Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 15 (21.5.1890)
- Date
- 1890-05-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— S Auch mit anderen Familien nuterhielt Rießer die angenehmsten Verbindungen. Mit Dr. Steinheim in Altona, einem hervorragenden Arzt, der durch philosophische Studien und kunstliebenden Sinn sich stets einen weiten Gesichtskreis offen hielt, kam er in «nge Beziehung und liebte ihn und seine treffliche Gattin mit treuer Anhänglichkeit. Steinheim widmete ihm die zweite Ausgabe seiner trefflichen ,Gesänge Obadjahs aus der Verbannung* Frankfurt 1837). Nicht minder aber vereinigte Nießer im Hause seiner trefflichen Mutter einen Kreis seiner getreuen Freunde. An einem bestimmten Abend der Woche war Zeder, den er seiner Freundschaft würdigte, willkommen, und unaufgefordert war oft eine heitere Gesellschaft dort vereinigt. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Sountag den 18. Mai fand im Stadttempel die Trauung des ältesten Sohnes des k. k. Hofschauspielers Adolf v. Sonnenthal, Felix v. Sennenthal, mit Frl. Koritschoner, Tochter des Direktors Ler österr. Länderbank, unter großer Betheiligung des Publikums statt. Besonders stark war die Küustlerwelt vertreten; so bemerkte man vom f. k. Hof-Burgtheater Direktor Dr. v. Burkhard, ferner die Hofschauspieler Robert, Hartmann, Thimig, Lewinsky und Reimers. Die Hof-Oper war durch Regierungsrath v. Wlasak und durch Frau Kammersängerin Papier vertreten; auch alle andern Theater hatten viele Künstler zur Feier entsendet. Die Feier begann mit einem deutschen Liede, das von Obcr-Cantor Singer und dem Chorpersonale überaus wirkungsvoll vorgetragen wurde. Hierauf hielt Prediger Dr. Jellinek mit bekannter Meisterschaft die Trauungsrede, in welcher er besonders den Vater des Bräutigams feierte. Als Hofschauspieler Sonnenthal nach vollzogener Trauung seinen Wagen bestieg, wurde er ׳ von der ungeheuren Menschenmenge, welche in der Seilenstetteugaste Spalier bildete, mit einem donnernden Hoch begrüßt. Mett. (Tau b st um m e n p r ü f u n g.) Sonntag den 18. d. fand in dem Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen- Znstitute auf der Landstraße die Zahresprüfung statt. Anwesend waren: Landes-Schulinspector Scholz, Bezirks-Schulinspektor Hofbauer, Abgeordneter Hofrath Beer, Landes-Schulrath Baumgartcu, Dr.G. Wolf, sowie die Herren und Damen des Vorstandes und viele Gäste. Die Prüfung der 98 Zöglinge erstreckte sich auf Religion, Unterrichtsspräche. Rechnen, Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie und Geschichte. Die Anwesenden gaben ihrer Ueberzeugung von den ausgezeichneten Leistungen der Anstalt lebhaften Ausdruck, und der Laudes-Schulinspektor sprach sich nach Schluß der Prüfung gegen den Leiter des Institutes, Herrn Dr. Ai. Brunner, über die erzielten Resultate sehr befriedigt aus. Wrett. Donnerstag den 15. d. M. Vormittag um 10 Uhr fand im israelitischen Bliuden-Jnstitute auf der hohen Warte bei Wien die Zahresprüfung der Zöglinge statt, welche die erfreulichsten Unterrichts- Resultate dieses von Director Heller seit Jahren vorzüglich geleiteten ZnstituteL zeigte. In dem zahlreichen Auditorium von Herren und Damen sah man: Landes-Schulinspector Scholz, Baron Köuigswarter, Baron Schey, Bezirkshauptmann Statthaltereirath Habicher, den Bürgermeister von Unterdöbling Fried!, die Instituts-Directoren kaiserlicher Rath Wölstcr (Rothschild-Spital), A. S. Fischer (Kindergärtnerinuen - Bildungscurs) und Dr. M. Brunner (Taubstummen- Znstitut auf der Landstraße), sowie zahlreiche Lehrer und mehrere Geistliche. Bei der Prüfung der 27 männlichen und 14 weiblichen erregte das lebhafteste Jntereffe der Anwesenden die Prüfung in dem speciellen Fache des Blindenunterrichtes: ,Uebung der Sinne*, das Erkennen von Stoffen und Lederarieu nach dem Gefühle, die Bestimmung von Hölzern und MünzgattWgen nach dem Klange, wobei die Kinder erstaunliche Proben der seinen Ausbildung ihres Gefühls- und Gehör-' siunes gaben. Bei den musikalischen Productionen unter Leitung des Obercantor I. Singer (Gesang, Clavier, Orgel, Violine) wurde eine von dem auStretenden Zöglinge Josef Herz componirte Cantate aufgeführt und fand verdienten Beifall. Zn einem angrenzenden Saale waren die Arbeiten der blinden Kinder ausgestellt. . Krag. Am 13. April hat, wie in diesem Blatte bereits gemeldet, auf Veranlaffung des ,Centralvereines für jüdische Angelegenheiten' eine Versammlung zahlreicher Gemeindevorsteher Böhmens stattgefunden, in welcher die Abfassung eines Normalstatutes auf Grupd des neuen' Gemeindegesetzes berathen wurde. Es ist bekannt, dass sn dem neuen- Gesetze der Wirkungskreis des Vorstandes erweitert und die Machtbefugnis desselben noch bedeutend erhöht wurde. Doch manchem Gemeinde-׳ despoten scheint dies noch nicht genug zu sein, wie dies aus einer Rede des Carlsbader Cultusvorsteher Moser erhellt. Mit Rücksicht auf jene Bestimmungen des Gesetzes, welche dahin gehen, dass das Gemeinde» statut die Art der Bestellung der Functionäre, sowie ihre Nsschte und Pflichten genau präcisiren müsse, ließ sich dieser Herr Vorsteher folgendermaßen verlauten: »Es ist vom Centralverein usiS ein Statut,- ein Musterstatut, zugeschickt worden. Dieses Musterstatut enthält sehr viel Gutes, es fehlt aber auch noch Manches, weshalb wir heute eigentlich hier versammelt sind, um es nach den Verhältnißen anzü-' paffen und die passenden §§. hinzuzufügen. Nun, meine Herren, nach» dem wir von Seite der hohen Negierung ein solch' liberales und׳ freiheitliches Gesetz erhielten, welches vom Reichsrath bewilligt, allerdiugs noch nicht sanctionirt ist, welches aber die volle Autonomie der Gemeinden wahren wird, nun möchte ich an Sie die Bitte richten,, meine Herren, dass wir in diese Statuten solche §§. aufnehmen, welche auch die Autonomie der Gemeinden voll und vollständig wahren und dass wir uns nicht selbst §§. hineingeben, die uns manchmal den Lebensnerv in vieler Beziehung unterbinden würden. Es ist .. daher dringend nothwendig, wenn wir überhaupt, was die Cultusgemeinde»׳ beamten anbelangt, gar keine Person nennen, sondern in dem betreffenden §. nur von Beamten der Cultnsgemeinden sprechen. Diese Beamtender Cultusgemeinde — sie können dann sein, wer sie wollen — haben sich vollständig den Statuten und Anordnungen des Vorstandes zu fügen, möge es der Rabbiner, möge es der Canlor, Lehrer oder sonst irgend ein anderer Beamter sein.. Wir wollen uns nicht binden, wie׳ viele Beamten oder wie wenige wir anstellen wollen in den Gemeinden^ Wenn wir aber im Vorhinein uns schon eine Richtschnur stellen, was der Rabbiner oder ein anderer Beamte für Fnnctionen auszufnhren hat, so haben wir natürlich dann kein Recht,, diese Bestimmungen, wenn wir sie später nicht in Ordnung finden, außer Acht zu lassen;- also ich denke, wenn wir solche Paragraphe aufnehmen, welche die Autonomie der Gemeinde vollständig wahren, und zwar ,in einer Weise wahren, dass kein Beamter irgend einen Einspruch über Beschlüsse des Vorstandes erheben kann, so glaube ich, ist damit schon etwas geschaffen.* — Zum Glück spricht das Gesetz diesbezüglich ganz klar und deutlich, und es wird den Herrschaften hoffentlich nicht gelingen, den geringen Schutz, der den Functionären gegen die Willkürlichkeiten der Gemeindepaschas gewährt wird, auch noch zu rauben.' . Oroß-Kauizfa. Die Lehranstalt der hiesigen Cultusgemeinde hat einen großen moralischen Erfolg zu verzeichnen, indem daS hohe Unterrichts-Ministerium dasselbe in den gleichen Rang zu einer vierclassigen öffentlichen Mittelschule stellte; ׳außerdem -ertheilte daS Ministerium die Bewilligung zur Errichtung einer höheren Handels- Mittelschule, bereu erster Jahrgang voraussichtlich mit dem Beginne des nächsten Schuljahres eröffnet wird. Magdeburg. Unter dem Schlagworte ,Oppenheimiana* wird wird der ,Magdeb. isr, Wochenschrift* Nachfolgendes berichtet: Der bekannte, vor etwa acht Zähren verstorbene Kölner Millionär Oppenheim zeichnete sich sehr durch seinen glücklichen Mutterwitz und treffende Antworten aus. Bekannt ist, dass Oppenheim einst in Jnterlaken einen Freund, der die lächerliche Eitelkeit besaß, für einen Adeligen gelten zn wollen und daher sich nur mit dem ersten Buchstaben seines Namens und einem folgenden de mit seinem Geburtsorte in die Fremdenbücher eintrug, dadurch verspottete, dass er unter besten Namen den seinigen ,£). de Colegne* (Oppenheim ans Köln*) setzte. Ein anderer Witz. Oppenheim's aber, den die ,Deutsche Romanzeitung" mittheilt, ist bisher nicht bekannt geworden. Oppenheim besuchte die Pariser Weltausstellung und wurde auch vom Kaiser Napoleon III.- zur Audienz befohlen. Scherzend fragte der Kaiser, wen er wohl mehr liebe, ihn, den Kaiser, oder sein Geld. ,Majestät', versetzte der witzige Kölner sogleich, ,ich liebe beide in einem Worte: Napoleond'or!' ILerlin. Das Stöcker'sche ,Volk' wird bekanntlich von einer Actiengesellschast herausgegeben, welche für dieses Blatt besonders gebildet wurde. Nunmehr ist nach der ,Volkszeitung* zum 30. Mai eine außerordentliche Generalversammlung zur Liquidation berufen worden. In. der Bilanz vom 30. December v. I. ist bei 'einem Actien-Capital von 60.000 Mark ein Verlust von 55.972 Mark aufgeführt. Die Aetionäre, welche den Hofprediger bei der Gründung des Blattes unterstützt haben, werden bei einer Auflösung des Geschäftes