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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-08-01 · Heft 21 (1.8.1890) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 21 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— Familie meines Mannes mir auch diesen Sohn, nunmehr mein einziges Kind, entreißen, um ihn wegen des Mordes zu bestrafen. Es verlischt daun der Stamm meines Mannes auf feinem Erbe und kein Andenken ist mehr von ihm ans der Erde.' Zn diesen beiden Parabeln ist die Erzählung eine Dichtung, die jedoch dem Bereiche der Möglichkeit angehört und innerhalb deren Grenzen fick bewegt. Zn den biblischen Schriften sinden wir eine große Auswahl an Parabeln und Glcichnißen und sonderbarer Weise zumeist aus der Thi e rnn d Pflanzenwelt. w.r. (Fortsetzung folgt.) Grdrnkrt der Tage der Vorzeit — erwäget die Aenderung der Zeitälter. V. 33.1®. 32, 7. Dr. Gabriel Richer V. XXXIII. Sehr geehrter Herr Nedacteur! Sie werden vermuthlich über mich schon ungehalten sein, dass ich Zbren geschätzten Leserkreis noch mit einem fünften und wahrscheinlich noch mit einem sechsten Artikel über Nießer behelligen werde. Zch gehöre entschieden nicht zu Denen, die ihre lieberfchreitungeu. und seien es auch nur Naum-Ueberschreitungen, verheimlichen, sondern offen bekennen und darum auch Nachsicht beanspruchen dürfen (Sprüche 28, 14). Mit Zhncn fühle ich das Ungehörige und kann nur die Stofffülle, die Nießer bietet, zu meiner Entschuldigung anführen. Ebenso meine Unfähigkeit, diese Fülle mit einigen F-.derstrichen zu einem lückenlosen Bilde zu gestalten, was zwar Befähigteren gelingen dürste, mir aber leider nicht, denn 16 styl ce l’homme. Dies vorausgeschickl, nehme.ich rurseren Geschichtsfaden wieder auf. Obwohl die Inden Badens den Znhalt dieser Kammer- Verhandlung nicht zu irrem Nachtheil deuteten und dieselbe sogar durch einen besonderen Abdruck verbreiteten, unterließ es Nießer nicht, seine Kritik über diese neuen Debatten in seiner Zeitschrift ״Der Iu d e' Bemerkungen zu den Verhandlungen der badischen Stände-Versammlung über die Emancipation der Inden 1833 bis 1835 zu veröffentlichen. In denselben wendet er sich vorzüglich gegen den Berichterstatter der Majorität, C. v. Notteck. Derselbe gehörte bislang zu den Führern der Liberalen in der badischen Kammer, und gerade er gab sich dazu her, dem Hass und der Unterdrückung der Juden Ausdruck zu verleihen. Diese merkwürdige psychologische Erscheinung fand nur durch eine später bekannt gewordene Aeußeruug dieses seiner Zeit berühmten Geschichtsschreibers ihre Lösung. ,Er habe um der Znden Willen seine Popularität nicht einbüßen wollen.' Das war der Ernst seiner Uebcrzcugung, das die Wahrheit seiner Nede. Nießer dringt in die verborgensten Diesen der menschlichen Seele, mit die Schcingründe der Gegner auf ihre eigentliche Triebfeder zurückzuführen. 0.UÜ strenger Logik zergliedert er ihre Gedanken und holt tbte hässlichen, niedrigen Motive ans ihrem Versteck hervor. Die Unterscheidung vom allgemeinen menschlichen, staatsbürgerlichen, vom politischen Rechte hatte hier wieder den Grund hergeben müsien, um die Juden zu bedrücken. Politische Rechte, meinte Herr v. Noltcck, können nach Belieben, nach Rücksicht der Zweckmäßigkeit oder des Wohlgefallens versagt oder gewährt werden. Sie werden an Bedingungen des Vermögens und der' Unabhängigkeit in der bürgerlichen Stellung geknüpft. Vom Unterdrückung könne also hier gar nicht die Nede sein.' Nottcck stellte es so dar, als ob den Juden Badens nichts als die Wählbaikeit in die Stäude-Versammlung fehlte. Von dem beschränkicu Ortsbürgcrrecht, von der Versagung jeder öffentlichen Amtslhätigkeit schwieg .er, als ob dies vielleicht nicht der Nede Werth wäre. Nießer deutet die .politischen Rechte' als die Summe der Rechte, die mau am liebsten für sich allein bebalteu und dcsbalb Anderen, in diesem Falle den׳ Juden, vorcnthalten möchte. Dem zum Kriegsdienst Verpflichteten, der sich durch Tapferkeit und Kriegskunst zu höherer Stellung' eignet, vlriagt man die Beförderung, dem, der sich durch seine Ein Küiilttertetiril. ׳ Erzählung von Ti. Tintner, Cautor und Lehrer in Bunzlau, Preußisch-Schlesien. (Nachdruck verboten.) (3. Fortsetzung.) ״Ihr habt mich gewiss schon wieder ängstlich erwartet?' rief er Moritz zu. ׳ ,Allerdings', erwiderte dieser. Simon« Stirn furchte sich, daun sagte er: ,Es gibt Z.iten, wo ich mich gänzlich zurückziehe, wo ich liebe, nur mir felbst zu leben.' Er stieg aus dem Wagen, nahm gelasien feines Vetters Arm unb schritt schweigend neben ihm her. ״Nu» Moritz', begann er endlich, ״wie ich wahrgenommeii, bist Du mit Leib und Seele Musiker geworden. Wenn Du Lust und Liebe für diese edle Kunst in Dir fühlst, dann treibe sie eifrig fort und fülle Deinen einstigen Beruf mit Würde, reichem Wißen und Können -aus, und Du' -— bei diesen Worten sah er fernen Vetter scharf ins Auge — ״wirft vielleicht glücklich fein.' ,Vielleicht?' fragte Moritz. ״?Jhu!, mit Gewissheit lässt sich nichts in diesem Leben bestimmen', erwiderte Simon. ,Ist doch das Leben felbst, die ganze Welt ein ״Vielleicht'. Jedoch lass uns von etwas Anderem sprechen! ן Wie verlebtest Du derin die Zeit während meiner Abwesenheit?' ״Ohne jegliche Abwechslung', erwiderte Moritz. ,Ich bin nicht über unser menotoueS Städtchen hirrausgekommeu, ich besitze hier nur einen Gesinnungsgenossen, einen Freund, bei dem ich die edle Musik treibe, er erschließt mir auch die G.heimniße der Harmonielehre.' ,Nicht wahr mein Lieber, Du sehnst Dich hinaus in die weite Welt', bemerkte Simon. ״Dies bedarf wohl keiner Frage', entgegnete Moritz. ,Nur die Rücksicht gegen meine alten Eltern, welche mich wahrscheinlich sehr entbehren würden, konnte mir die Kraft verleihen, meine Sehnsucht׳ nach der Fremde ein wenig stillen. Glaube mir, die kaufmännische Thätigkeit behagt mir durchaus nicht, sie befriedigt mich in keinem Falle. Ja, es gibt Dinge und Verhältnisse, Zustände und Berufsarten im Leben, gegen die sich der Mensch anflehnt. Chasan soll ich nicht werden, obzwar ich Talent und Liebe zu diesem Berufe in mir fühle, doch ich werde meinem Vater nicht trotzen. Ich sehe es ein, dass er׳ in vielen Beziehungen recht hat; - Manche Schranke wird noch fallen ' müssen, welcbe zur Zeit die Stellung der Chasanim einengt, manche Einrichtung wird geschaffen werden müssen, welche den Cnltusbeamten in seinem Amte scbützt; manches alt eingewurzelte Klaßenvornrtheil wird schwinden mäßen, bevor die. lebenslängliche, -sorgenlose Anstellung erfolgen wird. Wohl ist mir deutlich bewusst, dass ich noch viel lernen muß, ich habe mir aber doch einige Ideen über mein späteres Fort« kommen gebildet und empfinde es zuweilen hart, dass meine An-- ן schanugen mit meiner Umgebung in keiner Weise harmonieren.' Als Moritz die letzten Worte sprach, sah ihm Simon scharf ins, Auge: ,Also habe ich mich wirklich -nicht getäuscht', murmelte er vor sich hin. . .. ־

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