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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-08-01 · Heft 21 (1.8.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 21 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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drungen, dass wir die Bezeichnung der Inferioriät nie und nimmer gelten lassen können. Wahrlich die gegenwärtige Situation, wie sie durch die unglücklichen Bestimmungen des neuen Gesetzes geschaffen wurde, ist weder dem Interesse deS Indentbumes, noch dem des Rabbiner« stantes dienlich. Nicht dem Interesse des Iudenthnmcs. weil cs jetzt gefährlicher denn je erscheint, den Bestand oder die Gründung kleinerer Gemeinden durch die zwangsmäßige Bestellung eines Rabbiners fraglich zu machen. Jede noch so kleine Gemeinde ist ein Krystallisationspnukk jüdischen Glaubens, jüdischen Lebens, und dass cs uns bei dem immer mebr um sich greifenden Indiffercntikmus recht vieler solcher Kiystallisationspnnkte noth tbnt, wird Niemand, dem die Erbaltnng des IudentbumeS am Herzen liegt, bezweifeln. Aber auch nickt dem Interesse des Rabbiner« standeS, denn durch die Cumulirung so zahlreicher heterogener Aemter wird der Rabbiner von seinem eigentlichen h hren Berufe immer mehr abgclenkt werden und nothgedrungen jene Bedeutung verlieren, die er bisher zum Wohle des Iudenthumes inne gehabt bat. So lange nicht eine strenge Abgrenzung der Compctenz׳ sphären, wie sie den factischen Bedürfnißen entspricht, als all gemeine, gesetzlich anerkannte Norm ausgestellt wird, ist an ein Besserwcrden der zerfahrenen Verhält»ißs nicht zu denken, und in diesem Sinne rnsen auch wir den maßgebenden Facloren die bcherzigenswerthen Worte zu: orrveant 6011811168! Das Moschst. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften VIII. In der nachtalmudischen Zeit nahm die allegorische Schriftdentnng wieder große Dimensionen an, und es fehlte auch da nicht an Uebertreibungen und Ausartungen in der Handhabung derselben. Im 13. Jahrhundert waren es die südlichen Gelehrten der Provence, die Abraham und Sara als Sinnbilder von Stoff und For m, die vier Könige im Kampfe gegen die fünf Könige (1. M. 14.) die vier Elemente und die fünf Sinne; die zwölf Söhne Jakobs als die zwölf Planeten, Amalek als Bild der Begierde bezcichneten, und dergleichen Mehreres. Gegen diese Ausschreitungen erhoben sich die Orthodoxen, Rabbiner und Laien, und schleuderten den Bannstrahl gegen solche Allegoristen. Adercth (רשיבא) bemerkt dagegen Folgendes: ,Die Bücher des Aristoteles sind voll Gift und ihnen sei cs zuzuschreiben, dass ihre Leser sich für weise Hallen und alle Rabbiner für dummes Vieh betrachten; darum machen sie derartige willkürliche Betrachtungen und Auslegungen. Ja die Prediger, welche vorgeblich Gcheimlehre ausdccken, haben niemals Gcheimniße offenbart, sondern nur ihren eigenen Unsinn. Warum hören aber die Menschen so etwas an? Solche Schwätz:!׳ sind weder Israeliten noch Christen und Mohamedaner, sondern Tensclskinder.' (Iost's Gesch. des Iudenth. u. s. Sek!. 3. Band S- 43.) Förmlich ansteckend war diese allegorisirende Manier und hatte sich so sehr der Köpfe bemächtigt, dass selbst die Menge an den schlichten Erzählungen der heiligen Schrift, an den einsach erhabenen Lehren und Gesetzen keinen Geschmack mehr fand und sich nur an erkünstelten Andeutungen ergötzte. So/lesen wir in Grätz (Geschiche der Juden 3. Band, S. 297.) Folgendes: ״Die frommen Männer, welche an den Sabbathen die Schrift auszulegeu pflegten, mussten dem-Geschmacks der Zeit huldigen und sich herbeilassen, Geschichte und Lehren zu allegorisiren. Von einem dieser frommen Prediger ist eine allegorische Deutung eines ganz verständlichen und einleuchtenden Gesetzes ansbewahrt worden, welche die krankhafte Manier der Allegoristen auf'S Trefflichste bezeichnet. Das Gesetz, ,,über die unverschämte Frau, wenn sie, ihrem Gatten im Streike bcizustehen nach den Schamtheilen des Gegners greift* (5 M. 25. 11.) soll symbolisch bedeuten: die Seele habe eine männliche und weibliche Seite, jene sei ans daS Göttliche, diese auf das Irdische gerichtet, und daS Gesrtz wolle hierdurch lebrcn, dass die dem Vergänglichen zuge» wandte Richtung der Seele ansgemerzt werden müsse. So erscdüNrrte die Allegorie die festen Stützen des Gesetzes. Wenn die Gesetz.׳ nichts Anderes sind als Einkleidungen philosophischer Ideen, so genügt eS ja, sich diele G. danken anzueignen, sie theoretisch zu wisse!׳, wozu denn noch die Hebung? Von der Lauheit der Gesetze bis zum Abfall vom Zudeulhnm war nur ein Schritt, und so ist tu Erscheinung crklärtich, dass so Manche die Prüfung gehäufter Drangsale nicht bestanden haben, ein Glaubenswech'sL ihr Gewissen nicht sehr beängstigte.' Wir unterlassen es zu schildern, welchen Unfug Andersgläubige mit allegorischen Schrift» anslegungen getrieben haben und wollen auch von den Kabbalisten nicht sprechen, das würde zu weil führen, den begrenzten Raum überschreiten, und so kommen wir zur 2. Abtheilung: Das M o s ch o l in der Bedeutung als P a rabe t. Zn den Thcilcn der beb.äi'ck'cn Poetik, welche das Wort ,Moschol.' bezeichnet, gebört auch das Gleichnis oder die Parabel, die ihre Bedeutung darin sindct, einen übersinnlichen Gegenstand durch Vergleichung eines ähnlichen, leichter zu fassenden Gegen» standcs näher dem Verständnis zuznführen. Doch muß d.r ver» gleichente dem Bereiche der Möglichkeit angehören, darf nicht aus der Fabelwelt gegriffen werden. Die Fabel ist eine Dichtung, die sich um den Bereich der Möglichkeit nicht kümmert und über denselben weit hinausgeht, sie stellt Thiere und Pflanzen redend und handelnd dar, dagegen die Parabel sich nur in den Grenzen der Wirklichkeit oder Möglichkeit sich hält. Nach diesen Unterscheidungs- Zeichen lässt sich leicht erkennen, was in den biblischen und nachbiblischen Schriften der Poetik als Fabel oder als Gleichnis, was mit Parabel gleichbedeutend ist, angegeben werden soll. Die im Buche der Richter Kap. 9 gebrauchte Erzählung von den Bäumen, die bei der Wahl ihres Königs, nachdem die Annahme dieser Würde der Oelbaum, Feigenbaum und Weinstock abgelehnt hatten, keine andern flnden konnten, als den Dornstrauch, was die Un- Würdigkeit des erwählten Abimelech dartbun soll, ist eine Fabel. Ebenso darf die Dichtung im 2. Buche der Könige Kap. 14 von dem Dorn auf dem Libanon, der zur Ceder sandte, dass sie ihre Tochter dessen Sohn zum Weibe gebe, als Antwort des starken Königs Joasch vom Reiche Israel an den schwachen Köniz Amazia im Reiche Inda, nicht anders als eine Fabel bezeichnet werden. Dagegen erkennen wir im 2. Buche Samuel Kap. 12, die Parabel. Es ist die Erzählung des Propheten Nathan vor David, von dem reichen Manne, der einem armen Manne sein einziges Lämmchen, das er gar sehr liebte, gestohlen batte, um seinem Gaste ein Mahl zu bereiten, die dem Könige sein Vergehen mit Bathseba. der Frau des Uria, vo. führen sollte. Eine andere Parabel flnden wir im 2. Buche Samuel Kap. 14 in der Erzählung, durch welche die weise Frau von Thekoa das Herz des Königs David wegen des verbannten Sohnes zu rühren versteht und dessen Znrückverusnng bewirkte. Die Frau erscheint nach Jakobs Anordnung im Traueranzuge, fällt vor dem Köniz hin und bittet um Hilfe. Der König fragt nach ihrem Geschicke und Wunsche, worauf sie erzählt : Ich bin eine Witwe, mein Manu starb und hinterließ mir zwei Söhne. Diese gerielheu eines Tagein Streit, keiner war bei ihnen da, ״der dazwischen treten sollte, und es lödtcte der Eine den Andern. Da will die

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