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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-06-11 · Heft 17 (11.6.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 17 (11.6.1890)
Date
1890-06-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Nitualgcs'ang auf eine vernünftige Basis zu stellen; erfreulich war das lebhafte Interesse, welches sich endlich in den dieser Angelegenheit nabestehenden׳ Kreiieu kundgab; weniger erfreulich war die Wahrnehmung, dai's so Viele sich zur Lösung der Frage berufen glaubten, welche weder in unseren traditionellen Gesäugen noch in den alten Kircderttonartcn genügend orientirt sind und daher, weit culfernt Belehrung zu rerbreiten, vielmehr Uneingcweihle nur verwirrten.' (Fortsetzung folgt.) Das Molchot. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischea Schriften VII. Die Gesetzeslebrcr in Palästina stellten daher in Betreff der allegorischen Deutungen folgende Norm auf: La hamikro joze mide psehutan, der Bibelvels gebt nicht aus seinem einfachen Wortsinn heraus. (Sab. 63.) Dennoch finden wir unzählige Allegorien in Talmud und Midraschim, die aber ein eigenes Gepräge haben und in einem Tone gehalten sind, welcher in der That zur religiösen Erziehung des Volkes viel bcigetragen baden mag» und noch heute mit Nutzen sich anwenden lassen. Folgende Beispiele mögen dieses bekräftigen. Nabba bar Cbanna lieble eö, seine populären Vorträge an Seeabcnteucr zn knüpfen und in Allegorien zu kleiden, die mitunter sehr sinnreich, belehrend und unterhaltend sind. Derselbe erzählt (B. Batbra 73): ,Wir reisten zur See, da sahen wir, Wie ein Vogel, der biö zu den Knöcheln im Wasser stand und mit dem Kopfe biS in den Himmel ragte. Wir dachten: Hier muß wohl daS Wasser seicht sein, und wollten uns an dieser Stelle baden. Da rief eine Stimme: Gehet nicht in'S Wasser, ein Zimnrermann lieh an dieser Stelle seine Axt hineinfallen, bereits sind sieben Jahre verflossen, und noch bat sie den Boden nicht erreicht. Nicht etwa, weil daS Wasser so tief, sondern weil es so reißend ift.' — Der Mensch auf der Erde stehend und mit seinem Geiste in den Himmel ragend, darf sich nicht in die Fluten der Sinnlichkeit stürzen, denn ein Genuss treibt ihn zum andern und niemals sindet er den Boden, niemals Befriedigung. Es scheint > ihm das Wasser seicht, der Genuss erlaubt; allein der erste Fehltritt führt ihn in die Tiefe des AbgrundS. Derselbe erzählt: Wir reisten einst in der Wüste, da sahen wir zwei Gänse, die vor Fettigkeit die Flügel hängen ließen und Schmalzströmme fl osten von ihnen herab. Ich sprach zu ihnen . Werden wir von euch ein Stück im Jenseits genießen? Die eine hob den Flügel, die andere den Fuß in die Höhe. AlS ein weiser Mann die Erzählung des Neilenden hörte, sprach er: .Darüber wird Israel einst vor Gott Rechenschaft ablegen mussten.' Die Fülle und das Wohlleben einzelner Glücklicher der Noth der größern Maste gegenüber sindet hier seine Darstellung. Die Wüste ist ein passendes Bild des allgemeinen Elends. Derselbe Allegorist erzählt: ״Wir reisten einst zu Schiss, da sahen wir einen ungeheuer großen Fisch. Ein kleines Ungeziefer kroch ihm in die Nase und brachte ihm den Tod. Das Meer warf den todten Körper aus, der in seinem Falle sechzig Städte zerstörte, soviel andere Städte nährten sich zugleich von seinem Fleische, und es blieb noch soviel übrig, welches für sechzig Städte eingesalzen werden konnte. Nach einigen Jahren kamen wir in dieselbe Gegend, da baute man die zerstörten sechzig Städte aus seinen Knorpeln wieder auf.* Die Größe der Seenngeheucr wird ins Fabelhafte erhöht. Dieser Allegorie liegt der Gedanke zu Grunde, dass in den zerstörenden Kräften der Natur zugleich der Keim zur Wiederbelebung und Entfaltung sich befinde. Derselbe Nabba bar Cbanna erzählt: ,Ich sah einen Frosch, der die Größe von sechzig Häusern batte, er wurde L0n einer Schlange, diese wieder von einem Seefische verschlungen, und dieser Seefisch setzte sich auf einen Baum. Wie groß muß wohl dieser Baum gewesen sein?' Ein anderer Talmudlehrer machte zu. dieser sonderbaren Erzählung folgende Bemerkung: ,Ware ich nicht gegenwärtig gewesen, ich würde es nicht geglaubt haben.* Der Grundgedanke dieser sonderbaren Allegorie mag folgender sein: Israel wurde oft angegriffen und mit Vernichtung bedroht»- aber׳׳ immer ward es aus seiner Nothlage gerettet und seine Verfolger nahmen ein schmählickes Ende. Der spätere Lehrer meint nun. er wiste auch etwas davon zu erzählen, denn Israel war immer die Zielscheibe der Verfolgung und habe nur einen einzigen Annehmer: Gott! Ein Feind verschlingt den andern, kann auch bedeuten: Die spätern Leiden machen die früher» vergessen, wie es im Talwud beißt: Zorau» achronaus meschakchim es horischaunaus (Broch. 13.) Der Patriarch Abrabam batte an seinem Halse einen Edelstein hängen, welcher die Eigenschaft besaß, dass jeder Kranke) der aus ihn schaute, von seiner Krankheit gebeilt wurde. AlS der Patriarch starb, nahm Gott diesen Edelstein und hänzte ihn an die Bahn der Sonne. (B. Batra 16.) Abraham verbreitete durch seine Belehrung die Gotteserkenntnis unter seinen Zeitgenossen- Jeder Kranke im Geiste, dessen Inneres von Zweifel und Unzufriedenheit zerwühlt war. durfte nur den Lehren deS großen Mannes lauschen, so gewann er Ueberzeugung und HerzenSruhe. Als Abraham starb, gieng der einzige Lehrer feiner Zeit der Welt verloren und die Gotteserkenntnis war nur durch die Beobachtung der Natur, die gewiss auch Abrabam a!S Lehrmittel gebrauchte, zu erlangen. Das war der Edelstein, der an der Sonnenbahn hieng. Abba Saul erzählt: Ich war ein Todtengräber. Einst sank ich in eine Höhlung und kam mit meiner ganzen Körperlange bis zur Nase hinein, was bei meiner bohen Statur viel sagen will. Die Zuhörer bemerkten, daS muß die Augenhöhle deS Absalom, Sohn Davids, gewesen sein, (Nida 24.) DaS unersättliche Ange des Absalom, der seinen Vater vom Throne stieß, bot dem Sagendichter einen passenden Stoff. Abba Saul war ein Moralist, der seine Belehrungen durch passende Allegorien auszuschmücken verstand. Er war ein Todtengräber, der die falschen Ansichten seiner Zeitgenossen zn Grabe trug. Wir könnten noch viele solche Beispiele aus den Quelle» der reichhaltigen rabbiuischen und midraschischen Litteratur anführen und anslegen, wollen aber nicht das vorgesteckte Ziel unserer Arbeit zu sehr überschreiten und nur noch Einiges über allegorische Deutungen in der nachtalmudischen Zeit mittheilen. W.r. (Fortsetzung folgt.) Gedenket der Tage der Vorzeit — erwäget die Aenderung -er Zeitalter. V. B. M. 32, 7. Dr. Gabriel Rieher V. XXXI. Nunmehr müssten wir uns den Berathungen der deutschen Ständeversammlungen zuwenden. Das Streben nach geordneter Freiheit wies überall darauf hin, die Gesetzgebungen auf constitutionellem Wege umzugestalten, und in den deutschen Staaten, welche dem Artikel der BundeSaete gemäß seit 1816 neue Verfassungen hatten, also fast in allen außer Oesterreich /

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