Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 18 (21.6.1890)
- Date
- 1890-06-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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betrachten. In England, dem Mnsterstaate aller Parlamente, ist keine der großen Fragen, die dort 30—40 Jahre ventilir. wurden, aus den ersten und zweiten Anstoß durchgesetzt, ja die meisten sind sogar von einer Generation aus die andere übergegangen und dann erst verwirklicht worden. Somit kann es als ein wichtiger Fortschritt angesehen werden, dass in Baden eine Zahl von Abgeordneten, die 1831 zu den Gegnern der Ewanci- Patron gehörten, schon 1833 sich für dieselbe erklärten. Der Correspondent a. d. Riesengebirze. Kleine Chronik- Wien. 18. Juni. Heute Nachmittags um 1 Uhr erschien der Kaiser in Begleitung des Flügel-Adjutanten Major Schaffgotsch ohne Vorherige Anmeldung im Künstlerhause, um die Kunstsammlung deS Herrenhaus-Mitgliedes Moriz Freiherrn v. Königswarter zu besichtigen- Der Secretär kaiserlicher Rath Karl Walz, welcher von der Anwesenheit de« hohen Besuchers rasch in Kenntnis gesetzt wurde, begleitete Len Monarchen durch die Ausstellungsräume. Der Kaiser besichtigte die Gallerie in allen Theileu mit großem-Interesse, und sowohl die alten wie die neuen Meister fanden eingehende Betrachtung. Kaiserlicher Narb Walz theilte dem Kaiser mit, dass Baron Königswarter vor wenigen Tagen mehrere neue Ankäufe gemacht, unter denen sich auch ein Gemälde von Meisionier befindet, welches Kunstwerk dieser Sammlung noch einverleibt werden wird. Vor dem Verlassen des Künstlerhauses sprach sich der Monarch, welcher drei Viertelstunden verweilt hatte, sehr anerkennend darüber ans, dass Baron Königswarter diese werthvolle Gallerie der allgemeinen Besichtigung zugänglich gemacht habe. Wien. Bekanntlich hat Ihre k. u. k. Hoheit, die Frau Erz-- Herzogin Marie Valerie,׳ -den achtjährigen C'.aviervirtnosen Leopold S p i c l m a n n unter ihren besonderen Schutz genommen und wird auf ihre Kosten für dessen weitere Ausbildung Sorge getragen. Anlässlich der bevorstehenden Vermählung der Erzherzogin hat nun der kleine Virtuose eine Serenade componirt und dieselbe als Tribut unbegrenzter Dankbarkeit seiner hohen Gönnerin gewidmet. Kürzlich wurde die Mutter des Knaben zur Kammervorsteherin der Erzherzogin Marie Valerie. Gräfin KorniS, beschieden, welche ihr miltheilte, dass der Frau Erzherzogin die Composition herzliche Freude bereitet, und dass sie diese Widmung mit besonderem Verguügeu angenommen habe. Zugleich habe die hohe Frau den Wunsch ^Jch will mich durchaus nicht Deinem Willen widersetzen, lieber Vater, aber der innere Drang, die Begeisterung für die heilige Sache!" schweige nur, spiele nicht den gehorsamen Sohn. Soll ich Dich für gehorsam erklären, so sage mir, dass Du Dich dem Kaufmannstaude ganz widmen willst, auch gestatte ich Dir, Dein Lieblings- Instrument, Deine zweite Seele, wie Du zu sagen pflegst, die Violine, ferner zu spielen." ,Vater, lieber Vater," rief Moritz bewegt, ,Du warst ja 'immer fo gut, so freundlich, nur seit einigen Wochen Haft Du Dich fo sehr verändert und zürnst, wenn ich — " .Schweige!' suhr ihn der Vater barsch an. Dem Tische gegenüber am grünen Kachelosen saß die Mutter, eine rüstige Frau aus deren milden Antlitze es heftig zuckte. ,Beruhige Dich, lieber Ascher," nahm sie das Wort, ,sei versichert, es wird sich noch alles zum Guten wenden. Warum soll die volle Woche mit Zank und Streit beginnen?״ Sara hatte sich an's Clavier gesetzt und wiegte ihr Köpschen träumerisch hin und her, ihre Finger ließ sie ruhig aus den Tasten liegen. Zuweilen warf sie den Blick auf den Bruder, er ergriff seine Geige und trat an den Vater heran. Leise fuhr die Hand Saras über die Tasten, und ein Akkord entglitt dem Instrumente. Nasch richtete sich der Alte aus: ,Na meinetwegen, spielt mir ein ,gut jüdisch Stückel" aus!" (Fortsetzung fol»t.) geäußert, diese Serenade von dem kleinen Componisten selbst spielen׳ zu hören. Gräfin K o r n i s übergab der Frau S p i e l m a n n ein namhaftes Geschenk. Wien. Sonntag den 15. Juni fand im Tempel in der Turner-׳ gasie die Trauung des Obercantors der Fünfhauser Cultuszemeiiide, Herrn Friedrich Jurberger. mit Fräulein Clara Stern, der Tochter des^ zweiten Präses Stellvertreter des österr.-ungar. Cantoren-Vreines und׳ emer. Obercantorö der Fünshanser Gemeinde. Herrn Leop. Stern, statt. Dem Tranungsakte wohnte ein zahlreiches Publikum bei. unter welcher» wir den Gesanuntvorstand der Gemeinde, sowie viele Künstler und Schriftsteller, sowie die Cantoren Blatt, Dütnriaun. Peterselka k. bemerkten. Den Trauunzsakr vollzog Herr Rabbiner Dr. Ad. Schmiedel und Herr Obercantor Singer mit dem Chorpersonale der Stadtsynagoge. Nach der Trauung versammelten sich die zahlreichen Hochzritsgäste zu einem Diner, bei welchem eine von dem Bruder der Braut,. Herrn Julius Stern, verfasste äußerst geistvolle Hochzeitszeitung vorgelesen wurde. Wien. Der Kaiser hat den wegen Verbrechens des Zweikampfes zu sechswöchentlicher Kerkerstrase verurtheilteu Rechtsconsulenten und Nertheidiger Dr. JagneS Fischer, bekanntlich ein Sohn unseres verewigten VereinscasiierS Cautor Adolf Fischer, nach vierwöchentticher Haft begnadigt und ihm alle Rechtsfolgen von Urtheit und Strafe nachgesehen. Wien. Zum Dekan der medicinischen Facultät für das nächste׳ Studienjahr ist Professor Zuckerkand! gewählt worden. Die Auszeichnung, die hiemit dem hervorragenden Anatomen zu Theilwurde, ist um so höher zu schätzen,׳ als der Gewählte noch in verhältnismäßig jungen Jahren und — Jude ist. H^rag. Der neu erwählte Oberrabbiner Herr Dr. Nathan- E h r e n f e l d wurde am 2. Juni sofort nach seiner Ankunit in feierlichster Weise in sein Amt eingeführt. Die Antrittsrede hielt der Oberrabbiner am 7. Juni in der Klaussynagoge, die ans diesem Anlässe ein fest-- licheS Gepräge trug und in allen ihren Räumen überfüllt war. Der Statthallerei-Vicepräsident wohnte in Vertretung Sr. Excellenz des- Statthalters der Feierlichkeit bei. Hraz, 15. Juni 1890. Der Statthalter von Steiermark, Se. Excellenz Herr Guido Freiherr von Kübeck, feierte dieser Tage׳ das Fest seiner silbernen Hochzeit. Mit Freuden nahm die hiesige israelitische Cultusgemeinde. Veranlassung, dem hochherzigen Herrn- Statthalter ihre Glück- und Segenswünsche darzubringen. Als Antwort ist von seiner Excellenz das folgende, seine edle Gesinnuz bekundende Schreiben an die israelitische Cultusgemeinde herabgelangt:. Mit aufrichtiger Freude habe ich die Glückswünsche empfangen: welche die geehrte Cultusgemeinde mir anlässlich meiner silbernen Hochzeit für mich- und die Meinen in so warmen Worten ausgesprochen hat. Dem verbindlichsten Dank für die mir erwiesene Ausmersamkeit kann ich nur die Versicherung beifügen, dass ich den Interessen der israelitischen Cultusgemeinde, deren Angehörige sich stets als gute Oefterreicher und treue Uuterthanen Sr. Majestät bewährt haben, die vollste Theilnahme entgegenbrillge und jederzeit gerne die Gelegenheit ergreifen werde, dieselben in Erfüllung der mir übertragenen Pflichten nach Thunlichkeit zu fördern. Kübeck." Lemöerg, 11. Juni. Die Mittheilungen, dass gegen die Juden in Rußland weitere Maßregeln und eine noch größere Beschränkung ihrer Rechte geplant werden, hat, wie man den polnischen Blättern aus Kiew berichtet, unter der dortigen jüdischen Bevölkerung eine förmliche Panigne hervorgerusen. Ans dem Kiewer Gouvernement wandern bereits die jüdischen Bewohner massenhaft nach Amerikaaus, und auch in dem Moskauer, sowie in anderen Gouvernements' beginnt die Emigrations-Bewegung unter den Juden größere Dirnen-׳ siouen anzunehmen. Sotomea. Dieser Tage weilte hier der 'Statthalter Graft Badeui und besuchte die israelitischen Schulen. Bei dieser Gelegenheit machte er den erschienenen Vorstehern der jüdischen Cultusgemeinde die Mittheilung, dass die Stiftung des Baron Hirsch binnen Kurzem activiert sein wird. Die Unterhandlungen schweben nur noch betreffs Bestellung des Cnratoriums. Die österreichische Negierung hat nämlich dem Herrn Baron Hirsch eröffnet, dass sie bereit sei, die , ihr vorgelegten Statuten seiner Stiftung für Galizien und die׳ I Bukowina zu genehmigen, unter der Bedingung, dass ihr das Recht eingeräumt werde, die Hälfte der Curatoren zu ernennen, während l die andere Hälfte durch Cooptation sich stets ergänzen soll. Da die I Regierung über die Hälfte der Stimmen des Cnratoriums verfügt, so-