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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-05-21 · Heft 15 (21.5.1890) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 15 (21.5.1890)
Date
1890-05-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Satissaction zu bieten, obgleich wir es gewünscht hätten, dass er uns schärfere Waffen entgegenstellte, als es in Wirklichkeit geschieht. Zunächst erklären wir offen und wahrheitsgetreu, dass wir! mit den von ihm beanständeten Ausdrücken, wie: ,Aus dem Dunkel der Vergessenheit ziehen', ,Erzeugnis schriftstellerischer Thätigkeit' etc. keineswegs beabsichtigten, ihn irgendwie zu kränken und seiner Schriftstellerehre im Geringsten nahe zu treten. Das sind so Redensarten, die im gegnerischen Schriftwechsel häufig vorkommen und keinen andern Zweck haben, als den Gegner damit herauszufordern und das entschiedene Vorgehen des Opponenten hervorzuheben und zu kennzeichnen. Und in der Thar, wenn man die Ansicht Jemandens in einer wichtigen Sache nicht theilt und sie als mit der Wahrheit unvereinbar hält, so dass man sich deshalb veranlasst fühlt, ihr schroff entzegenzutreten und sie im Interesse dieser Sache zu widerlegen, dann kann man doch wahrlich dem Widersacher nicht lauter Angenehmes sagen und ihn mit puren Höflichkeiten überschütten. Was den Vorwurf der langen Verzögerung unserer Kritik anbetrifft, haben wir zu bemerken, dass wir kein verpflichteter Mitarbeiter dieser geschätzten Zeitschrift sind, um unablässig aus der Warte zu stehen und ängstlich darüber zu wachen, dass ja kein unreifer Gedanke, keine falsche Auslastung sich in ihre Spalten einschleiche, und sobald sich Derartiges aus der Oberfläche zeigen sollte, sofort bei der Hand zu sein und nach der Feder zu greifen, um den Mistethäter zurechtzuweisen. Das sind wir eben nicht! Wir arbeiten vielmehr ganz aus freien Stücken, und finden wir ein Thema zu besprechen, das von praktischem Nutzen für unseren Stand und Beruf, oder von wistenschaftlichem Werthe ist, so verarbeiten wir es ausführlich und allseitig und benützen dabei — soweit unsere Belesenheit reicht — alle Quellen, die sich darüber vorfinden, um sie entweder für uns zeugend oder uns widersprechend anzuführen. Hiebei befolgen wir gleichzeitig die Praxis von »״וביום פקדי, dass wir über uns nicht zusagende Artikel unser objectives Urtheil abgeben, und zwar nur dann, wenn wir die Veranlastung hiezu bei uns selbst finden — früher aber nicht. Die löbliche Nedaction wollen wir hier ganz außer dem Spielraum lasten, denn wir können dieselbe unmöglich für alle in ihren Blättern auftauchenden Ansichten und Meinungen verantwortlich machen oder gar sie mit ihnen identificiren. Sie gibt nur Veranlastung zum Austausch der Gedanken und gewährt Zedem, der nur einigermaßen richtig und keinen Unsinn schreibt, oder kein Aergernis unter den Lesern provozirt, hinlänglichen Raum, sich öffentlich auszusprechen und seine Ideen zu entwickeln. Sind die betreffenden Deductionen richtig, dann desto bester; wenn nicht, so stellt sich schon früher oder später Jemand ein, der die Sache richtig stellt und sie in's rechte Geleise bringt. Und nun zur Hauptsache! Also der werthe Versaster des bestrittenen Artikels hält noch immer an seinem, bei ihm bis zur Evidenz gediehenen Ausspruche, dass ״die Vorbeter in ältester Zeit keinen besonderen Stand bildeten, da sie zu diesem Amte keine besondere Befähigung brauchten." Nun aber geben wir ihm zu bedenken, dass dieser Satz an einem eclatanten Widerspruch leidet, der ihn vollständig in sich selbst zusammensallen lässt. Denn entweder gab es Vorbeter und mit ihnen auch einen Vorbeterftand, oder es gab keine, und so konnte auch kein Stand derselben existiren; wie aber jemals Vorbeter vorhanden sein können, ohne zusammen einen Stand zu bilden, das verstehen wir einfach nicht. Einen Stand bildet bekanntlich eine Menschenclasse, die Rechte und Pflichten rücksichtlich Anderer haben, Verbindlichkeiten unter sich pflegen und Fertigkeiten für ihr Fach besitzen. Und hatten die damaligen Vorbeter alles dieses, so bildeten sie einen Stand — wenn sie damals auch noch keine Fachzeitung Herausgaben — und wenn nicht, dann konnte auch Niemand auf den Namen Vorbeter Anspruch haben, denn wenn Jemand sich seinen Nock selbst flickt, kann er noch kein Schneider genannt werden. Also abgesehen davon, dass auf diese Weise das Gebet zu damaliger Zeit ohne bestimmte Leiter und Lenker desselben verwüstet und verödet dagelegen wäre, lässt sich das auch nicht recht logisch denken und mit der reinen Vernunft vereinbaren. Bezüglich der angeführten Quelle aus Rerochos 34, 1 spricht dort auch nicht das Mindeste dafür, dass mit dem ״Ower liphne hatewo“ der wirkliche, ständige Vorbeter gemeint ist. Im Gegentheil ist gerade aus dieser Stelle zu entnehmen, dass mit dieser Benennung immer nur von einem vorübergehenden, nichtamtlichen Vorbeter die Rede ist, der zufällig einmal mit diesem Amte, ohne dazu berufen zu sein, betraut wird. Denn da heißt es ebenfalls: ,Wenn Jemand einmal an das Betpult treten soll, (עובר לפני התיבה) dann soll er sich vorher noch ein wenig weigern und sich bitten lasten." Darauf sagt der ״Bes Joseph** im ״Tur orach chaim“ §53: ,Dies kann unmöglich auf den festangestellten Gemeindevorbeter Bezug haben, denn es wäre Unsinn, wenn er sich dazu noch bitten ließe, als ob er der Gemeinde, die ihn dafür nur eingesetzt hatte, nicht gehorchen wollte.' Der Tur selbst gibt an bezeichneter Stelle diesen Aus» spruch mit folgenden Worten wieder:״היורד לפני התיבה ואינו ש״ץ קבוא צריך לסרב'; dabei müssen wir aber bemerken, dass hier eine Verwechslung stattgefunden hat, und anstatt .״עובר, wie es auch im Originale des Talmud heißt, ,,יורד" gestellt wurde. Es kommt aber nicht darauf an, da Zeder, der an die Stelle des Vorbeters trat, hinsichtlich seines vormaligen, tieferen Standes so genannt werden konnte. Dass Rasch! und Tossephos an angegebener Stelle das ״Ower“ mit ש״ק übersetzen, haben wir leider dort nicht heraussinden können, sie sprechen wohl gelegentlich vom Letzteren, aber nicht in der Eigenschaft als Ower. Und was den Maimonides'schen Mischnacommentar an» betrifft, will er nur an jener Stelle uns verdeutlichen, warum man sich erst weigern soll, und wie es Vorkommen kann, dass Jemand, den man mit dem Vorbeten beauftragt, sich dagegen gar so sehr sträubt, und selbst an gewöhnlichen Tagen und bei einfachen Gebeten sich durchaus nicht dazu hergeben möchte; da sagt er eben, das kann wohl deshalb geschehen, weil der »O^er** den ״Scheliach Zibbur“ zu vertreten hat, und da fühlt sich nicht so leicht Einer dazu fähig. (Fortsetzung folgt.) . Aus Böhmen. .בשופר הרם קולך והנד לצבי פשעם ״Erhebe deine Stimme mit der Allgewalt des Schofars und halte meinem Volke seine Schuld vor", lesen wir in Jes. Cap. 58. Ich bin zwar weit entfernt, ein Jesaias sein zu wollen, trotzdem will ich meinen Collegen ihre Schuld, ihre Unter» lastungssünde Vorhalten. Jahraus jahrein lesen und hören wir Klagen über schlechte, kärgliche Besoldung für aufreibende Arbeit, über eine Besoldung, die zum Leben zu gering, zu viel, um Hungers zu sterben ist, über eine Behandlung, über eine soziale Stellung, wie sie etwa die Heloten Spartas oder die Parias der alten Völker sich gefallen lasten mussten, nicht aber Männer, die Jahre lange zu studieren, zu arbeiten hatten, zudem von der Vorsehung mit guten Anlagen bedacht sein müsten, die dann als Scheliach ZibhruHals Abgesandte, als Vertreter einer Gemeinde

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