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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-06-11 · Heft 17 (11.6.1890) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 17 (11.6.1890)
Date
1890-06-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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e Ift und ihm eine bedeutende, sehr verantwortliche Stellung im Zudenthum angewiesen ist! —- Besonders aber mögen die Herren Cantoren in den Hauptftädten.von wo aus dieVorsteher-Versammlungen einberufen werden, diese günstige Gelegenheit, dem Cantorenstande zu nützen, nicht unbenutzt vorübergehen lassen und, ihre Herren Vorsteher im Namen der Collegen ihres Kronlandeß darum bitten, in dem neuen .allgemeinen Statut" gebührend des Cantorates zu denken. Freilich müssten die Herren Cantoren in den Laiidcshauptstädten von ihren Collegen des Kroulandes dazu beaustrazt und bevollmächtigt werden! Also Zhr Herren Collegen nützt die Zeit aus, ehe es zu spät wird!! אם אין אני לי מי לי— ואם לא עכשיו אימתי♦ S in T. Kleine Chronik. Wien. Unter dem Vorsitze des Präsidenten David Ritter v. Guttmann hitlt vorgestern die israelitische Allianz ihre 17. General- Versammlung ab. Der vom Gemeinderathe Dr. Stern erstattete Rechenschaftsbericht constatiri die erfreulichen Fortschritte, welche unter der Aegide deS Vereines das Schulwesen in Galizien zu verzeichnen hat und betont mit lebhafter Befriedigung die bevorstehende Eröffnung einer neuen Schule in BorySlaw. Auch in den übrigen Kronländern wurden namhafte Subventionen für Einführung und Erhaltung eines regelrechten Religionsunterrichtes bewilligt. Ferner wurde der Förderung des Handwerkes unter der israelitischen Jugend besondere Aufmerksamkeit zugewendet und diesem Zwecke namhafte Opfer gebracht. Der Verein zählt 3989 Mitglieder, welche au Jahresbeiträgen 15.681 fl. leisteten. Im Jahre 1889 haben sich die Gesammteiunahmen auf 34.474 fl. € kr , die Ausgaben auf 57.860 fl. 54 kr. beziffert. Das Gebarungsdtsicit per 23 386 fl. 48 kr. wird aus dem Fonds bedtckt werden, welcher sich derzeit auf 141,643 fl. 95 kr. beläuft. Unter einhelliger Genehmigung dieses Berichtes wurden die ansschcidenden Fuuciionäre Siegmund Ritter v Bauer, Gemeinderath Dr. Alfred Stern, Dr. Felix Katzau, Heinrich Nixenstein und Dr. Sigmund Wahrmann mit Akklamation wiedergewählt. Ein Delegirter aus Ungarn, Dr. Schnitzer (Komorn), sprach schließlich den Wunsch aus, es mögen, nachdem durch die Aktivirung der Baron Hirsch'schen Stiftung für Galizien reichlich׳ vorgesorgt ist, die Mittel des Vereines in größerem Maße für die Förderung von Bildnngszwecken in Ungarn herangezogen werden, wo׳ in vielen Theilen des Landes dieselben kulturellen Interessen zu vertreten seien, als in Galizien. Der Vorsitzende Ritter von Gntmanm erklärte, dass diesem Wunsche, soweit es die finanziellen Kräfte der Allianz gestatten, Rechnung getragen werden wird. Wien. College Obercantor Lazarus aus Teplitz ist an Stelle des verstorbenen Obercantor B e r g g r ü n ui Hannover I acceptirt worden und wird, falls ft ine Naturalisation als deutscher^ Untertban von der Negierung genehmigt wird, am 1. September d. I.- sein Amt antzeteu. ׳ Akltg. Man trägt sich im Unterrichlsmiiiisterinm mit dev Absicht, eine Enquete einznbernsen, welche ein Gutachten bezüglich׳ eines einheitlichen Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht an den Volks- und Mittelschulen der österreichischen Kronländer abgeben soll. Den Bestimmungen des Schulgesetzes gemäß wird der israelitische Religionsunterricht durch die Vorstände der israelitischen CultuSgemeinden besorgt und zunächst von ihnen überwacht, desgleichen wird auch die Vertheilung des Lehrstoffes ans die einzelnen JahreSeurse von ihnen, beziehungsweise deren Fnnctionären, d. i. den israelitischen Religionslehrern feftgestellt. Selbstverständlich weichen nun die Lehrgiläne füc den Religionsunterricht in den von den verschiedenen CulluSgemeinden beaufsichtigten öffentlichen Schulen von einander ab, wodurch die Ausbildung der Schüler in diesem Lehr-- gegenstände nicht bloß eine ungleichmäßige wird, sondern auch dem Fortgange der Schüler zuweilen erhebliche Hinderniße bereitet werden. Um nun einen einheitlichen Lehrplan für die israelitische Religionslehre an den Volks« und Mittelschulen zu erlangen, hat der Centralverein zur׳ Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag einen diesbezüglichen Entwurf an den Unterrichtsminister eingeschickt, welcher vom Unterrichtsminister dem böhmischen Landesschulrathe und von diesem der Prager israelitischen CulluSgemeinde-Repräsentanz zur Prüfung und Begutachtung zugemittelt wurde. Da nunmehr die betreffenden Gutachten au das Unterrichtsministerium erstattet worden sind und auch die israelitischen CultuSgemeinden Mährens in derselben Angelegenheit Eingaben an das Unterrichtsministerium gerichtet haben, so wird in nächster Zeit eine EuquGte nach Wien einberufen werden, welche einen einheitlichen Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an sämmtlichen Volke- und Mittelschulen der österreichischen Monarchie der Unterrichts-׳ Verwaltung vorlegen soll. war mit seinem ,Schne Luchol Haberith" hinausgegangen in die Felder, «m sich in den Geist der Kabbalah zu versenken, und sah plötzlich das jüdische Mädcheu, das hinter dem Pfluge gieng, vor den ein kleines mageres Pferd gespannt war. Da warf er den kostbaren Band "weit vou sich, ergriff den Pflug und setzte die Furche fort, welche Darka begonnen hatte, und als die Arbeit gethan war, saßen sie auf dem Feldrain und sprachen zusammen ernst und verständig, während sie auS Feldblumen einen Kran; wand, und zwischen ihnen blühte unsichtbar «ine Wunderblume auf, die Blume der Liebe. Der alte Rabbi erinnerte sich auch des TazeS, wo eS zu der verhängnisvollen Auseinandersetzung mit seinem Sohn kam, er sah rhu in diesem Augenblicke vor sich mit feinen leichtgerötheten Wangen und seinen leuchtenden Augen. Jedes der harten Worte, die er damals im Zorn herausgestoßen, war noch in seinem Gedächtnis geblieben, und er hörte in dieser einsamen Stunde der Verlaffenheit noch einmal die Antwort seines Siwou der ruhig und ehrerbietig, aber muthig und begeistert wie ein Prophet sprach: ,Ter Jude", rief er zuletzt, ,hat sich die unglückliche Lage, in der er sich heute noch in den östlichen Ländern befindet, nicht selbst geschaffen, er wurde durch seine Verfolger in die engen, finsteren Gaffen des Ghetto gesperrt und vou jeder Arbeit, jedem anderen Beruf auSgeschloffen, gezwungen, sich ausschließlich dem Handel zu widmen. Es ist aber unsere Schuld, wenn wir heute diese zweite babylonische Gefangenschaft verlängern, die Ketten sind gesprengt, die Schranken gefallen. Wer eS mit seinem Volke, seinem Glauben ehrlich meint, der verlaffe diese sinstereu Winkel, iu Lenen uur ein kleinlicher engherziger Geschäftsgeist zu blühen vermag, oder eine düstere, grillenhafte, unfruchtbare Wissenschaft. Heute liegt das Feld der geistigen Arbeit offen vor uns, offen jede Art menschlicher'Thätigkeit. In Odessa haben erleuchtete Männer unseres Stammes sich an die Spitze einer Bewegung gestellt, welche den Juden vor allem zur Landwirthschaft,. zum Ackerbau zurücksühren soll, welche daS Volk Israel im gelobte» Lande glücklich und mächtig gemacht hat. Ich will nicht mein Lebeu bei den Büchern versitzen, ich will nicht handeln und feilschen in einem dumpfen Gewölbe, ich brauche Licht und Luft und ich will ״selbst meinen Acker bestellen wie Boas." Der Vater blieb seinen Bitten verschloffen wie seinen Gründen, und als der Sohn bei seinem Entschluss beharrie, hatte er schon den Fluch auf den Lippen, aber er sprach ihn gottlob nicht aus. Dieselbe Nacht hatte sein Sohn die Stadt v.rlassen, und׳ Darka war mit ihm geflohen. Seither, seit mehr als zehn Jahren, hatte man nichts mehr von ihm gehört. * * Die Lampe brannte׳ trüber, der Nebel um ihn wurde dichter,, seine Augen schienen zu erlöschen. Der alte Rabbi barg sein Gesicht iu den Händen und heiße Thränen stoßen über seine Wangen herab.- Da gieng leise, ganz leise die Thür, ein Schritt ließ sich ver nehmen, so sauft-und zaghaft wie vormals jener seines Weibes, und-״ dann zupfte eS am Äermel, erst furchtsam und dann immer dringender. Rabbi Abdon ließ die Hände sinken und hob den Kopf. Träumte er noch weiter, oder war es eine selige Vision? Vor ihm stand ein-

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