und honett, ganz nach jüdisch religiöser Vorschrift bleibe.' Weiters sagte der Verfasser: .Man müsste dem Staate begreiflich machen, dass der ganze jüdische Gottesdienst nur vom Cantor allein abhängig ist, und hier bat mit ihm, nach den Grundsätzen unserer Religion, Niemand etwas zu!heilen.' Aus diesen Zeilen spricht wahrlich, mit Verlaub, zu viel d r Superiorität des Cantors und der Inferiorität deS Rabbiners! Ich will keinesfalls behaupten, dass es bei uns eine Seelsorge in dem Sinne wie in der christlichen Religion gibt; aber jeder jüdische Beamte hat doch eine seelsorgische Thätigkeit. Die Predigt, ob sie vom Rabbiner oder vom Stellvertreter gehalten wird, wirkt segnend auf die Seele, der religiöse Unterricht hat die Veredlung der Seele zur Aufgabe, der Gesang erhebt die Seele und stimmt sie zur Andacht. Wie ganz anders lauten die sanften und versöhnenden Worte des Verfassers in Nummer 20, wenn er sagt: .Wir wollen den Nabbinen in keiner Weise etwas schmälern und gönnen ihnen aus vollem Herzen ihre bevorzugte und einflußreiche Stellung, die sie in den Gemeinden mit vollem Rechte vermöge ihrer hohen Bildung und Gelehrsamkeit einnehmen, und die ihnen auch in Folge ihres erhabenen Amtes nnstreitbar zukommen.' Der Verfaffer bat aber auch recht, wenn er verlangt, dass die Nabbinen die Gemeinden aufklären sollen, welche große Bedentung der Cantor für den Gottesdienst hat, und dass die Nabbinen dazu verhelfen mögen, die Lage der Cantoren zu verbessern, damit ihre Stellung eine sehr würdige sei. Wahrlich, wie Nabbinen und Cantoren sich nicht einander schmähen, die gegenseitigen Verdienste anerkennen werden, wenn der eine oder der andere Factor die Grenzen seines Berufskreises nicht überschreitet; dann werden die Worte des Talmuds sich bestätigen, nach welchen es drei gibt, die sich lieben: unter diesen sind die Abodim, Nabbinen und Cantoren, sie Alle stehen ja im Dienste Gottes׳ Zum Schlüße citire ich die Worte, die ich in einer Brochüre zu meinem 25jährigen Amtsjubiläum geschrieben habe: .Mit keinem Beamten steht der Rabbiner in solcher Verbindung wie mit dem Cantor. Beide sind Functionäre des Gottesdienstes, sie ergänzen einander in ihrer Wechselwirkung, sie haben die heilige Aufgabe, den Gottesdienst zu verherrlichen, und Beide heben sich selber, wenn sie d?n Gottesdienst erheben, und wie der Gottes» dienst uns erbaut durch Harmonie, Einheit, Einklang, Wohllauts so müfien auch diese Eigenschaften zwischen Nabbinen und Cantoren sein, Einer helfe dem Andern, ein Amtsbruder sage zum andern Chasak!“. Aron Roth, Bezirks-Rabbiner in Siklos.