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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-08-15 · Heft 22 (15.8.1890) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 22 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 :!י,? f. ן I: I; ׳sfr«; C . I M fm und fuhr dann fort: ,Was sagen Sie, wir sind schon wieder ohne Chasan!* .Za Sie haben mir ja erst neulich von der Vortrefflichkeit des Ihrigen erzählt, den sie sich selbst aus weiter Ferne holten, weil er alle Eigenschaften für den Vortrag in ihrem, nach altem Ritus eingerichteten Gottesdienst vereinigt?* antwortete ich. «Za wohl, wenn er aber nichts lernen, und sich unsere ru Böhmen, speziell in Prag üblichen Melodien, die wir so gewohnt sind, nicht aneigneu will und nur immer aus seine Künftkerschaft pocht, der ist für uns nicht^ geeignel, und* — gestikulrrte der Herr Vorsteher, ״er verwechselt oft im Lesen Lobirr mit Lin; wir sehen weniger aus Stimme, als vielmehr auf hebräisches Wissen. Der Mann könnte ja gut lebender hat ein Einkommen von 1200 st. Hat ein Staatsbeamter mehr? Wir haben ihm übrigens nicht gekündigt, er hat es selbst gethau, denn er lässt sich von seinen Freunden Hetzen.* - ■ .Pricl* ruft ein Ordner des Conductes einem renitenten, Kutscher zu, der sich frech durch eine enge Gasse, das jüdische Begräbnis iugnorirend, mit feinem Wagen durchdrängen will. Zn unmittelbarer Nähe, sehet nur, da steht der poftirte Wachmann, der kein Auge für diesen Zwischenfall hat, und mit crasser Gleichgiltigkeit an der Ecke lehnt. O vielgepriesene PhylvsemitismuS der Czechen dachte ich mir! .Das wäre so ein ,Eiagesendet* sür's ,Prager Tagblatt*, um die städtische Verwaltung von ihrer Lässigkeit zu überzeugen* hörte ich Herrn Dr. Z. rufen. .Wie heißt Lässigkeit der städtischen Verwaltung? ereiferte sich Herr —eles, das ist Sache der Polizei!* Der Zug kam am Neubau des böhmischen Museums an. Man bestieg die bereitstehenden Wagen, und auch an diesem Orte, erzählt die Fama, soll ein Streit, aber unter den Herren Rabbinern vorgcfallen sein, der zwar nicht in der Gemeinde- Zeitung, aber privatim besprochen worden sein soll. Am Friedhöfe angelaugt, hielt der böhmische Rabbiner Herr B. eine ergreifende Rede, ergreifend nicht wegen ibrer rhetorischen Entwicklung, als vielmehr in der Erkenntnis, dass ein aufrichtiger Freund zur Freundin spricht, und kein Auge blieb thräuenleer. Man sieht also, dass nicht immer erhabene Worte bewegen, sondern, wenn aus den Worten die Empsindung quillt, die wirklich aus dem Herzen kommen. Dies will man auch bei dem guten Sänger gekaunr wissen; namentlich beim Vorsänger, der Lurch ergreifenden Vortrag das Gemüth der Andächtigen, welche nicht hebräisch verstehen, erwecken soll. O! Möchten doch die Herren Cultusvorsteber durch ergreifend.׳ Vorlätze auch einmal bas Gemüth der Herren Cantors erwecken, dass sie nämlich bei ihrer nächsten Versammlung in Ceniralverein des «Trägers des Gottesdienstes" gedächten, und ewiger Dank wird ihnen sein. Aber es i't in der That ein Unrecht, dass die Herren Sigm. Mauthner und Dr. Duschenes. die gewiss vom edelsten Streben erfüllt sind ״selbst einen Lehrer" zu Worte kommen lassen, der mit Hingebung sich der kleineren Gemeinden und der «och kleineren Neligionslehrer annimmt und auch nicht einem Vertreter des Canlorenstandes das gute Recht einräumen, für seinen Stand Fürsprache zu halten, damit ohne Unrecht ein ganzes Bild des Cultuslebens isr. Gemeinden vor den Augen der höchsten Behörden entrollt werde. Der Herr Unterrichts- Minister Baron Gautsch scheint gar zu wenig Wissen von den iuuern Angelegenheiten zu haben, denn er beschränkte sich im Dünkte der Neligionsdiener nur zu sagen, dass dieselben vom Staate vor jeder ungerechtfertigten Behandlung geschützt werden. Du mein Gott! Diese Herren Vorsteher müssen ja beim Minister alle als reine Barbaren verschrieen sein; und doch bedürfen wir Neligionsdiener nur ihres Schutzes, wegen der noch immer herrschenden Vorliebe für ausländische Bewerber, trotzdem die deutschen, böhmischen und mährischen ,,Brüder" ebenso Tüchtiges leisten können. Unsere Hoffnung ist also nur gerichtet auf die allenfalsige Nichtbestätigung der Aufnabme von Seite des Staates, wie es ja auch in Deutschland der Fall ist, wo die Staatsangehörigkeit gefordert wird. Es wunderte mich daher gar nicht, dass mein Halbonkel, der fromme Vorsteher, so bestürzt die Aeußerung that: «Wir dürfen von jetzt an nur mit österreichischen Cantoren wechseln, Pardon! ich wollte sagen rechnen, aber' — jetzt atbmete er leicht aus — ,noch ist Polen nicht verloren — uns bleibt ja noch Galizien!* Ja! Galizien, das ist das gelobte Land der Hilfe, ich meine, das der Hilfe bedürftig ist, und es hat auch zum Glück seinen Helfer gefunden, der mit Millionen Gulden die armen, cnlturbedürftigen Inden dem Lichte der Aufklärung näherführt, der in munisicentester Weise Schulen gründet, ohne Unterschied der Confcssion. Ich meine, Baron Hirsch, der äuch in Prag, wenn auch nicht in diesem Maße, einen Concurrenten der Wohlthätigkeit gefunden, oder eigentlich verloren hat. den leider zu bald verstorbenen; Herrn Philipp Neach. Zch habe auch dem Requiem für Philipp Neach beigewohnt, und da muß ich um zwei Zahre zurückgreisen um der «berühmten Mujikiiebe* der Prager ein Plätzchen zu widmen. Der großen Rede Dr. Bendieners gieng ein Orgelpräludinm und der Pereles'sche Choral: «Was ist der Mensch ans Erden* voran. Meinem Nachbarn in der Bank war dies zu lang- Entrüstet äußerte er: Sind wir denn in einem Orgelconeert?! Wie möchte unser Enthusiast erst schimpfen, wenn er die große Beschäftigung der Orgel in der Meiseisynagoge über sich ergeben lassen müsste. Es ist eben jetzt modern, dass in vielen Tempeln die Orgel mehr zu thun hat, als der Vorbeter, denn ich suchte im Requiem ebenfalls den fnnctionirenden Cantor. Die Emancipation, den Cantor von allem auszuschließsn, hat sich vom Gotteshaus bis in's. Gasthaus verpflanzt. Als ich nämlich vom Leichenbegängniße nach Hause fuhr, sah ich in der Langgasse vor dem ״Hotel Stein" mehrere Wagen, denen feingekleidete Herren und Damen entstiegen. «Aha, gewiss wieder eine Hochzeit im Hotel!" dachte ich mir, und in der That war es so. Diesem Capitel sollte man eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken/ es gehört zu den banalsten Erscheinungen in unserem Culluswesen. Freilich wenn man die junge Generation mit ihrem praktischen Sinn alle Vortheile dieser sogenannten Wirrhshausrrauungcn auszählen hört, wie bequem von da aus die Hochzeitsreise unternommen werden kann, wie man aus diese Weise alle gebetenen und ungebetenen Gäste, für welche man im Hause keinen Platz findet, zur Tafel einzuladen erspart, auch der Mode' Rechnung tragen kann, indem alle großen Hochzeiten vom Lande nur im Hotel oder in der Delikatessenhandlung an der Quelle wo Krebse, Aale und Schnecken schwimmen, stattsinden dürfen« so möchte man schließlich ein Auge zudrücken; aber vor Scham möchte man beide zudrücken, wenn man sich fragt: Wie kann der Religionsweiser dem Brautpaar über die Erhabenheit des Momentes Aufklärung geben, wenn er selbst das Umherlaufen von Kellnern und das Klirren der Biergläser vom Nebenzimmer her vernimmt, und schon der Gedanke, dass die Adoption eines Locales in welchem möglicher Weise des Abends vorher getanzt und Allotria getrieben wurde Raum zu Aufstellung.':der Chuppa geben soll, kann und darf einer ernsten Stimmung׳ nicht Platz machen. 53SSarta£SSa&!&!ä&iSi assssssa^ss^BsiSBSSBasmaasaaKsmsBBaisaKBBBstseuaoamisBc

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