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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-21 · Heft 15 (21.5.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 15 (21.5.1890)
Date
1890-05-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-von ihrem Gelbe wohl nichts wieder erhalten. Zum Aussichtsrath e ,der Gesellschaft gehören die bekannten Antisemiten Gerold und Rappo. Amsterdam. Der berühmte jüdische Violin-Virtuose Wieniawski besuchte vor einigen Jahren Amsterdam. Eines Abends sollte er in .einem Hause spielen und traf dort mit seinem Impresario ein. Der betreffende Salon war einer der exclusivften in Amsterdam, der Wirth protegirte eifrigst die alten Kasten- und conseffionellen Vorurtheile. Als nun der Wirtb den Begleiter WieniawSki's sah, umwölkte sich plötzlich sein Angesicht, welches bis dahin lauter Lächeln war, und er wünschte, dass der Impresario sich zurückziehe. Wieniawski nahm das als Beleidigung auf und fragte nach dem Grunde. ,Weil er ein Jude ist, und wir haben deren nie einen in unser Haus zugelassen', war die Antwort. ,In diesem Falle', entgegnete der Violinist, so laut er .konnte, ,müssen Sie mir erlauben, meinem Freunde zu folgen, denn ich bin auch ein Jude', — damit wandte er sich uud wollte gehen. Doch, der Hausherr, verwirrt und schamroth, bat ihn zu bleiben, und von diesem Abend ab war dieser aristokratische Salon allen verdienten jüdischen Künstlern geöffnet. Kamvurg. Der Feuilletonift eines hiesigen Blattes erzählt folgendes Originelle ans einer deutschen Hauptstadt. Dort war ein getaufter Jude gestorben und hatte im letzten Momente wohl einige .Skrupel empfunden, die ihn während des Lebens nicht beunruhigt hatten. Er ward, um mit Unei Aeosta zu reden, von dem Gedanken an ,Mamre's Terebinthen' mächtig ergriffen und verordnete in seinem ׳Testamente, er wolle bei seinen alten Glaubensgenossen auf dem jüdischen Friedhof bestattet werden. Aber das war nicht io einfach, wie der Tetastor meinte, denn in Geldsachen hört auch in Todesfällen .alle Gernüthlichkeit auf. Die Gemeinde verlangte von den Erben des wohlbegüterteu ,verlorenen Schafes',, das post festnm zum Hirten zurückkehren wollte, 2000 Mark für ein Plätzchen auf ihrem Friedhofe. Das schien den Erben zu viel. Ein witziger Gemeindeältefter meinte aber: ,Was? Zweitausend Mark, daS ist viel zu wenig, wenigstens 20.000 Mark .müssen wir fordern! Am Tage des jüngsten Gerichtes ruft der Erzengel mit der Posaune alle Inden zur Auferstehung; jener Abtrünnige aber hat, wie Sie wiffen, keinen Tbeil an dieser Feier, er bleibt ruhig liegen, und dann gehört ihm der ganze Friedhof allein! Nun bedenken Sie einmal, welch' ein Werth in dem Grundstück steckt, heute, wo alle Preise von Grund und Boden so gewaltig in die Höhe gehen!' Hostuö (Weftpr.) In unserem Nachbarstädchen Dobrczyn brach hie Decke der jüdischen Schule über den bereits darin versammelten Kindern zusammen. Mehrere Kinder kamen mit leichten Verletzungen davon, fünf waren mehrere Gliedmaßen gebrochen, und einen Knaben konnte man nur todt aus dem Schutte hervorziehen. Das Gestöhne der Kinder und das Weinen uud Geschrei der Eltern war Herzzerreißend. (Magdeb. Wochenschr.) /Maris. Man berichtet der ,Jüd. Presse' in Berlin: Die ״Societe des Etudes Juives“ bereitete den Notablen der Pariser Judenheit einen angenehmen Abend durch den Vortrag, den Herr Salomon Rainach vorgestern Abends über den ,Triumphbogen des Titus* gehalten hat. Der junge Gelehrte, aus dessen Feder schon manche gediegene archäologische und philologische Arbeit geflossen, ent» ledigte sich der Aufgabe, das Laienpubikum durch rein wissenschaftliche Auseinandersetzungen nicht nur nicht zu langweilen, sondern wie die Schlußsätze bewiesen, auch für das Judenthum zu entflammen, mit dem besten Erfolge. Die Vorlesung war von elektrischen Projektionen begleitet, welche den Plan des alten Atom, die Art der Triumphbogen überhaupt, den des Titus im Besonderen, in seiner geplanten, auSgeführten renovirten und gegenwärtigen Form, dann die in Reliefbildern bewahrten Andenken einstiger jüdischer Herrlichkeit und deren Unterjochnna, endlich das Bild des Kaisers Titus den Zuhörern auf einer weißen Tafel anschaulich machten. Hierdurch unterstützt, hat die Vorlesung größeren Enthusiasmus hervorgerufen, als man bei dem nicht nur trockenen, sondern auch — für uns Jeden wenigstens — peinlichen Gegenstände erwarten konnte. Wenngleich dem Herrn Vorleser, welcher, Couservateur des Museums zu St. Germain, als gediegener Gelehrter und formgewandter Schriftsteller einen wohlverdienten Ruf genießt, eine eingehendere Bekanntschaft mit der speciell jüdischen Vergangenheit fehlt, hat er doch -für die hohe Idee des Jndenthums eine Lanze eingelegt, indem er seinen Vortrag mit den Worten schloß: ,Und die Götter, denen TituS gedient uud geopfert, sind längst dahin, das mächtige Reich der Römer ist längst in Trümmer zerfallen, doch die Religion, deren Embleme den Triumphzug des Siegers verherrlichten, der Ge.st des Judenthums lebt heute noch, um für alle Ewigkeit zu leben!' Der Vorleser verfolgte die Wanderung unseres heiligen Leuchters, welcher, wie er mittheilte, von den Vandalen nach Carthago, von hier nach Coustantinopel uud dann nach Jerusalem zum Gebrauche in der sogenannten heiligen Grabeskirche gebracht wurde, wo derselbe während der Kriegsjahre — vielleicht beim Einfall der Perser — verschwand. Was mit den beiden silbernen Posaunen und dem goldenen Tisch, welche auf dem Triumphbogen zur Anschauung gebracht sind, geschehen ist, lässt sich ebensowenig ermitteln, wie die Frage zu lösen ist, wo die BnndeSlade, die ,Uriin und Tumim' und die anderen Geräthschaften, deS I. Tempels, sowie der noch in Nom gesehene Vorhang nnb das Slirnblech des Hohenpriesters des II. Tempels hingekommen sein mögen. Unter den Zuhörern, welche sich aus den hervorragendsten Mitgliedern der Gemeinde und der jüdischen Studentenschaft zusammensetzte, bemerkten wir außer den Herren Großrabbiner Zadoe Kahn, den Proffessoren Derenbnrg, Oppert re. die Mitglieder der Familie Leven, Banqnir Eduard Kohn und einen gewählten Kreis von Herren und Damen, und die Letzteren stimmten in den Applaus, den der Vortrag verdientermaßen fand, am Lebhaftesten ein. In Folge des in voriger Nr. erlassenen Aufrufes zur Unterstützung einer Cantorswittwe anläßlich der Verheirathung ihrer Tochter sind bisher nachfolgende Spenden eingelaufen: I. Singer, Wien 5 fl.; M. Nosenfeld, Pifek 1 fl.; I Schlesinger, Mislitz 2 kl.; Holzer, Mislitz l fl.; A. Kiämer, Freudenthal 1 fl.; I. Popper, Koljanowitz —50 kr.; D. Beutler, Auscha 1 fl.' נגינות ישראל ■ Unter obigem Titel ist eine Sammlung folgender Synagogen- ■ Gesänge erschienen: 1. לכה דודי (f־Dur), 2. לכד, דודי (d-Dur) 3- מכתם לדוד .5 .יגדל .4 יואני תפלתי- Der Preis der ganzen Sammlung ist für Gemeinden fl. 2.— ö. W., für Collegen blos fl. 1.50 und wird dieselbe gegen Voreinsendung des Betrages portofrei übermittelt. Ferner von dem Gefertigten zu beziehen: Naarizocll, Preis für Gemeinden fl. 1 ö. W., für Collegen 75 kr. Max Goldstern, Obercantor in Steinamanger. Hadras Kodeseh. Vier Tb eile in einem Bande für alle Functionen im cantoralen Leben. Chöre* Solls* Recitative etc., mit und ohne Begleitung der Orgel nehst Ritualvorschriften. Hebräische und deutsche Gebete, wie auch Sabbath- und Festbetrachtungen für nur 5 fl Ö. W. Dieses Werk ist sowohl für den Cantor der Grossgemeinde, als auch, für den Collegen der kleinsten Gemeinde mit Erfolg zu verwenden. Gegen Einsendung des Betrages oder Nachnahme zu beziehen von M. Tintner Cantor und Lehrer in Bunzlau, Preuss.-Schlesien. X X X X X X X X Wiens Erstes und grösstes Etablissement für Grabmoonmente Somraer <35 TTT’ex^Ig’er beim Central-Friedhof vis-a-vis der israelitischen Abtheilung und I. Lobkowitzplatz I. Lieferant d. Wr. isr. Cultusgem. Eigene Steinbrüche u. Dampfschleiferei i. Hötzelsdorf a/d. F. J.-B. N. 06

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