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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-06-21 · Heft 18 (21.6.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 18 (21.6.1890)
Date
1890-06-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Der geschätzte Verfasser der Artikel-Serie: .Ein Beitrag zur Klärung der Frage der traditionellen Tonarten* stempelt mich zu einem wahren enfant terrible, der seinen Stand verunglimpfen will, indem er ibm das hohe, ebrfurcktgebietende Alter abspricht. Nichts liegt mir ferner, als dem Stande, in welchen! ich geboren und erzogen worden, und welchem ich die Ebre habe seit meiner jüngsten Jugend anzugebören. die hohe Bedeutung und die Würde, die er in! religiösen Leben des Indenthums einnebmcn soll und mutz, abzusprechen. Allein dies soll uns nicht hindern, der Wahrheit gerecht zu werden, welche Wahrheit überdies der Ebre unseres Standes keinen Abbruch thut. Es mutz ja ein Stand nicht uralt sein, um in seiner vollsten Bedeutung aneikannl zu werden. Die Frage, wie es Vorbeter geben kann, ohne einen Stand zu bilden, glaube ich leicht beantworten zu können. Es waren überhaupt, wie schon oft erwähnt, keine eigentlichen Vorbeter angestellt, wie es auch keine bezahlte Schächter gab, denn von Lepterem beihr es: הבל שוחטין החן מחרש שוטה רקטץ. Jeder Israelit!cblacbtcie für seinen Hausbedarf. Nur als der Grundsatz: כל ישראל בחזקת בשרים feine allgemeine Geltung einge» büßt, verordnetcn die Nabbinen, dass dieser Act, der so tief in die häusliche Neligiösität des Juden eingreift, nur von hiezu berufenen, frommen Männern ansgeübt werden darf. Wir sehen also, dass cs Schächter gab, ohne dass sie einen Stand bildeten, und so durfte auch Jeder, wenn er nur andererseits einen unbescholtenen Lebenswandel führte, vorbeten. Weit der Zeit, als die hebräische Gelehrsamkeit und die Neligiösität in Abnahme war nnd man nicht jeden Unberufenen vor die heilige Lade zu-- lassen wollte, bestellten die Gemeinden allenfalls ausgezeichnete Männer, die ihr ganzes Leben ausschließlich diesem heiligen Amte widmeten. Und da nicht jede Gemeinde in der Lage war — wie noch heute der Fall — zwei Beamten, nämlich Vorbeter und Schächter, zu besolden, so vereinigten sie naturgemäß diese zwei Organe in einer Person. Hätte mein geschätzter Gegner meine vorige Berichtigung gründlicher gelesen, er würde sofort erkannt haben, dass meine Behauptungen von dem nicht bestellten Vorbeter auf die älteste Zeit, von Esra bis zum Abschlüße des Talmud, sich beziehen, während er seine Gegenbehauptungen conscqnent aus Maimonides und dem בית יוסף schöpft. Ich will ja zugeben, dass es im Zeitalter des Maimonides, und wahrscheinlich schon viel früher, fest augestellte Vo!beter gegeben hat. Hat ja dieser große Philosoph sein More Nebuchim einem seiner Schüler, einem Vorbeter, zugesendet, wie dies ans der Vorrede dieses Werkes ersichtlich. Was aber den Talmud betrifft, so war ich, bei meinem bescheidenen Wissen, bis jetzt nicht in der Lage, daraus auf das Vorhandensein eines bestellten Vorbeters zu schließen. Wird mich aber Jemand, durch genaue Angabe der Stelle, vom Gegentheil überzeugen, so werde ich meine diesbezügliche Behauptung dankend zurücknehmen. Dass Maimonides seine Verordnungen aus dem Talmud geschöpft, ist gewiss, aber nichtsdestoweniger dürfte er gewisse Verhaltungsmaßregeln für den Vorbeter aus eigener Machtvollkommenheit verordnen. Und wahrlich, man braucht hiezu kein Maimonides zu sein; jeder Rabbiner hat das Recht, oder glaubt es zu haben, auf synazogalem Gebiete gewisse Normen zu bestimmen. Der Talmud kann ja nicht alle Fälle im Auge gehabt haben, ebensowenig die Gesetzgeber für jeden specielleu Fall einen Paragraphen schaffen können. Hiermit will ich meine diesfälligen Berichtigungen einfür allemal schließen, wobei ich meinem geschätzten Gegner die uolle Anerkennung seiner Liebe nnd Hingebung für unseren Stand nicht versagen kann, möchte ihn aber ersuchen, diese Liebe nickt ausschließlich für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Möchten doch mehrere Evllegen seinem Beispiele folgen und bei wirklichen Angriffen unseren Stand mannhaft vertheidigen! Ein Beitrag zur Klärung einiger wichtiger Zu den Reflexionen, die der in Nummer 16 erschienene Artikel: .Ein Beitrag zur Klärung der Frage der traditionellen Tonarten' entbielt, erlaube ich mir im Interesse der Wahrheit einige bescheidene Bemerkungen zu machen. Der Verfasser des Artikels sagt: ,Dass Maimonides in seinem ״Jad hachasoko“ auch etwas aus sich selbst sagen und aus eigener Machtvollkommenheit anordnen konnte, ersehen wir erst jetzt von unserem geschätzten Gegner, bisher waren wir der festen Meinung, dass dort kein Wort vorkommt, über welchenicht die Quelle im Talmud sich vorfindet.' Schon damals, als noch Maimonides lebte, gab es Viele, wie er in feinen Briefen selbst erzählte, welche behaupteten, dass in Jad hachasoko solche Lehren sich sinden, die im Talmud nicht Vorkommen. Maimonides kränkte sich oft über solche Fragen, weil er nicht gleich die Stelle im Talmud sind:» konnte. Er sagte: ,wenn ich als Verfasser diese ans dem Talmud entnommenen Stellen nicht sinde, wie kann es dem Leser möglich sein?' und bereute cs sehr, dass er nickt überall die Quelle angab; so weit es ihm möglich war, hatte er dies gethan. Der ראבד erwähnte oft von Maimonides: *זה המאסף אבן מדעתי ולא ידע על מה. Auch Abarbarrell sagte, dass Maimonides Vieles von sich selber sagte, und Reggio in seinem Buche Examen. Traditionis behauptet gleichfalls, dass Maimonides in seinem Jad hachasoko Vieles lehrt, was sich nicht im Talmud vorsindek Der Herr Verfasser spricht ferner in dem erwähnten Artikel so viel von מוצא sein nnd frägt schließlich: ,Wäre es nicht besser, dass wir still schwiegen und dem Chasan zuhörten?' Er sagt auch: .Die Frommen wollen nicht יוצא sein, und meinen, selbst sagen macht feist und selig.* Ja, die Frommen stützen sich eben auf die Worte des Magen Abraham in O. Chaim K. 53, Paragraph 20, welcher sagt, dass jetzt der Vorbeter nicht mehr מוצא sein kann. Ich will mich nicht ausführlicher über das מ!1צא sein anslasfen, da ich erst neulich in diesem geschätzten Blatte, bei der Beantwortung der Frage: Wie die 18 Benedictionen von der Gemeinde und dem Vorbeter gebetet werden sollen, dieselbe Frage meritorisch behandelte, aber auf eine andere hiemit in Zusammenhang stehende Aeußerung muß ich zurückkommen. Der geschätzte Autor schließt seinen Artikel mit den Worten: ,Man müsste dem Staate klar machen, dass eä bei uns keine Seelsorger gibt, und hauptsächlich der Rabbiner hat nichts weniger als etwas mit der Seelsorge zu schaffen; ihm liegt vielmehr die Körperforge ob, er hat über die praktische Religion zu wachen, ob es in der Küche recht sauber und honett ist, ferner', sagte er, .müsste man dem Staate begreiflich machen, dass der ganze jüdische Gottesdienst vom Cantor einzig und allein abhängig ist, und wie Gesang nnd Gebet alleiniges Eigenrhnm der Seele sind, so ist er der rechte Seelsorger. Nur die Rabbiner allein könnten hier Ersprießliches leisten, wenn sie der Wahrheit der Ehre geben nnd die Negierung darüber anfklären wollen, — aber wenn sie wollten.' Schon eine lange Zeit streiten Cantoren und Rabbiner über die Priorität beim Gottesdienste, wer eigentlich der Priester oder gar der Oberpriester sek, sobald man aber die Sache genau untersucht, so sind es Beide oder sie sind es Beide nicht; denn.

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